Synonyme: das passende Wort statt des nächstbesten

Warum Synonyme kein Austausch sind

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 5. August 2026 · zum Akademie-Wissen

Ein Synonymwörterbuch liefert Wörter, die ungefähr dasselbe bedeuten. Im wissenschaftlichen Text reicht ungefähr nicht. Wer außerdem durch darüber hinaus ersetzt, verschiebt die Gewichtung zwischen zwei Argumenten. Wer wichtig durch entscheidend ersetzt, macht aus einer Einschätzung eine belegpflichtige Behauptung. Beide Sätze sind grammatisch korrekt, beide sagen etwas anderes. Diese Übersicht sammelt die Wörter, die in Hausarbeiten und Abschlussarbeiten am häufigsten ausgetauscht werden, und ordnet die Alternativen nach dem, was sie tatsächlich behaupten.

Die drei Fragen vor jedem Wortwechsel

Erstens: Was soll das Wort leisten? Verbindungswörter wie außerdem, zudem oder ferner stellen eine Beziehung zwischen zwei Aussagen her. Bewertende Wörter wie wichtig, zentral oder entscheidend behaupten eine Eigenschaft. Wer die Funktion nicht kennt, tauscht auf gut Glück und verschiebt dabei die Aussage.

Zweitens: Verändert das neue Wort die Stärke? Viele Synonyme sind keine Gleichungen, sondern Stufen. Relevant, bedeutsam, zentral und unerlässlich beschreiben dieselbe Richtung in wachsender Stärke. Eine Stufe zu hoch zu greifen ist der häufigste Fehler beim Überarbeiten, weil das stärkere Wort zunächst besser klingt.

Drittens: Braucht der Satz das Wort überhaupt? Oft ist die beste Alternative die Streichung. Ein Text, der ohne Verbindungswort auskommt, liest sich klarer als einer, in dem jeder Absatz mit zudem beginnt. Dasselbe gilt für bewertende Adjektive, siehe dazu Adjektive streichen.

Bearbeitete Wörter

  • außerdem: Verbindungswort, das Argumente anreiht. 18 Alternativen nach Nuance, dazu die Kommaregel.
  • wichtig: Bewertendes Adjektiv, das Bedeutung behauptet, ohne sie zu benennen. 16 präzisere Alternativen.
  • auch: Partikel mit drei Funktionen und einer Stellungsregel, die den Sinn verschiebt.
  • darstellen: Verb mit zwei getrennten Bedeutungen, abbilden und sein. Zwei Listen statt einer.
  • gut: Das haeufigste Bewertungswort und das inhaltsleerste. Alternativen nach Qualität, Wirkung und Eignung.
  • schön: Drei Bedeutungen von Aesthetik bis Verstaerker, dazu die Registerfalle in Sachtexten.
  • gerne: Bereitschaft, Vorliebe und Antwortformel, dazu die Frage gern oder gerne.
  • besonders: Verstaerken oder hervorheben: zwei Aufgaben, die oft verwechselt werden.
  • Interesse: Vier Bedeutungen mit je eigenen Alternativen, dazu Interesse an oder für.
  • toll: Alternativen nach Register, von umgangssprachlich bis formell.
  • freuen: Vorfreude oder Rueckblick, dazu die Regel freuen auf gegen freuen über.
  • aufgrund: Grundlage, Ursache oder Mittel, dazu die Genitivregel.
  • machen: Ein Verb für alles: Alternativen nach Handlung und die Funktionsverbgefuege.
  • Unterstützung: Persönliche Hilfe, Geld oder bloßer Rueckhalt sind drei verschiedene Aussagen.
  • zudem: Abgrenzung zu außerdem und die Verwechslung mit zumal, das begruendet.
  • Erfahrung: Einzelnes Erlebnis oder erworbenes Können, entschieden durch den Artikel.
  • Thema: Gegenstand, Fragestellung oder Stoff, und der Unterschied, an dem Exposes scheitern.
  • finden: Entdecken oder meinen: zwei Bedeutungen, und warum „ich finde“ kein Argument ist.
  • schnell: Tempo, Frist oder Reaktion, dazu unverzueglich als Rechtsbegriff.
  • interessant: Bewertet ohne Kriterium und ist in Rueckmeldungen oft eine hoefliche Absage.
  • Aspekt: Blickwinkel oder Teilbereich, dazu die Fuegung unter dem Aspekt.
  • Ziel: Ziel, Zweck und Absicht sind drei verschiedene Aussagen.
  • stark: Kraft, Ausmass oder Qualität, dazu die Schwellenwerte in der Statistik.
  • durchführen: Verdeckt meist ein genaueres Verb: eine Befragung durchführen heißt befragen.
  • erfolgreich: Behauptet Zielerreichung, ohne das Ziel zu nennen.
  • jedoch: Einschraenken oder entgegensetzen, dazu Stellung und Kommaregel.
  • Entwicklung: Klingt neutral, meint aber meist eine Richtung.
  • stattfinden: Termine und Vorgaenge, dazu die Falle stattfinden gegen statt finden.
  • Möglichkeit: Gelegenheit, Auswahl oder Befugnis, dazu die Kuerzung von „die Möglichkeit haben zu“.
  • insbesondere: Setzt eine zuvor genannte Menge voraus, dazu die Kommaregel und die Rolle in Vertraegen.
  • anschließend: Abfolge ist nicht Folge: anschließend gegen daraufhin.
  • Herausforderung: Beschoenigt ein Problem und verschiebt die Verantwortung.
  • weiterhin: Fortdauer oder Ergaenzung, zwei Bedeutungen im selben Wort.
  • wahrnehmen: Bemerken, einen Termin nutzen oder ein Amt ausueben.
  • Tätigkeit: Aufgabe, Beschaeftigung oder Beruf, dazu Lebenslauf und Zeugnis.
  • danach: Zeitfolge oder Bezugnahme, dazu die Abgrenzung zu demnach.
  • zeigen: Die Stufenleiter der Beweiskraft von andeuten bis nachweisen.
  • sowie: Anreihend oder zeitlich, dazu die Kommaregel in Aufzaehlungen.
  • dabei: Begleitend, einschraenkend oder bezugnehmend: drei Aufgaben in einem Wort.
  • Wissen: Kenntnis, Bildung oder Gewissheit, dazu wissen gegen kennen.
  • dann: Zeitpunkt, Reihenfolge oder Bedingung, dazu die Wenn-dann-Kommaregel.
  • Fokus: Schwerpunkt oder Brennpunkt, dazu die Herkunft aus der Optik.
  • kennenlernen: Personen und Sachen brauchen verschiedene Woerter, dazu die Schreibung.
  • Fehler: Irrtum, Versehen oder Mangel: Mangel ist ein Rechtsbegriff, Fehler nicht.
  • Aufgabe: Pflicht, Auftrag oder Übung, dazu die zweite Bedeutung des Aufgebens.
  • groß: Ausmass, Bedeutung oder Alter, dazu Steigerung und Grossschreibung.
  • Leidenschaft: Begeisterung oder Hingabe, dazu die Herkunft aus dem Leiden.
  • trotzdem: Hauptsatz oder Nebensatz: trotzdem gegen obwohl.
  • Ergebnis: Gemessen oder geschlossen: Ergebnis gegen Erkenntnis.
  • Bereich: Gebiet, Zustaendigkeit oder Zahlenraum, dazu die Floskel im Bereich.
  • zusätzlich: Ergaenzung ist nicht Anreihung, dazu die Rektion mit zu.
  • zunächst: Erster Schritt oder vorlaeufiger Zustand.

Die Übersicht wächst schrittweise. Jede Seite ist einzeln geschrieben, weil sich die Nuancen eines Verbindungsworts nicht auf ein Adjektiv übertragen lassen.

Register: gehoben, neutral, umgangssprachlich

Der zweite große Fehlgriff nach der Stärke ist das Register. Viele Synonympaare unterscheiden sich nicht in der Bedeutung, sondern in der Stilebene, und ein einzelnes gehobenes Wort in einem sonst neutralen Text fällt stärker auf als eine Wiederholung. Überdies, gleichwohl, mithin und sonach sind korrektes Deutsch, wirken in einer Bachelorarbeit aber schnell wie aus einem Gesetzestext übernommen. Umgekehrt ziehen obendrein, halt und eben den Text ins Mündliche.

Die verlässliche Probe ist die Umgebung: Lesen Sie den ganzen Absatz, nicht den einzelnen Satz. Passt das neue Wort zu den drei Sätzen davor und danach, stimmt das Register. Klingt es an dieser einen Stelle besonders, ist es meist zu hoch gegriffen. Wissenschaftliche Texte tragen ein neutrales, sachliches Register, das über die gesamte Arbeit gleich bleibt; die Regeln dazu stehen unter wissenschaftliches Schreiben.

Wo Synonyme nichts verbessern

Es gibt drei Fälle, in denen die Suche nach einem anderen Wort in die Irre führt. Der erste sind Fachbegriffe. Wer in einer Arbeit abwechselnd von Stichprobe, Sample und Auswahl schreibt, erzeugt den Eindruck, es seien drei verschiedene Dinge gemeint. Terminologie bleibt konstant, auch wenn sie sich wiederholt.

Der zweite Fall sind Wortpaare, die keine Synonyme sind, obwohl sie so verwendet werden: scheinbar und anscheinend, effektiv und effizient, Ursache und Grund. Hier ist der vermeintliche Austausch ein inhaltlicher Fehler, kein Stilfehler. Der dritte Fall ist die Zitatwiedergabe: In einem direkten Zitat wird kein Wort ersetzt, auch kein wiederholtes. Wie mit Auslassungen und Anpassungen in Zitaten umzugehen ist, steht unter Zitierweisen.

Synonyme und Wortbedeutungen

Eine Synonymseite beantwortet die Frage, welches andere Wort hier passt. Eine Bedeutungsseite beantwortet, was ein Wort überhaupt heißt. Beides greift ineinander: Wer wissen will, ob essenziell die richtige Steigerung von wichtig ist, braucht zuerst die Bedeutung. Die entsprechenden Erklärungen stehen unter Wortbedeutungen und Abkürzungen, darunter essenziell, elementar und explizit.

Für die Gegenrichtung, also die bewusste Abweichung vom neutralen Ausdruck, ist die Stilmittel-Übersicht zuständig. Dort geht es nicht um das passendere, sondern um das wirkungsvollere Wort.

Häufungen finden

Der praktische Anlass für die Suche nach einem Synonym ist fast immer eine Wiederholung. Ein einfacher Weg, sie zu finden: Suchen Sie im fertigen Text nach den fünf Wörtern, die Sie beim Schreiben am liebsten benutzen. Erscheint eines davon mehr als zweimal auf einer Seite, lohnt der Blick. Häufig ist dann nicht das Wort das Problem, sondern ein Absatz ohne erkennbare Ordnung. Welche Wörter sich besonders häufen, zeigt unsere Füllwörterliste für wissenschaftliche Arbeiten.

Wenn Sie den Text nicht selbst durchgehen möchten, übernimmt das unser Lektorat: Wortwiederholungen, unpassende Nuancen und überzogene Steigerungen gehören zu den Punkten, die dabei standardmäßig geprüft werden.

Was ist ein Synonym?

Ein Synonym ist ein Wort mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung. Vollständige Gleichheit ist selten: Meist unterscheiden sich Synonyme in Stilebene, Stärke oder in der Beziehung, die sie zwischen zwei Aussagen herstellen.

Sind Synonyme in wissenschaftlichen Arbeiten erwünscht?

Für Verbindungswörter und bewertende Adjektive ja, für Fachbegriffe nein. Ein Fachbegriff sollte im gesamten Text gleich lauten, sonst entsteht der Eindruck, es seien zwei verschiedene Dinge gemeint. Abwechslung im Wortschatz gehört in den Fließtext, nicht in die Terminologie.

Wie finde ich das passende Synonym?

Nicht über die Bedeutung allein, sondern über die Funktion im Satz. Fragen Sie zuerst, was das Wort leisten soll, dann ob die Alternative dieselbe Stärke hat, und zuletzt, ob der Satz das Wort überhaupt braucht.

Was fasst „Synonyme: das passende Wort statt des nächstbesten“ zusammen?

In „Synonyme: das passende Wort statt des nächstbesten“ werden die zentralen Punkte gebündelt.

Unsere Partner