Studiengänge: alle Fächer und die Wahl des richtigen Studiums
Fachspezifische Anforderungen statt allgemeiner Schreibtipps
Was in einer Bachelorarbeit gut ist, entscheidet dein Fach. Eine Germanistik-Arbeit wird an der Belegdichte gemessen, eine Physik-Arbeit an der Fehlerrechnung, eine Pflege-Arbeit an der Fallanalyse. Diese Übersicht führt zu den Fach-Hubs mit den jeweils geltenden Konventionen und zu den Seiten, die bei der Studienwahl helfen.
Sprach- und Geisteswissenschaften
Sprach- und geisteswissenschaftliche Arbeiten leben von der Auseinandersetzung mit Texten. Bewertet wird weniger, ob du das richtige Ergebnis hast, sondern ob deine Deutung am Material belegt ist. Entsprechend streng sind die Anforderungen an Zitate, Belegstellen und die saubere Trennung zwischen Referat und eigener Argumentation.
Germanistik
Literatur, Linguistik und Fachdidaktik, 1 Seiten
Anglistik
Englische Literatur und Sprachwissenschaft, 4 Seiten
Geschichte
Quellenarbeit und Epochen, 2 Seiten
Philosophie
Argumentation und Textinterpretation, 1 Seiten
Kunstgeschichte
Werkanalyse und Bildbeschreibung, 2 Seiten
Theologie
Exegese und Kirchengeschichte, 2 Seiten
Sozial- und Bildungswissenschaften
In den Sozial- und Bildungswissenschaften mischen sich Theorie und Praxis. Fast jede Arbeit verbindet einen theoretischen Rahmen mit eigenen Beobachtungen, Interviews oder Praxisberichten. Die häufigste Schwachstelle ist der Übergang zwischen beidem: Theorie und Empirie stehen nebeneinander, statt aufeinander bezogen zu sein.
Pädagogik
Erziehungswissenschaft und Praxisberichte, 7 Seiten
Lehramt
Staatsexamen, Referendariat und Unterrichtsentwürfe, 9 Seiten
Soziale Arbeit
Fallarbeit und Praxisforschung, 4 Seiten
Soziologie
Theorien und empirische Studien, 1 Seiten
Politikwissenschaft
Systemvergleich und Politikfeldanalyse, 2 Seiten
Natur-, Lebens- und Gesundheitswissenschaften
Naturwissenschaftliche und medizinische Fächer schreiben knapper und formalisierter. Der Text folgt oft strikt dem Aufbau Einleitung, Material und Methoden, Ergebnisse, Diskussion. Sprachlich fällt hier vor allem auf, wenn Zeitformen springen oder wenn in den Ergebnissen schon interpretiert wird, was erst in die Diskussion gehört.
Biologie
Labor, Feldarbeit und Auswertung, 17 Seiten
Chemie
Versuchsprotokolle und Syntheseberichte, 2 Seiten
Physik
Messreihen und Fehlerrechnung, 1 Seiten
Mathematik
Beweise und formale Notation, 1 Seiten
Pflege
Pflegewissenschaft und Fallanalysen, 6 Seiten
Technik, Wirtschaft und Informatik
Technische und wirtschaftliche Fächer arbeiten mit Modellen, Kennzahlen und Code. Der typische Fehler ist nicht sprachlich, sondern strukturell: Ein Modell wird angewendet, ohne dass begründet wird, warum gerade dieses. Dazu kommen uneinheitliche Fachbegriffe, sobald englische und deutsche Terminologie gemischt werden.
Informatik
Implementierung, Evaluation und Doku, 4 Seiten
Wirtschaftsinformatik
Prozesse zwischen IT und Betriebswirtschaft, 1 Seiten
BWL-Modelle
Analysewerkzeuge für Fallstudien, 19 Seiten
Statistik und SPSS
Auswertung für alle empirischen Fächer, 32 Seiten
Studienwahl und Orientierung
Wenn die Fachwahl noch offen ist oder du über einen Wechsel nachdenkst, helfen diese Seiten bei der Einordnung. Sie ersetzen keine Studienberatung, geben aber die Kriterien an die Hand, nach denen sich Studiengänge sinnvoll vergleichen lassen.
Studiengang wählen
Systematisch vom Interesse zum passenden Fach
Schwerste Studiengänge
Wo Abbruchquoten und Aufwand am höchsten sind
Hochschulranking
Was Rankings aussagen und was nicht
Orientierungstests
Welcher Test wirklich weiterhilft
Hochschulen und Universitäten
Die Hochschullandschaft im Überblick
Fernhochschulen
Studieren ohne festen Campus
Wenn dein Thema zwischen zwei Fächern liegt
Immer mehr Arbeiten sitzen zwischen den Stühlen: eine Studie zu digitaler Lehre gehört halb in die Pädagogik und halb in die Informatik, eine Analyse von Gesundheitskommunikation halb in die Pflege und halb in die Sprachwissenschaft. Bewertet wird sie trotzdem von einem Lehrstuhl, und der erwartet seine Konventionen.
Die praktische Regel lautet deshalb: Die Zitierweise und der Aufbau richten sich nach dem Fach, in dem du eingeschrieben bist und das die Note vergibt. Das zweite Fach steuert Literatur und Fachbegriffe bei, nicht die Form. Wer beide Formate mischt, produziert genau die Uneinheitlichkeit, die in Gutachten zuerst auffällt.
Bei der Fachterminologie lohnt sich eine kurze Liste am Textrand: Welcher Begriff wird in welcher Bedeutung verwendet, wenn beide Disziplinen dasselbe Wort unterschiedlich benutzen. Modell, Evaluation und Intervention meinen in der Informatik etwas anderes als in der Pädagogik. Genau solche Doppelbelegungen markieren wir im Lektorat, statt sie stillschweigend zu vereinheitlichen.
Was Fächer beim Schreiben wirklich unterscheidet
Die Unterschiede zwischen den Fächern betreffen vor allem drei Dinge. Erstens die Belegkultur: In den Geisteswissenschaften wird nahezu jede Aussage belegt, in technischen Fächern reicht oft ein Verweis auf die Norm oder die Bibliothek. Zweitens die Zitierweise: Deutsche Fußnotenzitation, APA und IEEE führen zu völlig unterschiedlichen Textbildern, und Mischformen fallen sofort auf.
Drittens die Rolle der eigenen Stimme. In einer Interpretation ist die eigene Deutung das Ziel, in einem Laborbericht stört sie. Wer aus der Schule kommt, überträgt oft den essayistischen Ton in ein Fach, das nüchterne Protokolle erwartet, oder umgekehrt.
Für das Lektorat heißt das: Wir korrigieren nicht gegen eine allgemeine Norm, sondern gegen die Konvention deines Fachs. Deshalb ist die Angabe des Studiengangs bei der Bestellung mehr als Statistik, sie entscheidet darüber, wer den Text bearbeitet.