Zeigen Synonym: die Stufenleiter der Beweiskraft
Andeuten, nahelegen, belegen, nachweisen
Zeigen steht in wissenschaftlichen Texten in fast jedem Ergebnissatz, und die Wahl des Verbs entscheidet über die Reichweite der Behauptung. Zwischen „die Daten deuten an“ und „die Daten beweisen“ liegen mehrere Stufen, und Gutachten prüfen genau, ob die gewählte Stufe zur Datenlage passt. Ein Synonym ist hier also keine Stilfrage, sondern eine inhaltliche Entscheidung.
Die Stufenleiter
Schwach: andeuten, nahelegen, hindeuten auf. Diese Gruppe passt bei kleinen Stichproben, explorativen Auswertungen und Zusammenhängen ohne Signifikanz. Sie behauptet nichts, sondern weist in eine Richtung. Mittel: zeigen, darlegen, aufzeigen, verdeutlichen. Zeigen selbst ist die neutrale Mitte und in den meisten Ergebnissätzen richtig. Darlegen bezieht sich auf eine Argumentation, nicht auf Daten, und gehört deshalb eher in die Diskussion. Stark: belegen, nachweisen, beweisen. Beweisen ist in empirischen Fächern kaum je angemessen, weil Empirie nicht beweist, sondern stützt oder widerlegt. In der Mathematik ist es dagegen der korrekte Ausdruck.Wer zeigt: Daten oder Autorin
Im Deutschen können sowohl die Daten als auch die Verfasserin Subjekt sein: „Die Auswertung zeigt, dass ...“ oder „Wir zeigen, dass ...“. Beide Formen sind zulässig, sagen aber Verschiedenes. Die erste schreibt die Aussage den Daten zu, die zweite der Argumentation.
In Ergebnisteilen ist die erste Form üblich, in Diskussion und Fazit die zweite. Wer beide vermischt, erzeugt Unklarheit darüber, was gemessen und was geschlossen wurde. Verwandt ist die Unterscheidung auf der Seite zu finden.
Grammatik und Rektion
Zeigen ist regelmäßig: zeigen, zeigte, gezeigt. Es steht mit Akkusativobjekt („etwas zeigen“), mit Dativ und Akkusativ („jemandem etwas zeigen“) oder mit dass-Satz. Reflexiv bedeutet es sich herausstellen: „Es zeigte sich, dass ...“
Die reflexive Form ist in Ergebnisteilen besonders nützlich, weil sie ohne handelndes Subjekt auskommt und trotzdem nicht passivisch klingt. Sie ist damit eine Alternative zum unpersönlichen Passiv, das in vielen Fächern als schwerfällig gilt.
Aufzeigen ist nicht zeigen
Aufzeigen bedeutet, etwas sichtbar oder bewusst zu machen, das bisher übersehen wurde. Es ist damit stärker als zeigen und setzt voraus, dass etwas verborgen war. In Verwaltungs- und Beratungstexten wird es inflationär verwendet, wo schlicht zeigen gemeint ist.
Ein häufiger Fehler ist die Verbindung mit einem dass-Satz: „Die Studie zeigt auf, dass ...“ ist möglich, wirkt aber schwerfällig. Üblicher ist aufzeigen mit einem Substantiv: Möglichkeiten aufzeigen, Grenzen aufzeigen.
In Abbildungsverweisen
Bei Verweisen auf Grafiken hat sich eine feste Form durchgesetzt: „Abbildung 3 zeigt den Verlauf.“ Hier ist zeigen richtig und nicht zu ersetzen, weil die Abbildung tatsächlich nur darstellt und nichts behauptet.
Zu vermeiden ist die Doppelung von Verweis und Aussage: „Abbildung 3 zeigt, dass der Wert steigt, wie in Abbildung 3 zu sehen ist.“ Ein Verweis genügt. Die Alternativen für die Darstellung selbst stehen auf der Seite zu darstellen. Alle bearbeiteten Wörter stehen in der Übersicht Synonyme.
Im Englischen deckt show einen weiteren Bereich ab als das deutsche zeigen und wird in Fachtexten routinemaessig für Ergebnisse verwendet. Die wortgetreue Übersetzung führt deshalb dazu, dass deutsche Arbeiten stärker behaupten, als das Original meinte. Wer uebersetzt, sollte die Stufenleiter neu wählen statt das Wort zu uebernehmen.
Zu unterscheiden ist zeigen schließlich von darstellen und abbilden. Darstellen bezieht sich auf die Form der Wiedergabe, abbilden auf eine graphische Entsprechung, zeigen auf das Sichtbarmachen eines Sachverhalts. Eine Tabelle bildet Werte ab, stellt sie dar und zeigt einen Zusammenhang: drei Verben für drei Ebenen desselben Objekts.
In Diskussionsteilen ist die Wortwahl besonders folgenreich, weil dort aus Ergebnissen Schlüsse werden. „Die Daten zeigen einen Zusammenhang“ ist eine Beobachtung, „die Daten zeigen, dass A B verursacht“ eine Kausalbehauptung. Zwischen beiden liegt ein Untersuchungsdesign, das die Behauptung tragen muss. Wer das Verb unveraendert laesst und nur den Nebensatz erweitert, behauptet unbemerkt mehr.
Für den umgekehrten Fall, also das Fehlen eines Befunds, gibt es eine eigene Regel: Ein nicht gefundener Zusammenhang ist nicht dasselbe wie ein nachgewiesenes Fehlen. „Die Auswertung zeigte keinen Zusammenhang“ ist korrekt, „die Auswertung zeigte, dass kein Zusammenhang besteht“ dagegen meist zu stark. Diese Unterscheidung gehört zu den häufigsten Anmerkungen in Gutachten.
Was ist ein Synonym für zeigen?
Je nach Beweiskraft: andeuten oder nahelegen bei schwacher Datenlage, zeigen oder verdeutlichen im Normalfall, belegen oder nachweisen bei starker Evidenz. Beweisen ist in empirischen Fächern selten angemessen.
Darf man in einer Arbeit beweisen schreiben?
In der Mathematik ja, in empirischen Fächern kaum. Empirie stützt oder widerlegt Annahmen, sie beweist sie nicht. Belegen oder nachweisen sind die angemessenen Ausdrücke.
Was ist der Unterschied zwischen zeigen und aufzeigen?
Aufzeigen setzt voraus, dass etwas bisher verborgen oder übersehen war, und ist damit die stärkere Behauptung. Wo einfach etwas dargestellt wird, genügt zeigen.