Wissen Synonym: Kenntnis, Bildung oder Gewissheit

Und der Unterschied zwischen wissen und kennen

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 5. August 2026 · alle Synonyme

Wissen ist als Substantiv ein Sammelbegriff und als Verb ein Wort mit einer Regel, die viele Sprachen nicht kennen: Im Deutschen wird zwischen wissen und kennen unterschieden. Man weiß, dass etwas der Fall ist, und man kennt eine Person oder eine Sache. Wer aus dem Englischen übersetzt, wo know beides abdeckt, verwechselt die beiden regelmäßig. Als Substantiv sortieren sich die Alternativen danach, ob Einzelkenntnisse, Bildung oder Gewissheit gemeint sind.

Wissen oder kennen

Wissen bezieht sich auf Sachverhalte und steht mit dass-Satz, Fragewort oder es: „Ich weiß, dass die Frist endet“, „Ich weiß, wann sie endet“, „Ich weiß es“. Kennen bezieht sich auf Personen, Orte und Dinge und steht mit Akkusativobjekt: „Ich kenne die Regel“, „Ich kenne sie“.

Die Probe: Lässt sich ein dass-Satz anschließen, gehört wissen hin. Steht ein einfaches Objekt da, gehört kennen hin. „Ich weiß die Regel“ ist möglich, aber selten und klingt nach auswendig gelernt; „Ich kenne die Regel“ ist die übliche Form.

Im Englischen deckt know beides ab, im Französischen und Spanischen gibt es dieselbe Trennung wie im Deutschen (savoir und connaître, saber und conocer). Für Deutschlernende ist die Unterscheidung deshalb je nach Muttersprache leicht oder schwer.

Alternativen für das Substantiv

Für Einzelkenntnisse passen Kenntnis, Kenntnisse und Know-how. Der Plural Kenntnisse ist in Lebensläufen die übliche Form, weil er sich aufzählen lässt: Sprachkenntnisse, EDV-Kenntnisse.

Für Bildung im weiteren Sinn stehen Bildung, Gelehrsamkeit und Sachverstand bereit. Gelehrsamkeit ist gehoben bis ironisch, Sachverstand bezieht sich auf ein bestimmtes Gebiet und ist in Gutachten der übliche Ausdruck.

Für Gewissheit passen Gewissheit, Sicherheit und Überzeugung. Diese Gruppe beschreibt keinen Inhalt, sondern einen Zustand, und ist damit in Wissensdefinitionen der Erkenntnistheorie zentral.

Wissen in wissenschaftlichen Texten

In der Erkenntnistheorie ist Wissen klassisch definiert als wahre, begründete Überzeugung. Diese Dreiteilung ist seit der Antike Gegenstand der Diskussion und wurde im 20. Jahrhundert durch Gegenbeispiele erschüttert. Wer den Begriff in einer Arbeit zentral verwendet, sollte ihn deshalb festlegen.

In empirischen Arbeiten ist Wissen dagegen häufig eine Variable, die gemessen wird, etwa durch Wissenstests. Dort ist der Begriff operational definiert und nicht durch Kenntnis ersetzbar, weil das Messinstrument die Definition mitbringt.

Grammatik: ein unregelmäßiges Verb

Wissen ist ein Präteritopräsens: Die Gegenwartsformen sehen aus wie alte Vergangenheitsformen. Deshalb heißt es „ich weiß“ ohne Endung und nicht „ich weiße“. Die Formen lauten ich weiß, du weißt, er weiß, wir wissen. Das Präteritum lautet ich wusste, das Partizip gewusst.

Der Konjunktiv II lautet wüsste, mit Umlaut. Häufig falsch ist „ich würde wissen“, das umständlich wirkt, wo die einfache Form zur Verfügung steht. Zu unterscheiden ist außerdem weiß als Farbadjektiv, das anders gebeugt wird und mit dem Verb nichts zu tun hat.

Feste Wendungen

Nicht ersetzt werden feste Fügungen: meines Wissens, nach bestem Wissen und Gewissen, wissen lassen, Bescheid wissen. Die Abkürzung von meines Wissens lautet m. W. mit Punkten und ist in Gutachten üblich.

„Meines Wissens nach“ ist eine verbreitete Doppelung: Der Genitiv meines Wissens leistet bereits, was nach ausdrücken soll. Korrekt sind entweder meines Wissens oder nach meinem Wissen, nicht beides zusammen.

In Bewerbung und Zeugnis

Im Lebenslauf ist Kenntnisse der übliche Begriff, nicht Wissen. Der Grund ist praktisch: Kenntnisse lassen sich benennen und stufen, Wissen nicht. „Gute Kenntnisse in SPSS“ ist überprüfbar, „Wissen über SPSS“ nicht.

Im Arbeitszeugnis ist die Formulierung „verfügt über umfassendes Fachwissen“ Teil des Bewertungscodes und entspricht einer guten Note. Wie bei allen Zeugnisformeln ist die Wortwahl dort nicht frei, weil sie als Stufe gelesen wird. Alle bearbeiteten Wörter stehen in der Übersicht Synonyme.

Zu unterscheiden ist Wissen schließlich von Information und Daten. Daten sind unverarbeitete Werte, Informationen sind eingeordnete Daten, Wissen ist verknuepfte und anwendbare Information. Diese Stufenfolge ist in der Wirtschaftsinformatik etabliert und wird in Arbeiten regelmäßig durcheinandergebracht, obwohl sie den Aufbau vieler Kapitel traegt.

Im Plural ist Wissen ungebraeuchlich: Es heißt nicht die Wissen, sondern die Kenntnisse oder die Wissensbestaende. Diese Lücke im Formensystem ist der Grund, warum in Lebenslaeufen und Anforderungsprofilen fast immer Kenntnisse steht, obwohl inhaltlich Wissen gemeint ist.

In der Didaktik ist die Unterscheidung zwischen traegem und anwendbarem Wissen etabliert: Traeges Wissen ist abrufbar, aber nicht uebertragbar. Diese Unterscheidung erklärt, warum Wissenstests und Kompetenztests verschiedene Dinge messen, und ist in paedagogischen Arbeiten der uebliche Ausgangspunkt.

In Wissensmanagement und Organisationslehre ist zwischen explizitem und implizitem Wissen zu trennen. Explizites Wissen laesst sich aufschreiben, implizites steckt in Erfahrung und Routine und geht beim Ausscheiden von Beschaeftigten verloren. Diese Unterscheidung ist der Kern vieler Arbeiten zum Thema und sollte nicht durch Kenntnis ersetzt werden.

Die Redewendung „Wissen ist Macht“ geht auf Francis Bacon zurück und wird in Arbeiten häufig als Einstieg zitiert. Als Eroeffnung ist sie inzwischen so abgenutzt, dass sie eher gegen die Arbeit spricht: Ein Einstieg sollte zeigen, was an der eigenen Frage offen ist, nicht ein Sprichwort wiederholen.

Was ist der Unterschied zwischen wissen und kennen?

Wissen bezieht sich auf Sachverhalte und steht mit dass-Satz oder Fragewort, kennen auf Personen, Orte und Dinge mit einfachem Objekt. „Ich weiß, dass die Regel gilt“ gegen „Ich kenne die Regel“.

Heißt es ich weiß oder ich weiße?

Ich weiß, ohne Endung. Wissen ist ein Präteritopräsens: Die Gegenwartsformen sehen aus wie alte Vergangenheitsformen. Weiße ist die gebeugte Form des Farbadjektivs.

Ist „meines Wissens nach“ korrekt?

Nein, das ist eine Doppelung. Der Genitiv meines Wissens leistet bereits, was nach ausdrücken soll. Richtig sind meines Wissens oder nach meinem Wissen.

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