Verben: Definition, Arten, Formen und Beispiele

Tätigkeitswörter bilden das grammatische Zentrum des Satzes

Lesezeit ca. 11 Min. · aktualisiert: 3. August 2026 · zur Akademie

Verben bezeichnen Handlungen, Vorgänge und Zustände. Sie werden nach Person, Numerus, Zeit, Modus und Genus Verbi verändert und bestimmen, welche Ergänzungen ein Satz braucht. An Beispielen wie lernen, einschlafen und sein erkennst du die verschiedenen Bedeutungsgruppen. Danach lernst du finite Formen, Infinitive, Partizipien und wichtige Verbarten kennen.

Was sind Verben?

Verben sind Wörter wie schreiben, wachsen, bleiben und sein. Die Schulbezeichnungen Tätigkeitswort oder Tu-Wort erfassen nur einen Teil, denn nicht jedes Verb bezeichnet eine bewusst ausgeführte Tätigkeit. Regnen ist ein Vorgang, liegen ein Zustand.

Im Aussagesatz bildet die finite Verbform den Kern des Prädikats. Sie passt zum Subjekt: Ich lerne. Die Gruppe lernt. Die Studierenden lernen. Das Verb kann außerdem Ergänzungen verlangen. Lesen kann ein Akkusativobjekt bei sich haben, helfen verlangt typischerweise einen Dativ.

Der Infinitiv ist die Grundform und endet im Deutschen meistens auf -en oder -n: prüfen, sammeln, wandern. Im Wörterbuch werden Verben unter dieser Form aufgeführt. Für einen vollständigen Satz muss das Verb meist konjugiert werden.

Handlung, Vorgang oder Zustand

Tätigkeitsverben beschreiben eine aktive Handlung, etwa rechnen, öffnen oder diskutieren. Vorgangsverben bezeichnen eine Veränderung oder ein Geschehen, etwa einschlafen, schmelzen oder entstehen. Zustandsverben benennen eine bestehende Lage, etwa wohnen, kennen, liegen oder besitzen.

Die Einteilung hängt von der konkreten Bedeutung ab. Die Gruppe steht im Flur beschreibt einen Zustand. Die Gruppe stellt die Stühle in den Flur bezeichnet eine Handlung und enthält ein anderes Verb. Vorsilbe, Stamm und Satzbau können die Bedeutung deutlich verändern.

Diese Bedeutungsgruppen helfen beim Verstehen, bestimmen aber nicht allein die Grammatik. Für Zeitform, Hilfsverb und Ergänzungen musst du die Eigenschaften des einzelnen Verbs prüfen. Ein Zustandsverb kann genauso konjugiert werden wie ein Tätigkeitsverb.

Verben: Tätigkeit, Vorgang und Zustand
Verben: Definition, Arten, Formen und Beispiele im Überblick.

Finite und infinite Formen

Eine finite Form ist nach Person und Numerus bestimmt. Du schreibst enthält die zweite Person Singular, wir schreiben die erste Person Plural. Zusätzlich trägt die Form Informationen zu Zeit und Modus. Schriebst steht im Präteritum, schreibest kann Konjunktiv I sein.

Infinite Formen sind nicht an eine Person gebunden. Dazu gehören der Infinitiv schreiben, das Partizip I schreibend und das Partizip II geschrieben. Sie können allein keinen normalen Aussagesatz mit einem Subjekt bilden. In zusammengesetzten Formen treten sie mit einem finiten Hilfsverb auf: Sie hat geschrieben.

Ein Satz kann mehrere Verbteile enthalten, aber nur eine finite Form pro einfachem Teilsatz. In Sie wird den Text geprüft haben ist wird finit. Geprüft und haben sind infinite Bestandteile des Prädikats.

Nach Person, Zeit und Modus konjugieren

Konjugation bedeutet, ein Verb grammatisch zu verändern. Person und Numerus richten sich nach dem Subjekt. Die Zeitform ordnet das Geschehen ein. Der Modus unterscheidet Wirklichkeitsform, Möglichkeitsformen und Aufforderung: Indikativ, Konjunktiv und Imperativ.

Im Präsens lautet eine Reihe zum Beispiel ich lerne, du lernst, er lernt, wir lernen, ihr lernt, sie lernen. Im Präteritum heißt es ich lernte. Perfekt und Plusquamperfekt bestehen aus einem Hilfsverb und dem Partizip II.

Der Konjunktiv kann Distanz, Irreales oder Höflichkeit ausdrücken. Der Imperativ richtet eine Aufforderung an eine oder mehrere Personen: Lies den Text. Lest den Text. Die Seite Konjunktiv I und II erklärt die beiden Möglichkeitsformen im Detail.

Schwache, starke und gemischte Formen

Schwache Verben bilden das Präteritum mit -te und das Partizip II meist mit ge- plus -t: lernen, lernte, gelernt. Der Stamm bleibt grundsätzlich erhalten. Bei Verben auf -ieren entfällt ge-: studieren, studierte, studiert.

Starke Verben verändern häufig den Stammvokal: finden, fand, gefunden oder sprechen, sprach, gesprochen. Ihr Partizip endet oft auf -en. Die genaue Reihe muss mitgelernt werden, weil sich der Vokalwechsel nicht zuverlässig aus dem Infinitiv vorhersagen lässt.

Gemischte Verben verbinden beide Muster. Denken, dachte, gedacht verändert den Stamm und verwendet zugleich die Endungen der schwachen Bildung. Weitere häufige Beispiele sind bringen, brachte, gebracht und kennen, kannte, gekannt.

Vollverb, Hilfsverb und Modalverb

Vollverben tragen eine eigenständige lexikalische Bedeutung und können das Prädikat allein bilden: Die Gruppe diskutiert. Hilfsverben bilden zusammen mit anderen Verbformen Zeiten, Passiv oder bestimmte Umschreibungen. Die wichtigsten sind haben, sein und werden.

Modalverben verändern die Aussage eines Infinitivs. Können bezeichnet Fähigkeit oder Möglichkeit, müssen eine Notwendigkeit, dürfen eine Erlaubnis, sollen eine Vorgabe, wollen einen Willen und mögen eine Neigung oder Möglichkeit. Im Hauptsatz steht der Infinitiv meist am Ende: Sie muss die Quelle prüfen.

Ein Verb kann je nach Satz unterschiedliche Funktionen haben. In Sie hat ein Buch ist hat ein Vollverb im Sinn von besitzen. In Sie hat ein Buch gelesen dient es als Hilfsverb zur Bildung des Perfekts.

Verben bestimmen: vier Prüfschritte

Trennbare und nicht trennbare Zusammensetzungen

Bei trennbaren Verben wandert die Vorsilbe im Hauptsatz ans Ende: Die Sitzung fängt um neun Uhr an. Im Infinitiv und Partizip bleibt die Verbindung erkennbar: anfangen, angefangen. Häufig trennbar sind Vorsilben wie ab-, an-, auf-, ein-, mit-, vor- und zu-.

Nicht trennbare Verben behalten ihre Vorsilbe am Stamm: Sie versteht die Aufgabe. Vorsilben wie be-, emp-, ent-, er-, ge-, miss-, ver- und zer- sind gewöhnlich nicht trennbar. Das Partizip erhält dann kein zusätzliches ge-: verstanden, erklärt, bearbeitet.

Einige Vorsilben können je nach Betonung und Bedeutung trennbar oder untrennbar sein. Er umfährt das Hindernis bedeutet, dass er darum herumfährt. Er fährt das Schild um bedeutet, dass es umfällt. Satzstellung und Betonung unterscheiden die Bedeutungen.

Verb und Ergänzungen im Satz

Verben legen häufig fest, welche Ergänzungen möglich oder nötig sind. Warten verbindet sich mit auf und Akkusativ: Wir warten auf das Ergebnis. Gedenken verlangt in formeller Standardsprache den Genitiv: Sie gedenken der Verstorbenen. Diese Eigenschaft heißt Valenz.

Transitive Verben können ein Akkusativobjekt haben und meist ein persönliches Passiv bilden: Die Redaktion prüft den Text. Der Text wird geprüft. Intransitive Verben haben kein Akkusativobjekt. Nicht jeder Satz ohne sichtbares Objekt enthält deshalb eine ausgelassene Ergänzung.

Für die Satzanalyse suchst du zuerst die finite Form, ergänzt abgetrennte Vorsilben und weitere Verbteile und fragst dann nach dem Subjekt sowie den verlangten Objekten. Die Satzglieder-Übersicht zeigt diesen Ablauf an vollständigen Beispielen.

Prädikat bestimmen und Fehler finden

Markiere in einem Satz zunächst alle Wörter, die zu einem Verb gehören. In Die Ergebnisse sind gestern veröffentlicht worden bilden sind, veröffentlicht und worden gemeinsam das Prädikat. Nur sind ist finit. Danach bestimmst du Person, Numerus, Zeitform, Modus und Aktiv oder Passiv.

Kontrolliere die Kongruenz: Die Reihe von Messwerten zeigt steht im Singular, weil Reihe das Subjekt ist. Prüfe außerdem die geforderten Fälle und Präpositionen. Ein grammatisch passendes Verb kann trotzdem den falschen Anschluss haben.

Zum Üben wandelst du Die Studentin prüft die Quelle in verschiedene Formen um: prüfte im Präteritum, hat geprüft im Perfekt, wird prüfen im Futur und die Quelle wird geprüft im Passiv. So wird sichtbar, welche Teile wechseln und welche Satzrollen erhalten bleiben.

Verben steuern Zeitform, Satzbau und Ergänzungen. Beim Korrekturlesen prüfen wir diese Zusammenhänge im Kontext deines gesamten Textes.

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Häufige Fragen zu Tätigkeitswörtern

Was sind Verben?

Verben sind Wörter für Handlungen, Vorgänge und Zustände. Sie bilden den Kern des Prädikats und werden nach grammatischen Merkmalen konjugiert.

Wie erkennt man ein Verb?

Die Grundform endet meist auf -en oder -n. Finite Formen lassen sich nach Person und Numerus verändern, zum Beispiel ich lerne, du lernst, wir lernen.

Was ist der Unterschied zwischen finiten und infiniten Verbformen?

Finite Formen sind nach Person und Numerus bestimmt. Infinitiv und Partizipien sind infinit und brauchen für einen normalen Aussagesatz meist eine finite Form.

Welche Verbarten gibt es?

Wichtige Einteilungen sind Tätigkeits-, Vorgangs- und Zustandsverben, Voll-, Hilfs- und Modalverben sowie schwache, starke und gemischte Verben.

Was ist ein trennbares Verb?

Bei einem trennbaren Verb steht die Vorsilbe im Hauptsatz häufig am Ende, zum Beispiel: Die Sitzung fängt an. Im Partizip steht ge oft zwischen Vorsilbe und Stamm: angefangen.

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