Weiterhin Synonym: Dauer oder Ergänzung
Zwei Bedeutungen, die im selben Satz kollidieren
Weiterhin trägt zwei Bedeutungen, die sich im selben Satz nicht immer auseinanderhalten lassen. Es kann Fortdauer meinen („Die Regel gilt weiterhin“) oder Ergänzung („Weiterhin ist zu beachten, dass ...“). Der Satz „Weiterhin werden Anträge geprüft“ lässt beide Lesarten zu: Entweder wird weiter geprüft wie bisher, oder zusätzlich zu etwas anderem. Diese Doppeldeutigkeit ist der Grund, das Wort in klaren Texten zu ersetzen.
Fortdauer oder Ergänzung
Meint der Satz Fortdauer, passen nach wie vor, unverändert, auch künftig und weiter. Nach wie vor ist die klarste Form und lässt keine zweite Lesart zu. Unverändert sagt zusätzlich, dass sich nichts geändert hat, was manchmal mehr behauptet als gemeint.
Meint der Satz Ergänzung, sind außerdem, zudem und ferner die richtigen Wörter. Sie gehören zur Gruppe der anreihenden Verbindungswörter, deren Feinheiten auf der Seite zu außerdem stehen.
Die Probe ist einfach: Lässt sich weiterhin durch nach wie vor ersetzen, ist Fortdauer gemeint. Lässt es sich durch außerdem ersetzen, ist Ergänzung gemeint. Passen beide, ist der Satz zweideutig und sollte umgeschrieben werden.
In Bescheiden und Verträgen
In Verwaltungstexten ist die Zweideutigkeit heikel. „Weiterhin besteht Anspruch auf Leistungen“ kann heißen, dass der Anspruch fortbesteht, oder dass er zusätzlich zu einem anderen besteht. Im Streitfall werden unklare Klauseln zulasten des Verwenders ausgelegt.
Sichere Formulierungen benennen die Bedeutung: „Der Anspruch bleibt bestehen“ oder „Zusätzlich besteht Anspruch auf ...“. Beide Sätze sind länger und dafür eindeutig, was in rechtlich erheblichen Texten die richtige Abwägung ist.
Stellung und Komma
Weiterhin ist ein Adverb und besetzt am Satzanfang das erste Feld: „Weiterhin gilt die Regel.“ Danach folgt sofort das gebeugte Verb, ein Komma nach weiterhin ist falsch. Dieselbe Regel gilt für zudem, außerdem und ferner.
Im Mittelfeld steht es hinter dem Verb: „Die Regel gilt weiterhin.“ Diese Stellung ist eindeutiger, weil sie die Lesart Fortdauer nahelegt. Am Satzanfang wird dagegen meist die Ergänzung verstanden, weshalb die Position selbst die Bedeutung mitsteuert.
Weiterhin oder weiter
Weiter und weiterhin sind nicht immer austauschbar. Weiter kann räumlich sein („weiter hinten“) und als Verbzusatz auftreten (weitermachen, weiterleiten). Weiterhin ist ausschließlich zeitlich oder anreihend.
In der Bedeutung Fortdauer sind beide möglich: „Wir arbeiten weiter“ und „Wir arbeiten weiterhin“ sagen dasselbe, wobei die kürzere Form unauffälliger ist. In der Bedeutung Ergänzung steht nur weiterhin, weiter wäre dort falsch.
In Berichten und Zeugnissen
In Zwischenberichten ist weiterhin nützlich, weil es Kontinuität signalisiert: „Das Projekt liegt weiterhin im Zeitplan.“ Der Satz sagt zugleich, dass es das vorher schon tat, und spart einen Rückverweis.
In Arbeitszeugnissen ist das Wort dagegen Teil fester Wendungen und nicht frei ersetzbar: „Wir wünschen ihr weiterhin viel Erfolg“ ist die übliche Schlussformel. Fehlt das weiterhin, wird das von Lesenden als Signal gedeutet, weil die Formel als Ganzes erwartet wird. Alle bearbeiteten Wörter stehen in der Übersicht Synonyme.
In Statusmeldungen ist weiterhin ein Signalwort für Stillstand. „Der Antrag wird weiterhin geprueft“ sagt in der dritten Woche etwas anderes als in der ersten, nämlich dass sich nichts bewegt hat. Wer einen Zwischenstand meldet, sollte deshalb den Stand nennen, nicht die Fortdauer.
Zu beachten ist die Verbindung mit einer Verneinung. „Weiterhin keine Rückmeldung“ ist eindeutig, „weiterhin nicht geprueft“ dagegen zweideutig: Es kann heißen, dass die Prüfung weiter aussteht, oder dass zusätzlich etwas anderes nicht geprueft wurde. In Mahnungen und Erinnerungen lohnt deshalb die ausgeschriebene Form.
Zu unterscheiden ist weiterhin schließlich von fortan und künftig, die ausdruecklich einen Neubeginn markieren. Fortan heißt ab jetzt und setzt voraus, dass sich etwas geaendert hat. Weiterhin heißt gerade das Gegenteil: dass sich nichts aendert. Die Verwechslung kehrt die Aussage um.
In Foerderberichten hat weiterhin zusätzlich eine formale Bedeutung: Es signalisiert, dass eine Bedingung über den Berichtszeitraum hinaus erfuellt bleibt. „Die Voraussetzungen liegen weiterhin vor“ ist deshalb keine Floskel, sondern eine Erklärung mit Folgen, und sollte nur stehen, wenn sie geprueft wurde.
Zu unterscheiden ist weiterhin schließlich von des Weiteren, das ausschließlich anreiht und nie Fortdauer meint. Es ist damit die eindeutige Alternative für die zweite Bedeutung, wird allerdings gross geschrieben und in zwei Woertern: des Weiteren, nicht desweiteren. Diese Schreibung gehört zu den häufigsten Fehlern in Geschaeftsbriefen.
Was bedeutet weiterhin?
Zweierlei: Fortdauer (nach wie vor) und Ergänzung (außerdem). Welche Bedeutung gemeint ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang, und wenn beide passen, ist der Satz zweideutig.
Steht nach weiterhin ein Komma?
Nein. Weiterhin ist ein Adverb und besetzt das erste Satzfeld, danach folgt direkt das gebeugte Verb: „Weiterhin gilt die Regel.“
Was ist der Unterschied zwischen weiter und weiterhin?
Weiter kann räumlich sein und als Verbzusatz auftreten, weiterhin ist nur zeitlich oder anreihend. In der Bedeutung Fortdauer sind beide möglich, in der Bedeutung Ergänzung nur weiterhin.