Finden Synonym: entdecken oder meinen
Ein Verb, zwei völlig verschiedene Aussagen
Finden trägt zwei Bedeutungen, die im Deutschen nur durch den Satzbau auseinandergehalten werden. Mit einem Objekt heißt es entdecken: „Wir fanden drei Belege.“ Mit einem Nebensatz oder einer Beurteilung heißt es meinen: „Ich finde, dass die Regel zu streng ist.“ Beide Bedeutungen haben eigene Alternativen, und in wissenschaftlichen Texten ist die zweite ein Warnsignal: Wer findet, hat oft nicht belegt.
Finden im Sinne von entdecken
Hier passen entdecken, ermitteln, feststellen, vorfinden und ausfindig machen. Entdecken setzt voraus, dass etwas vorher unbekannt war, ermitteln, dass gezielt gesucht wurde, feststellen, dass ein Sachverhalt geprüft und bestätigt wurde.
Vorfinden betont, dass etwas bereits vorhanden war, als man kam, und ist in Methodenteilen präzise: „In sechs von zehn Fällen fanden wir eine bereits bestehende Regelung vor.“ Ausfindig machen ist umgangssprachlicher und in Berichten selten passend.
Für Ergebnisse einer Untersuchung ist finden im Deutschen schwächer als im Englischen. „We found that ...“ wird in Fachtexten regelmäßig zu „Wir fanden, dass ...“ übersetzt, obwohl ergeben, zeigen oder nachweisen die üblichen deutschen Formulierungen sind: „Die Auswertung ergab ...“ Diese Übersetzungsfalle ist einer der häufigsten Anglizismen in deutschsprachigen Arbeiten.
Finden im Sinne von meinen
In dieser Bedeutung stehen halten für, einschätzen als, bewerten als und erachten für zur Verfügung. Erachten ist gehoben und in Gutachten üblich, halten für neutral und in fast jedem Text brauchbar.
Wichtiger als das Synonym ist hier die Frage, ob die Meinungsäußerung überhaupt an diese Stelle gehört. „Ich finde, dass die Stichprobe zu klein ist“ ist in einer wissenschaftlichen Arbeit keine Aussage, sondern eine Empfindung. Belegend wäre: „Die Stichprobe liegt unter der für dieses Verfahren empfohlenen Mindestgröße von 30.“
In Diskussionsteilen und Fazits sind Einschätzungen dagegen erlaubt und sogar erwünscht, solange sie als solche gekennzeichnet sind. Die übliche Form ist nicht „ich finde“, sondern eine Formulierung, die den Schluss an die Daten bindet: „Die Ergebnisse legen nahe, dass ...“
Grammatik und feste Wendungen
Finden ist ein starkes Verb: finden, fand, gefunden. Der Konjunktiv II lautet fände, nicht würde finden, und ist in schriftlichen Höflichkeitsformeln die elegantere Form: „Ich fände es hilfreich, wenn ...“
Feste Wendungen werden nicht ersetzt: statt finden, Anklang finden, Beachtung finden, sich zurechtfinden, sich damit abfinden. Besonders statt finden ist eine Fehlerquelle, weil es zusammengeschrieben wird, wenn es sich ereignen bedeutet: „Die Tagung findet statt.“ Getrennt geschrieben wird nur, wenn statt eine Präposition ist: „an Stelle von“.
Finden in Bewerbung und Alltag
In Bewerbungsschreiben ist „Ich finde Ihre Stellenanzeige interessant“ eine der schwächsten Eröffnungen, weil sie eine Empfindung mitteilt, wo eine Begründung erwartet wird. Wer stattdessen benennt, welche Aufgabe zu welcher Erfahrung passt, sagt dasselbe in überprüfbarer Form. Verwandt ist die Leere des Wortes interessant.
In Rückmeldungen an Dritte ist finden dagegen nützlich, gerade weil es die Aussage als persönlich markiert. „Ich finde den zweiten Entwurf klarer“ ist ehrlicher als „Der zweite Entwurf ist klarer“, wenn kein Kriterium genannt wird. Alle bearbeiteten Wörter stehen in der Übersicht Synonyme.
In der Rechtssprache ist finden Teil mehrerer fester Fügungen: Anwendung finden, Berücksichtigung finden, Erwähnung finden. Sie sind Nominalstil und lassen sich fast immer in ein Verb zurückverwandeln, also anwenden, berücksichtigen, erwähnen. In Schriftsätzen bleiben sie üblich, in Arbeiten sind die kurzen Formen besser.
Umgangssprachlich hat sich außerdem „ich find’s“ als abgeschwächte Meinungsäußerung eingebürgert. In geschriebener Sprache wirkt die Kurzform unpassend, und die Vollform „ich finde es“ verrät dieselbe Schwäche: Es fehlt die Begründung, nicht die Länge.
Ein eigener Fall ist das unpersönliche „es findet sich“, das in Fachtexten als vorsichtige Form der Feststellung dient: „In den Akten findet sich kein Hinweis darauf.“ Die Formulierung vermeidet die Behauptung, gründlich gesucht zu haben, und ist deshalb in Gutachten üblich. Wer eine vollständige Suche behaupten will, schreibt besser „Eine Durchsicht sämtlicher Akten ergab keinen Hinweis“.
Zu unterscheiden ist finden schließlich von befinden. Befinden heißt beurteilen oder sich aufhalten und ist nicht austauschbar: „Das Gericht befand den Antrag für zulässig“ lässt sich nicht durch fand ersetzen, ohne die Bedeutung zu verschieben. Das Substantiv Befund gehört zur ersten Bedeutung und bezeichnet ein Ergebnis, nicht einen Fundort.
Was ist ein Synonym für finden?
Im Sinne von entdecken ermitteln, feststellen oder vorfinden. Im Sinne von meinen halten für oder einschätzen als. Welche Gruppe passt, erkennt man am Satzbau: mit Objekt entdecken, mit Nebensatz meinen.
Darf ich finde in einer Hausarbeit stehen?
In Ergebnisteilen nicht, dort gehört ein Beleg hin. In Diskussion und Fazit sind Einschätzungen erlaubt, üblich ist aber eine Formulierung, die den Schluss an die Daten bindet, etwa „Die Ergebnisse legen nahe“.
Heißt es wir fanden, dass?
Grammatisch ja, stilistisch ist es meist eine Übersetzung aus dem Englischen. Im Deutschen sind ergeben, zeigen oder nachweisen üblich: „Die Auswertung ergab, dass ...“