Kennenlernen Synonym: und die Frage der Schreibung

Personen begegnet man, Themen erschließt man sich

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 5. August 2026 · alle Synonyme

Kennenlernen wird für Personen und für Sachen verwendet, und in den beiden Fällen gibt es kein gemeinsames Ersatzwort. Man lernt eine Kollegin kennen und man lernt ein Verfahren kennen, aber man begegnet keinem Verfahren und arbeitet sich in keine Kollegin ein. Dazu kommt eine Schreibfrage, die seit der Rechtschreibreform mehrfach geändert wurde und deshalb bis heute für Unsicherheit sorgt.

Personen kennenlernen

Hier passen begegnen, treffen, Bekanntschaft machen und vorgestellt werden. Begegnen betont die Zufälligkeit, treffen die Verabredung, Bekanntschaft machen ist förmlich und wirkt heute leicht altmodisch.

In Bewerbungen ist die Wendung „Ich würde Sie gerne kennenlernen“ verbreitet und doppelt abgeschwächt, wie auf der Seite zu gerne beschrieben. Klarer ist „Ich stelle mich Ihnen gern persönlich vor“, weil es die Handlung benennt statt den Wunsch.

Sachen kennenlernen

Für Verfahren, Themen und Werkzeuge stehen sich einarbeiten, sich vertraut machen, erschließen und sich einen Überblick verschaffen bereit. Sich einarbeiten setzt eine längere Beschäftigung voraus, sich vertraut machen eine kürzere.

In Lebensläufen ist die Unterscheidung wichtig, weil sie die Tiefe angibt. „Ich habe SPSS kennengelernt“ sagt, dass jemand es gesehen hat; „Ich habe mich in SPSS eingearbeitet“ sagt, dass jemand damit arbeiten kann. Personalbereiche lesen diesen Unterschied.

Die Schreibung

Seit 2006 sind kennenlernen und kennen lernen beide zulässig, die Zusammenschreibung ist die empfohlene Variante. Das war nicht immer so: Die Reform von 1996 schrieb die Getrenntschreibung vor, was viele Texte aus dieser Zeit erklärt.

Im Hauptsatz wird das trennbare Verb aufgespalten: „Ich lerne sie kennen.“ Das Partizip lautet kennengelernt, mit ge in der Mitte. Bei Getrenntschreibung entsprechend kennen gelernt. Innerhalb eines Texts sollte eine Variante durchgehalten werden.

Dieselbe Wahlfreiheit gilt für sitzen bleiben, spazieren gehen und liegen lassen. Nicht wahlfrei ist dagegen stehen bleiben im Sinne von anhalten, das immer getrennt geschrieben wird.

Kennenlernen oder kennen

Kennenlernen ist der Beginn, kennen der Zustand. „Ich kenne sie“ setzt voraus, dass man sie kennengelernt hat. Die Verwechslung entsteht vor allem beim Übersetzen aus dem Englischen, wo meet und know beide Bereiche abdecken.

Zum Unterschied zwischen kennen und wissen, der davon noch einmal zu trennen ist, siehe die Seite zu Wissen: Man kennt Dinge und Personen, man weiß Sachverhalte.

Im Geschäftsverkehr

Das Kennenlerngespräch ist ein eingeführter Begriff für ein Treffen ohne Verpflichtung und wird zusammengeschrieben. Es unterscheidet sich vom Vorstellungsgespräch dadurch, dass keine konkrete Stelle im Raum steht, was arbeitsrechtlich Folgen hat: Für ein reines Kennenlerngespräch besteht kein Anspruch auf Erstattung von Reisekosten nach denselben Maßstäben.

In Angeboten ist das Kennenlernangebot ein etablierter Begriff für einen vergünstigten Erstauftrag. Er ist werblich, aber unmissverständlich und in der Preisangabenverordnung nicht zu beanstanden, solange die Bedingungen genannt sind.

Grammatik

Kennenlernen ist trennbar und regelmäßig, mit dem starken Verb lernen als Grundlage: lernen, lernte, gelernt. Das Objekt steht im Akkusativ: jemanden kennenlernen, nicht jemandem. Der Dativ ist ein häufiger Fehler, der aus der Verwechslung mit begegnen stammt, das tatsächlich den Dativ verlangt: jemandem begegnen.

Reflexiv bedeutet es gegenseitiges Kennenlernen: „Wir haben uns auf einer Tagung kennengelernt.“ Das Reziprokpronomen einander ist die genauere Form, wirkt aber gehoben: „Wir lernten einander kennen.“

In Einladungen und Anschreiben

In Einladungen ist kennenlernen das freundliche Standardwort und unauffällig. In Anschreiben an Unbekannte wirkt es dagegen voraussetzungsvoll, weil es eine persönliche Begegnung ankündigt, die noch gar nicht verabredet ist.

Sachlicher ist dort die Benennung des Anliegens: „Ich schreibe Ihnen wegen ...“ Das Kennenlernen kann folgen, muss aber nicht angekündigt werden. Alle bearbeiteten Wörter stehen in der Übersicht Synonyme.

Im Englischen entspricht kennenlernen je nach Zusammenhang meet, get to know oder become familiar with. Meet ist die einmalige Begegnung, get to know der Vorgang über Zeit. Das Deutsche unterscheidet das nicht am Verb, sondern am Zusatz: jemanden kennenlernen gegen jemanden näher kennenlernen.

Zu unterscheiden ist kennenlernen schließlich von erfahren und herausfinden. Wer jemanden kennenlernt, baut eine Beziehung auf; wer etwas erfaehrt, erhaelt eine Information. „Ich habe seine Meinung kennengelernt“ ist deshalb schief, gemeint ist meist erfahren.

In Datenschutzhinweisen und Einwilligungen ist die Formulierung heikel: „Wir möchten Sie besser kennenlernen“ beschreibt in Wahrheit eine Datenerhebung und verschleiert sie. Die Aufsichtsbehoerden verlangen an dieser Stelle eine klare Angabe des Zwecks, und eine freundliche Umschreibung erfuellt diese Anforderung nicht.

Schreibt man kennenlernen zusammen oder getrennt?

Beides ist zulässig, die Zusammenschreibung ist empfohlen. Im Hauptsatz wird das trennbare Verb aufgespalten: „Ich lerne sie kennen.“ Das Partizip lautet kennengelernt.

Was ist ein Synonym für kennenlernen?

Bei Personen begegnen oder treffen, bei Sachen sich einarbeiten oder sich vertraut machen. Ein gemeinsames Ersatzwort für beide Bereiche gibt es nicht.

Heißt es jemanden oder jemandem kennenlernen?

Jemanden, mit Akkusativ. Der Dativ stammt aus der Verwechslung mit begegnen, das tatsächlich den Dativ verlangt: jemandem begegnen.

Was deckt „Kennenlernen Synonym: und die Frage der Schreibung“ ab?

Der Beitrag „Kennenlernen Synonym: und die Frage der Schreibung“ ordnet das Thema vollständig ein.

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