Leidenschaft Synonym: Begeisterung oder Hingabe

Ein Wort, das ursprünglich Leiden bedeutete

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 5. August 2026 · alle Synonyme

Leidenschaft ist eines der Wörter, die in Bewerbungen inflationär auftreten und dort am wenigsten aussagen. „Ich habe eine Leidenschaft für Zahlen“ behauptet ein Gefühl, das niemand prüfen kann. Dabei ist das Wort selbst genauer, als sein Gebrauch vermuten lässt: Es stammt als Lehnübersetzung vom lateinischen passio, dem Leiden, und meint ursprünglich ein Gefühl, das man erleidet statt es zu wählen. Diese Herkunft erklärt, warum Leidenschaft und bloße Begeisterung nicht dasselbe sind.

Begeisterung, Hingabe, Übermaß

Für Begeisterung passen Begeisterung, Enthusiasmus, Feuer und Eifer. Diese Gruppe beschreibt ein starkes, aber positives und kontrolliertes Gefühl und ist in Bewerbungen die passendere Wahl, weil sie nichts Unbeherrschtes behauptet.

Für Hingabe stehen Hingabe, Engagement, Einsatz und Ernsthaftigkeit bereit. Sie beschreiben nicht das Gefühl, sondern das Handeln, und sind damit überprüfbar. In Arbeitszeugnissen ist Engagement der etablierte Begriff.

Für ein Übermaß sind Besessenheit, Obsession und Sucht die richtigen Wörter. Sie sind negativ besetzt und sollten nicht beiläufig verwendet werden, weil sie einen Kontrollverlust behaupten.

Die Herkunft aus dem Leiden

Leidenschaft ist eine Lehnübersetzung des lateinischen passio, das zunächst das Erleiden bezeichnete und im christlichen Kontext das Leiden Christi meint, daher die Passion. Erst später verschob sich die Bedeutung zum starken Gefühl.

Diese Wurzel ist im Deutschen sichtbarer als in anderen Sprachen, weil leiden im Wort steckt. Sie erklärt auch den Beiklang: Eine Leidenschaft hat man nicht gewählt, sie hat einen ergriffen. Genau deshalb wirkt „meine Leidenschaft für Excel“ unfreiwillig komisch: Das Wort ist zu groß für den Gegenstand.

In Bewerbungen

„Leidenschaft für“ ist in Anschreiben so verbreitet, dass es in Auswahlverfahren als Floskel gelesen wird. Der Grund ist einfach: Ein Gefühl lässt sich behaupten, aber nicht belegen, und Auswahlverfahren suchen Belege.

Wirksam ist stattdessen die Handlung: Was jemand aus eigenem Antrieb getan hat, zeigt Leidenschaft, ohne sie zu nennen. Ein Projekt in der Freizeit, eine zusätzliche Qualifikation, ein Ehrenamt. Dieselbe Regel gilt für Interesse und Herausforderung.

In Unternehmenstexten

Auf Websites steht Leidenschaft meist im Zusammenhang mit Handwerk und Qualität: „Mit Leidenschaft für gutes Handwerk.“ Das ist etabliert und unauffällig, weil dort niemand einen Beleg erwartet.

Kritisch wird es, wenn die Behauptung mit der Erfahrung der Kundschaft kollidiert. Wer Leidenschaft verspricht und dann Standardware liefert, erzeugt einen stärkeren Widerspruch, als wenn er nichts versprochen hätte. Sachliche Aussagen sind in dieser Hinsicht risikoärmer.

Grammatik und Wortbildung

Leidenschaft ist feminin, der Plural lautet die Leidenschaften. Das Adjektiv leidenschaftlich wird kleingeschrieben und steigert regelmäßig. Das Gegenteil ist leidenschaftslos, nicht unleidenschaftlich.

Zusammensetzungen sind selten und meist gehoben: Leidenschaftlichkeit, Spielleidenschaft, Sammelleidenschaft. Die letzten beiden bezeichnen eine Neigung mit Suchtcharakter, was zur ursprünglichen Bedeutung zurückführt.

Passion und Passion

Das Fremdwort Passion hat im Deutschen zwei Bedeutungen: das Leiden Christi und, aus dem Englischen zurückentlehnt, die Leidenschaft. Die zweite ist inzwischen verbreitet, wirkt in geisteswissenschaftlichen Texten aber als Anglizismus, weil dort die erste Bedeutung fest ist.

Wer in einem Text über Kunst oder Religion Passion im Sinne von Leidenschaft verwendet, riskiert eine Fehllesung. Die Bach-Passionen sind keine Werke über Begeisterung.

In wissenschaftlichen Texten

In Arbeiten ist Leidenschaft selten am Platz, weil sie eine persönliche Empfindung benennt. In der Psychologie ist sie dagegen ein untersuchter Begriff mit eigenen Modellen, etwa der Unterscheidung zwischen harmonischer und obsessiver Leidenschaft.

Wer den Begriff in diesem Sinn verwendet, sollte das Modell nennen, auf das er sich bezieht. Ohne diese Einordnung liest sich der Satz als Alltagssprache in einem Fachtext, was in Bewertungen angestrichen wird. Alle bearbeiteten Wörter stehen in der Übersicht Synonyme.

Zu unterscheiden ist die Leidenschaft schließlich vom Interesse und von der Motivation. Interesse ist die Zuwendung, Motivation der Antrieb, Leidenschaft die Intensitaet. In Motivationsschreiben werden alle drei gleichgesetzt, obwohl nur eines davon im Namen des Dokuments steht: Gefragt ist der Antrieb, nicht die Gefuehlsstaerke.

Im Englischen ist passion deutlich alltaeglicher als das deutsche Leidenschaft und steht dort auch für maessige Vorlieben. Wer aus dem Englischen uebersetzt, uebertreibt mit der woertlichen Uebernahme regelmäßig: „I have a passion for data“ heißt eher „Ich arbeite gern mit Daten“ als „Ich habe eine Leidenschaft für Daten“.

In Stellenanzeigen ist die Aufforderung, Leidenschaft mitzubringen, arbeitsrechtlich ohne Bedeutung, weil sich Gefuehle nicht vereinbaren lassen. Sie signalisiert allerdings eine Erwartungshaltung an Einsatz über die vertragliche Arbeitszeit hinaus, was Bewerberinnen und Bewerber einordnen sollten.

Was ist ein Synonym für Leidenschaft?

Für ein starkes positives Gefühl Begeisterung oder Enthusiasmus, für sichtbaren Einsatz Hingabe oder Engagement, für ein Übermaß Besessenheit. In Bewerbungen ist Engagement die überprüfbarere Wahl.

Woher kommt das Wort Leidenschaft?

Es ist eine Lehnübersetzung des lateinischen passio, des Leidens. Das erklärt den Beiklang: Eine Leidenschaft wird nicht gewählt, sie ergreift jemanden.

Sollte man Leidenschaft in einer Bewerbung schreiben?

Besser nicht als Behauptung. Ein Gefühl lässt sich nicht belegen. Wirksamer ist, was jemand aus eigenem Antrieb getan hat: ein Projekt, eine Zusatzqualifikation, ein Ehrenamt.

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