Alte und neue Rechtschreibung: Was heute verbindlich ist
Änderungen, Varianten und der Maßstab in Prüfungsarbeiten
Wer vor der Jahrtausendwende zur Schule ging, schreibt manches anders als heute üblich. Die Reform ist lange her, ihre Folgen sind aber in Texten weiterhin sichtbar, und ein Teil der Regeln lässt ausdrücklich mehrere Schreibungen zu. Diese Seite ordnet ein, was gilt und was nur Gewohnheit ist.
Was sich geändert hat
Die Reform von 1996 und die Anpassungen von 2004 und 2006 betrafen im Kern fünf Bereiche: die Schreibung nach kurzem und langem Vokal, die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Groß- und Kleinschreibung, die Zeichensetzung und die Silbentrennung.
Der bekannteste Punkt ist die Ersetzung von ß durch ss nach kurzem Vokal: aus „daß“ wurde „dass“, aus „muß“ wurde „muss“. Nach langem Vokal und nach Diphthong bleibt das ß erhalten, deshalb heißt es weiterhin „Straße“, „Fuß“ und „heißen“. Wer ß durchgehend durch ss ersetzt, macht aus einem alten Fehler einen neuen.

Wo mehrere Schreibungen erlaubt sind
Ein Teil der Regeln lässt Varianten zu. „Aufwendig“ und „aufwändig“ sind beide korrekt, ebenso „Delfin“ und „Delphin“ oder „Fotografie“ und „Photographie“. Auch bei der Getrennt- und Zusammenschreibung gibt es Fälle mit zwei zulässigen Formen.
Für Prüfungsarbeiten heißt das nicht, dass die Wahl beliebig ist: Verlangt wird Einheitlichkeit. Wer im ersten Kapitel „aufwendig“ und im dritten „aufwändig“ schreibt, hat keinen Rechtschreibfehler gemacht, aber einen Konsistenzfehler, und genau der fällt beim Lesen auf.
Was in Prüfungsarbeiten erwartet wird
Verbindlich ist das amtliche Regelwerk in seiner aktuellen Fassung. Hochschulen verweisen darauf in der Regel indirekt, indem sie „korrekte deutsche Rechtschreibung“ fordern, ohne eine Ausgabe zu nennen.
In der Praxis bewerten Prüfende nach dem aktuellen Stand. Alte Schreibungen wie „daß“ oder „radfahren“ statt „Rad fahren“ werden als Fehler gewertet, auch wenn sie vor der Reform korrekt waren. Zitate bleiben davon unberührt: Sie werden in der Schreibung der Quelle wiedergegeben, auch wenn diese veraltet ist.

Schweiz und Österreich
In der Schweiz wird das ß nicht verwendet, dort steht durchgehend ss. Das ist keine alte Rechtschreibung, sondern eine gültige regionale Norm. Wer in Deutschland eine Arbeit einreicht, sollte trotzdem das ß setzen, sofern keine andere Vorgabe besteht.
Österreichische Varianten betreffen vor allem den Wortschatz, etwa „Jänner“ statt „Januar“, und sind in österreichischen Prüfungsarbeiten selbstverständlich korrekt. Auch hier gilt: eine Norm wählen und durchhalten.
Praktisch wird das bei Textverarbeitungen, die je nach eingestellter Sprache andere Vorschläge machen. Wer ein Dokument mit Passagen in zwei Spracheinstellungen bearbeitet, bekommt am Ende beide Normen im selben Text. Ein Blick auf die Spracheinstellung des gesamten Dokuments erspart eine Menge Nacharbeit.
Wie wir damit umgehen
Im Korrektorat setzen wir die aktuelle amtliche Rechtschreibung um und vereinheitlichen zulässige Varianten auf die in deinem Text überwiegende Form. Zitate fassen wir nicht an, auch wenn sie alte Schreibungen enthalten.
Hast du eine Vorgabe, etwa einen Hausstil oder die Vorgabe deines Lehrstuhls, richten wir uns danach. Das Korrektorat kostet 1,90 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen, eine Probeseite bearbeiten wir kostenlos. Weiterführend: Duden und amtliches Regelwerk, das oder dass und Getrennt- und Zusammenschreibung.