Alte und neue Rechtschreibung: Was heute verbindlich ist

Änderungen, Varianten und der Maßstab in Prüfungsarbeiten

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 28. Juli 2026 · zur Akademie

Wer vor der Jahrtausendwende zur Schule ging, schreibt manches anders als heute üblich. Die Reform ist lange her, ihre Folgen sind aber in Texten weiterhin sichtbar, und ein Teil der Regeln lässt ausdrücklich mehrere Schreibungen zu. Diese Seite ordnet ein, was gilt und was nur Gewohnheit ist.

Was sich geändert hat

Die Reform von 1996 und die Anpassungen von 2004 und 2006 betrafen im Kern fünf Bereiche: die Schreibung nach kurzem und langem Vokal, die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Groß- und Kleinschreibung, die Zeichensetzung und die Silbentrennung.

Der bekannteste Punkt ist die Ersetzung von ß durch ss nach kurzem Vokal: aus „daß“ wurde „dass“, aus „muß“ wurde „muss“. Nach langem Vokal und nach Diphthong bleibt das ß erhalten, deshalb heißt es weiterhin „Straße“, „Fuß“ und „heißen“. Wer ß durchgehend durch ss ersetzt, macht aus einem alten Fehler einen neuen.

Rechtschreibung: wann ß und wann ss
Alte und neue Rechtschreibung: Was heute verbindlich ist im Überblick.

Wo mehrere Schreibungen erlaubt sind

Ein Teil der Regeln lässt Varianten zu. „Aufwendig“ und „aufwändig“ sind beide korrekt, ebenso „Delfin“ und „Delphin“ oder „Fotografie“ und „Photographie“. Auch bei der Getrennt- und Zusammenschreibung gibt es Fälle mit zwei zulässigen Formen.

Für Prüfungsarbeiten heißt das nicht, dass die Wahl beliebig ist: Verlangt wird Einheitlichkeit. Wer im ersten Kapitel „aufwendig“ und im dritten „aufwändig“ schreibt, hat keinen Rechtschreibfehler gemacht, aber einen Konsistenzfehler, und genau der fällt beim Lesen auf.

Was in Prüfungsarbeiten erwartet wird

Verbindlich ist das amtliche Regelwerk in seiner aktuellen Fassung. Hochschulen verweisen darauf in der Regel indirekt, indem sie „korrekte deutsche Rechtschreibung“ fordern, ohne eine Ausgabe zu nennen.

In der Praxis bewerten Prüfende nach dem aktuellen Stand. Alte Schreibungen wie „daß“ oder „radfahren“ statt „Rad fahren“ werden als Fehler gewertet, auch wenn sie vor der Reform korrekt waren. Zitate bleiben davon unberührt: Sie werden in der Schreibung der Quelle wiedergegeben, auch wenn diese veraltet ist.

Rechtschreibung: zulässige Varianten

Schweiz und Österreich

In der Schweiz wird das ß nicht verwendet, dort steht durchgehend ss. Das ist keine alte Rechtschreibung, sondern eine gültige regionale Norm. Wer in Deutschland eine Arbeit einreicht, sollte trotzdem das ß setzen, sofern keine andere Vorgabe besteht.

Österreichische Varianten betreffen vor allem den Wortschatz, etwa „Jänner“ statt „Januar“, und sind in österreichischen Prüfungsarbeiten selbstverständlich korrekt. Auch hier gilt: eine Norm wählen und durchhalten.

Praktisch wird das bei Textverarbeitungen, die je nach eingestellter Sprache andere Vorschläge machen. Wer ein Dokument mit Passagen in zwei Spracheinstellungen bearbeitet, bekommt am Ende beide Normen im selben Text. Ein Blick auf die Spracheinstellung des gesamten Dokuments erspart eine Menge Nacharbeit.

Wie wir damit umgehen

Im Korrektorat setzen wir die aktuelle amtliche Rechtschreibung um und vereinheitlichen zulässige Varianten auf die in deinem Text überwiegende Form. Zitate fassen wir nicht an, auch wenn sie alte Schreibungen enthalten.

Hast du eine Vorgabe, etwa einen Hausstil oder die Vorgabe deines Lehrstuhls, richten wir uns danach. Das Korrektorat kostet 1,90 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen, eine Probeseite bearbeiten wir kostenlos. Weiterführend: Duden und amtliches Regelwerk, das oder dass und Getrennt- und Zusammenschreibung.

Unsicher bei Varianten und Einheitlichkeit? Lade deinen Text hoch und sieh dir eine kostenlose Probeseite an.

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Häufige Fragen zur Rechtschreibung

Ist die alte Rechtschreibung verboten?

Verboten nicht, aber in Prüfungsarbeiten wird nach dem aktuellen amtlichen Regelwerk bewertet. Alte Schreibungen gelten dort als Fehler.

Wird ß immer durch ss ersetzt?

Nein. Nur nach kurzem Vokal. Nach langem Vokal und nach Diphthong bleibt es: Straße, Fuß, heißen.

Was gilt bei zwei erlaubten Schreibungen?

Beide sind korrekt. Verlangt wird Einheitlichkeit innerhalb eines Textes.

Müssen Zitate angepasst werden?

Nein. Zitate werden in der Schreibung der Quelle wiedergegeben, auch wenn sie veraltet ist.

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