Woher stammt das Wort Schlamassel?
Schlamassel: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Schlamassel bezeichnet heute eine verfahrene, schwierige Lage, ein Wort mit einer Geschichte, die über das Rotwelsche bis ins Jiddische zurückreicht.
Kurze Antwort: Woher kommt Schlamassel?
Schlamassel ist seit dem 18. Jahrhundert in Umgangssprache und Mundart verbreitet, wohl aus jiddisch schlemasl, schlimasl (Pech, Unglück), dessen zweiter Teil masol oder mazzal (Glücksstern) bedeutet. Das DWDS nennt nach Pfeifer diese Herleitung und erklärt, das Wort bedeute eigentlich etwas, das nicht Glück ist, zusammengesetzt aus einer Verneinungspartikel und masol, mazzal. Daneben steht die Möglichkeit, dass das erste Wortglied auf neuhochdeutsch schlimm zurückgeht. Beide Deutungen stellt das DWDS nebeneinander, ohne sich für eine zu entscheiden. Der Duden formuliert es knapper: jiddisch schlamassel, gebildet zu schlimm und massel. Das Wiktionary wiederum beschreibt eine Entlehnung über das Rotwelsche aus dem westjiddischen shlimazl, ebenfalls seit dem 18. Jahrhundert bezeugt, dessen Herkunft im Wiktionary selbst als nicht ausreichend geklärt gilt. Wie bei der Herkunft von Mischpoke steckt auch in Schlamassel ein jiddisches Wort, das über die Umgangssprache ins Deutsche kam. In der Sache geht es bei der Zusammensetzung um einen Gedanken, den das DWDS als schlimmen, schlechten Stern umschreibt, also um eine Vorstellung von Pech, die sich am Gestirn festmacht. Dieser Gedanke verbindet die beiden Teile des Wortes: ein verneinender oder negativ wertender erster Teil und ein zweiter Teil, der für Glück, Geschick oder Stern steht. Aus dieser Verbindung entsteht die Bedeutung von Pech oder Missgeschick, die das Wort bis heute trägt. Im heutigen Sprachgebrauch meint Schlamassel eine schwierige, verworrene Situation, in die jemand wegen eines ärgerlichen Missgeschicks gerät. Die Quellen beschreiben diese Bedeutung übereinstimmend als saloppe, umgangssprachliche Verwendung. Damit ist Schlamassel ein Beispiel dafür, wie ein jiddischer Ausdruck über Jahrhunderte hinweg seinen Weg in die deutsche Alltagssprache gefunden hat, ohne dass die genaue Bildung des ersten Wortglieds bis heute abschließend geklärt wäre.

Der Weg ins Deutsche: Stationen von Schlamassel
Der Weg zum heutigen Schlamassel führt über mehrere Stufen. Am Anfang steht das jiddische masol beziehungsweise mazzal für Glücksstern oder Gestirn. Daraus entwickelt sich im Westjiddischen die Form mazl mit der Bedeutung Glück oder Geschick. Verbunden mit einem verneinenden oder abwertenden ersten Glied entsteht die jiddische Form schlemasl, schlimasl, auch shlimazl geschrieben, mit der Bedeutung Pech oder Unglück. Über das Rotwelsche, eine Sondersprache, ist für das Jahr 1847 die Form Schlamassen belegt, dort im Plural und mit der Bedeutung Unglück, Misslingen oder Schaden. Von dort aus gelangt die Form Schlamassel seit dem 18. Jahrhundert in die deutsche Umgangssprache und Mundart.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | masol, mazzal (Glücksstern, Gestirn) | jiddisch | ohne Datierung |
| 2 | mazl (Glück, Geschick) | westjiddisch | ohne Datierung |
| 3 | schlemasl, schlimasl, shlimazl (Pech, Unglück) | jiddisch | ohne Datierung |
| 4 | Schlamassen | rotwelsch | 1847 |
| 5 | Schlamassel | deutsch | seit dem 18. Jahrhundert in Umgangssprache und Mundart |
Nach den Angaben von DWDS und Wiktionary verlief die Entlehnung über das Westjiddische, wobei das Rotwelsche als Vermittler zwischen jiddischer Ausgangsform und deutscher Umgangssprache diente. Wie bei der Herkunft von Zores geht es bei Schlamassel um Ärger und Missgeschick, die über eine jiddisch geprägte Zwischenstation ins Deutsche gelangten. Das DWDS führt neben Schlamassel auch die Nebenformen Schlemassel und Schlimassel an. Beim Genus schwanken die Wörterbücher: Duden und Wiktionary nennen der, auch das Schlamassel, wobei in Österreich nach Duden ausschließlich das Schlamassel gilt. Diese Stationen zeigen, dass die Herkunft des Wortes nicht aus einer einzigen Sprache stammt, sondern über mehrere Zwischenschritte und Sprachgemeinschaften verläuft, bevor die Form im Deutschen ankommt.
Deutungen und Vorbehalte zum ersten Wortglied
Alle drei Wörterbücher nennen übereinstimmend die jiddische Form schlimasl beziehungsweise schlamassel sowie die Bausteine masol und mazl für Glück als Teil der Herkunft. In der Deutung des ersten Wortglieds gehen die Angaben jedoch auseinander, und schon innerhalb der einzelnen Quellen bleibt die Frage offen. Das DWDS nennt zwei mögliche Erklärungen und verbindet sie ausdrücklich mit wohl und oder: zum einen eine Verneinungspartikel, die aus masol, mazzal die Bedeutung nicht Glück macht, zum anderen das neuhochdeutsche schlimm als Ursprung des ersten Glieds. Der Duden formuliert ähnlich und nennt schlimm als Bestandteil, verbunden mit massel. Das Wiktionary ergänzt die Möglichkeit einer hebräischen Verneinungspartikel und schreibt dazu könnte, formuliert also ebenfalls vorsichtig. Zudem hält das Wiktionary ausdrücklich fest, dass die Herkunft des Wortes nicht ausreichend geklärt ist. Welche der beiden Deutungen tatsächlich zutrifft, lässt sich aus den Quellen nicht entscheiden, da keine von ihnen eine endgültige Festlegung trifft.
- Zweites Wortglied masol oder mazl für Glück, so bei DWDS, Duden und Wiktionary genannt
- Erstes Glied als Verneinungspartikel, so bei DWDS und Wiktionary genannt
- Erstes Glied als schlimm, so bei DWDS, Duden und Wiktionary genannt
- Jahreszahl 1847 ausschließlich für die rotwelsche Form Schlamassen, so beim DWDS genannt
Schlamassel ist eines der Lehnwörter im Deutschen, die über das Jiddische kamen, und zeigt dabei exemplarisch, wie uneinheitlich die Forschung manche Details einer Wortgeschichte bewertet. Die Vorsicht, mit der DWDS und Wiktionary formulieren, macht deutlich, dass es sich bei der Bildung des ersten Wortglieds um eine offene Frage der Sprachgeschichte handelt. Für Leser bedeutet das: Die Grundbedeutung von Pech oder Unglück steht fest, die genaue sprachliche Bildung des ersten Bestandteils bleibt jedoch Gegenstand unterschiedlicher Vorschläge, zwischen denen die Quellen selbst nicht entscheiden.
Verwandte Wörter und Varianten von Schlamassel
Rund um Schlamassel nennen die Quellen mehrere verwandte Formen und Begriffe. Das DWDS führt die lautlichen Nebenformen Schlemassel und Schlimassel neben der Hauptform an. Das Wiktionary ergänzt das landschaftliche Synonym Schlamastik sowie den Unterbegriff Riesenschlamassel für eine besonders große Form des Missgeschicks. Zur Wortbildung gehört bei Schlamassel die Zusammensetzung aus zwei Wortgliedern, wie das DWDS sie beschreibt, nämlich einem ersten Glied mit verneinender oder abwertender Funktion und einem zweiten Glied, das für Glück oder Stern steht. Diese Bauweise verbindet Schlamassel mit anderen jiddisch geprägten Ausdrücken im Deutschen.
Beim Blick auf Gegenwörter und Synonyme ergibt sich ein eigenes Bild. Das Wiktionary nennt als Gegenwörter Massel, Dusel und Glück, die inhaltlich das Gegenteil von Pech ausdrücken. Besonders eng ist dabei die Verwandtschaft mit Massel, da beide Wörter auf dieselbe jiddische Wurzel für Glück zurückgehen, einmal in positiver, einmal in negativer Wendung. Der Duden wiederum listet als Synonyme für die schwierige Situation, die Schlamassel bezeichnet, die Begriffe Ausweglosigkeit, Bredouille, Dilemma und Kalamität.
- Schlemassel (Nebenform, DWDS)
- Schlimassel (Nebenform, DWDS)
- Schlamastik (landschaftliches Synonym, Wiktionary)
- Riesenschlamassel (Unterbegriff, Wiktionary)
- Massel, Dusel, Glück (Gegenwörter, Wiktionary)
- Bredouille, Dilemma, Kalamität (Synonyme, Duden)
Diese Übersicht zeigt, dass Schlamassel in ein ganzes Netz verwandter Begriffe eingebettet ist, die entweder lautlich nahestehen, dieselbe Grundbedeutung teilen oder als Gegenstück fungieren. Besonders die Verbindung zu Massel macht deutlich, wie eng positive und negative Wendungen desselben Wortstamms im Deutschen nebeneinander existieren können, ohne dass die eine Form aus der anderen direkt abgeleitet wird.
Gebrauch heute: Bedeutung und Genus von Schlamassel
Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet Schlamassel nach DWDS und Duden eine schwierige, unglückliche Lage oder eine verfahrene Situation, in die jemand wegen eines ärgerlichen Missgeschicks gerät. Das DWDS formuliert dazu salopp schwierige, missliche Angelegenheit, der Duden beschreibt eine schwierige, verfahrene Situation und nennt dazu die feste Wendung da haben wir den Schlamassel, mit der ein eingetretenes Missgeschick kommentiert wird. Diese Beschreibung lässt sich an eigenen Beispielsätzen zeigen: Nach der verpassten Zugverbindung steckten sie mitten im Schlamassel. Die vertauschten Dokumente brachten die ganze Abteilung in einen Schlamassel. Als der Schlüssel in der Wohnung lag, war der Schlamassel perfekt. Solche Sätze zeigen, wie das Wort eine konkrete, oft selbst verschuldete Zwangslage benennt, ohne dass die Quellen eine Aussage darüber treffen, wie oft diese Verwendung in der gesprochenen oder geschriebenen Sprache vorkommt.
Beim Schlamassel schwankt der Genus, was die Genusregeln gut zeigen: Der Duden nennt als Hauptform der Schlamassel, daneben auch das Schlamassel, während in Österreich laut Duden ausschließlich das Schlamassel verwendet wird. Der Genitiv lautet in beiden Fällen des Schlamassels, wie das DWDS für die Form Schlamassels bestätigt. Diese Doppelform beim grammatischen Geschlecht betrifft bei Schlamassel die Verwendung im Singular; einen Plural führt das DWDS für das Wort nicht an. Insgesamt trägt Schlamassel trotz seiner komplizierten Herkunft im Alltag eine klar umrissene, saloppe Bedeutung.

Offene Fragen zur Herkunft von Schlamassel
Bei der Herkunft von Schlamassel bleiben mehrere Punkte ungeklärt, die DWDS, Duden und Wiktionary offen lassen:
- Welche der beiden Deutungen des ersten Wortglieds zutrifft, als Verneinungspartikel oder als schlimm, ist in DWDS, Duden und Wiktionary nicht sicher entschieden
- Die Jahreszahl 1847 gilt im DWDS ausdrücklich nur für die rotwelsche Form Schlamassen, nicht für die deutsche Form Schlamassel selbst
- Das Wiktionary nennt die Herkunft des zugrunde liegenden westjiddischen shlimazl ausdrücklich als nicht ausreichend geklärt
- Wie verbreitet das Wort in einzelnen Regionen oder Mundarten ist, bleibt in DWDS, Duden und Wiktionary offen
Diese Unsicherheiten betreffen vor allem die Bildung des ersten Wortglieds und die genaue Datierung der einzelnen Zwischenstufen. Die Verbindung zum westjiddischen mazl für Glück steht in allen drei Quellen fest, während die Herleitung des ersten Wortglieds eine offene Frage der Sprachgeschichte bleibt. Als Merksatz lässt sich festhalten: aus jiddisch schlemasl und mazl für Glück gelangte das Wort über das Rotwelsche seit dem 18. Jahrhundert zum heutigen Schlamassel, auch wenn einzelne Bauelemente dieser Herleitung bis heute nicht abschließend geklärt sind.
Quellen und Stand
- DWDS: Schlamassel, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-04)
- Duden: Schlamassel, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-04)
- Wiktionary: Schlamassel, Herkunft, Bedeutungen: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-04)