Wortbildung: Arten, Regeln und Beispiele
Die vier Verfahren, die wichtigsten Silben und ihre Wirkung
Die Wortbildung beschreibt, wie im Deutschen neue Wörter entstehen. Häufige Verfahren sind die Zusammensetzung (Haustür), die Ableitung mit Vor- und Nachsilben (unfreundlich, Freundschaft), die Kurzwortbildung (Uni, LKW) und die Konversion, also ein Wechsel der Wortart ohne Wortbildungselement (das Lesen). Die Bestandteile eines unbekannten Worts können Hinweise auf seine Bedeutung geben, ersetzen aber nicht immer den Blick ins Wörterbuch.
Die vier Verfahren
Zusammensetzung: Hier verbinden sich zwei oder mehrere Wörter. Typische Fälle sind Haustür, Bundestagswahl, dunkelblau und radfahren.
Ableitung: Hier tritt ein Präfix oder Suffix hinzu. Beispiele: unfreundlich, Freundschaft, Lehrer, bearbeiten, lesbar.
Kurzwort: Dabei werden längere Wörter oder Wortgruppen verkürzt. Beispiele sind Uni, Abi, Bus und Foto. Zu den Kurzwörtern zählen auch Initialwörter wie LKW.
Konversion: Dabei wechselt ein Wort die Wortart, ohne dass ein Wortbildungselement hinzukommt. Beispiele sind das Lesen, das Gute und der Angestellte.
Die wichtigsten Vorsilben
Verneinung: un (unklar), miss (misslingen), nicht (Nichtraucher), a in Lehnwörtern (asozial, atypisch).
Verstärkung: ur (uralt), erz (erzkonservativ), super-, hyper-, mega in modernen Neubildungen.
Untrennbare Verbpräfixe: Bei Verben mit be-, ge-, er-, ver-, zer-, ent-, emp- und miss entfällt das ge im Partizip II in der Regel: besucht, verkauft, entschieden.
Trennbare Verbzusätze: Dazu gehören zum Beispiel ab-, an-, auf-, aus-, ein-, mit-, nach-, vor- und zu. Im Hauptsatz stehen sie abgetrennt am Satzende: Er räumt auf.

Die wichtigsten Nachsilben
Feminine Substantive: -ung (Prüfung), -heit (Freiheit), -keit (Möglichkeit), -schaft (Wissenschaft), -ei (Bäckerei), -ion (Funktion).
Maskuline Substantive: -er (Lehrer), -ling (Lehrling), -ismus (Kapitalismus), -or (Motor).
Neutrale Substantive: -chen (Mädchen), -lein (Büchlein) und -ment (Dokument). Bei -tum variiert das Genus, etwa das Eigentum, aber der Reichtum.
Adjektive: -bar (lesbar), -lich (freundlich), -ig (eilig), -sam (sparsam), -los (hilflos), -haft (fehlerhaft), -isch (typisch).
Entlehnung: eine weitere Quelle für neue Wörter
Neben der Wortbildung erweitert auch die Entlehnung aus anderen Sprachen den deutschen Wortschatz. Welche Sprachen dabei besonders einflussreich sind, hängt von Zeit, Fachgebiet und Sprachkontakt ab.
Übernommene Wörter können an die deutsche Grammatik und Schreibung angepasst werden. Beispiele sind das Meeting, die Meetings sowie downloaden, downgeloadet.
Bei jungen Entlehnungen schwankt vieles. Der oder das Blog, gedownloadet oder downgeloadet: In solchen Fällen führen Wörterbücher beide Formen, und innerhalb eines Textes sollte nur eine vorkommen.
Häufige Fehler und typische Zweifelsfälle
Das Geschlecht folgt dem Suffix: Substantive mit den Suffixen -ung, -heit, -keit und -schaft sind feminin. Entscheidend ist das Suffix, nicht allein die Buchstabenfolge am Wortende.
Un- oder nicht-: un bildet häufig ein Gegenteil, etwa unklar. nicht erscheint in Zusammensetzungen wie Nichtraucher; die Schreibweise richtet sich nach der jeweiligen Verbindung.
Scheidbarkeit von Präfixen: Für um-, über-, unter-, durch- und wider legt der Akzent fest, ob getrennt wird. Betont man vorne, bedeutet umfahren niederfahren; betont man hinten, handelt es sich um herumfahren.
Geschlecht verkürzter Termini: Kurzwörter können das Genus ihrer Langform übernehmen, etwa der Bus aus der Langform Omnibus. Das Foto zeigt aber, dass sich das Genus auch ändern kann: die Fotografie, aber das Foto.
Plurale bei Abkürzungen: Kurzwörter erhalten im Plural häufig die Endung -s: die Unis, die Fotos, die Lkws. Bei manchen Initialwörtern ist daneben die endungslose Form möglich: die Lkw.

Wortbildung in Fachtexten
In wissenschaftlichen Arbeiten entstehen laufend neue Begriffe, meist durch Zusammensetzung oder Ableitung. Beide Verfahren sind zulässig und üblich.
Wichtig ist die Erklärung beim Erstgebrauch. Selbst gebildete Begriffe können erklärungsbedürftig sein, weil die Beziehung zwischen ihren Teilen nicht immer eindeutig ist.
Ein weiterer Punkt betrifft -ung-Derivate. Eine Häufung solcher Formen kann den Nominalstil verstärken und Texte schwerer lesbar machen. Das Zählen kann deshalb einen Hinweis auf diese Verdichtung geben.
Ein dritter Prüfpunkt sind Abkürzungen. Bei der ersten Nennung sollten sie erklärt werden, wenn sie nicht allgemein bekannt sind. Ob sich eine Abkürzung lohnt, hängt von Fachgebiet, Leserschaft und Häufigkeit ihrer Verwendung ab.
Die vierte Beobachtung betrifft Adjektivableitungen mit -bar beziehungsweise -lich. Sie können Relativsätze ersetzen, wenn die Bedeutung passt: „prüfbar“ statt „was sich prüfen lässt“. In Methodenteilen kann das Formulierungen verkürzen, ohne die Aussage zu verändern.
Ein fünfter Punkt betrifft Wörter auf -ismus und -ist. -ismus kann unter anderem Geisteshaltungen, Richtungen oder Erscheinungen bezeichnen; -ist benennt häufig Personen in Bezug auf eine Richtung oder Tätigkeit. In Analysen sollte die jeweilige Wortbedeutung und mögliche Wertung im Kontext geprüft werden.
Fazit: Wortbildung auf einen Blick
Zu den häufig behandelten Verfahren der Wortbildung gehören Zusammensetzung, Ableitung, Kurzwortbildung und Konversion. Sie erklären viele Muster des Wortschatzausbaus, erfassen aber nicht jede Quelle neuer Wörter.
Bei substantivischen Ableitungen mit -ung, -heit, -keit und -schaft ist das Genus feminin. Bei Verben kann die Vorsilbe die Trennbarkeit und die Bildung des Partizips II beeinflussen.
Der Überblick zeigt Arten, Regeln und Beispiele der Wortbildung.
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