Substantivierung: Regeln, Signale und Beispiele
Die Signalwörter, die Großschreibung und der Nominalstil
Eine Substantivierung entsteht, wenn ein Verb, ein Adjektiv oder ein anderes Wort wie ein Substantiv gebraucht wird: das Lesen, der Angestellte, das Schöne, ein Für und Wider. Sie wird dann großgeschrieben, und genau darin liegt eine der häufigsten Fehlerquellen der deutschen Rechtschreibung. Zum Glück gibt es verlässliche Signale: Artikel, Präposition, Adjektiv oder Mengenwort davor machen aus fast jedem Wort ein Substantiv.
Die Signalwörter für die Großschreibung
Artikel: das Lesen, der Angestellte, ein Lächeln, die Reisenden. Das deutlichste Signal überhaupt.
Verschmolzene Präposition: beim Lesen, zum Verwechseln, im Großen und Ganzen, am Besten in bestimmten Fügungen.
Adjektiv oder Pronomen: lautes Lachen, sein Kommen, dein Bestes, unser Wichtigstes.
Mengenwörter: etwas Neues, nichts Besonderes, viel Interessantes, alles Gute, wenig Erfreuliches.
Substantivierte Verben
Jeder Infinitiv lässt sich substantivieren, und das Ergebnis ist immer sächlich: das Lesen, das Schreiben, das Warten, das Zusammenkommen.
Diese Formen haben keinen Plural. Wer eine Mehrzahl braucht, weicht auf ein anderes Wort aus: die Sitzungen statt die Zusammenkommen.
Auch mehrteilige Fügungen werden zusammengeschrieben: das Autofahren, das Zustandekommen, das Inkrafttreten. Die Getrenntschreibung ist an dieser Stelle ein häufiger Fehler.
Der Unterschied zur Verbform ist an der Großschreibung erkennbar: Er kann gut kochen gegenüber das Kochen liegt ihm. Nur im zweiten Fall liegt ein Substantiv vor.

Substantivierte Adjektive und Partizipien
Sie behalten ihre Adjektivbeugung: der Angestellte, ein Angestellter, die Angestellten, mit den Angestellten.
Diese Doppelnatur überrascht regelmäßig, weil das Wort aussieht wie ein normales Substantiv. Im Dativ Plural heißt es den Angestellten, nicht den Angestellte.
Häufig sind Partizipien in dieser Rolle: die Studierenden, die Befragten, die Beteiligten, die Reisenden. In geschlechtergerechter Sprache sind sie besonders beliebt, weil sie beide Formen einschließen.
Nach etwas, nichts, viel und wenig steht die starke Endung: etwas Neues, nichts Gutes. Nach alles steht die schwache: alles Gute.
Zusammenschreibung bei mehrteiligen Formen
Wird eine ganze Fügung substantiviert, rückt sie zu einem Wort zusammen: das Autofahren, das Zustandekommen, das Inkrafttreten, das Kopfschmerzenhaben. Auch lange Ketten werden zusammengeschrieben.
Bei sehr langen Bildungen ist ein Bindestrich zulässig, um die Lesbarkeit zu retten: das Sich-nicht-entscheiden-Können. Diese Schreibung ist korrekt und wirkt trotzdem gekünstelt.
In solchen Fällen ist eine Umformulierung fast immer besser. Aus dem Sich-nicht-entscheiden-Können wird die Unfähigkeit, sich zu entscheiden, und der Satz gewinnt.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Der Klassiker: Beim Lesen groß, aber er kann gut lesen klein. Die verschmolzene Präposition beim ist das Signal.
Am besten: Klein bei der Steigerung (das gefällt mir am besten), groß in festen Fügungen mit Artikel (das Beste daran). Diese Unterscheidung ist heikel und wird oft falsch getroffen.
Recht und Unrecht: Recht haben und recht haben sind beide zulässig, seit die Rechtschreibreform die Großschreibung wieder erlaubt hat. Innerhalb eines Textes sollte nur eine Variante vorkommen.
Tageszeiten: heute Morgen groß, morgens klein, morgen früh klein. Diese Verteilung folgt keiner Regel, die sich ableiten ließe, und ist nachzuschlagen.
Farben und Sprachen: auf Deutsch groß, deutsch sprechen klein; in Blau groß, blau streichen klein. Auch hier entscheidet das Signalwort davor.

Der Nominalstil in Texten
Substantivierungen erzeugen den Nominalstil: die Durchführung der Untersuchung erfolgte statt wir führten die Untersuchung durch. In Gutachten gilt er als schwerfällig.
Erkennbar ist er an Endungen wie -ung, -heit, -keit und an substantivierten Infinitiven. Wer solche Wörter zählt, hat ein Maß für die Dichte eines Textes.
Die Gegenprobe ist einfach: Lässt sich das Substantiv in ein Verb zurückverwandeln, gewinnt der Satz fast immer. Er wird kürzer, und die handelnde Person kommt zurück in den Text.
Ganz verzichten lässt sich auf den Nominalstil nicht. Fachbegriffe sind oft Substantive, und in Überschriften ist die Form üblich. Die Grenze verläuft dort, wo eine Handlung beschrieben wird: Dort gehört ein Verb hin.
Ein praktischer Hinweis für Abschlussarbeiten: Der Methodenteil verträgt am wenigsten Nominalstil, weil dort Handlungen beschrieben werden. In Definitionen und im Theorieteil ist er dagegen unauffällig, weil dort Begriffe im Mittelpunkt stehen.
Fazit: Substantivierung auf einen Blick
Eine Substantivierung entsteht, wenn ein Wort wie ein Substantiv gebraucht wird. Sie wird großgeschrieben, und Artikel, Präposition, Adjektiv oder Mengenwort sind die Signale.
Substantivierte Infinitive sind sächlich und haben keinen Plural. Substantivierte Adjektive behalten ihre Beugung: der Angestellte, ein Angestellter.
Die Einordnung „Substantivierung: Regeln, Signale und Beispiele“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.
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