Nominalstil in Verbalstil umwandeln

So machst du deine Texte klarer und dynamischer

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Der Nominalstil drückt alles durch Substantive aus und wirkt schwerfällig, der Verbalstil nutzt Verben und liest sich lebendig. Diese Anleitung zeigt den Unterschied und wie du übertriebenen Nominalstil in klaren Verbalstil umwandeln kannst – mit Beispielen.

Nominalstil und Verbalstil: Unterschied und Beispiele

Beim Nominalstil tragen vor allem Substantive die Aussage. Handlungen und Vorgänge erscheinen dadurch häufig als Hauptwörter, besonders als Bildungen auf -ung. Ein typisches Beispiel lautet: Die Durchführung der Analyse erfolgte unter Berücksichtigung der Vorgaben. Im Verbalstil übernehmen dagegen Verben die zentrale Aufgabe: Wir analysierten die Daten und berücksichtigten die Vorgaben. Der Unterschied zeigt sich sofort. Das zweite Beispiel nennt die Handelnden, beschreibt zwei konkrete Tätigkeiten und kommt mit weniger abstrakten Formulierungen aus. Dadurch lässt sich die Aussage schneller erfassen. Nominalstil und Verbalstil bezeichnen also keine unterschiedlichen Inhalte, sondern zwei Arten, denselben Inhalt sprachlich zu gestalten.

Nominalstil erkennen: typische Merkmale

Achte beim Überarbeiten zuerst auf eine Häufung abstrakter Substantive. Auffällige Endungen sind -ung, -heit, -keit, -ion. Weitere Warnsignale sind blasse Funktionsverben wie erfolgen, durchführen, vornehmen, zur Anwendung bringen. Sie bilden zusammen mit einem Substantiv eine umständliche Aussage, obwohl oft ein treffendes Verb genügt. Besonders schwer lesbar werden lange Substantivketten wie zur Optimierung der Durchführung der Messung. Frage dann: Welche Handlung steckt in den Hauptwörtern, und wer führt sie aus? Diese beiden Fragen decken das versteckte Verb und ein mögliches Subjekt auf. Nicht jedes Substantiv ist problematisch. Entscheidend ist, ob mehrere Nominalisierungen die eigentliche Handlung verdecken und den Satz unnötig abstrakt machen.

Vom Substantiv zum Verb: so gelingt die Umwandlung

Suche zunächst das Substantiv, das eine Handlung oder einen Vorgang ausdrückt, und bilde daraus wieder ein Verb. Aus die Überprüfung der Hypothese wird die Hypothese überprüfen. Anschließend bestimmst du, wer handelt, und setzt diese Person oder Sache als Subjekt ein. Prüfe danach, welche Füllwörter und Präpositionen entfallen können. So wird unter Verwendung von zu indem man … verwendet. Auch ein Funktionsverb lässt sich oft vollständig streichen: Eine Steigerung der Effizienz erfolgte wird zu Die Effizienz stieg. Lies den neuen Satz abschließend im Zusammenhang. Er soll nicht nur kürzer, sondern auch eindeutig und inhaltlich vollständig sein. Mit diesem Vorgehen kannst du Nominalstil in Verbalstil umwandeln, ohne die Aussage zu verändern.

Wann Nominalstil sinnvoll sein kann

Nominalstil ist nicht grundsätzlich falsch. In wissenschaftlichen Texten kann er Informationen verdichten und sachlich wirken. Sinnvoll ist er vor allem dort, wo ein Begriff präzise bezeichnet werden soll und die handelnde Person für die Aussage keine Rolle spielt. Schwer verständlich wird der Stil erst, wenn viele Nominalisierungen, Substantivketten und Funktionsverben zusammentreffen. Eine ausgewogene Formulierung nutzt deshalb die sachliche Verdichtung gezielt, rückt konkrete Handlungen aber ins Verb, sobald ein Satz steif oder mehrdeutig klingt. Die Beispiele zeigen, dass es nicht um ein pauschales Verbot geht, sondern um eine bewusste Entscheidung zwischen Nominalstil und Verbalstil. Diesen sprachlichen Feinschliff übernimmt auch ein Lektorat.

Bei der abschließenden Überarbeitung lohnt sich ein Blick auf den gesamten Absatz. Wenn trotz aktiver Verben lange Satzgefüge entstehen, helfen die Hinweise zum Thema Schachtelsätze vermeiden. Ob eine Handlung besser aktiv oder passiv formuliert wird, erklärt der Beitrag Passiv und Aktiv. Den ganzen Text prüft ein Korrekturlesen oder das Stil-Lektorat. Zusätzliche Formulierungshilfen enthält die Liste wissenschaftlicher Satzanfänge. So lassen sich nicht nur einzelne Nominalisierungen ersetzen, sondern Lesefluss, Satzbau und sprachliche Präzision gemeinsam verbessern.

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Häufige Fragen zu Nominalstil und Verbalstil

Was ist der Unterschied zwischen Nominalstil und Verbalstil?

Im Nominalstil stehen Substantive und Nominalisierungen im Mittelpunkt. Der Verbalstil rückt Handlungen durch passende Verben in den Vordergrund. Dadurch wird oft deutlicher, wer etwas tut und was genau geschieht. Beide Stilformen können denselben Inhalt ausdrücken.

Wie wandle ich Nominalstil in Verbalstil um?

Verwandle das zentrale Substantiv zurück in ein Verb: Aus die Überprüfung der Hypothese wird die Hypothese überprüfen. Ergänze bei Bedarf ein handelndes Subjekt und entferne entbehrliche Funktionsverben oder Präpositionen.

Woran erkenne ich Nominalstil?

Typisch sind Häufungen von Substantiven auf -ung, -heit, -keit und blasse Funktionsverben wie erfolgen oder durchführen. Auch lange Substantivketten können darauf hinweisen, dass mehrere Handlungen als Hauptwörter formuliert wurden.

Ist Nominalstil verboten?

Nein. In Maßen kann Nominalstil sachlich wirken und Informationen verdichten. Problematisch wird er, wenn zu viele Nominalisierungen die Handlung verdecken und Sätze dadurch schwer verständlich werden.

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