Komposita: Zusammensetzungen mit Regeln und Beispielen
Die Bildung, das Fugenelement und die Regeln für Bindestriche
Komposita sind zusammengesetzte Wörter: Haustür, Bundestagswahl, Donaudampfschifffahrt. Das Deutsche bildet sie fast unbegrenzt, und genau das ist seine bekannteste Eigenheit. Zwei Regeln beherrschen das Feld: Das letzte Glied bestimmt Geschlecht und Plural, und zwischen den Gliedern steht manchmal ein Fugenelement wie s oder n. Wann dieses s steht, folgt keiner einfachen Regel, wohl aber verlässlichen Teilmustern.
Die Grundregel in einem Satz
Ein Kompositum besteht aus mindestens zwei Wörtern. Das letzte Glied heißt Grundwort und bestimmt Wortart, Geschlecht und Plural.
Beispiel: die Haustür ist feminin, weil Tür feminin ist. Der Türrahmen ist maskulin, weil Rahmen maskulin ist. Dasselbe Erstglied, verschiedenes Geschlecht.
Alle vorangehenden Glieder heißen Bestimmungswörter und schränken ein. Eine Haustür ist eine Tür, keine Art von Haus, und diese Richtung gilt ohne Ausnahme.
Das Fugenelement
Zwischen den Gliedern kann ein Fugenelement stehen: Arbeitsplatz, Sonnenschein, Hundehütte, Bilderrahmen.
Ein Fugen-s steht regelmäßig nach den Endungen -ung, -heit, -keit, -schaft, -tum, -ling und -ion: Zeitungsartikel, Sicherheitsgurt, Wissenschaftsbetrieb, Eigentumswohnung.
Ein Fugen-n steht bei femininen Wörtern auf -e und bei schwachen Maskulina: Sonnenschein, Strahlenbelastung, Studentenausweis, Kollegenkreis.
Bei vielen Wörtern gibt es keine Regel, sondern nur den Gebrauch: Schweinebraten, aber Schweinshaxe. Rindfleisch, aber Rindsroulade. In solchen Fällen entscheidet das Wörterbuch.
Kein Fugenelement steht bei den meisten einsilbigen Erstgliedern: Haustür, Buchtitel, Handschuh, Bahnhof. Diese Gruppe ist die größte, und dort stellt sich die Frage gar nicht.

Determinativ und Kopulativ unterscheiden
Der Normalfall ist das Determinativkompositum: Das erste Glied bestimmt das zweite näher. Eine Haustür ist eine Art Tür, ein Rotwein eine Art Wein.
Selten ist das Kopulativkompositum: Beide Glieder sind gleichrangig. Schwarzweiß, süßsauer, taubstumm, deutsch-französisch. Hier bestimmt keines das andere.
Bei geografischen und politischen Bildungen steht meist ein Bindestrich: deutsch-französische Beziehungen, schleswig-holsteinisch. Die Zusammenschreibung wäre hier missverständlich.
Bindestrich und Zusammenschreibung
Der Normalfall ist die Zusammenschreibung, auch bei langen Bildungen: Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung.
Ein Bindestrich ist zulässig, um die Lesbarkeit zu verbessern: Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz. Diese Möglichkeit ist freigestellt und keine Pflicht.
Pflicht ist der Bindestrich bei Zusammensetzungen mit Ziffern (3-Zimmer-Wohnung), mit Einzelbuchstaben (S-Kurve, T-Shirt) und mit Abkürzungen (Kfz-Steuer, DIN-Norm).
Bei mehrteiligen Fügungen aus dem Englischen ist beides zulässig: Public-Relations-Abteilung oder Public Relations Abteilung, wobei die erste Form die korrektere ist.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Der Deppenleerzeichen: Formen wie Marketing Abteilung und Kunden Service sind aus dem Englischen übernommen und im Deutschen falsch. Richtig ist Marketingabteilung und Kundenservice.
Das Geschlecht: Es richtet sich nach dem letzten Glied, nicht nach dem ersten. Der Butterberg ist maskulin, obwohl Butter feminin ist.
Der Plural: Ebenfalls nach dem letzten Glied. Die Haustüren, die Türrahmen. Das Erstglied bleibt unverändert.
Drei gleiche Buchstaben: Sie werden alle geschrieben: Schifffahrt, Sauerstoffflasche, Rolllade. Vor der Rechtschreibreform fiel einer weg, heute stehen alle drei.
Der Ergänzungsstrich: Bei Aufzählungen mit gemeinsamem Glied steht ein Bindestrich: Ein- und Ausgang, Haus- und Grundbesitz. Er wird oft vergessen.

Zusammensetzungen in Fachtexten
In wissenschaftlichen Arbeiten sind Komposita das übliche Mittel zur Begriffsbildung: Forschungsfrage, Erhebungsinstrument, Auswertungsverfahren. Alle drei sind knapper als jede Umschreibung.
Die Grenze liegt bei der Länge. Ab drei Gliedern wird ein Kompositum schwer erfassbar, und Bildungen wie Datenerhebungsverfahrensbeschreibung sollten aufgelöst werden.
Ein zweiter Punkt betrifft die Eindeutigkeit. Ein Frauenarzt ist ein Arzt für Frauen, ein Kinderarzt ein Arzt für Kinder, ein Tierarzt ein Arzt für Tiere. Die Beziehung zwischen den Gliedern ist nicht festgelegt und ergibt sich nur aus dem Wissen der Lesenden.
Ein dritter Prüfpunkt sind Neubildungen. Wer einen eigenen Begriff prägt, sollte ihn bei der ersten Nennung erklären, weil die Beziehung zwischen den Gliedern sonst offen bleibt.
Ein vierter Punkt betrifft die Trennung am Zeilenende. Zusammengesetzte Wörter werden an der Fuge getrennt, nicht nach Sprechsilben: Haus-tür, nicht Haust-ür. Textverarbeitungen halten sich meist daran, bei seltenen Bildungen aber nicht.
Ein fünfter Hinweis gilt Fachbegriffen aus dem Englischen. Werden sie mit deutschen Wörtern verbunden, gilt die deutsche Regel: Cloudspeicher, Onlineshop, E-Mail-Adresse. Die Getrenntschreibung ist auch hier falsch.
Fazit: Komposita auf einen Blick
Komposita sind zusammengesetzte Wörter. Das letzte Glied bestimmt Wortart, Geschlecht und Plural, die vorangehenden schränken ein.
Zwischen den Gliedern kann ein Fugenelement stehen, meist s oder n. Der Normalfall ist die Zusammenschreibung, ein Bindestrich ist bei Ziffern, Einzelbuchstaben und Abkürzungen Pflicht.
Die Einordnung „Komposita: Zusammensetzungen mit Regeln und Beispielen“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.
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