Zwei Wörterbücher, zwei völlig verschiedene Antworten
Duden online und DWDS im direkten Vergleich
Beide sind kostenlos nutzbar, beide beantworten Wortfragen, und trotzdem können sie unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der Duden bietet redaktionell bearbeitete Wörterbuchartikel, das DWDS verbindet Wörterbuchangaben mit Korpusdaten. Wer weiß, wann welche Information gefragt ist, kann die Ergebnisse gezielter einordnen.
Redaktion gegen Korpus: dieser eine Unterschied erklärt alles
Als Verlagsprodukt bestimmt beim Duden eine Redaktion, welche neuen Wörter aufgenommen werden, wie sie definiert werden und welche Schreibvariante unter den zulässigen Optionen empfohlen wird. Das Ergebnis ist eine prägnante, verbindlich klingende Auskunft. Genau diese Klarheit suchen die meisten Nutzer.
Das DWDS ist ein Forschungsvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Es dokumentiert über 270.000 Lemmata und ordnet sie anhand umfangreicher Textbestände ein: Dazu zählen das Deutsche Textarchiv, das DWDS-Kernkorpus, Zeitungskorpora, ein Korpus internetbasierter Kommunikation sowie eines mit Filmuntertiteln.
Der praktische Unterschied liegt im Schwerpunkt: Der Duden bietet redaktionell bearbeitete Wörterbuchartikel und Rechtschreibhilfen, das DWDS verbindet Wörterbuchangaben mit Korpusdaten. Für Rechtschreibfragen kann der Duden Orientierung geben; für Aussagen über den in Korpora dokumentierten Sprachgebrauch sind DWDS-Daten passend.
Jedes Werk kann etwas, was das andere nicht leistet
| Merkmal | Duden online | DWDS |
|---|---|---|
| Träger | Marke der Cornelsen-Gruppe | Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften |
| Geschäftsmodell und Förderung | Werbung und kostenpflichtige Zusatzangebote | Öffentliche Förderung im Akademienprogramm |
| Schreibempfehlung bei mehreren Varianten | Dudenempfehlungen können eine bevorzugte Variante kennzeichnen | Keine eigene Schreibempfehlung; Angaben zum Sprachgebrauch und Korpusbelege |
| Belegstellen aus echten Texten | Beispiele in der Wortbeschreibung | Korpusabfrage mit Fundstelle und Quellenangabe |
| Zeitliche Entwicklung eines Wortes | keine Verlaufskurve als eigene Wörterbuchfunktion ausgewiesen | Verlaufskurven ab etwa 1600 |
| Typische Wortverbindungen | Wortverbindungen in Beispielen und Beschreibungen | Wortprofil als eigene Auswertung |
| Historische Tiefe | Herkunftsangaben bei vielen Einträgen | Etymologisches Wörterbuch, WDG und Grimmsches Wörterbuch sind durchsuchbar |
Entscheidend ist, ob du eine Schreibempfehlung oder Belege aus Korpora brauchst. Der Duden bietet Dudenempfehlungen, das DWDS Korpusdaten. Welchen Nutzen das hat, hängt von der jeweiligen Frage ab.
Ein Wort, zwei Nachschlagewege
Wenn du prüfen willst, ob ein Fachbegriff in deinem Fach üblich ist, zeigt ein Duden-Eintrag vor allem Definition und allgemeine Gebrauchsangaben. Für die Verwendung in einem bestimmten Fachgebiet braucht es zusätzlich fachnahe Belege.
Im DWDS gehst du weiter: Das Wortprofil zeigt, mit welchen Wörtern der Begriff typischerweise auftritt, die Verlaufskurve dokumentiert seine zeitliche Häufigkeit in ausgewählten Korpora, und die Korpusbelege zeigen, in welchen Textsorten er vorkommt. Steht ein Begriff überwiegend in Pressebeiträgen und kaum in fachnahen Texten, kann das ein Hinweis sein; für eine belastbare Einschätzung müssen jedoch passende Fachquellen berücksichtigt werden.
Bei einer reinen Rechtschreibfrage können Korpusabfragen entbehrlich sein. Für die Zulässigkeit einer Schreibweise ist das amtliche Regelwerk maßgeblich; Dudenempfehlungen können bei der Auswahl helfen. Diese Zuständigkeiten haben wir unter Duden und amtlichem Regelwerk auseinandersortiert.
Welches Werk im Literaturverzeichnis besser aussieht
Beide können je nach Fragestellung und den Vorgaben der Arbeit zitiert werden, belegen aber Unterschiedliches. Ein DWDS-Beleg kann Aussagen über den Sprachgebrauch in den ausgewerteten Korpora stützen, weil Datengrundlage und Fundstelle offenliegen. Ein Duden-Eintrag stützt dagegen Aussagen darüber, wie ein etabliertes Wörterbuch das Wort beschreibt und welche Schreibung es empfiehlt. Die Frage, welches Werk im Literaturverzeichnis besser aussieht, lässt sich nicht allgemein beantworten.
Problematisch wird es, wenn ein Duden-Eintrag beweisen soll, dass eine Alternativschreibung unzulässig ist, oder wenn ein einzelner Korpusbeleg zur allgemeinen Regel erklärt wird. Dann trägt die Quelle die Schlussfolgerung nicht. Gib ein Abrufdatum an, wenn der gewählte Zitierstil oder die Fachvorgaben es verlangen; beide Angebote werden regelmäßig aktualisiert.
Bei sprachwissenschaftlichen Arbeiten sind Korpusdaten eine passende Grundlage für Aussagen über Bedeutungswandel, Häufigkeit oder Wortverbindungen. Wer eine Norm oder Schreibempfehlung belegt, sollte das Regelwerk und gegebenenfalls ergänzend den Duden heranziehen.
Kurzentscheidung nach Anlass
- Schnelle Schreibweise oder Worttrennung im Alltag: Duden online als Orientierung; bei verbindlichen Fragen das amtliche Regelwerk.
- Einheitlicher Hausstil gewünscht: Dudenempfehlungen können als Grundlage dienen.
- Gebrauch eines Wortes in einem ausgewählten DWDS-Korpus nachweisen: Korpusbeleg mit Quellenangabe.
- Alter, Aufkommen oder Rückgang eines Ausdrucks prüfen: DWDS-Verlaufskurve.
- Typische Wortverbindungen prüfen: DWDS-Wortprofil.
- Für Schule, Amt oder Prüfungsleistung: amtliches Regelwerk sowie die Vorgaben der jeweiligen Einrichtung beachten.
Wer beide Werke gleichzeitig offen hat, kann die passende Informationsquelle gezielt auswählen. Stelle zuerst die Frage, dann wähle das Werkzeug. Eine breitere Einordnung samt fünf weiteren Quellen steht in unserer Übersicht der frei zugänglichen Nachschlagewerke.
Häufige Fragen zu Duden und DWDS
Ist das DWDS kostenlos?
Ja. Das DWDS ist frei im Web zugänglich. Es wird als Akademienvorhaben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften getragen.
Warum steht im DWDS manchmal etwas anderes als im Duden?
Weil die Werke verschiedene Schwerpunkte haben. Der Duden bietet redaktionell bearbeitete Wortbeschreibungen und Dudenempfehlungen. Das DWDS zeigt Wörterbuchangaben sowie Belege aus den ausgewerteten Texten, einschließlich seltener und älterer Formen. Ein Unterschied ist deshalb nicht automatisch ein Widerspruch.
Welches Werk nehme ich für die Bachelorarbeit?
Für Aussagen über Sprachgebrauch können DWDS-Korpusbelege mit Fundstelle hilfreich sein. Für Schreibvarianten und Empfehlungen kommt der Duden infrage, für die Norm selbst das amtliche Regelwerk. Welche Quellen nötig sind, richtet sich nach Fragestellung, Zitierstil und Fachvorgaben.
Kann ich mit dem DWDS die Rechtschreibung prüfen?
Einzelfälle kannst du im DWDS nachschlagen. Das DWDS ist jedoch kein Prüfprogramm für ganze Texte, sondern ein Nachschlage- und Recherchewerkzeug. Für die Durchsicht eines Dokuments ist ein geeignetes Prüfverfahren erforderlich.
Enthält das DWDS auch alte Wörterbücher?
Ja. Neben dem eigenen Wörterbuch sind unter anderem das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, ein etymologisches Wörterbuch und das Grimmsche Deutsche Wörterbuch eingebunden. Das kann bei historischen Fragestellungen zusätzliche Recherchewege eröffnen.
Was gehört zum Überblick „Zwei Wörterbücher, zwei völlig verschiedene Antworten“?
Das Thema „Zwei Wörterbücher, zwei völlig verschiedene Antworten“ wird hier als Gesamtzusammenhang aufgegriffen.