Regelwerk gegen Sprachmodell: wer findet mehr Fehler

Zwei Prüfansätze mit sehr verschiedenen Risiken

Bei der Textprüfung gehen beide Werkzeuge grundverschieden vor. Ein Prüfprogramm markiert Stellen und begründet sie mit einer Regel. Ein Sprachmodell schreibt den Satz um und liefert die Begründung auf Nachfrage nach. Der Unterschied klingt klein, entscheidet aber darüber, was am Ende in deinem Dokument steht und ob du es noch verantworten kannst.

Warum beide andere Fehler finden

Der Duden-Mentor prüft gegen einen redaktionell gepflegten Wortbestand und einen Regelsatz. Findet er etwas, kann er sagen, welche Regel betroffen ist. Was nicht im Regelsatz steht, findet er nicht, und was er nicht kennt, meldet er im Zweifel als Fehler.

Ein Sprachmodell arbeitet ohne festen Regelsatz. Es erzeugt die wahrscheinlichste Fortsetzung und bemerkt dabei Dinge, für die es keine Regel gibt: einen Bruch im Gedankengang, einen Bezug, der ins Leere zeigt, ein Wort, das im Fach anders besetzt ist. Es kann aber auch etwas ändern, das völlig korrekt war.

Daraus folgt der Kern des Vergleichs. Das Programm ist zuverlässig in der Fläche und blind für Zusammenhänge. Das Modell ist stark im Zusammenhang und unzuverlässig in der Fläche, weil es dieselbe Stelle beim zweiten Durchgang anders bewerten kann.

Gegenüberstellung nach Aufgaben

AufgabeDuden-MentorSprachmodell
Tippfehler und Schreibvariantenzuverlässig, mit Regelbezugmeist richtig, aber ohne Nachweis
Kommasetzungeigener Prüfbereichgut, schwankt aber zwischen Durchgängen
Verständlichkeit eines Absatzesnur Hinweise auf Satzlänge und Füllwörterdeutliche Stärke
Fachterminologieunbekannte Begriffe werden angemeckertwird oft unbemerkt ersetzt
Nachvollziehbarkeit der KorrekturRegel wird benanntBegründung erst auf Nachfrage, nicht immer belastbar
Reproduzierbarkeitgleicher Text, gleiches ErgebnisErgebnis kann je Durchgang abweichen
Umgang mit langen Dokumentenje Stufe kontingentiertabschnittsweise, Zusammenhang geht dabei verloren

Was ein Modell still mitverändert

Der häufigste Schaden entsteht nicht durch falsche Korrekturen, sondern durch unbemerkte. Wer einen Absatz mit der Bitte um Korrektur einwirft, bekommt fast immer einen umgeschriebenen Absatz zurück, nicht einen korrigierten.

  • Fachbegriffe werden gegen geläufigere Wörter getauscht, wodurch die Aussage ungenauer wird.
  • Einschränkungen wie tendenziell oder in dieser Stichprobe verschwinden, aus einer vorsichtigen Aussage wird eine starke.
  • Die eigene Schreibstimme wird eingeebnet, über ein ganzes Kapitel fällt das auf.
  • Zahlen, Namen und Quellenangaben werden gelegentlich mitgeschrieben und dabei verändert.

Gegenmittel ist banal und wirksam: nie den zurückgegebenen Text einfügen, sondern die Änderungen einzeln vergleichen und nur übernehmen, was du begründen kannst. Wer das nicht tut, gibt einen Text ab, für dessen Formulierungen er nicht mehr geradestehen kann.

Was in der Hochschule dazukommt

Zwei Punkte spielen bei Prüfungsleistungen hinein. Erstens gilt die Vorgabe der Hochschule: Manche Ordnungen verlangen die Angabe eingesetzter Hilfsmittel, manche schränken sie ein. Diese Regelung steht über jeder Werkzeugfrage.

Zweitens die Vertraulichkeit. Eine unveröffentlichte Abschlussarbeit in ein Chatfenster zu kopieren, ist eine Weitergabe an einen Dritten, oft mit unklarer Weiterverarbeitung. Bei Arbeiten mit Sperrvermerk oder Unternehmensdaten ist das regelmäßig ausgeschlossen.

Zum Umgang mit erkennungsschwachen Grenzfällen und zur Frage, was Erkennungssysteme wirklich zeigen, ordnet unser KI-Scanner die Lage ein. Wie Gerichte einen konkreten Fall bewertet haben, steht unter Urteil des VG Kassel zu ChatGPT.

Der Ablauf, der beides sinnvoll nutzt

  1. Erst das Prüfprogramm über den Text laufen lassen, damit die mechanischen Fehler verschwinden.
  2. Danach einzelne schwierige Absätze mit einem Modell besprechen, ohne den Rückgabetext zu übernehmen.
  3. Jede vorgeschlagene Änderung gegen ein Wörterbuch oder die Fachliteratur prüfen.
  4. Am Ende das ganze Dokument auf Einheitlichkeit durchsehen, weil beide Werkzeuge nur abschnittsweise arbeiten.

Die letzte Stufe übernimmt weiterhin ein Mensch. Was ein professionelles Korrekturlesen zusätzlich leistet und wo die Grenze zwischen Werkzeug und Lektorat verläuft, behandelt der Vergleich KI-Prüfung und Lektorat. Wie sich der Duden-Mentor gegen ein anderes Prüfprogramm schlägt, steht unter Duden-Mentor oder LanguageTool.

Häufige Fragen zu Prüfprogramm und KI

Findet ChatGPT mehr Fehler als der Duden-Mentor?

Es findet andere. Bei Zeichensetzung und Schreibvarianten ist ein regelbasiertes Programm verlässlicher, weil es dieselbe Stelle immer gleich bewertet. Bei unklaren Bezügen und schwerfälligen Sätzen liegt das Modell vorn. Die Kombination schlägt beide Einzelwerkzeuge.

Darf ich meine Bachelorarbeit von einer KI korrigieren lassen?

Das hängt von der Prüfungsordnung deiner Hochschule ab. Verbreitet ist die Pflicht, eingesetzte Hilfsmittel anzugeben. Sprachliche Korrektur wird meist anders bewertet als inhaltliche Erzeugung. Lies die Vorgabe, bevor du das Werkzeug wählst, nicht danach.

Warum korrigiert ein Modell manchmal richtige Sätze?

Weil es nicht auf Regelverstöße prüft, sondern eine wahrscheinliche Formulierung erzeugt. Ungewöhnliche, aber korrekte Sätze sind statistisch unwahrscheinlich und werden deshalb geglättet. Besonders betroffen sind Fachsprache, Zitate und bewusst gesetzte Wiederholungen.

Ist der Duden-Mentor dann überflüssig?

Nein. Der Nachweis, welche Regel eine Korrektur trägt, ist genau das, was ein Modell nicht liefert. Bei Zweifelsfällen der Getrennt- und Zusammenschreibung oder der Kommasetzung willst du eine Regel sehen und keine Wahrscheinlichkeit.

Merkt man einem Text an, dass er überarbeitet wurde?

Zuverlässig feststellen lässt sich die Herkunft eines Textes nicht, weder von Hand noch mit Erkennungssoftware. Auffällig wird eher der Bruch: ein Kapitel, das plötzlich anders klingt als die übrigen. Wer Vorschläge einzeln prüft und in die eigene Sprache überführt, hat dieses Problem nicht.

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