Wohin die Inhalte von canoonet verschwunden sind

Abschaltung 2020 und die heutigen Alternativen

Zwei Jahrzehnte lang war canoonet die erste Adresse für Flexionstabellen, Wortbildung und deutsche Grammatik im Netz. Seit Anfang 2020 gibt es das Angebot nicht mehr. Diese Seite ordnet ein, was passiert ist, wo die Inhalte heute liegen und welche Quelle welche Funktion übernimmt.

Was mit dem Angebot passiert ist

canoonet ging Mitte 2000 online und wuchs über die Jahre zu einem ungewöhnlich vollständigen Nachschlagewerk: Wortformen, Wortbildung, eine ausführliche deutsche Grammatik und ein Sprachdienst, der Leserfragen beantwortete.

Nachdem die Betreiberfirma Ende 2018 in ein anderes Unternehmen eingegliedert worden war, konnte die ursprüngliche Adresse canoo.net aus rechtlichen Gründen Ende Mai 2019 nicht weitergeführt werden. Das Angebot zog auf canoonet.eu um. Anfang 2020 wurde das eigenständige Angebot dann eingestellt.

Wesentliche Teile sind nicht verloren: Die deutsche Grammatik und der Sprachdienst wurden in das Angebot von LEO übernommen. Wer also einen alten Lesezeichen-Link auf canoo.net anklickt und im Leeren landet, sucht die Inhalte heute bei dict.leo.org.

Ersatz nach Funktion statt Ersatz nach Marke

Es gibt kein Angebot, das canoonet eins zu eins ersetzt. Sinnvoller ist die Frage, welche der vier Funktionen du eigentlich gebraucht hast.

Frühere FunktionHeute nutzbar beiHinweis
Deutsche Grammatik im VolltextLEO, dazu grammis des IDS MannheimLEO führt den übernommenen Bestand, grammis ist wissenschaftlich ausführlicher
Flexionstabellen und WortformenLEO, DWDS, Wiktionary, korrekturen.deAngaben stimmen meist überein, Darstellung unterscheidet sich stark
Wortbildung und ZusammensetzungenDWDS, grammisim DWDS über Wortprofil und Korpusbelege statt über fertige Tabellen
Fragen zu ZweifelsfällenSprachdienst bei LEO, korrekturen.de, Dudenfür die verbindliche Norm bleibt das amtliche Regelwerk maßgeblich

Wer alle vier Funktionen regelmäßig braucht, kommt heute nicht mit einer Adresse aus. Wie sich die verbliebenen Werke sonst unterscheiden, steht in unserer Übersicht der frei zugänglichen Nachschlagewerke.

Wenn canoonet noch in deinem Literaturverzeichnis steht

Ältere Arbeiten, Skripte und Lehrmaterialien verweisen weiterhin auf canoo.net. Solche Verweise sind nicht automatisch falsch, aber sie führen ins Leere und wirken in einer Prüfungsleistung unsauber. Drei Wege sind gangbar.

  1. Die Aussage in einer heute erreichbaren Quelle belegen und den Verweis austauschen. Das ist der sauberste Weg, weil die Aussage geprüft wird und nicht nur der Link.
  2. Den Originalverweis behalten und um eine Archivfassung ergänzen, wenn die Aussage sich genau so nur dort findet. Abrufdatum bleibt Pflicht.
  3. Die Aussage streichen, falls sie ohnehin nur eine Selbstverständlichkeit belegte. Bei Flexionsangaben ist das häufiger der Fall, als es beim Schreiben scheint.

Prüfe bei dieser Gelegenheit gleich die übrigen Onlinequellen deiner Arbeit. Tote Verweise sammeln sich still an, und sie fallen ausgerechnet dem auf, der die Arbeit bewertet.

Der Umstieg im Alltag

Wer canoonet gewohnt war, vermisst vor allem eines: Alles lag an einer Stelle, und die Darstellung war für Nachschlagende gebaut, nicht für Forschende. Diese Bequemlichkeit stellt heute keine einzelne Adresse wieder her, wohl aber eine kleine Routine.

Für Beugungsformen und schnelle Grammatikfragen lohnt ein festes Lesezeichen auf LEO, weil dort der übernommene Bestand liegt. Für alles, was eine Begründung braucht, ist grammis die bessere zweite Adresse, und für Fragen zur Schreibung entscheidet ohnehin das amtliche Regelwerk. Drei Lesezeichen statt einem, dafür bleibt jede Antwort belegbar.

Im Lektorat arbeiten wir genauso: erst die schnelle Quelle für die Form, dann die belastbare Quelle für die Begründung. Der zweite Schritt entfällt nur bei Fällen, die niemand bestreitet.

Was der Fall über Onlinequellen zeigt

canoonet war kein Hobbyprojekt, sondern ein etabliertes Angebot mit Firma dahinter. Genau deshalb ist der Fall lehrreich: Eine Quelle kann verschwinden, weil sich Eigentümer, Rechtslage oder Geschäftsinteressen ändern, nicht weil der Inhalt schlecht wäre.

Für die eigene Arbeit folgt daraus wenig Dramatisches, aber etwas Konkretes. Notiere zu jeder Onlinequelle das Abrufdatum, bevorzuge bei gleichwertigem Inhalt die Quelle mit institutionellem Träger, und sichere schwer ersetzbare Fundstellen als Archivfassung oder Ausdruck. Angebote von Akademien und Instituten überstehen Eigentümerwechsel deutlich zuverlässiger als kommerzielle Portale.

Häufige Fragen zu canoonet

Gibt es canoonet noch irgendwo?

Als eigenständiges Angebot nicht. Die deutsche Grammatik und der Sprachdienst wurden zu LEO übernommen und sind dort weiterhin erreichbar. Die alte Adresse canoo.net wurde bereits Ende Mai 2019 aufgegeben, die Nachfolgeadresse canoonet.eu Anfang 2020 abgeschaltet.

Warum wurde canoonet eingestellt?

Die Betreiberfirma wurde Ende 2018 in ein anderes Unternehmen eingegliedert. Damit entfiel zuerst die Nutzung des ursprünglichen Domainnamens, und Anfang 2020 führten geänderte Interessen des neuen Eigentümers zur Einstellung des eigenständigen Angebots.

Welche Seite ersetzt die Flexionstabellen am besten?

Für den schnellen Blick auf Beugungsformen sind LEO und das DWDS am nächsten dran, für den Vollzugriff auf Wortformen ist zusätzlich Wiktionary brauchbar. Unterschiede gibt es weniger in den Formen selbst als in der Übersichtlichkeit der Darstellung.

Darf ich in meiner Arbeit noch canoonet zitieren?

Nur, wenn die Fundstelle nachprüfbar bleibt, also über eine Archivfassung mit Datum. Besser ist der Austausch gegen eine erreichbare Quelle. Ein Beleg, der beim Nachschlagen ins Leere führt, schwächt die Aussage, auch wenn sie inhaltlich stimmt.

Gibt es ein deutsches Grammatikportal mit wissenschaftlichem Anspruch?

Ja, grammis des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. Es ist kostenlos, korpusbasiert und ausführlich, richtet sich allerdings eher an fachlich Interessierte als an Menschen, die in zehn Sekunden eine Verbform nachschlagen wollen.

Was deckt „Wohin die Inhalte von canoonet verschwunden sind“ ab?

Der Beitrag „Wohin die Inhalte von canoonet verschwunden sind“ ordnet das Thema vollständig ein.

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