Nachschlagewerke im Netz und ihre jeweilige Zuständigkeit

Duden, DWDS und fünf weitere Quellen im Überblick

Wer eine Schreibweise prüft, nimmt meist den ersten Treffer. Für Studium und Beruf lohnt der Umweg, denn die frei zugänglichen deutschen Nachschlagewerke unterscheiden sich in Träger, Datengrundlage und Verbindlichkeit erheblich. Diese Übersicht ordnet sieben Werke ein und sagt, welches welche Frage beantwortet.

Für jede Frage ein anderes Werk

Die Werke konkurrieren weniger miteinander, als es die Suchergebnisse nahelegen. Sie beantworten verschiedene Fragen: Das eine setzt die Norm, das nächste beschreibt den Gebrauch, ein drittes zeigt Formen und Flexion. Wer das trennt, spart sich das Gefühl, die Quellen widersprächen sich.

Deine FragePassendes WerkWarum dort
Wie schreibt man das normgerecht?Amtliches Regelwerk mit Wörterverzeichnissetzt die verbindliche Norm für Schule und Verwaltung
Welche zulässige Variante nehme ich?Duden onlineverzeichnet die Varianten und hebt eine Empfehlung hervor
Wie wird das Wort tatsächlich verwendet?DWDSzeigt Belege aus sehr großen Textkorpora statt nur Definitionen
Wie beuge ich das Wort richtig?LEO mit dem früheren canoonet-Bestandführt Flexions- und Wortbildungstabellen im Volltext
Ist das ein bekannter Zweifelsfall?korrekturen.desammelt Zweifelsfälle und häufige Fehlschreibungen redaktionell
Was sagt die Sprachforschung dazu?grammis und OWID des IDS Mannheimkorpusbasierte Lexikografie eines Leibniz-Instituts
Gibt es das Wort überhaupt schon?Wiktionarynimmt Neues früh auf, allerdings ohne feste Redaktion

Sieben Werke, sieben Geschäftsmodelle

Wer hinter einem Nachschlagewerk steht, bestimmt, wie es finanziert wird und wie schnell es sich ändert. Ein akademisches Projekt arbeitet langsamer, dokumentiert seine Grundlage aber offen. Ein Verlagsangebot pflegt seinen Bestand kontinuierlich und finanziert das über Werbung, Abonnements und Zusatzprodukte.

WerkTrägerZugangDatengrundlage
Amtliches RegelwerkRat für deutsche Rechtschreibungkostenlos als Dokumentamtliche Regeln, Fassung seit 1. Juli 2024
Duden online, duden.deMarke der Cornelsen-Gruppekostenlos mit Werbung, kostenpflichtige Abos und WerbefreiheitRedaktionsarbeit des Verlags
DWDS, dwds.deBerlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaftenkostenlos, ohne Kontoüber 270.000 Stichwörter, Korpora mit rund 70 Milliarden Textwörtern
grammis und OWID, ids-mannheim.deLeibniz-Institut für Deutsche Sprachekostenlos, ohne Kontowissenschaftliche, korpusbasierte Lexikografie und Grammatik
LEO, dict.leo.orgLEO GmbHkostenlos mit WerbungÜbersetzungswörterbücher, dazu übernommene canoonet-Grammatik
korrekturen.deJulian von Heylkostenlos, daneben eigenes kostenpflichtiges Lektoratredaktionelle Wortlisten zu Zweifelsfällen und beliebten Fehlern
WiktionaryWikimedia Foundation, ehrenamtliche Autorenschaftkostenlos, werbefreioffenes Wiki, Belegpflicht je nach Eintrag unterschiedlich erfüllt

Zwei Punkte fallen dabei auf. Erstens ist keines dieser Werke für die normale Nachschlagefrage kostenpflichtig, der Preisvergleich entfällt also. Zweitens verkauft korrekturen.de neben dem freien Nachschlagewerk auch Lektoratsleistungen, steht also im selben Markt wie wir. Das gehört offengelegt, wenn wir das Werk hier einordnen.

Was davon in einer wissenschaftlichen Arbeit zitierfähig ist

Zitierfähig ist eine Quelle, wenn Autorschaft, Stand und Zustandekommen nachvollziehbar sind. Nach diesem Maßstab sind die Angebote der Akademie und des Leibniz-Instituts unproblematisch: Träger, Redaktion und Datengrundlage sind dokumentiert, die Einträge sind stabil adressierbar.

Der Duden ist ebenfalls zitierbar, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung. Er belegt, was der Verlag empfiehlt und als üblich verzeichnet, nicht was amtlich vorgeschrieben ist. Wer die Norm belegen will, zitiert das amtliche Regelwerk. Wie sich beide zueinander verhalten, steht ausführlich unter Duden und amtliches Regelwerk.

Wiktionary gehört dagegen nicht in das Literaturverzeichnis einer Prüfungsleistung. Die Einträge entstehen ehrenamtlich, ohne feste Redaktion und ohne verlässliche Angabe, wer für eine Aussage einsteht. Als schneller erster Blick ist das Werk brauchbar, als Beleg nicht. Dieselbe Zurückhaltung gilt für Foren und Sprachratgeber ohne benannte Verfasser.

Für alle Onlinewerke gilt: Abrufdatum notieren. Einträge werden überarbeitet, und eine Fundstelle, die sich nicht datieren lässt, ist im Zweifel keine.

Wenn zwei Werke etwas anderes sagen

Der häufigste vermeintliche Widerspruch ist keiner. Sind mehrere Schreibungen amtlich zulässig, nennt das Wörterverzeichnis eben alle, während der Duden eine davon empfiehlt und das DWDS zeigt, welche im Textbestand häufiger vorkommt. Drei verschiedene Antworten, drei verschiedene Fragen.

Echte Konflikte gibt es trotzdem. Sie entstehen meist durch veraltete Ausgaben: Eine Variante, die vor einer Regelwerksänderung galt, steht in älteren Beständen weiter. Maßgeblich ist die aktuelle Fassung, und darüber steht nur noch ein Hausstil, wenn Hochschule, Verlag oder Arbeitgeber eine der zulässigen Formen verbindlich festlegt.

Praktische Reihenfolge für den Streitfall: amtliche Norm prüfen, dann Hausstil, dann Empfehlung, dann Gebrauch. Wer diese vier Ebenen benennt, kann jede Korrektur begründen, statt sie mit dem Verweis auf ein einzelnes Werk zu behaupten.

Wo ein Nachschlagewerk aufhört

Alle sieben Werke beantworten Einzelfragen. Keines beantwortet die Frage, ob ein ganzer Text stimmig ist. Ein Wörterbuch findet nicht den falschen Bezug im Nebensatz, die uneinheitliche Zitierweise oder das Wort, das im Fach etwas anderes bedeutet als in der Alltagssprache.

Dafür braucht es entweder ein Prüfprogramm oder ein Paar Augen. Was die Programme leisten, steht im Vergleich der Rechtschreibprogramme, das Duden-eigene Werkzeug haben wir unter Duden-Mentor im Test geprüft. Für Abschlussarbeiten führt der Weg danach meist zum professionellen Korrekturlesen, weil dort Regelfrage und Textzusammenhang zusammen betrachtet werden.

Ein guter Arbeitsablauf kombiniert beides: erst das Programm über den Text laufen lassen, dann jede unklare Einzelstelle im passenden Nachschlagewerk klären, und am Ende die Entscheidungen einheitlich durch das Dokument ziehen. Wer diese Reihenfolge einhält, schlägt deutlich seltener nach und trifft dabei bessere Entscheidungen.

Häufige Fragen zu Online-Nachschlagewerken

Ist Duden online kostenlos?

Ja, die Wörterbuchsuche auf duden.de ist ohne Konto nutzbar und über Werbung finanziert. Daneben verkauft der Anbieter digitale Abonnements, Werbefreiheit, eine Programmierschnittstelle und die Textprüfung Duden-Mentor. Für das reine Nachschlagen einer Schreibweise entstehen keine Kosten.

Darf ich den Duden in einer Hausarbeit zitieren?

Ja, aber mit der richtigen Aussage. Ein Duden-Eintrag belegt, welche Varianten verzeichnet sind und welche der Verlag empfiehlt. Er belegt nicht, dass eine andere Schreibung unzulässig wäre. Für die Norm selbst ist das amtliche Regelwerk die Primärquelle, und in beiden Fällen gehört das Abrufdatum in den Beleg.

Was ist aus canoonet geworden?

Das eigenständige Angebot wurde Anfang 2020 eingestellt, nachdem die Domain canoo.net bereits 2019 aufgegeben worden war. Wesentliche Teile, darunter die deutsche Grammatik und der Sprachdienst von Dr. Bopp, wurden in das Angebot von LEO übernommen. Wer alte Lesezeichen auf canoo.net hat, sucht die Inhalte dort.

Welches Wörterbuch ist das größte?

Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, weil die Werke Unterschiedliches zählen. Das DWDS nennt über 270.000 Stichwörter und stützt sie auf Korpora mit rund 70 Milliarden Textwörtern. Verlagswerke zählen Stichwörter, offene Wikis zählen Seiten. Größe sagt ohnehin wenig darüber, ob dein konkretes Wort gut beschrieben ist.

Ersetzt ein Nachschlagewerk die Rechtschreibprüfung?

Nein, die Aufgaben sind verschieden. Ein Nachschlagewerk beantwortet eine Frage, die du bereits gestellt hast. Eine Prüfung findet die Stellen, an denen du gar nicht auf die Idee kämst nachzuschlagen. Sinnvoll ist die Kombination, weil die Prüfung Fundstellen liefert und das Wörterbuch die Entscheidung begründet.

Worum geht es bei „Nachschlagewerke im Netz und ihre jeweilige Zuständigkeit“?

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