Studieren in Österreich

Warum Österreich für deutsche Studierende immer attraktiver wird

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 30. April 2026 · zurück zum Blog

Österreich gehört für deutsche Studierende seit Jahren zu den beliebtesten Auslandsdestinationen – und der Trend hält an. Mehr als ein Viertel aller ausländischen Studierenden an österreichischen Universitäten kommt aus Deutschland. Die Gründe sind vielfältig: kaum Sprachbarrieren, vergleichsweise niedrige Studiengebühren, ein breites Studienangebot und attraktive Städte wie Wien, Graz oder Innsbruck. Doch hinter dem Hype steckt mehr als nur Lebensgefühl. Wer in Österreich studieren möchte, sollte Zulassung, Finanzierung und akademische Standards kennen. Dieser Artikel zeigt, warum Österreich so beliebt ist, was du beachten musst und welche Chancen sich hinter dem Studium im Nachbarland verbergen.

Wie beliebt Österreich bei deutschen Studierenden wirklich ist

Österreich ist für deutsche Studieninteressierte längst kein Geheimtipp mehr. Laut aktuellen Zahlen der österreichischen Statistik Austria sind rund 30 Prozent der internationalen Studierenden an öffentlichen Universitäten Deutsche – das entspricht mehrere zehntausend Personen. Besonders populär sind medizinische Studiengänge, Psychologie, Wirtschaft und Lehramt. In Wien stellen deutsche Studierende an einigen Fakultäten sogar die größte Gruppe nach den Österreichern selbst.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Beliebtheit weiter zunimmt. Während in Deutschland der Numerus clausus viele Bewerber abschreckt, locken österreichische Hochschulen mit klareren, oft auch leichteren Zulassungswegen. Auch der Wechsel mitten im Studium – etwa nach abgelehntem Medizinplatz – ist ein häufiger Auslöser für die Migration nach Wien, Graz oder Innsbruck.

Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich aber bewusst sein: Beliebtheit bedeutet auch Konkurrenz. Bei NC-freien Fächern in Österreich gibt es zwar keinen Numerus clausus im deutschen Sinne, dafür aber Aufnahmeprüfungen, etwa den MedAT für Medizin oder Eignungstests in Psychologie. Die Bewerberzahlen sind dort enorm.

Die wichtigsten Gründe für ein Studium in Österreich

Warum zieht es so viele deutsche Studierende ins Nachbarland? Die Antwort liegt in einer Kombination aus pragmatischen Vorteilen und Lebensqualität.

Hinzu kommen kulturelle Nähe, kurze Reisewege und ein gutes öffentliches Verkehrsnetz. Wer sich auf wissenschaftliches Schreiben konzentrieren will, findet zudem an österreichischen Hochschulen klare Standards – Tipps dazu liefert unser Überblick zum wissenschaftlichen Schreiben.

Zulassung und Bewerbung: So kommst du rein

Die Zulassungsverfahren in Österreich unterscheiden sich teils deutlich von deutschen. Grundsätzlich gilt: Mit deutschem Abitur erfüllst du die allgemeine Hochschulreife. Für viele Studiengänge musst du dich aber nicht klassisch bewerben, sondern dich lediglich innerhalb der Inskriptionsfristen einschreiben. Diese laufen üblicherweise von Anfang Juli bis 5. September für das Wintersemester.

Anders sieht es bei zulassungsbeschränkten Fächern aus: Medizin (MedAT), Psychologie, Pharmazie, Publizistik oder Wirtschaftswissenschaften haben spezielle Aufnahmeprüfungen. Diese finden meist im Frühsommer statt – wer zu spät plant, verliert ein Jahr. Die Anmeldung dazu erfolgt früh, oft schon im März.

Wichtig: Für ein NC-Fach in Deutschland reicht der Wechsel nach Österreich nicht automatisch aus. Du musst die Aufnahmekriterien dort regulär erfüllen. Plane mindestens sechs bis neun Monate Vorlauf ein, um Tests, Unterlagen und Wohnungssuche zu koordinieren.

Kosten, Finanzierung und Auslands-BAföG

Österreich gilt als eines der günstigsten Studienländer Westeuropas – zumindest, was die Studiengebühren betrifft. EU-Bürger zahlen an öffentlichen Unis nur den ÖH-Beitrag von rund 22,70 Euro pro Semester. Erst wenn die Mindeststudienzeit plus zwei Toleranzsemester überschritten ist, fällt ein Studienbeitrag von 363,36 Euro pro Semester an. An Privathochschulen und FHs können die Gebühren deutlich höher liegen.

Die Lebenshaltungskosten sind allerdings mit Deutschland vergleichbar oder leicht höher. In Wien solltest du mit 900 bis 1.300 Euro pro Monat rechnen, in Graz oder Linz etwas weniger. Mietpreise sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen.

Gute Nachricht: Auslands-BAföG ist möglich. Wer in Österreich studiert, kann unter bestimmten Voraussetzungen vom deutschen Staat gefördert werden – manchmal sogar mit höheren Sätzen als im Inland. Mehr dazu liest du in unserer Anleitung zum BAföG-Antrag. Auch Stipendien (DAAD, ERASMUS+) sind eine Option.

Studienalltag, Prüfungen und akademische Kultur

Der Studienalltag in Österreich ähnelt dem deutschen, hat aber Eigenheiten. Lehrveranstaltungen sind in „prüfungsimmanente" und „nicht-prüfungsimmanente" unterteilt. Erstere bedeuten kontinuierliche Mitarbeit über das Semester, Zweitere enden mit einer einzelnen Prüfung. Anwesenheitspflicht ist häufiger als in Deutschland.

Die Notenskala reicht von 1 (sehr gut) bis 5 (nicht genügend) – die 5 entspricht also einer 5,0 in Deutschland. An vielen Massenstudiengängen stehen Studierende vor großen Hörsälen, langen Wartelisten für Seminare und engen Anmeldefristen. Wer organisiert ist, kommt aber gut durch.

Akademische Integrität wird ernst genommen: Plagiate werden konsequent geahndet, häufig mit Software-gestützter Prüfung. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte vor der Abgabe eine professionelle Plagiatsprüfung oder ein Lektorat in Erwägung ziehen. Auch die Zitierregeln sind strikt – APA, Chicago oder fachspezifische Stile dominieren.

Beliebte Studienorte: Wien, Graz, Innsbruck und mehr

Wien ist mit Abstand die größte Studierendenstadt: Über 200.000 Studierende sind hier eingeschrieben, verteilt auf neun öffentliche Universitäten und mehrere Fachhochschulen. Die Universität Wien ist die größte deutschsprachige Universität überhaupt. Wer Großstadtleben, Kulturangebot und internationales Flair sucht, ist hier richtig.

Graz punktet mit einem eher familiären Charakter: rund 60.000 Studierende, gute Infrastruktur, niedrigere Mieten als in Wien. Die Karl-Franzens-Universität und die TU Graz sind in den Naturwissenschaften und der Technik stark. Innsbruck wiederum lockt mit Bergen, Wintersport und einer renommierten medizinischen Universität.

Weitere Standorte sind Linz, Salzburg und Klagenfurt. Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter. Tipp: Wer ein Fach an mehreren Standorten studieren kann, sollte die Lebenshaltungskosten und das Angebot vor Ort vergleichen – besonders bei Lehramt oder BWL gibt es deutliche Unterschiede.

Anerkennung des Abschlusses und Karrierechancen

Ein in Österreich erworbener Bachelor- oder Masterabschluss ist in Deutschland und der EU dank Bologna-Prozess voll anerkannt. Für viele Berufe – etwa Lehramt, Medizin oder Jura – gibt es jedoch besondere Anerkennungsverfahren, wenn du später in Deutschland arbeiten möchtest. Lehrer, die in Österreich ausgebildet wurden, müssen sich in Deutschland beim jeweiligen Bundesland nachprüfen lassen.

In der Wirtschaft sind österreichische Abschlüsse meist problemlos akzeptiert. Viele Großunternehmen agieren ohnehin DACH-weit. Auch das Doktorat (PhD) genießt international gutes Renommee. Wer eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt, findet in Wien starke Forschungseinrichtungen wie das IST Austria oder das Vienna Biocenter.

Wer sein Studium mit einer Abschlussarbeit krönt, sollte den Endspurt nicht unterschätzen. Beim Schliff der Bachelorarbeit oder Masterarbeit hilft ein professionelles Lektorat – gerade wenn die Sprache zwar Deutsch, der akademische Stil aber neu ist.

Quellen

Hauptquelle: SZ.de – Studieren in Österreich ist beliebt. Weitere Belege: Statistik Austria zur Hochschulstatistik, Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH), Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF). Hilfreiche Anlaufstellen für deutsche Bewerber sind außerdem der DAAD und die jeweiligen International Offices der Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck.

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Häufige Fragen

Brauche ich für ein Studium in Österreich einen NC?

In den meisten Fächern gibt es in Österreich keinen Numerus clausus im deutschen Sinne. Stattdessen entscheidet bei zulassungsbeschränkten Fächern wie Medizin, Psychologie oder Publizistik eine Aufnahmeprüfung. Bei nicht beschränkten Studien reicht die Inskription innerhalb der Frist, wenn du das deutsche Abitur vorlegen kannst. Wichtig: Wenn dein Wunschfach in Deutschland zulassungsbeschränkt ist (etwa Medizin), darfst du laut EU-Quote in Österreich nicht ohne Weiteres antreten – es gibt eine 75/20/5-Regelung, nach der nur 20 Prozent der Plätze an EU-Bewerber gehen.

Wie hoch sind die Studiengebühren in Österreich?

Für EU-Bürger an öffentlichen Universitäten fällt nur der ÖH-Beitrag von rund 22,70 Euro pro Semester an. Erst nach Überschreitung der Mindeststudiendauer plus zwei Toleranzsemestern werden 363,36 Euro pro Semester fällig. Privathochschulen und manche Fachhochschulen verlangen deutlich mehr – teils 400 bis 800 Euro pro Semester. Im internationalen Vergleich ist Österreich damit eines der günstigsten Studienländer. Die Lebenshaltungskosten liegen allerdings auf deutschem Niveau, in Wien sogar etwas darüber. Plane mit 900 bis 1.300 Euro Gesamtbudget pro Monat.

Bekomme ich BAföG, wenn ich in Österreich studiere?

Ja, Auslands-BAföG ist möglich und unter bestimmten Bedingungen sogar großzügiger als das Inlands-BAföG. Du kannst dein gesamtes Bachelor- oder Masterstudium in einem EU-Land wie Österreich gefördert bekommen, solange du die allgemeinen BAföG-Voraussetzungen erfüllst. Zuständig ist das Studierendenwerk Sachsen-Anhalt mit Sitz in Magdeburg. Anträge solltest du mindestens drei Monate vor Studienbeginn stellen. Mehr Details findest du in unserer ausführlichen Anleitung. Auch Stipendien wie DAAD-Förderungen oder das ERASMUS+-Programm sind kombinierbar.

Wird mein österreichischer Abschluss in Deutschland anerkannt?

Bachelor- und Masterabschlüsse aus Österreich werden in Deutschland im Rahmen des Bologna-Prozesses voll anerkannt. Für reglementierte Berufe wie Medizin, Pharmazie, Jura oder Lehramt gibt es zusätzliche Anerkennungsverfahren beim jeweiligen Bundesland oder bei den zuständigen Kammern. In freien Berufen und in der Wirtschaft ist die Anerkennung in der Regel unproblematisch – zumal viele Unternehmen DACH-weit agieren. Auch Promotionen werden international anerkannt. Wer langfristig in Deutschland arbeiten will, sollte aber vorab klären, ob das gewählte Fach formelle Nachprüfungen erfordert.

Welche österreichische Stadt eignet sich am besten zum Studieren?

Das hängt von deinen Prioritäten ab. Wien bietet das größte Studienangebot, internationales Flair und eine lebendige Kulturszene – allerdings auch hohe Mieten. Graz ist günstiger, familiärer und hat starke technische sowie naturwissenschaftliche Fakultäten. Innsbruck punktet mit Bergen, Sportmöglichkeiten und einer Top-Medizin-Uni. Salzburg ist klein, aber kulturell stark, Linz technisch orientiert, Klagenfurt überschaubar und gut für Erstsemester. Mein Tipp: Schau dir das konkrete Modulangebot deines Fachs an verschiedenen Unis an. Auch die Mietpreise und Nebenjob-Chancen vor Ort lohnen einen Vergleich.

Wie sind Plagiatsregeln und akademische Standards in Österreich?

Österreichische Universitäten nehmen akademische Integrität sehr ernst. Plagiate werden mit Software systematisch geprüft und können zu Aberkennung des Abschlusses führen – auch nachträglich. Mehrere prominente Politikerinnen und Politiker haben aus diesem Grund ihren Doktortitel verloren. Zitierregeln (APA, Chicago, fachspezifisch) werden strikt eingefordert. Für Abschlussarbeiten lohnt sich daher eine externe Plagiatsprüfung und ein professionelles Lektorat. Plane genug Zeit für die Endkorrektur ein – mindestens zwei bis vier Wochen vor Abgabe. So vermeidest du formale Fehler und Nachfragen der Betreuung.

Kann ich nach abgelehntem NC-Fach in Deutschland einfach in Österreich studieren?

Ein einfacher Wechsel ist nicht garantiert. Bei NC-Fächern wie Medizin, Psychologie oder Pharmazie gibt es auch in Österreich eigene, oft sehr selektive Aufnahmeverfahren. Der MedAT etwa hat Annahmequoten von rund 15 Prozent. Außerdem gilt für Medizin die EU-Quote: 75 Prozent der Plätze sind für Österreicher reserviert, 20 Prozent für andere EU-Bürger, 5 Prozent für Drittstaaten. Wer also in Deutschland abgelehnt wurde, sollte sich frühzeitig auf den Aufnahmetest vorbereiten – idealerweise mit Vorbereitungskursen und Übungsmaterial. Eine garantierte Hintertür ist Österreich nicht, aber eine realistische Chance.

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