Woher stammt das Wort Schindluder wirklich
Schindluder Herkunft: woher das Wort kommt
Die Wendung Schindluder treiben begegnet im Deutschen als feste Redensart, deren Herkunft sich bis zum mittelhochdeutschen Verb schinden zurückverfolgen lässt. Offen bleibt, wer die Redensart zuerst gebrauchte und wie genau sich die Bedeutung verschob.
Kurze Antwort zur Herkunft von Schindluder
Schindluder bezeichnete ursprünglich ein totes Tier, dem die Haut abgezogen wird, und ist laut Duden aus dem Niederdeutschen übernommen. Der Duden schreibt dazu, das Wort meine eigentlich ein totes Tier, das geschunden, also abgedeckt wird. Das DWDS ordnet Schindluder im Eintrag zu schinden ein und nennt es dort ein Schimpfwort aus dem 18. Jahrhundert, das ursprünglich gefallenes Vieh, also Aas, bezeichnete. Das Wiktionary beschreibt Schindluder als Determinativkompositum aus dem Stamm des Verbs schinden und dem Substantiv Luder.
Diese drei Wörterbücher setzen unterschiedliche Schwerpunkte: der Duden betont die niederdeutsche Herkunft, das DWDS die Einordnung als Schimpfwort aus dem 18. Jahrhundert, und das Wiktionary den sprachlichen Bauplan aus zwei Wortteilen. Aus dem toten Tier wurde im Lauf der Zeit die bekannte Redewendung mit jemandem Schindluder treiben. Nach Duden und DWDS beschreibt sie, jemanden oder etwas schändlich oder übel zu behandeln, beziehungsweise jemanden zu verspotten und zum Narren zu halten. Wer sich für Wendungen wie mit jemandem Schindluder treiben interessiert, findet unter Redewendungen einfach erklärt weitere Beispiele.
Die Kernaussage zur Herkunft lässt sich also so zusammenfassen: Ein Aas, das nur noch dem Abdecker nützt, wurde zum Schimpfwort und später zur bildhaften Redensart für schlechtes Verhalten gegenüber Menschen oder Dingen. Alle drei Quellen stimmen darin überein, dass am Anfang ein totes Tier stand, auch wenn sie unterschiedliche Facetten davon beschreiben und keine von ihnen die vollständige Geschichte allein erzählt.

Der Weg des Wortes ins heutige Deutsch
Die Geschichte von Schindluder lässt sich anhand der im DWDS genannten Stufen in groben Schritten nachzeichnen, auch wenn zwischen den einzelnen Stationen keine lückenlose Kette aus Belegen steht. Die folgende Übersicht fasst nur zusammen, was die Quelle tatsächlich nennt.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| Althochdeutsch | skinten (Verb, die Haut abziehen) | Deutsch | 9. Jahrhundert |
| Mittelhochdeutsch | schinden, schinten | Deutsch | ohne Datierung |
| Frühneuhochdeutsch | Schinder (Abdecker) | Deutsch | 15. Jahrhundert |
| Neuhochdeutsch | Schindluder (Schimpfwort) | Deutsch | 18. Jahrhundert |
| Neuhochdeutsch | mit jemandem Schindluder treiben | Deutsch | um 1800 |
Schindluder ist laut Wiktionary ein Kompositum aus dem Verbstamm schind- und dem Substantiv Luder. Der Duden ordnet das Gesamtwort dem Niederdeutschen zu, während das DWDS diese Zuordnung im Eintrag zu schinden nicht ausdrücklich trifft. Die Quellen beleuchten unterschiedliche Teile des Weges: Das Verb schinden mit seiner althochdeutschen Vorform skinten liefert die eine Hälfte, das Substantiv Luder die andere. Wer die Redensart mit jemandem Schindluder treiben zuerst gebrauchte und warum aus dem Aas ausgerechnet ein Schimpfwort wurde, sagen die Quellen nicht. Ähnlich derbe Bilder zeigen die Sprichwörter und ihre Herkunft, wobei auch dort kein einzelner Urheber bekannt ist. Die Lücke zwischen dem Schimpfwort im 18. Jahrhundert und der festen Redensart um 1800 bleibt in den Quellen unausgefüllt, auch wenn beide Zeitangaben aus derselben Quelle, dem DWDS, stammen.
Wie sich die Bedeutung verschoben hat
Der Bedeutungswandel von Schindluder lässt sich in mehreren Schritten beschreiben, die jeweils einzeln in den Quellen belegt sind. Am Anfang steht laut DWDS ein totes Tier, ein Kadaver, der nur noch für den Schinder, also den Abdecker, verwertbar war. Diese sehr konkrete, handwerkliche Bedeutung wandelte sich im 18. Jahrhundert zu einem Schimpfwort, mit dem Menschen abwertend belegt wurden. Um 1800 entstand daraus laut DWDS die feste Redensart mit jemandem Schindluder treiben im Sinn von jemanden verspotten und zum Narren halten. Heute beschreibt der Duden die Wendung umgangssprachlich als jemanden oder etwas schändlich, übel behandeln. Das DWDS ergänzt beim zugehörigen Verb schinden zusätzlich die übertragene Bedeutung quälen, ausbeuten, die diesen Bedeutungswandel sprachlich stützt.
Die einzelnen Stationen lassen sich so zusammenfassen:
- Totes Tier, Aas: die ursprüngliche, wörtliche Bedeutung laut DWDS und Wiktionary
- Schimpfwort im 18. Jahrhundert: die übertragene, abwertende Verwendung für Menschen laut DWDS
- Redensart um 1800: mit jemandem Schindluder treiben im Sinn von verspotten, zum Narren halten, laut DWDS, heute nach Duden auch schändlich behandeln
Diese Stufen zeigen, wie aus einer sehr konkreten, fast handwerklichen Bezeichnung über ein Schimpfwort eine bildhafte Redensart wurde. Der Duden ordnet die heutige Wendung ausdrücklich als umgangssprachlich ein. Weitere Wortbedeutungen und Wortgeschichten lassen sich nachschlagen, wenn solche mehrstufigen Bedeutungsverschiebungen interessieren, denn ähnliche Wege von einem konkreten Gegenstand zu einer übertragenen Redensart kennt die deutsche Sprachgeschichte.
Verwandte Wörter rund um Schindluder
Rund um Schindluder stehen im DWDS mehrere Wörter, die alle auf den gleichen Verbstamm schind zurückgehen. Sie zeigen, wie breit sich diese Wortfamilie im Deutschen entwickelt hat, von der ganz konkreten Handwerksbezeichnung bis zur übertragenen, abwertenden Verwendung.
- Schinder: Laut DWDS ein Abdecker oder Henker, also jemand, der im frühneuhochdeutschen Sinn des 15. Jahrhunderts berufsmäßig mit toten Tieren oder mit Strafen zu tun hatte.
- Schindmähre: Nach DWDS ein mageres, altes Pferd aus dem 17. Jahrhundert, das nur noch für den Schinder taugte, also kurz vor dem Ende seiner Nutzung stand.
- Schinden (Verb): Laut DWDS zunächst einem Viehkadaver die Haut abziehen, später auch jemanden quälen, ausbeuten oder sich abplagen, mit Vorformen wie althochdeutsch skinten und mittelhochdeutsch schinden, schinten.
Zu dieser Wortfamilie gehört außerdem Luder, das im Wort Schindluder als zweiter Bestandteil steckt und laut Wiktionary gemeinsam mit dem Verbstamm schind das Kompositum bildet. Das Verb schinden liegt in seiner übertragenen Bedeutung inhaltlich nah an Begriffen wie ausbeuten, quälen oder missbrauchen; weitere sinnverwandte Wörter lassen sich über Synonyme kostenlos finden nachschlagen. Alle hier genannten Wörter stehen im DWDS-Eintrag zu schinden, weitere Ableitungen nennt der Eintrag nicht.
Schindluder im heutigen Sprachgebrauch
Im heutigen Sprachgebrauch erscheint Schindluder in der festen Wendung mit jemandem oder etwas Schindluder treiben. Ein paar eigene Beispielsätze zeigen das: Die Firma trieb mit dem Vertrauen ihrer Kunden Schindluder. Manche Politiker treiben mit leeren Versprechen Schindluder. Er hat mit der Geduld seiner Kollegen Schindluder getrieben. Mit solchen Daten darf niemand Schindluder treiben. Die ursprüngliche, wörtliche Bedeutung des toten Tieres, dem die Haut abgezogen wird, führt das Wiktionary als veraltet.
Als Substantiv bleibt Schindluder in seiner Form weitgehend unveränderlich. Die folgende Übersicht zeigt die Formen laut Wiktionary:
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | das Schindluder | die Schindluder |
| Genitiv | des Schindluders | der Schindluder |
| Akkusativ | das Schindluder | die Schindluder |
Das Wiktionary führt Schindluder als Substantiv mit dem Genus neutral, erkennbar am Artikel das. In der festen Redensart mit jemandem Schindluder treiben steht das Substantiv ohne diesen Artikel. Weitere Wörter mit derbem Ursprung stehen im Bedeutung Lexikon, wo sich ähnlich bildhafte Begriffe aus Handwerk und Alltag der vergangenen Jahrhunderte nachschlagen lassen. Wer die Wendung heute verwendet, bezieht sich damit auf die übertragene, abwertende Bedeutung und nicht auf das ursprüngliche tote Tier.

Was die Quellen nicht sagen
Bei aller Klarheit, die DWDS, Duden und Wiktionary zur Herkunft von Schindluder liefern, bleiben einige Punkte offen, und genau diese Grenzen sollte man kennen, bevor man die Geschichte des Wortes weiterträgt. Keine der drei Quellen nennt einen Urheber der Redensart mit jemandem Schindluder treiben. Die Datierungen beschränken sich im DWDS auf 18. Jahrhundert für das Schimpfwort und um 1800 für die feste Redensart, mehr Genauigkeit bieten die Quellen nicht. Die niederdeutsche Herkunftsangabe steht ausschließlich im Duden, das DWDS trifft diese Zuordnung im Eintrag zu schinden nicht ausdrücklich. Und die Angabe, das Tier sei krank oder alt gewesen, findet sich nur im Wiktionary, nicht aber bei DWDS oder Duden.
Zusammengefasst lässt sich unterscheiden zwischen dem, was belegt ist, und dem, was offenbleibt:
- Belegt: Schindluder ist laut Wiktionary ein Kompositum aus dem Verbstamm schind- und Luder
- Belegt: Das Wort bezeichnete ursprünglich ein totes Tier, dessen Haut noch verwertet werden konnte
- Belegt: Die Redensart mit jemandem Schindluder treiben ist laut DWDS auf die Zeit um 1800 datiert
- Nicht belegt: der konkrete Anlass, aus dem die Redensart entstand, und wer sie zuerst gebrauchte
- Nicht belegt: wie weit verbreitet das Wort zu welcher Zeit tatsächlich war
Eine ausgeschmückte Erzählung über das Abdeckerhandwerk ist nicht belegt. Als Substantiv ist Schindluder neutral und bleibt im Plural unverändert, doch über seine früheste Verwendung in der Redensart selbst wissen wir nur, was DWDS, Duden und Wiktionary jeweils einzeln dazu festgehalten haben. Der Merksatz dazu lautet: Was drei Wörterbücher übereinstimmend als totes Tier und spätere Redensart belegen, ist gesichert, alles darüber hinaus bleibt offene Vermutung.
Quellen und Stand
- DWDS: Schindluder, Etymologie nach Pfeifer im Eintrag schinden: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Schindluder, Bedeutung der Wendung und Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Schindluder, Herkunft und Redewendung: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)
Die Einordnung „Woher stammt das Wort Schindluder wirklich“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.