Die Herkunft von Pleite: von der Flucht zur Zahlungsunfähigkeit
Pleite: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Das Wort Pleite klingt deutsch, hat aber eine lange Reise durch das Hebräische, Jiddische und Rotwelsche hinter sich. Wer wissen will, warum Bankrott und Flucht sprachgeschichtlich eng zusammenhängen, findet hier eine belegte Antwort.
Woher kommt das Wort Pleite?
Pleite geht über die Gaunersprache auf jiddisch plejte, Flucht vor den Gläubigern, und hebräisch pelet, Flucht und Rettung, zurück. Das DWDS hält nach Pfeifer fest, dass das Wort zunächst Mitte des 19. Jahrhunderts in der Berliner Gaunersprache auftauchte und sich bald danach allgemein umgangssprachlich verbreitete. Der Weg führte über rotwelsch Pleite oder Plete, was Flucht vor Zahlungsunfähigkeit bedeutete, auf jiddisch plejte als rettende Flucht vor der Schuldhaft durch Gläubiger zurück. Dieser jiddische Ausdruck geht seinerseits auf hebräisch pelet zurück, das Flucht und Rettung bedeutet.
Der Duden bestätigt diese Herkunftslinie: Das Wort stammt aus der Gaunersprache, aus jiddisch plejte mit den Bedeutungen Flucht, Entrinnen vor den Gläubigern und Bankrott, und dieses wiederum aus hebräisch pelet für Flucht und Rettung. Hinter Pleite steht also keine ursprünglich deutsche Bildung, sondern ein Weg durch verschiedene Sondersprachen und eine andere Sprachfamilie.
Das DWDS führt pleite als Adjektiv, das ausschließlich prädikativ gebraucht wird, also ohne Steigerung und ohne attributive Verwendung vor einem Substantiv. Für das Substantiv gilt: Es lautet die Pleite; der Duden gibt als Plural die Pleiten an.
Wie solche Wörter ins Deutsche kommen, erklärt der Beitrag zu Lehnwörter. Entlehnungen aus dem Jiddischen haben die deutsche Umgangssprache nachhaltig geprägt, und Pleite ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel: Ein Ausdruck, der ursprünglich körperliche Flucht vor dem Schuldgefängnis beschrieb, wurde zum zentralen Begriff für wirtschaftlichen Zusammenbruch und später für jeden Fehlschlag im Alltag.

Welchen Weg hat Pleite ins Deutsche genommen?
Der Weg des Wortes Pleite ist in den Wörterbüchern gut nachgezeichnet. Er führt von einer hebräischen Wurzel über das Jiddische und das Rotwelsche bis in die Berliner Gaunersprache der Mitte des 19. Jahrhunderts und von dort in die allgemeine deutsche Umgangssprache. Die folgende Tabelle zeigt die einzelnen Stufen.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | pelet (Flucht, Rettung) | Hebräisch | keine Datierung belegt |
| 2 | plejte / pleyte (Flucht vor den Gläubigern; Bankrott) | Jiddisch (Westjiddisch) | keine Datierung belegt |
| 3 | Blede machen (durchgehen, entfliehen) | Rotwelsch | 18. Jahrhundert |
| 4 | Pleite, Plete (Flucht vor Zahlungsunfähigkeit) | Rotwelsch | keine Datierung belegt |
| 5 | Pleite | Berliner Gaunersprache | Mitte 19. Jahrhundert |
| 6 | Pleite | Allgemeine deutsche Umgangssprache | Bald nach Mitte 19. Jahrhundert |
Das Wiktionary hält fest, dass Pleite im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert bezeugt ist. Als rotwelsche Zwischenstufe nennt es die Wendung Blede machen mit der Bedeutung durchgehen oder entfliehen, die für das 18. Jahrhundert belegt ist. Blede machen und Pleite sind dabei nicht dasselbe Wort; die Wendung zeigt nur, dass das zugrundeliegende jiddische Wortfeld im Rotwelsch bereits bekannt war, bevor Pleite in der Berliner Gaunersprache fassbar wurde. Das DWDS erklärt nach Pfeifer, dass das Wort von der Gaunersprache aus bald allgemein umgangssprachlich wurde, besonders in den Wendungen Pleite machen, pleite gehen und pleite sein. Die ursprüngliche Bedeutung der körperlichen Flucht trat dabei zurück; an ihre Stelle trat das abstrakte Konzept der Zahlungsunfähigkeit, das sich im weiteren Verlauf noch weiter verallgemeinerte.
Weitere Wörter fremden Ursprungs finden sich in der Fremdwörterliste und zeigen, wie viele deutsche Alltagsausdrücke vergleichbare Wanderungswege hinter sich haben. Das Jiddische und das Hebräische haben das Deutsche gerade im umgangssprachlichen Bereich dauerhaft beeinflusst.
Wie hat sich die Bedeutung von Pleite verändert?
Die Bedeutungsgeschichte von Pleite zeigt eine Bewegung vom Konkreten zum Abstrakten. Was mit körperlicher Flucht begann, wurde zunächst zum rechtlichen Begriff für Bankrott und dann zu einem allgemeinen Ausdruck für jeden Misserfolg. Die vier Stufen dieses Wandels sind bei DWDS und Duden gut dokumentiert.
- Flucht. In der Ursprungsbedeutung bezeichnete das Wort das tatsächliche Entfliehen vor Gläubigern und Schuldhaft, wie die jiddische und rotwelsche Herkunft zeigt (DWDS, nach Pfeifer).
- Bankrott. Als das Wort Mitte des 19. Jahrhunderts in die Berliner Gaunersprache und bald in die allgemeine Umgangssprache eintrat, stand es für Zahlungsunfähigkeit und Bankrott. Der Duden führt den Zustand der Zahlungsunfähigkeit als erste Hauptbedeutung des Substantivs (Duden).
- Geldmangel. Das DWDS belegt für das Adjektiv pleite neben zahlungsunfähig auch eine allgemeinere Verwendung: vorübergehend von Geldmangel betroffen, also knapp bei Kasse. Diese Bedeutung ist weniger schwerwiegend als ein förmlicher Bankrott (DWDS).
- Misserfolg. In übertragener Verwendung bezeichnet Pleite laut Duden Misserfolg oder Fehlschlag, etwa wenn ein gesellschaftliches Ereignis vollständig schiefläuft. Das DWDS nennt für das Adjektiv selten auch die übertragene Bedeutung verkommen (DWDS, Duden).
Zwei Beispiele machen die Bandbreite deutlich. Als Bankrott: Das Bauunternehmen hatte nach jahrelangen Verlusten schließlich Pleite gemacht und alle Aufträge verloren. Als Misserfolg: Das Konzert war trotz monatelanger Vorbereitung eine Pleite, weil kaum jemand erschien.
Weitere Begriffe aus diesem Bedeutungsfeld lassen sich über Synonyme kostenlos finden nachschlagen. Das Wiktionary ergänzt als sinnverwandte Wörter unter anderem Insolvenz, Konkurs und für die übertragene Verwendung Fiasko sowie Flop.
Welche Wendungen und Wortbildungen gibt es?
Rund um das Wort Pleite hat sich eine kleine Wortfamilie gebildet, die das DWDS und der Duden gemeinsam dokumentieren. Sie umfasst feste Verbfügungen, eine veraltete Wendung und ein bildkräftiges Kompositum mit eigenem Ursprung.
- pleite sein: Das prädikative Adjektiv in Verbfügung, belegt bei Pfeifer im DWDS. Bedeutet zahlungsunfähig oder vorübergehend knapp bei Kasse sein (DWDS, nach Pfeifer).
- Pleite machen: Feste Wendung für das Eintreten der Zahlungsunfähigkeit, belegt bei Pfeifer im DWDS und im Duden (DWDS, nach Pfeifer; Duden).
- pleite gehen: Feste Wendung für bankrottgehen, ebenfalls bei Pfeifer im DWDS belegt (DWDS, nach Pfeifer).
- pleitegehen: Das DWDS führt pleitegehen zudem als zusammengeschriebene Wortbildung für in Zahlungsunfähigkeit geraten (DWDS).
- eine Pleite schieben: Laut Duden veraltete Wendung für zahlungsunfähig werden (Duden).
- Pleitegeier: Sinnbild für drohende Pleite, laut DWDS in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden, in Anlehnung an den aasfressenden Raubvogel. Scherzhaft steht der Ausdruck auch für den Wappenadler auf dem Siegel des Gerichtsvollziehers. Die Herkunft aus Pleitegeher, einem Ausdruck für Bankrotteur, in dem jiddisch geier für Geher steht, gibt das DWDS ausdrücklich als wohl an, also nicht gesichert (DWDS).
Weitere feste Wendungen erklärt der Beitrag zu Redewendungen. Der Pleitegeier ist dabei ein lebendiges Beispiel dafür, wie volkssprachliche Bildlichkeit und etymologische Spur zusammenwirken können, ohne dass sich der Entstehungsweg lückenlos belegen lässt.
Die Wortfamilie von Pleite ist überschaubar: feste Verbfügungen und ein bildstarkes Kompositum, das die ursprüngliche Fluchtvorstellung mit dem Bild des kreisenden Aasvogels verknüpft, wobei das Kompositum laut DWDS erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hinzukam.
Wie wird Pleite heute gebraucht?
Im heutigen Deutschen erscheint Pleite sowohl als Substantiv als auch als Adjektiv. Das DWDS belegt für das Adjektiv pleite ausschließlich prädikative Verwendung, also stets nach einem Hilfsverb wie sein, und keine Steigerungsformen. Ein Unternehmen kann pleite sein, aber eine Komparativform ist nicht belegt. Das gilt für wirtschaftliche wie alltägliche Zusammenhänge gleichermaßen.
Das DWDS zeigt, dass das Adjektiv mit Subjekten aus dem Wirtschaftsleben verbunden wird, etwa wenn eine Firma oder ein Betrieb als pleite bezeichnet wird. Es tritt aber auch in persönlichen Kontexten auf, wenn jemand vorübergehend knapp bei Kasse ist, ohne dass damit eine rechtliche Zahlungsunfähigkeit gemeint sein muss. Diese beiden Verwendungsebenen unterscheiden sich erheblich in der Schwere der beschriebenen Lage, auch wenn dasselbe Wort beide abdeckt.
Drei Beispielsätze zeigen den Gebrauch in verschiedenen Zusammenhängen. Erstens als Adjektiv im Alltag: Nach dem langen Urlaub ist er jedes Jahr völlig pleite und muss die folgenden Wochen sehr sparsam leben. Zweitens als Adjektiv im wirtschaftlichen Kontext: Das Handelshaus war nach dem Verlust seines Hauptkunden innerhalb kurzer Zeit pleite. Drittens als Verbfügung: Der Konzern drohte im dritten Quartal pleitezugehen, weil die Lieferketten zusammengebrochen waren und die Rücklagen aufgebraucht waren.
Auch das Substantiv die Pleite tritt in wirtschaftlichen wie alltäglichen Zusammenhängen auf, als Bezeichnung für ein konkretes Insolvenzverfahren ebenso wie für einen gesellschaftlichen Fehlschlag. Wer weitere Wörter nachschlagen möchte, findet sie bei den Wortbedeutungen und kann verwandte Begriffe in ihrem jeweiligen Verwendungsumfeld erkunden. Für das Substantiv gelten dieselben Grenzen wie für das Adjektiv: Belegt sind allein die beim DWDS genannten Bedeutungen, der Zustand der Zahlungsunfähigkeit und, übertragen, der Fehlschlag, weitere Verwendungen lassen sich aus der Quelle nicht ableiten.

Was wird bei der Herkunft von Pleite leicht verwechselt?
Wer sich mit der Herkunft von Pleite beschäftigt, begegnet einigen verbreiteten Irrtümern. Die folgenden Punkte stellen klar, was die Quellen tatsächlich belegen und wo Vorsicht geboten ist.
- Pleite stammt nicht vom Vogel Geier. Das Wort selbst leitet sich aus dem Jiddischen und Hebräischen her, nicht aus dem Bild des Aasvogels. Der Pleitegeier kam erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hinzu und steht laut DWDS wohl für Pleitegeher, also Bankrotteur. Diese Verbindung ist im DWDS ausdrücklich als nicht gesichert gekennzeichnet.
- Blede machen ist nicht dasselbe Wort wie Pleite. Das Wiktionary nennt Blede machen als rotwelsche Zwischenstufe, die für das 18. Jahrhundert belegt ist und durchgehen oder entfliehen bedeutete. Es handelt sich um eine verwandte Spur im Rotwelsch, nicht um eine direkte Vorstufe der Form Pleite selbst.
- Die Datierung seit dem 19. Jahrhundert betrifft das Deutsche. Das Wiktionary belegt Pleite im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert. Hebräisch pelet und jiddisch plejte sind älter; die Datierung bezieht sich allein auf das Auftreten des Wortes in der deutschen Sprache, nicht auf die Entstehung der Ursprungswörter.
Als Merksatz gilt: Das Wort Pleite durchlief die Kette von hebräisch pelet über jiddisch plejte durch die Gaunersprache bis ins Deutsche, wobei das Entrinnen vor Gläubigern, nicht der Aasvogel, das ursprüngliche Bild war.
Quellen und Stand
- DWDS: pleite, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung, Beispiele: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-01)
- Duden: Pleite, Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-01)
- Wiktionary: Pleite, Herkunft und Bedeutung: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-01)