Woher stammt das Wort Rosine?
Rosine: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Du fragst dich, wie die getrocknete Weinbeere zu ihrem Namen kam. Die Stufen führen von lateinisch racemus über pikardisch rosin und das Niederdeutsche zur heutigen Rosine, wobei einige Schritte in den Wörterbüchern nur mit wohl oder vielleicht belegt sind.
Die kurze Antwort
Rosine kommt über mittelniederdeutsch rosin(e) aus pikardisch rosin, das über spätlateinisch racimus auf lateinisch racemus im Sinn von Traube, Weinbeere zurückgeht. Diese Linie zieht sich durch alle drei Wörterbücher, wenn auch mit leicht unterschiedlicher Gewichtung der einzelnen Stufen. Das DWDS nennt nach Pfeifer die Entlehnung aus altpikardisch roisin und stellt daneben das altfranzösische raisin als vergleichbare Form. Der Duden benennt als Weg das Niederdeutsche und das Pikardische, dazu führt er die lateinische Form über das Vulgärlateinische auf racemus zurück. Das Wiktionary setzt die Entlehnung von pikardisch rosin ins Deutsche zeitlich im 13. Jahrhundert an. In einfachen Worten: Das Wort ist über mehrere Sprachstufen gewandert, bevor es im Deutschen als Rosine ankam. Wie die Fremdwörter aus dem Lateinischen geht auch Rosine auf ein lateinisches Wort zurück, nämlich racemus für Traube. Heute meint Rosine die getrocknete Weinbeere, wie sie etwa in Gebäck oder Müsli vorkommt. Die drei Wörterbücher stimmen in diesem Kernbefund überein, auch wenn sie unterschiedliche Zwischenstationen hervorheben und manche Angaben, etwa zur Rolle des Niederländischen, ausdrücklich als unsicher kennzeichnen. Das Wort hat damit eine Kette von Lautformen hinter sich, die sich über Jahrhunderte und mehrere Sprachen erstreckt, aber immer wieder auf denselben lateinischen Ursprung verweist. Dieser Ursprung, lateinisch racemus, bezeichnete laut DWDS und Duden Traube beziehungsweise Weinbeere und bildet den ältesten belegbaren Kern des Wortes Rosine.

Der Weg ins Deutsche in Stufen
Das Wort Rosine durchlief auf dem Weg ins Deutsche mehrere sprachliche Stufen, von der lateinischen Ausgangsform racemus bis zur mittelhochdeutschen Form rosin. Für einzelne Stufen dieser Entwicklung, etwa die mittelniederländische Form, nennen die Wörterbücher keine genaue Zeitangabe, sodass das Wort an diesen Stellen zeitlich nicht näher einzuordnen ist.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | racemus | lateinisch | ohne Datierung |
| 2 | racimus | spätlateinisch | ohne Datierung |
| 3 | rosin | pikardisch | 13. Jahrhundert (laut Wiktionary) |
| 3b | raisin | altfranzösisch | ohne Datierung |
| 4 | rosine | mittelniederländisch | ohne Datierung (laut DWDS wohl vermittelnde Stufe) |
| 5 | rosin(e) | mittelniederdeutsch | ohne Datierung |
| 6 | rosin | mittelhochdeutsch | ohne Datierung |
Nach DWDS, Duden und Wiktionary handelt es sich insgesamt um eine Entlehnung über mehrere Zwischenstufen, die vom Lateinischen über romanische und dann über niederdeutsche Formen ins Deutsche führte. Wie viele Lehnwörter im Deutschen kam Rosine über Zwischenstufen anderer Sprachen ins Deutsche, bevor es seine heutige Form erreichte. Das DWDS ordnet lateinisch racemus dabei vielleicht als ein Mittelmeerwort aus der Zeit vor den indogermanischen Sprachen ein, ein Hinweis, der im Eintrag ausdrücklich nur mit vielleicht versehen ist und keine gesicherte Aussage über den vorlateinischen Ursprung darstellt. Diese Stufenfolge zeigt, dass ein einzelnes Alltagswort wie Rosine eine lange sprachliche Reise hinter sich hat, die über das Pikardische, das Altfranzösische und vermutlich das Niederländische verlief, bevor sie im Mittelniederdeutschen und schließlich im Mittelhochdeutschen ankam.
Was gesichert ist und was nicht
Alle drei Wörterbücher führen Rosine letztlich auf lateinisch racemus zurück, doch der genaue Weg dorthin wird unterschiedlich beschrieben. Das DWDS nennt wohl das Mittelniederländische als vermittelnde Stufe, der Duden spricht vom Niederdeutschen und dem Vulgärlateinischen, und das Wiktionary setzt die Entlehnung ausdrücklich im 13. Jahrhundert an. Wie bei der Herkunft von Apfelsine erzählt auch das Wort Rosine von einer Frucht, deren Name über Nachbarsprachen kam, bevor er im Deutschen seine heutige Form fand. Zwei Punkte sind dabei klar als unsicher gekennzeichnet: Die Rolle des Niederländischen steht im DWDS nur mit dem Zusatz wohl, es handelt sich also nicht um eine als gesichert dargestellte Zwischenstufe. Ebenso wird die Deutung von racemus als vorindogermanisches Mittelmeerwort im DWDS nur mit vielleicht eingeführt. Rosine lässt sich damit auf eine Hauptlinie zurückführen, der einzelne Zwischenstufen mit unterschiedlicher Sicherheit zugeordnet werden:
- lateinisch racemus als Ursprung: von DWDS, Duden und Wiktionary genannt
- pikardisch rosin als Zwischenform: von DWDS, Duden und Wiktionary genannt
- mittelniederländisch rosine als vermittelnde Stufe: nur vom DWDS, dort mit wohl
- Entlehnung im 13. Jahrhundert: nur vom Wiktionary genannt
- racemus als mögliches Mittelmeerwort: nur vom DWDS, dort mit vielleicht
Der Kern der Herkunftsgeschichte von Rosine, nämlich die Linie vom Lateinischen über das Pikardische zum Deutschen, ist durch alle drei Quellen getragen, während einzelne Zwischenstufen des Wortes je nach Wörterbuch unterschiedlich benannt oder gar nicht erwähnt werden. Rosine trägt damit eine Herkunftsgeschichte in sich, die eine gesicherte Hauptlinie mit vorsichtig formulierten Zwischenschritten verbindet.
Verwandte Wörter und Wendungen
Neben der reinen Herkunftsgeschichte nennen die Wörterbücher auch Wörter, die mit Rosine in Zusammenhang stehen, sowie eine feste Wendung. Das DWDS führt die Wendung große Rosinen im Kopf haben an, die im Sinn von hochfliegende, unrealisierbare Pläne haben verwendet wird und laut DWDS aus dem 19. Jahrhundert stammt. Über das Pikardische und das Altfranzösische berührt Rosine die Fremdwörter aus dem Französischen, auch wenn das Wort heute ganz deutsch klingt. Das Wiktionary ordnet Rosine zusätzlich in ein Netz verwandter Begriffe ein: Zibebe erscheint dort als Synonym, Trockenobst als Oberbegriff und Korinthe sowie Sultanine als Unterbegriffe. Das DWDS verweist bei der Bedeutungserklärung ebenfalls auf Korinthe und Sultanine als nahestehende Begriffe. Als romanisches Vergleichswort führt das DWDS außerdem französisch raisin und die Fügung raisin sec im Sinn von Rosine an, ohne dass daraus eine Aussage über eine Gebrauchsregel im Deutschen folgt. Die folgende Liste fasst die genannten verwandten Wörter mit ihrer jeweiligen Quelle zusammen:
- Zibebe als Synonym (Wiktionary)
- Korinthe als Unterbegriff (Wiktionary, auch im DWDS als Verweis)
- Sultanine als Unterbegriff (Wiktionary, auch im DWDS als Verweis)
- Trockenobst als Oberbegriff (Wiktionary)
- französisch raisin als romanisches Vergleichswort (DWDS)
Diese Begriffe zeigen, wie Rosine in ein größeres Wortfeld rund um getrocknetes Obst eingebettet ist.
Rosine im heutigen Sprachgebrauch
Nach DWDS und Duden ist Rosine ein Substantiv, feminin, mit dem Genitiv der Rosine und dem Plural die Rosinen. Rosine ist ein feminines Substantiv mit der Pluralform Rosinen, und es bezeichnet die getrocknete Weinbeere. Diese Grundbedeutung zeigt sich etwa in folgenden Beispielsätzen: Sie gibt eine Handvoll Rosinen in den Teig für den Kuchen. Im Müsli findet er neben Haferflocken auch ein paar Rosinen. Die Rosine lag noch unberührt auf dem Teller, als die anderen Zutaten schon verarbeitet waren. Neben dieser wörtlichen Bedeutung kennt das Deutsche die bereits erwähnte Wendung große Rosinen im Kopf haben, die laut DWDS aus dem 19. Jahrhundert stammt und übertragen für hochfliegende, unrealisierbare Pläne steht, etwa in einem Satz wie: Mit seinen Plänen für die Firma hat er wohl große Rosinen im Kopf. In diesem Beispiel ist die Rosine nicht mehr die Frucht selbst, sondern Teil eines bildlichen Ausdrucks, der auf übertriebene oder schwer umsetzbare Vorstellungen verweist. Die wörtliche und die übertragene Verwendung bestehen im heutigen Deutsch nebeneinander, wobei die wörtliche Bedeutung als getrocknete Weinbeere die Grundlage für die bildliche Wendung bildet. Wer das Wort Rosine verwendet, bezieht sich damit entweder konkret auf die getrocknete Frucht oder, im Fall der festen Wendung, auf überzogene Erwartungen und Pläne, ohne dass eine der beiden Verwendungen die andere ausschließt.

Was bleibt offen?
Trotz der übereinstimmenden Grundlinie der drei Wörterbücher bleiben bei der Herkunft von Rosine einige Fragen offen.
- Der erste deutsche Textbeleg des Wortes Rosine ist offen
- Ob das Mittelniederländische wirklich als Zwischenstufe diente, nennt das DWDS nur mit dem Zusatz wohl, nicht als gesicherte Tatsache
- Woher lateinisch racemus selbst stammt, bleibt offen; das DWDS nennt dazu nur vorsichtig die Möglichkeit eines Mittelmeerwortes
- Wie verbreitet die Wendung große Rosinen im Kopf haben heute ist, ist offen
Als Merksatz lässt sich die Herkunft so zusammenfassen: aus lateinisch racemus im Sinn von Traube über pikardisch rosin und das Niederdeutsche zur heutigen Rosine, wobei die Entlehnung aus dem Pikardischen laut Wiktionary im 13. Jahrhundert erfolgte. Die Formulierungen wohl und vielleicht in den Wörterbüchern markieren die Grenzen des gesicherten Wissens über dieses Wort. Racemus als lateinisches Ausgangswort ist gesichert, sein Ursprung vor dem Lateinischen hingegen nicht.
Quellen und Stand
- DWDS: Rosine, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-05)
- Duden: Rosine, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-05)
- Wiktionary: Rosine, Herkunft: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-05)