Die Herkunft des Wortes Tomate einfach erklärt

Tomate: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Tomate klingt heute selbstverständlich deutsch, stammt aber aus Mittelamerika. Das Wort nahm mehrere Stationen, und DWDS, Duden und Wiktionary setzen Zeit und Zwischenstufen unterschiedlich an.

Woher kommt das Wort Tomate kurz erklärt

Tomate geht auf Nahuatl tomatl zurück und kam über das Französische ins Deutsche, wobei die Quellen unterschiedlich angeben, ob dazwischen noch das Spanische stand. Das DWDS nennt als Herkunft französisch tomate, das seinerseits aus Nahuatl tomatl stammt, der indigenen Sprache Mittelamerikas. Der Duden beschreibt eine zusätzliche Zwischenstufe: Nach dieser Angabe kommt das Wort aus französisch tomate, das aus spanisch tomate entlehnt wurde, und dieses wiederum aus Nahuatl tomatl. Beide Wörterbücher stimmen also darin überein, dass am Anfang der Kette das Nahuatl-Wort tomatl steht und dass das Französische die unmittelbare Vermittlerrolle ins Deutsche übernimmt. Unterschiedlich ist allein, ob das Spanische dabei als eigene Zwischenstufe gilt oder nicht, die beiden Angaben schließen sich damit nicht gegenseitig aus. Nach Angaben des DWDS kam die Pflanze im 16. Jahrhundert aus Mittelamerika nach Europa, zunächst als Zierpflanze und nicht als Nahrungsmittel. Der heute gebräuchliche Name Tomate setzte sich im Deutschen erst deutlich später durch, nachdem zunächst andere Bezeichnungen für dieselbe Pflanze in Gebrauch waren. Wie bei der Herkunft von Sauerkraut zeigt auch Tomate, dass der Name zur Nutzung der Speise passt. Mit französisch tomate gehört Tomate zugleich zu den Fremdwörtern aus dem Französischen, auch wenn der eigentliche Ursprung in Mittelamerika liegt. Die Angaben zu Nahuatl tomatl, zu französisch tomate und zur möglichen spanischen Zwischenstufe bilden damit zusammen den Kern der belegten Herkunft des Wortes.

Über die französische Form ist Tomate eines der Fremdwörter aus dem Französischen, auch wenn der Ursprung in Mittelamerika liegt.

Tomate: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg des Wortes über mehrere Sprachstufen

Der Weg des Wortes ins Deutsche lässt sich über mehrere Stufen nachzeichnen, auch wenn die Quellen nicht bei jedem Schritt übereinstimmen. Am Anfang steht das Nahuatl-Wort tomatl, das über das Spanische als tomate und über das Französische ebenfalls als tomate weitergegeben wurde. Damit zählt das Wort zu den Begriffen, die über das Französische ins Deutsche kamen, auch wenn der eigentliche Ursprung in Mittelamerika liegt. Die folgende Tabelle fasst die einzelnen Stufen zusammen, so wie sie DWDS, Duden und Wiktionary jeweils nennen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1tomatlNahuatlohne Datierung
2tomateSpanischohne Datierung
3tomateFranzösischohne Datierung
4Tomates (Plural)Deutsch, aus Reisebeschreibungenseit dem 17. Jahrhundert, laut DWDS wohl aus dem Spanischen oder Portugiesischen
5LiebapfelDeutschEnde 16. Jahrhundert
6LiebesapfelDeutsch18. Jahrhundert
7Tomate, als SpeiseDeutsch1. Hälfte 19. Jahrhundert
8TomateDeutsch, Rechtschreibduden1897

Zwischen der frühen Pluralform Tomates und der späteren Einzelform Tomate liegen mehrere Zwischenschritte, in denen sich zunächst andere deutsche Bezeichnungen hielten. Dabei setzen die Quellen die zeitliche Einordnung unterschiedlich an: Das Wiktionary datiert die Entlehnung aus dem Französischen ins Deutsche auf das 17. Jahrhundert. Das DWDS dagegen setzt die Übernahme des Namens für die Speise erst in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts und erklärt die frühere Form Tomates im Plural als eigene Entlehnung, die wohl aus dem Spanischen oder Portugiesischen stammt. Beide Angaben stehen nebeneinander, ohne dass sich daraus ableiten ließe, welche der beiden Datierungen zutrifft oder ob beide Vorgänge unabhängig voneinander stattfanden. Tomate zählt damit zu den Lehnwörtern im Deutschen, die über mehrere Sprachstufen hinweg ihren heutigen Namen erhalten haben.

Als Wort aus einer indigenen Sprache Mittelamerikas ist Tomate eines der Lehnwörter im Deutschen, deren Herkunft weit außerhalb Europas liegt.

Was gesichert ist und was die Quellen unterschiedlich sehen

Nicht jede Angabe in den drei Quellen ist gleich sicher, und einige Punkte widersprechen sich offen. Alle drei Nachschlagewerke, DWDS, Duden und Wiktionary, nennen Nahuatl tomatl als Ursprung des Wortes, und alle drei nennen das Französische als Vermittler ins Deutsche. Der Duden und das Wiktionary schalten dabei zusätzlich spanisch tomate als Zwischenstufe ein. Das DWDS tut das für das deutsche Wort Tomate nicht, sondern nennt eine spanische oder portugiesische Form nur für die ältere Pluralform Tomates, und formuliert diesen Zusammenhang selbst vorsichtig mit dürfte. Tomate zählt zu den Lehnwörtern im Deutschen, die aus einer indigenen Sprache Mittelamerikas stammen, auch wenn der genaue Weg dorthin je nach Quelle unterschiedlich beschrieben wird. Zwei Punkte bleiben als offener Widerspruch stehen: Erstens die Datierung, denn das Wiktionary setzt die Entlehnung aus dem Französischen im 17. Jahrhundert an, während das DWDS die Übernahme des Namens für die Speise erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ansetzt. Zweitens die Vermittlerfolge, denn der Duden nennt das Französische als aus dem Spanischen entlehnt, während das DWDS das Französische für das Hauptwort direkt aus dem Nahuatl ableitet, ohne das Spanische als Zwischenstufe zu nennen.

  • Nahuatl als Ursprung, so bei DWDS, Duden und Wiktionary gleichermaßen genannt
  • Französisch als Vermittler ins Deutsche, ebenfalls bei allen drei Quellen genannt
  • Spanisch als Zwischenstufe nach Duden und Wiktionary, beim DWDS nur für die ältere Pluralform Tomates und dort mit der Einschränkung dürfte

Diese drei Linien zusammen ergeben kein vollständig deckungsgleiches Bild, sondern eine Reihe von Angaben, die sich in weiten Teilen überschneiden und in Details auseinandergehen. Die Wörterbücher ergänzen sich deshalb eher, als dass eines das andere ersetzt.

Verwandte Wörter und zusammengesetzte Formen

Um das Wort Tomate herum gibt es mehrere Varianten und verwandte Wörter, die sich auf regionale Verwendung, ältere Sprachstufen oder zusammengesetzte Bildungen zurückführen lassen. Der Plural des Wortes lautet Tomaten. Daneben führen die Quellen mehrere Nebenformen: In Österreich ist Paradeiser gebräuchlich, landschaftlich auch Paradiesapfel, und als veraltete Bezeichnung nennen Duden, DWDS und Wiktionary übereinstimmend Liebesapfel. Aus Tomate entstehen viele Komposita wie Cocktailtomate, Fleischtomate und Rispentomate, die im Wiktionary als Unterbegriffe zur Tomate aufgeführt werden. Diese Wortbildungen benennen jeweils eine bestimmte Sorte oder Form der Frucht, etwa kleine, runde Früchte bei der Cocktailtomate oder Früchte mit festem Fruchtfleisch bei der Fleischtomate. Eine weitere Bildung aus derselben Quelle ist die Kirschtomate, die wie die Cocktailtomate eine kleine Frucht bezeichnet.

  • Cocktailtomate
  • Fleischtomate
  • Kirschtomate
  • Rispentomate

Neben diesen zusammengesetzten Formen stehen die bereits genannten älteren oder regionalen Einzelwörter Paradeiser, Paradiesapfel und Liebesapfel, die dieselbe Pflanze beziehungsweise Frucht bezeichnen, ohne dass die Quellen eine Bedeutungsverschiebung zwischen diesen Varianten nennen. Alle hier aufgeführten Wörter stammen aus den Angaben von Duden, DWDS und Wiktionary und sind dort jeweils im Eintrag zu Tomate vermerkt. Die Vielfalt der Formen reicht damit von der regional geprägten Einzelbezeichnung bis zur systematischen Komposition mit einem vorangestellten Bestimmungswort.

Tomate als Wort im heutigen Sprachgebrauch

Tomate ist ein Substantiv im Femininum mit dem Genitiv Tomate und dem Plural Tomaten, so wie es DWDS und Duden übereinstimmend angeben. Beide Quellen nennen zwei Bedeutungen: zum einen die Pflanze selbst, die zu den Nachtschattengewächsen gehört und gelbe, sternförmige Blüten trägt, zum anderen die runde oder ovale Frucht dieser Pflanze, die als Gemüse gegessen wird. Im Alltag wird das Wort für beides verwendet, je nachdem, ob von der Pflanze im Beet oder von der Frucht auf dem Teller die Rede ist. Zum Beispiel: Im Garten stehen mehrere Tomatenpflanzen an einer Rankhilfe. Oder: Für den Salat werden die Tomaten in Scheiben geschnitten. Ein drittes Beispiel: Nach dem Umtopfen brauchen die jungen Tomaten einen hellen Standort. Der Duden führt außerdem feste Wendungen mit dem Wort auf. Tomaten auf den Augen haben wird laut Duden salopp abwertend verwendet und bedeutet, etwas aus Unachtsamkeit zu übersehen. Daneben nennt der Duden rot werden wie eine Tomate für heftiges Erröten. Eine weitere Wendung, eine treulose Tomate, bezeichnet laut Duden umgangssprachlich und scherzhaft jemanden, der einen anderen versetzt; die Herkunft dieser Wendung selbst ist laut Duden ungeklärt. Die Bedeutungen Pflanze und Frucht stehen damit klar nebeneinander, ohne dass eine der beiden als die ursprünglichere oder spätere gilt, soweit die Quellen das festhalten.

Tomate: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was bei der Herkunft offen bleibt

Auch nach DWDS, Duden und Wiktionary bleiben einige Fragen zur Herkunft von Tomate offen. Eine endgültige Antwort auf diese Punkte geben die Wörterbücher nicht.

  • Ob das Wort im 17. Jahrhundert, wie es das Wiktionary für die Entlehnung aus dem Französischen angibt, oder erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie es das DWDS für den Namen der Speise angibt, ins Deutsche kam, wird in den Quellen nicht gleich beantwortet
  • Ob das Spanische als Zwischenstufe vor dem Französischen stand, nennen DWDS und Duden unterschiedlich: Der Duden führt spanisch tomate als Zwischenstufe, das DWDS tut dies für das Hauptwort nicht
  • Wer die Tomate zuerst in Deutschland anbaute oder aß, steht in keiner der drei Quellen

Diese offenen Punkte betreffen vor allem die zeitliche Einordnung und die genaue Kette der Vermittlersprachen, nicht den Ausgangspunkt des Wortes selbst, der in allen drei Quellen übereinstimmend bei Nahuatl tomatl liegt. Als Merksatz lässt sich festhalten: Das Wort führt aus Nahuatl tomatl über französisch tomate, und nach Angabe des Duden zusätzlich über spanisch tomate, zur deutschen Tomate.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Tomate

Woher stammt das Wort Tomate ursprünglich?

Das Wort geht auf Nahuatl tomatl zurück, eine indigene Sprache Mittelamerikas. Das DWDS nennt als unmittelbare Herkunft französisch tomate, aus Nahuatl tomatl. Der Duden führt zusätzlich eine spanische Zwischenstufe: französisch tomate, aus spanisch tomate, aus Nahuatl tomatl.

Was bedeutete Liebesapfel für die Tomate?

Liebesapfel war laut DWDS im 18. Jahrhundert eine deutsche Bezeichnung für die Pflanze, die zuvor schon Ende des 16. Jahrhunderts als Liebapfel bekannt war. Beide Namen betrafen damals vor allem die Pflanze als Ziergewächs, nicht die spätere Nutzung als Speise.

Ist Tomate ein Fremdwort aus dem Französischen?

Ja, sowohl das DWDS als auch der Duden nennen französisch tomate als die Form, aus der das deutsche Wort übernommen wurde. Unterschiedlich ist nur, ob davor im Französischen noch eine spanische Zwischenstufe stand, wie es der Duden angibt.

Welche Rolle spielt das Spanische bei der Herkunft von Tomate?

Der Duden und das Wiktionary nennen spanisch tomate als Zwischenstufe zwischen Nahuatl tomatl und französisch tomate. Das DWDS nennt eine spanische oder portugiesische Form dagegen nur für die ältere, seit dem 17. Jahrhundert belegte Pluralform Tomates und formuliert diesen Zusammenhang selbst vorsichtig mit dürfte.

Welche anderen Wörter gibt es für Tomate?

Duden, DWDS und Wiktionary nennen übereinstimmend österreichisch Paradeiser, landschaftlich Paradiesapfel und die veraltete Bezeichnung Liebesapfel. Diese Wörter bezeichnen dieselbe Pflanze beziehungsweise Frucht wie Tomate.

Was bedeutet die Wendung Tomaten auf den Augen haben?

Laut Duden wird diese Wendung salopp abwertend gebraucht und bedeutet, etwas oder jemanden aus Unachtsamkeit zu übersehen. Der Duden führt die Wendung im Eintrag zu Tomate als feste Verbindung auf.

Ist die Herkunft der Wendung treulose Tomate bekannt?

Nein, der Duden bezeichnet die Herkunft dieser umgangssprachlich scherzhaften Wendung für jemanden, der einen anderen versetzt, ausdrücklich als ungeklärt. Eine Deutung darüber hinaus nennt der Duden nicht.

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