Woher kommt das Wort Weihnachten?

Weihnachten: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 1. Oktober 2026 · Wortherkunft

Das Wort Weihnachten ist aus einer mittelhochdeutschen Dativphrase entstanden. Wie aus ze wihen nahten ein Festname wurde und welche Formen das Wort auf diesem Weg annahm, zeigt dieser Artikel anhand der Angaben aus DWDS, Duden und Wiktionary.

Die Bedeutung hinter dem Wort

Weihnachten geht auf die mittelhochdeutsche Zeitangabe ze den wihen nahten zurück und bedeutet eigentlich in den heiligen Nächten. Diese Erkenntnis liefern sowohl das DWDS als auch der Duden. Der Duden erklärt die Herkunft als mittelhochdeutsch wihennahten, entstanden aus der Wendung ze wihen nahten, was auf Deutsch in den heiligen Nächten lautet. Das Grundwort wih bedeutete heilig und ist mit dem heutigen Verb weihen verwandt.

Das DWDS folgt der Etymologie nach Pfeifer und erklärt Weihnacht als eine Zusammenziehung aus mittelhochdeutsch diu wihe naht, was eigentlich heilige Nacht bedeutet. Weihnachten ist ein Substantiv mit besonderer Pluralform: Der Nominativ Plural lautet Weihnachten, also genau wie der Singular, und laut DWDS wird das Wort meist im Singular ohne Artikel gebraucht. Der Genitiv Singular lautet nach DWDS Weihnachtens.

Der Übergang vom freien Ausdruck ze wihen naht, einer Dativkonstruktion mit der Bedeutung in der heiligen Nacht, zum festen Namen des Festes vollzog sich über Jahrhunderte. Zunächst war die Pluralform gebräuchlicher als der Singular. Das Wort gehört nicht zu den klaren Zusammensetzungen, sondern entstand durch die Verdichtung und spätere Erstarrung einer Dativphrase.

Wer die Wortgeschichte von Weihnachten verfolgt, merkt, dass das Wort weit älter ist als der heutige Festname vermuten lässt. Schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts taucht die Singularform ze wihen naht in Texten auf. Diese frühe Form zeigt, dass das Wort von Anfang an eine zeitliche Angabe war: Man befand sich ze wihen nahten, also in den heiligen Nächten, und feierte das Geburtsfest Christi. Aus dieser ursprünglichen Wendung wurde schließlich ein eigenständiges Wort mit fester Form.

Weihnachten: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Von wih bis Weihnachten: die Sprachstufen im Überblick

Das DWDS führt Weihnachten als Substantiv und verfolgt die Wortgeschichte über mehrere Sprachstufen. Am Anfang steht das althochdeutsche Adjektiv wih mit der Bedeutung heilig. Daraus entwickelte sich in der mittelhochdeutschen Zeit eine feste Wendung, die das Fest beschrieb. Die folgende Tabelle fasst die vom DWDS belegten Stufen zusammen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1wihAlthochdeutschvor dem 12. Jahrhundert
2ze wihen nahtMittelhochdeutsch, Singular2. Hälfte 12. Jahrhundert
3wienacht, winahtMittelhochdeutschum 1300
4ze den wihen nahten, wihenachtenMittelhochdeutsch, Plural13. Jahrhundert
5Weihnacht, WeihnachtenNeuhochdeutschWeihnacht erst seit dem 18. Jahrhundert geläufig

Die Pluralform wihenachten war laut DWDS lange gebräuchlicher als der Singular. Schon vereinzelt im 14. Jahrhundert taucht ein singularischer Gebrauch auf, allerdings noch mit wechselndem Genus: Das Wort konnte maskulin, feminin oder neutral sein. Wer Sprichwörter auf ähnlich alte Formen prüfen möchte, vergleicht sie am besten mit den hier genannten DWDS-Belegen zu Weihnachten. Wer sprachliche Entwicklungen wie diese verfolgt, erkennt, wie viel Geschichte in einem einzigen Wort stecken kann.

Der Weg vom freien Dativausdruck zum erstarrten Festnamen zeigt sich auch bei anderen deutschen Wörtern. Zunächst war ze den wihen nahten eine lebendige zeitliche Angabe. Die Sprecher verkürzten und verdichteten diese Wendung, bis daraus ein eigenständiges Substantiv wurde. Das DWDS datiert den Singular ze wihen naht auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts und die zusammengezogene Form wienacht oder winaht auf die Zeit um 1300. Beide Angaben stammen unmittelbar aus dem DWDS und stehen für zwei getrennte Etappen auf demselben Weg. Die neuhochdeutsche Schreibung Weihnacht gilt nach DWDS erst ab dem 18. Jahrhundert als geläufig. Der Name des Festes ist also jünger als die ihm zugrunde liegende Wendung, auch wenn sich die genaue Zeitspanne dazwischen aus den Angaben nicht berechnen lässt.

Singular, Plural und Genuswechsel: was die Quellen sagen

Die Überlieferungsgeschichte von Weihnachten ist vielschichtig, und die Wörterbücher formulieren ihre Deutungen entsprechend vorsichtig. Das DWDS nennt das heute vorherrschende neutrale Genus als wohl in Anlehnung an Weihnachtsfest entstanden, das seinerseits in der Mitte des 16. Jahrhunderts bezeugt ist. Diese Formulierung zeigt: Eine gesicherte Entstehungsgeschichte des neutralen Genus gibt es nach DWDS nicht. Es handelt sich um eine naheliegende Vermutung, keine bewiesene Ableitung. Laut DWDS entwickelten sich Ostern und Pfingsten entsprechend.

Das Wiktionary nennt als frühesten Beleg die Fügung ze wihen naht beim Minnesänger Spervogel, datiert auf etwa 1170 bis 1190. Ob diese Singularform eine Übertragung des lateinischen nox sancta, also heilige Nacht, darstellt, bleibt nach dem Wiktionary offen: Es schreibt, es könnte eine solche Übertragung vorliegen, trifft aber keine abschließende Aussage. Das Wiktionary gibt außerdem eine Zählung nach Jacob und Wilhelm Grimm an: Von 100 mittelalterlichen Belegen stehen 62 im Dativ Plural. Der Plural war demnach in der Überlieferung klar überwiegend vertreten.

Rund um das Fest gibt es feste Wendungen, die bei den Redewendungen erklärt sind, zum Beispiel frohe Weihnachten als Wunschformel oder die Wendung, wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, die laut Wiktionary Unmöglichkeit ausdrückt. Die sprachlichen Besonderheiten von Weihnachten lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:

  • Der Singular ze wihen naht ist seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts belegt (DWDS nach Pfeifer).
  • Der Plural ze den wihen nahten bildete laut DWDS die Basis für den neuhochdeutschen Nominativ Plural wihenachten und später Weihnachten.
  • Der Genuswechsel vollzog sich laut DWDS über mehrere Jahrhunderte: Maskulin, Feminin und Neutral kamen vor, bevor sich das Neutrum wohl in Anlehnung an Weihnachtsfest durchsetzte.

Diese Punkte zeigen, dass das Wort Weihnachten keine geradlinige Geschichte hat. Es ist das Ergebnis eines langen Prozesses der Verdichtung, Verkürzung und grammatischen Angleichung. Wer die Quellen liest, erkennt, dass selbst die Wörterbücher bei bestimmten Entwicklungsschritten Vorbehalte äußern und nur Wahrscheinlichkeiten benennen, keine Gewissheiten.

Verwandte Wörter, Synonyme und feste Wendungen

Weihnachten steht nicht allein im deutschen Wortschatz. Es gibt eine Reihe verwandter Wörter und gleichbedeutender Ausdrücke, die teils aus derselben etymologischen Wurzel stammen, teils auf anderem Weg zum selben Bedeutungsfeld gelangt sind. Wer weitere Wörter für das Fest sucht, kann Synonyme kostenlos finden, zum Beispiel über ein Wörterbuch oder eine Synonymdatenbank.

Das Stammwort weihen geht laut DWDS auf dasselbe althochdeutsche wih zurück, das auch in Weihnachten steckt. Wih bedeutete heilig, und dieser Bedeutungskern verbindet alle Ableitungen miteinander. Das Verb weihen bezeichnet heute noch das feierliche Segnen oder Widmen. Diese Verbindung zeigt, dass Weihnachten und weihen sprachliche Geschwister sind.

Das Wiktionary nennt folgende Synonyme für Weihnachten:

  • Christfest (Wiktionary)
  • Christmesse (Wiktionary)
  • Christmette (Wiktionary)
  • Weihnachtsfest (Wiktionary, DWDS)
  • Weihnachtstag (Wiktionary)

Daneben gibt es feste Wendungen, die mit Weihnachten verbunden sind. Das Wiktionary nennt weiße Weihnachten für ein Fest mit Schnee, grüne Weihnachten für ein Fest ohne Schnee und frohe Weihnachten als Wunschformel. Der Duden bestätigt die Wunschformel frohe Weihnachten ebenfalls. Diese Wendungen sind im Wörterbuch verzeichnete feste Ausdrücke, keine freien Bildungen.

Wer die Wortfamilie rund um weihen und Weihnachten betrachtet, erkennt die gemeinsame Wurzel wih mit der Bedeutung heilig. Wer die genaue Verwendung von Christfest, Christmesse oder Christmette prüfen möchte, schlägt die einzelnen Wörter am besten im Wörterbuch nach. Das Wort Weihnachten selbst geht laut DWDS und Duden auf eine mittelhochdeutsche Zeitangabe zurück, die sich zum Festnamen entwickelt hat.

Weihnachten im heutigen Sprachgebrauch

Weihnachten bezeichnet laut Duden das am 25. Dezember begangene Fest der christlichen Kirche, mit dem die Geburt Christi gefeiert wird. Im alltäglichen Sprachgebrauch gibt es je nach Region unterschiedliche Präpositionen: Der Duden verzeichnet zu Weihnachten als besonders norddeutsch und österreichisch, an Weihnachten hingegen als besonders süddeutsch. In Wunschformeln steht laut Duden der Plural: frohe Weihnachten. Das Wort gehört laut Duden zum Wortschatz des Goethe-Zertifikats B1.

Grammatisch ist Weihnachten ein Substantiv im Neutrum, der Genitiv lautet des Weihnachten. Der Plural die Weihnachten wird laut Duden gelegentlich im landschaftlichen Sprachgebrauch und zumeist in Österreich und der Schweiz verwendet. Im Standardgebrauch dominiert der Singular ohne Artikel. Weitere Wörter mit fremdem Ursprung stehen in der Fremdwörterliste; wer den Ursprung von Weihnachten selbst prüfen möchte, findet die Angaben dazu bei DWDS und Duden.

Drei Beispielsätze zeigen den heutigen Gebrauch im Deutschen:

Das Kind schrieb einen Brief, in dem es erklärte, was es sich zu Weihnachten wünschte.

Die Familie traf sich an Weihnachten zum gemeinsamen Essen, so wie es seit Jahren Brauch war.

Auf der Postkarte stand in großen Buchstaben: Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.

Das Wort ist durch seine lange Geschichte fest in der deutschen Sprache verankert. Es tritt im heutigen Schriftdeutsch ohne Artikel auf und wird als Eigenname des Festes behandelt. Die regionalen Unterschiede bei der Präpositionswahl zeigen, dass auch ein so geläufiges Wort nicht überall gleich verwendet wird. Das DWDS verzeichnet außerdem, dass der Plural mit bestimmtem Artikel landschaftlich, besonders schweizerisch und österreichisch, vorkommt. Diese Varianz macht Weihnachten zu einem interessanten Beispiel für regionale Sprachunterschiede im Deutschen.

Weihnachten: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was die Wörterbücher offenlassen

Trotz aller Forschung bleiben bei der Herkunft von Weihnachten einige Fragen ungeklärt. Die drei wichtigsten offenen Punkte lassen sich so benennen:

  • Ob ze wihen naht nach dem Vorbild des lateinischen nox sancta gebildet wurde, bleibt offen: Das Wiktionary nennt dies als Möglichkeit, trifft aber keine abschließende Aussage dazu.
  • Das neutrale Genus ist laut DWDS wohl in Anlehnung an Weihnachtsfest entstanden, doch eine gesicherte Erklärung dieser Genusveränderung gibt es nach DWDS nicht.
  • Die Wörterbücher nennen keine Jahreszahl für den Zeitpunkt, an dem sich die Wendung ze wihen nahten zum eigenständigen Festnamen verfestigte.

Der Duden nennt bei der Herkunftserklärung die heiligen Mittwinternächte als Erläuterung der Wendung in den heiligen Nächten, ohne daraus eine Aussage über vorchristliche Feste abzuleiten. Wer die Quelltexte des Mittelalters liest, stößt auf ein Wort im Wandel: mal Singular, mal Plural, mal maskulin, mal feminin, mal neutral. Diese Varianz spiegelt wider, wie sehr sich die Schriftsprachnorm erst herausbildete.

Aus der mittelhochdeutschen Wendung in den heiligen Nächten wurde Weihnachten.

Quellen und Stand

Unter dem Titel „Weihnachten: Herkunft und Geschichte des Wortes“ ordnet dieser Beitrag „Woher kommt das Wort Weihnachten?“ ein.

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Häufige Fragen zur Herkunft von Weihnachten

Was bedeutet Weihnachten wörtlich?

Weihnachten geht laut DWDS und Duden auf die mittelhochdeutsche Wendung ze den wihen nahten zurück und bedeutet wörtlich in den heiligen Nächten. Das Grundwort ist althochdeutsch wih mit der Bedeutung heilig, das auch dem Verb weihen zugrunde liegt.

Welches ist der früheste bekannte Beleg für das Wort?

Das Wiktionary nennt als frühesten Beleg die Fügung ze wihen naht beim Minnesänger Spervogel, datiert auf etwa 1170 bis 1190. Das DWDS datiert den Singular ze wihen naht auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Warum wird Weihnachten heute als Neutrum verwendet?

Das DWDS nennt als mögliche Erklärung, dass das neutrale Genus wohl in Anlehnung an Weihnachtsfest entstanden ist, das in der Mitte des 16. Jahrhunderts belegt ist. Eine gesicherte Erklärung liefert das DWDS dabei nicht. Laut DWDS entwickelten sich Ostern und Pfingsten entsprechend.

Gab es früher auch andere Genera für Weihnachten?

Ja, laut DWDS taucht schon vereinzelt im 14. Jahrhundert singularischer Gebrauch mit wechselndem Genus auf: maskulin, feminin oder neutral kamen vor. Das neutrale Genus setzte sich erst später durch, wohl in Anlehnung an Weihnachtsfest (DWDS).

Wie lautet die korrekte Präposition: zu Weihnachten oder an Weihnachten?

Der Duden verzeichnet beide Formen. Zu Weihnachten gilt als besonders norddeutsch und österreichisch, an Weihnachten als besonders süddeutsch. In Wunschformeln steht laut Duden der Plural: frohe Weihnachten.

Welche Synonyme hat Weihnachten?

Das Wiktionary nennt Christfest, Christmesse, Christmette, Weihnachtsfest und Weihnachtstag als Synonyme. Hinzu kommen feste Wendungen wie frohe Weihnachten und weiße Weihnachten (Wiktionary, Duden).

Wann tauchte die Form Weihnacht im heutigen Sinn auf?

Die neuhochdeutsche Schreibung Weihnacht gilt laut DWDS erst seit dem 18. Jahrhundert als geläufig. Zuvor war der aus dem Dativ Plural gebildete Nominativ Plural wihenachten gebräuchlicher.

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