Woher kommt das Wort Weste?

Weste: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2026 · Wortherkunft

Wie ein lateinisches Kleidungswort über Italien und Frankreich ins Deutsche kam, zeigen die Angaben von DWDS, Duden und Wiktionary. Die Stufen reichen von lateinisch vestis über italienisch und französisch veste bis zum deutschen Wort Weste.

Kurze Antwort: eine Entlehnung aus dem Französischen

Weste wurde aus französisch veste entlehnt, das über italienisch veste auf lateinisch vestis im Sinn von Kleid, Gewand zurückgeht. Einfach gesagt wanderte ein lateinisches Wort für Kleidung über Italien nach Frankreich und von dort ins Deutsche. Heute meint Weste ein ärmelloses Kleidungsstück.

Nach dem DWDS, das sich auf Pfeifer beruft, erfolgte die Entlehnung in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts aus französisch veste. Der Weg führte über italienisch veste zu lateinisch vestis, und genau diese drei Stufen nennt auch der Duden. Das Wiktionary datiert die Entlehnung auf das 17. Jahrhundert und führt vestis weiter auf hethitisch wess zurück. Diese hethitische Wurzel steht nur dort.

Die Bedeutung des französischen Wortes beschreiben DWDS und Duden unterschiedlich: Das eine nennt ein Wams mit Ärmeln, das andere ein ärmelloses Wams. Das DWDS grenzt die Entlehnung auf die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts ein.

Wie die Fremdwörter aus dem Lateinischen geht auch Weste auf ein lateinisches Wort zurück, nämlich vestis für Kleid. Der Weg dorthin führt jedoch über Frankreich und Italien, nicht direkt vom Lateinischen ins Deutsche.

Weste: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Welche Stufen führen zu Weste?

Der Weg des Wortes beginnt bei der hethitischen Wurzel im Wiktionary und endet beim deutschen Wort mit seinen Bedeutungsschritten.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
Wurzel (Gewänder anhaben, tragen)wess-hethitischohne Datierung, nur Wiktionary
Lateinisch (Kleid, Gewand, Kleidung)vestislateinischohne Datierung
Zwischenstufe (Kleid, Gewand)vesteitalienischohne Datierung, nur DWDS und Duden
Entlehnung (Wams)vestefranzösischohne Datierung
DeutschWestedeutschEntlehnung in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts (DWDS); 17. Jahrhundert (Wiktionary); ärmellose Form Ende des 18. Jahrhunderts (DWDS)

Nach DWDS, Duden und Wiktionary handelt es sich um eine Entlehnung aus dem Französischen. Die Bedeutung wandelte sich nach dem DWDS von einem Kleidungsstück mit Ärmeln, das Männer unter dem Rock trugen, zur ärmellosen Anzugweste. Die Form veste bleibt über die Stufen erhalten, während sich die Bedeutung verschiebt: Im Lateinischen meint vestis Kleid, Gewand, Kleidung, im Italienischen veste Kleid, Gewand und im Französischen ein Wams. Die Wendung eine weiße Weste haben folgt erst später und gehört nicht zur Entlehnung.

Auch die Fremdwörter aus dem Französischen enthalten ein Kleidungswort wie Weste, das im 17. Jahrhundert ins Deutsche gelangte. Abweichend beschreibt das DWDS als ältere Bedeutung ein von Männern unter dem Rock getragenes Kleidungsstück mit Ärmeln. Der Duden dagegen nennt das französische Wams ärmellos. Diese Abweichung betrifft nur die Beschreibung des französischen Wortes.

Was ist gesichert und was nicht?

Alle drei Wörterbücher führen Weste auf französisch veste und lateinisch vestis zurück. DWDS und Duden nennen zusätzlich italienisch veste als Zwischenstufe. Nur das Wiktionary nennt die hethitische Wurzel wess. Diese Unterschiede lassen sich nebeneinander festhalten.

  • französisch veste: DWDS, Duden und Wiktionary
  • lateinisch vestis: DWDS, Duden und Wiktionary
  • italienisch veste: DWDS und Duden
  • hethitisch wess: nur Wiktionary
  • Wams mit Ärmeln (DWDS) oder ärmellos (Duden)

Der Vorbehalt betrifft drei Punkte. Erstens steht die hethitische Wurzel nur im Wiktionary. Zweitens beschreiben DWDS und Duden das französische Wort mit oder ohne Ärmel unterschiedlich. Drittens gelten die Jahresangaben getrennt: die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts für die Entlehnung nach DWDS, das Ende des 18. Jahrhunderts für die ärmellose Form und das Ende des 19. Jahrhunderts sowie die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts nur für die Wendungen.

Wie bei der Herkunft von Hose lässt sich auch bei Weste ein Kleidungsstück bis ins Lateinische verfolgen. Der Unterschied liegt darin, dass bei Weste zusätzlich ein französisches und ein italienisches Zwischenglied belegt sind.

Das französische Wort wird als Wams beschrieben; das Deutsche übernahm es als Weste. Ob das französische Wams Ärmel hatte, ist nicht eindeutig geklärt, da DWDS und Duden auseinandergehen.

Verwandte Wörter und Wendungen

Während Weste aus dem Französischen kommt, gilt bei der Herkunft von Kittel die Abstammung als ungeklärt. Das Wiktionary nennt Gilet als Synonym und Westchen als Verkleinerungsform. Als Oberbegriff steht dort Herrenoberkleidung, als Unterbegriffe unter anderem Frackweste, Strickweste, Warnweste, Rettungsweste und Schwimmweste. Das Wiktionary führt damit auch Warn- und Rettungswesten als Unterbegriffe von Weste auf.

Das DWDS nennt französisch gilet für die ärmellose Anzugweste, während französisch veste in neuerer Zeit die kurze Männerjacke ohne Schöße meint. Französisch gilet und veste bezeichnen heute verschiedene Kleidungsstücke.

Die Wendung eine weiße Weste haben bedeutet so viel wie ein ruhiges, sauberes Gewissen haben. Sie ist nach dem DWDS seit dem Ende des 19. Jahrhunderts belegt. Die Variante eine reine Weste haben ist laut DWDS seit der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts belegt.

  • Gilet als Synonym (Wiktionary)
  • Westchen als Verkleinerungsform (Wiktionary)
  • Warnweste als Unterbegriff (Wiktionary)
  • Rettungsweste als Unterbegriff (Wiktionary)
  • eine weiße Weste haben als Wendung (DWDS)

Wie wird das Wort heute verwendet?

Weste ist ein Substantiv, feminin. Der Duden nennt den Genitiv der Weste und den Plural die Westen. Gemeint ist ein ärmelloses, über Hemd oder Bluse getragenes Kleidungsstück. Das DWDS führt Weste ebenfalls als Femininum mit dem Plural Westen.

Einige Beispielsätze zeigen die Verwendung im Sinn des Kleidungsstücks: Er trägt eine Weste über dem Hemd. Lena kauft eine neue Weste für das Büro. Die Bluse wirkt mit der dunklen Weste schlicht. Im Plural heißt es etwa: Die Westen hängen im Schrank.

Trotz des Verdachts hat er eine weiße Weste. Die Wendung eine weiße Weste haben meint übertragen ein sauberes Gewissen, wie das DWDS angibt. Seit dem 18. Jahrhundert kann Weste nach dem DWDS auch für ein entsprechendes Teil der Frauenkleidung gebraucht werden.

Die Wortherkunft von Weste zeigt, wie sich die Bedeutung eines Kleidungswortes mit der Mode ändern kann. Die Bedeutung hat sich vom Kleidungsstück mit Ärmeln zur ärmellosen Form verschoben, und die Wendung zeigt zusätzlich eine übertragene Verwendung.

Weste: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was bleibt offen?

Mehrere Punkte zur Herkunft bleiben offen.

  • Ob das französische Wort veste ein Wams mit oder ohne Ärmel meinte, ist offen.
  • Ob die hethitische Wurzel wess stimmt, ist nicht gesichert.
  • Wer die Weste in Deutschland zuerst trug, ist nicht geklärt.
  • Wie verbreitet die Wendung eine weiße Weste haben heute ist, ist offen.

Offen bleibt auch, wie sich die Bedeutung zwischen dem Wams und der ärmellosen Anzugweste im Einzelnen vollzog.

Merksatz: Aus lateinisch vestis über italienisch veste und französisch veste wurde Weste, entlehnt im 17. Jahrhundert.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Weste

Woher stammt das Wort Weste?

Nach DWDS und Duden stammt Weste aus französisch veste, das über italienisch veste auf lateinisch vestis im Sinn von Kleid, Gewand zurückgeht. Das Wiktionary nennt die Entlehnung im 17. Jahrhundert von französisch veste.

Ist die hethitische Wurzel von Weste gesichert?

Die hethitische Wurzel wess steht nur im Wiktionary. Dort wird vestis weiter auf hethitisch wess im Sinn von Gewänder anhaben, tragen zurückgeführt. DWDS und Duden nennen diese Wurzel nicht.

War die Weste schon immer ärmellos?

Nach dem DWDS war eine ältere Bedeutung ein von Männern unter dem Rock getragenes Kleidungsstück mit Ärmeln. Die ärmellose Form im Deutschen wird nach dem DWDS auf das Ende des 18. Jahrhunderts datiert.

Was bedeutet die Wendung eine weiße Weste haben?

Die Wendung eine weiße Weste haben meint im Sinn von ein ruhiges, sauberes Gewissen haben. Nach dem DWDS ist sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts belegt.

Welcher Artikel und Plural gehören zu Weste?

Weste ist ein Substantiv im Femininum. Der Duden nennt den Genitiv der Weste und den Plural die Westen.

Gehört Weste zu den Fremdwörtern aus dem Lateinischen?

Weste geht über französisch veste und italienisch veste auf lateinisch vestis im Sinn von Kleid, Gewand zurück. Das Lateinische ist also die letzte belegte Stufe, der Weg führt aber über das Französische und Italienische.

Was unterscheidet die Angaben von DWDS und Duden zum französischen Wort?

DWDS beschreibt das französische veste im Sinn von Wams als Jacke mit Ärmeln, der Duden nennt das französische Wams ärmellos. Diese Abweichung betrifft die Bedeutung des französischen Wortes.

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