Woher kommt das Wort Tohuwabohu?
Tohuwabohu Herkunft: woher das Wort kommt
Tohuwabohu ist ein hebräisches Lehnwort, das am Anfang der Bibel steht. Wie es über die Lutherbibel und die Gelehrtensprache ins Deutsche gelangte und was es heute bedeutet.
Die Antwort in Kürze
Tohuwabohu stammt aus dem Hebräischen und steht am Anfang der Bibel, in der Schöpfungsgeschichte. Die hebräische Wendung tohu wa-bohu beschreibt den Zustand der Erde, bevor Gott ordnend eingriff. Das Wort hat über die Lutherbibel und die Sprache der Gelehrten seinen Weg ins Deutsche gefunden und ist heute eines der bekannten Lehnwörter im Deutschen mit biblischer Herkunft.
Das DWDS erklärt die Herkunft mit dem hebräischen tohu wa-bohu als Ausdruck für das Chaos vor der Weltschöpfung. Als Belegstelle wird 1. Mose 1,2 angegeben. Martin Luther übersetzte diesen Vers mit wüst und leer. Wer die genaue Formulierung nachlesen will, kann die Bibelstelle 1. Mose 1,2 in einer Lutherbibel-Ausgabe direkt nachschlagen.
Der Duden setzt eine andere Akzentuierung: Er gibt Wüste und Öde als Bedeutung der hebräischen Wendung an und verweist auf die luthersche Übersetzung des Anfangs der Genesis, ebenfalls 1. Mose 1,2. Beide Quellen beziehen sich auf dieselbe Bibelstelle, wählen aber unterschiedliche Formulierungen für das hebräische Original. Die Wiedergabe im DWDS lautet Chaos vor der Weltschöpfung, die im Duden Wüste und Öde. Diese beiden Beschreibungen nebeneinander zu nennen ist sinnvoll, weil sie verschiedene Seiten des hebräischen Ausdrucks beleuchten.
Das etymologische Wörterbuch nach Pfeifer, auf das sich das DWDS stützt, datiert die Entlehnung ins Deutsche auf einen frühen Beleg bei Goethe aus dem Jahr 1817. Als Weg der Vermittlung gilt wohl die Sprache theologischer Gelehrter. Das Wort wohl in dieser Formulierung ist wesentlich: Es handelt sich um eine plausible Vermutung, nicht um einen gesicherten historischen Befund. Goethe wird damit als früh belegter Verwender des Wortes im Deutschen geführt, nicht als sein Urheber.

Der Weg ins Deutsche
Der Weg von der hebräischen Bibelstelle zum deutschen Alltagswort lässt sich in mehrere Stufen unterteilen. Am Ausgangspunkt steht Genesis 1,2 im Alten Testament, wo tohu wa-bohu den Zustand der Welt vor der Schöpfung beschreibt. Wer den ursprünglichen Kontext der Wendung nachvollziehen will, kann die Bibelstelle 1. Mose 1,2 direkt nachlesen.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | tohu wa-bohu | Hebräisch | Altes Testament, Genesis 1,2 |
| 2 | wüst und leer (Luther) | Deutsch | Lutherbibel (ohne Jahreszahl) |
| 3 | Tohuwabohu (Goethe) | Deutsch | 1817 (nach DWDS) |
| 4 | Tohuwabohu im Sinn von Chaos | Deutsch | später (nach Wiktionary) |
Martin Luther übersetzte die Stelle in der Lutherbibel mit wüst und leer, ohne das hebräische Wort selbst zu übernehmen. Das DWDS nennt als deutschen Beleg das Jahr 1817 bei Goethe und vermutet als Übertragungsweg wohl die Sprache theologischer Gelehrter. Das bedeutet: Das Wort zirkulierte wohl zuerst in theologisch gelehrten Kreisen, bevor es in die allgemeine Schriftsprache einging. Weitere Wörter dieser Art stehen in der Fremdwörterliste, die Wörter mit ähnlichem Herkunftshintergrund versammelt.
Wiktionary ordnet das Wort grober ein: Es sei seit dem 19. Jahrhundert im Deutschen bezeugt. Diese Datierung ist weniger präzise als die Jahreszahl 1817 beim DWDS, sie macht aber deutlich, dass das Wort spätestens im 19. Jahrhundert nachweisbar war. Laut Wiktionary wurde es später zunehmend im übertragenen Sinn von Chaos gebraucht. So vollzog sich der lange Weg von der hebräischen Bibelstelle über die theologische Gelehrtensprache bis zum umgangssprachlichen deutschen Ausdruck für Durcheinander und Wirrwarr.
Vom Bibelwort zum Alltagswort: der Bedeutungswandel
Das Wort Tohuwabohu hat im Lauf seiner Geschichte eine erhebliche Bedeutungsverschiebung erfahren. Nach Wiktionary bezeichnete es ursprünglich den Zustand der Erde vor dem ordnenden Eingreifen Gottes. Das DWDS fasst diesen Anfangszustand als Chaos vor der Weltschöpfung, der Duden als Wüste und Öde. Beide Beschreibungen betonen die Leere und Ungeordnetheit, nicht das lebhafte Treiben im modernen Sinn.
- Biblische Bedeutung: Zustand der Erde vor der Schöpfung, leer und wüst, nach Wiktionary, DWDS und Duden
- Übertragene Bedeutung: Später zunehmend im Sinn von Chaos gebraucht (nach Wiktionary)
- Heutige Alltagsbedeutung: Wirrwarr, Durcheinander, Chaos (DWDS, eWDG 1976) und völliges Durcheinander (Duden)
Heute stuft das DWDS das Wort als umgangssprachlich ein. Das bedeutet, es gehört in den Alltag und nicht in formelle Schriftstücke. Tohuwabohu ist kein typisch bildungssprachliches Wort, sondern wird umgangssprachlich verwendet; mehr über bildungssprachliche Wörter lässt sich dort nachlesen.
Der Wandel lässt sich an einem Beispiel gut veranschaulichen. Wer heute sagt, in seinem Büro herrsche ein Tohuwabohu, meint damit stapelweise Papier, verstreute Stifte und Kaffeebecher auf jeder freien Fläche. Mit dem stillen, leeren Zustand der Erde am Anfang der Genesis hat das kaum noch etwas gemein. Aus einer religiösen Lagebezeichnung für einen Zustand ohne Form ist ein Alltagswort für allgemeinen Wirrwarr geworden.
Grammatik, Formen und Synonyme
Das Wort Tohuwabohu ist ein Substantiv mit dem Genus Neutrum: Man sagt das Tohuwabohu. Die Worttrennung lautet To|hu|wa|bo|hu, das Wort hat also fünf Silben. Bei Genitiv und Plural weichen die Quellen voneinander ab, was eine gewisse Unsicherheit im Sprachgebrauch widerspiegelt.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | das Tohuwabohu | die Tohuwabohus (Duden) / die Tohuwabohu(s) (DWDS) |
| Genitiv | des Tohuwabohu[s] (Duden) / des Tohuwabohu(s) (DWDS) | |
| Akkusativ | das Tohuwabohu | die Tohuwabohus / die Tohuwabohu(s) |
Beim Genitiv gibt der Duden die Form des Tohuwabohu[s] an, das s ist in eckigen Klammern optional. Das DWDS schreibt Tohuwabohu(s) mit runder Klammer und signalisiert damit dieselbe Wahlfreiheit. Beim Plural führt der Duden Tohuwabohus ohne Klammer, das DWDS dagegen Tohuwabohu(s) mit optionalem s. Diese Schwankungen zwischen den Wörterbüchern zeigen, dass das Wort im Deutschen keine ganz feste Flexionsform hat. Wer Synonyme kostenlos finden will, etwa zu Chaos und Durcheinander, kann dort weitersuchen.
- Chaos: betont das vollständige Fehlen von Ordnung und Struktur (Duden)
- Durcheinander: beschreibt ungeordnet gemischte Dinge oder Verhältnisse (Duden)
- Gewirr: betont das Verwirrende und kaum Entwirrbare (Duden)
- Wirrwarr: ähnlich wie Durcheinander, mit Betonung von Unübersichtlichkeit (Wiktionary)
- Unordnung: sachlicherer Ausdruck für fehlende Ordnung (Wiktionary)
- Anarchie: betont das Fehlen von Regeln und Autorität (Duden)
- Ordnung: das Gegenwort, das angibt, was beim Tohuwabohu fehlt (Wiktionary)
Die Synonyme unterscheiden sich in ihrer Akzentuierung. Tohuwabohu selbst klingt lebendiger und etwas dramatischer als das nüchterne Durcheinander und weniger formal als Anarchie. Diese Unterschiede in der Akzentuierung lassen sich beim Formulieren eigener Sätze gezielt nutzen.
Tohuwabohu im heutigen Gebrauch
Das DWDS stuft Tohuwabohu als umgangssprachliches Wort ein. Als Substantiv im Neutrum steht Tohuwabohu mit dem Artikel das, also das Tohuwabohu. Diese grammatische Einordnung nennen DWDS und Duden übereinstimmend.
Vier Beispiele zeigen den heutigen Gebrauch in verschiedenen Satzstrukturen. Erstens ein einfacher Nominativsatz: Nach dem Umzug herrschte in der ganzen Wohnung ein wildes Tohuwabohu. Zweitens ein Satz mit Genitiv: Trotz des Tohuwabohus in der Küche fand sie das gesuchte Rezept sofort. Drittens ein Satz mit Plural: Die Einschulungsfeierlichkeiten der letzten Wochen waren allesamt echte Tohuwabohus. Viertens eine scherzhafte Verwendung: Guten Morgen im täglichen Tohuwabohu des Berufsverkehrs! Dieser letzte Satz zeigt, wie das Wort eine chaotische Situation mit einem Augenzwinkern kommentieren kann.
Weil das Wort umgangssprachlich ist, passt es gut in lockere Texte, private Mails, Blogposts oder gesprochene Sprache. In einem förmlichen Schreiben, einem Vertrag oder einem sachlichen Bericht wirkt es dagegen fehl am Platz. Dort steht besser ein neutraleres Wort wie Durcheinander oder, je nach Zusammenhang, Chaos. Wer prüfen will, ob Tohuwabohu für den eigenen Text passt, kann sich fragen, ob auch andere umgangssprachliche Ausdrücke im selben Text stehen. Passt der Ton, kann Tohuwabohu eine lebendige und bildhafte Alternative zu den nüchterneren Wörtern Chaos und Durcheinander sein. Es bringt einen kleinen humorvollen Unterton mit, wie das Beispiel mit dem Berufsverkehr oben zeigt.

Was die Quellen nicht sagen
Die Quellen nennen für Tohuwabohu keine Volksetymologie, also keine populäre, aber unzutreffende Erklärung aus dem Deutschen selbst. Die Herkunft aus dem Hebräischen und die Belegstelle in der Bibel sind klar dokumentiert. Weniger sicher ist dagegen der Übertragungsweg ins Deutsche.
- Sicher belegt: die hebräische Wendung tohu wa-bohu als sprachlicher Ausgangspunkt (DWDS, Duden, Wiktionary)
- Sicher belegt: die Bibelstelle Genesis 1,2 und die Lutherübersetzung wüst und leer (DWDS)
- Nur vermutet: der Übertragungsweg über die Sprache theologischer Gelehrter, DWDS-Formulierung mit wohl
Bei der Datierung ist Vorsicht angebracht. Das DWDS nennt 1817 als Beleg bei Goethe, Wiktionary sagt nur seit dem 19. Jahrhundert. Keine dieser Angaben beansprucht, den allerersten deutschen Beleg zu liefern. Eine Datierung bedeutet: So früh ist das Wort nachweisbar, nicht: Davor gab es das Wort nicht. Weitere feste Wendungen aus der Bibelsprache stehen in den Redewendungen einfach erklärt, wo ähnliche Fälle des Übergangs vom Bibeltext in den deutschen Alltag beschrieben werden.
Merksatz: Die hebräische Herkunft und die Bibelstelle sind gesichert; der Weg über theologische Gelehrte bleibt eine gut begründete Vermutung, und die Datierung auf 1817 nennt einen bekannten Beleg, keinen bewiesenen Erstbeleg.
Quellen und Stand
- DWDS: Tohuwabohu, Etymologie nach Pfeifer: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-01)
- Duden: Tohuwabohu, Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-01)
- Wiktionary: Tohuwabohu: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-01)