Woher stammt das Wort Stuss?

Stuss: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 4. Oktober 2026 · Wortherkunft

Stuss gilt umgangssprachlich als Wort für Unsinn oder dummes Gerede. Das DWDS, der Duden und das Wiktionary führen die Herkunft auf hebräisch šeṭūt zurück, das über das Jiddische ins Deutsche gelangte.

Kurze Antwort: Woher kommt Stuss?

Stuss ist im 18. Jahrhundert aus jiddisch schtus übernommen, das auf neuhebräisch šeṭūt (Unsinn, Torheit) zurückgeht. Das DWDS nennt nach Pfeifer diese Herkunft so: Stuss, männlich, unsinnige Äußerung, Dummheit, aus dem 18. Jahrhundert, aus jiddisch-deutschem schtus (Narrheit, Torheit, Unsinn), das wiederum aus neuhebräisch stut in aschkenasischer Aussprache etwa stus stammt und Dummheit, Torheit bedeutet. Der Duden führt eine ähnliche, knappere Herkunft: jiddisch stuss, aus hebräisch setut, übersetzt als Unsinn, Torheit. Beide Wörterbücher stimmen also im Kern überein, auch wenn sie das hebräische Wort leicht unterschiedlich umschreiben und nur das DWDS eine Zeitangabe macht. Das Wiktionary stellt eine ergänzende, abweichende Zwischenstufe heraus: Dort wird die Entlehnung über das Rotwelsche aus dem Westjiddischen shtus beschrieben, wobei das hebräische Ausgangswort setut dort mit Irrsinn und Narrheit wiedergegeben wird. Diese Varianten in der Übersetzung zeigen, dass die Wörterbücher den Sinn des hebräischen Wortes unterschiedlich fassen, den Kern der Bedeutung aber gleich beschreiben: etwas Unsinniges, Törichtes. Wie bei der Herkunft von Kokolores meint auch Stuss umgangssprachlich Unsinn, nur dass hier ein jiddisches Wort zugrunde liegt. Heute wird Stuss umgangssprachlich für Unsinn oder dummes Gerede verwendet, wie es zum Beispiel in einem Ausruf wie So ein Stuss! zum Ausdruck kommt. Diese Bedeutung ist in beiden einschlägigen Wörterbüchern, DWDS und Duden, als zentrale heutige Bedeutung festgehalten. Die Herkunftskette führt damit von einem hebräischen Ausdruck über eine jiddische Zwischenstufe ins Deutsche, wobei das Wiktionary zusätzlich eine Vermittlung über das Rotwelsche beschreibt, die bei DWDS und Duden nicht erwähnt wird. Die Wörterbücher stimmen im Kernpunkt überein, geben das hebräische Ursprungswort aber mit unterschiedlichen Bedeutungen wieder und nennen nicht dieselben Zwischenstufen.

Stuss: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg ins Deutsche: die einzelnen Stufen

Stuss durchläuft auf dem Weg ins Deutsche mehrere Sprachstufen, die nur teilweise datiert sind. Die folgende Tabelle fasst diese Stufen zusammen; wo eine Datierung fehlt, steht ausdrücklich der Hinweis ohne Datierung statt eines bloßen Strichs.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1šeṭūt (Unsinn, Torheit)Hebräischohne Datierung
2schtusJiddischohne Datierung
3shtus, vermittelt aus dem WestjiddischenRotwelschohne Datierung
4StussDeutsch18. Jahrhundert
5Stuss (Spaß, Albernheit, Zank)Deutsch, landschaftlichohne Datierung

Das DWDS nennt landschaftlich neben der Hauptbedeutung auch die Bedeutungen Spaß, Albernheit und Zank. Für die Bedeutung Zank zieht das DWDS eine Vermischung mit dem Wort Stoß in Erwägung, stellt das aber ausdrücklich als Frage und nicht als gesicherte Aussage dar. Diese landschaftliche Verwendung ist damit von der Hauptbedeutung Unsinn zu unterscheiden, ohne dass sich eine zeitliche Einordnung dafür findet. Das Wiktionary ergänzt die Beschreibung um eine umfangreiche Liste sinnverwandter Wörter, darunter Kokolores, Mumpitz und Quark, die je nach Region unterschiedlich gebräuchlich sind. Diese Liste ist eine Zusatzangabe zur Bedeutung, sie betrifft aber nicht die Herkunft des Wortes Stuss selbst. Auch die Herkunft von Mumpitz führt zu einem Wort für Unsinn und lässt sich mit Stuss vergleichen, wobei die beiden Wörter unterschiedliche Entlehnungswege genommen haben. Insgesamt zeigt die Stufenfolge, dass Stuss über mehrere Sprachen gewandert ist, bevor es im 18. Jahrhundert als deutsches Wort belegt wurde. Die Reihenfolge Hebräisch, Jiddisch, gegebenenfalls Rotwelsch, Deutsch bildet dabei den gemeinsamen Kern aller drei Wörterbücher, auch wenn sie im Detail unterschiedliche Zwischenstationen und Übersetzungen anführen.

Was ist gesichert, was bleibt offen?

Alle drei Wörterbücher, DWDS, Duden und Wiktionary, stimmen in einem Kernpunkt überein: Sie nennen jiddisch schtus beziehungsweise stuss als Vermittler und hebräisch šeṭūt als Ursprung des Wortes. Das Wiktionary nennt zusätzlich das Rotwelsche als Zwischenstufe, die bei den beiden anderen Wörterbüchern fehlt. Stuss ist eines der Lehnwörter im Deutschen, die über das Jiddische kamen, und diese Einordnung lässt sich an allen drei Quellen ablesen. Ein klarer Vorbehalt betrifft die landschaftliche Bedeutung Zank: Das DWDS stellt die Vermischung mit dem Wort Stoß ausdrücklich nur als Möglichkeit dar, nicht als gesicherte Erklärung. Ein weiterer Punkt, der sich nicht vollständig deckt, ist die Übersetzung des hebräischen Ausgangswortes: Während DWDS und Duden es mit Unsinn und Torheit wiedergeben, verwendet das Wiktionary die Begriffe Irrsinn und Narrheit. Diese Unterschiede in der Übersetzung stehen nebeneinander, ohne dass sich aus den Quellen ableiten lässt, welche Wiedergabe genauer ist. Zusammengefasst lassen sich folgende Punkte unterscheiden:

  • Hebräisch šeṭūt als Ursprung: von allen drei Quellen genannt
  • Jiddisch schtus als Vermittler: von allen drei Quellen genannt
  • Datierung ins 18. Jahrhundert: nur vom DWDS genannt
  • Weg über das Rotwelsche: nur vom Wiktionary genannt

Diese Gegenüberstellung macht deutlich, dass der Kern der Herkunft, der Weg von einem hebräischen Wort über das Jiddische, in allen drei Quellen übereinstimmend beschrieben wird. Die Details zur Zeitangabe, zur genauen Zwischenstufe über das Rotwelsche und zur Übersetzung des hebräischen Wortes unterscheiden sich dagegen je nach Wörterbuch. Der Weg von hebräisch šeṭūt über das Jiddische ins Deutsche ist damit der einzige Punkt, der in allen drei Wörterbüchern ohne Einschränkung genannt wird.

Verwandte Wörter und Varianten

Neben der Hauptbedeutung Unsinn führt das DWDS für Stuss auch landschaftliche Nebenbedeutungen an: Spaß, Albernheit und, bei alemannischen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts, Zank. Diese Nebenbedeutungen stehen gesondert von der zentralen Bedeutung Unsinn und sind laut DWDS örtlich unterschiedlich verbreitet. Als Synonyme für Stuss nennt das Wiktionary viele regionale Wörter wie Kokolores, Mumpitz und Quark. Diese Synonyme sind je nach Region unterschiedlich gebräuchlich, wie das Wiktionary selbst in seiner Liste deutlich macht, indem es sie nach Deutschland, Österreich und der Schweiz ordnet. Für Deutschland führt das Wiktionary unter anderem folgende sinnverwandte Wörter an:

  • Kokolores (Wiktionary)
  • Mumpitz (Wiktionary)
  • Quark (Wiktionary)
  • Quatsch (Wiktionary)
  • Unsinn (Wiktionary)

Für Österreich und die Schweiz nennt das Wiktionary jeweils eigene regionale Wörter, etwa Schas und Topfen für Österreich oder Gugus und Hafenkäse für die Schweiz. Diese Aufstellung zeigt, dass Stuss in ein größeres Feld von Wörtern für Unsinn eingebettet ist, die sich regional unterscheiden, ohne dass das Wiktionary dabei Aussagen zur Herkunft dieser einzelnen Synonyme trifft. Das Wort Stuss steht damit neben einer Vielzahl landschaftlich gebundener Ausdrücke, die alle eine ähnliche Bedeutung tragen, aber unterschiedliche etymologische Hintergründe haben können. Die landschaftlichen Nebenbedeutungen Spaß und Zank, die das DWDS für Stuss verzeichnet, finden sich in dieser Synonymliste nicht wieder, weil diese Synonyme ausschließlich die Hauptbedeutung Unsinn abdecken.

Gebrauch heute: Stuss im Alltag

Im heutigen Sprachgebrauch wird Stuss umgangssprachlich für Unsinn oder dummes Gerede verwendet, wie es sowohl das DWDS als auch der Duden beschreiben. Stuss ist ein maskulines Substantiv, das nur im Singular gebraucht wird, wie sich aus der Angabe des DWDS ablesen lässt, das Stuss nur im Singular verzeichnet. Im Alltag steht Stuss in Sätzen wie: Er redet wieder völligen Stuss über die neue Regelung. Das war der größte Stuss, den ich seit Monaten gehört habe. Sie hielt die ganze Geschichte für reinen Stuss. In allen drei Sätzen bezeichnet Stuss eine Äußerung oder Handlung, die als unsinnig empfunden wird, was der zentralen Bedeutung bei DWDS und Duden entspricht. Neben dieser Hauptbedeutung nennt das DWDS landschaftliche Nebenbedeutungen wie Spaß und Zank. Diese Nebenbedeutungen kommen laut DWDS nur örtlich vor und stehen damit neben der Hauptbedeutung Unsinn, ohne dass das Wörterbuch eine Aussage dazu macht, wie stark diese Nebenbedeutungen heute noch gebraucht werden. Für den alltäglichen Gebrauch des Wortes ist damit vor allem die Bedeutung Unsinn maßgeblich, während die landschaftlichen Nebenbedeutungen eine engere, örtlich begrenzte Rolle spielen. Der Duden führt zudem typische Wendungen wie Stuss reden oder Stuss verzapfen an, die den umgangssprachlichen Charakter des Wortes unterstreichen. Diese Wendungen zeigen, dass Stuss im Deutschen in Verbindung mit Verben wie reden, verzapfen oder dem Ausruf So ein Stuss! verwendet wird, um eine Äußerung oder Handlung als unsinnig zu kennzeichnen.

Stuss: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Offene Fragen zur Herkunft von Stuss

Trotz der weitgehenden Übereinstimmung zwischen DWDS, Duden und Wiktionary bleiben einige Punkte zur Herkunft von Stuss offen. Zur Nebenbedeutung, zur Übersetzung des hebräischen Ausgangsworts und zur regionalen Verbreitung von Stuss bleiben Fragen offen:

  • Woher die Nebenbedeutung Zank stammt, nennt das DWDS nur als Frage nach einer möglichen Vermischung mit dem Wort Stoß, ohne diese Vermischung als gesichert darzustellen.
  • Welche Übersetzung des hebräischen Wortes die treffendere ist, Unsinn und Torheit bei DWDS und Duden oder Irrsinn und Narrheit beim Wiktionary, lassen die Quellen nebeneinander stehen, ohne sich gegenseitig zu widersprechen oder eine Wertung vorzunehmen.
  • Wie verbreitet das Wort Stuss in einzelnen Regionen heute ist, ist in DWDS, Duden und Wiktionary nicht verzeichnet.

Diese drei Punkte zeigen, dass die Herkunft von Stuss im Kern gut belegt ist, während Details zu einzelnen Nebenbedeutungen, zur genauen Übersetzung des hebräischen Ausgangswortes und zur regionalen Verbreitung offenbleiben. Als Merksatz lässt sich festhalten: Stuss führt von hebräisch šeṭūt über das Jiddische im 18. Jahrhundert ins Deutsche, wobei einzelne Wörterbücher zusätzliche Zwischenstufen wie das Rotwelsche oder abweichende Nebenbedeutungen wie Zank anführen, ohne dass sich alle Details zwischen den Quellen vollständig decken.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Stuss

Was bedeutet Stuss eigentlich?

Stuss bedeutet umgangssprachlich Unsinn oder dummes Gerede, wie es DWDS und Duden als zentrale Bedeutung des Wortes festhalten.

Stammt Stuss aus dem Hebräischen?

Letztlich ja: Alle drei Wörterbücher führen das Wort auf hebräisch šeṭūt zurück, das über jiddisch schtus ins Deutsche kam.

Gibt es eine Verbindung zwischen Stuss und Stoß?

Das DWDS zieht für die landschaftliche Nebenbedeutung Zank eine Vermischung mit dem Wort Stoß nur als Möglichkeit in Erwägung, stellt das aber nicht als gesicherte Herkunft dar.

Welche Rolle spielt das Rotwelsche bei Stuss?

Das Wiktionary beschreibt einen Weg über das Rotwelsche aus dem Westjiddischen, während DWDS und Duden diese Zwischenstufe nicht nennen.

Welche Wörter bedeuten dasselbe wie Stuss?

Das Wiktionary nennt als sinnverwandte Wörter unter anderem Kokolores, Mumpitz, Quark und Quatsch, je nach Region unterschiedlich gebräuchlich.

Ist Stuss ein Substantiv mit Plural?

Laut DWDS wird Stuss als maskulines Substantiv nur im Singular verwendet, eine Pluralform ist in der Quelle nicht angegeben.

Wann wurde Stuss im Deutschen erstmals belegt?

Das DWDS ordnet die Übernahme von Stuss ins Deutsche dem 18. Jahrhundert zu, eine genauere Datierung nennt die Quelle nicht.

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