Woher stammt das Wort Kokolores wirklich?
Kokolores: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Kokolores klingt halb gelehrt, halb spaßhaft, und genau das macht seine Herkunft spannend. Wörterbücher wie DWDS, Duden und Wiktionary nennen Spuren, die zum Hahn führen, aber keine davon gilt als bewiesen.
Kurze Antwort: Woher kommt Kokolores?
Kokolores ist wahrscheinlich aus einer Nachahmung des Hahnenschreis entstanden, seine Herkunft gilt nach dem Duden als ungeklärt. Wer das Wort zum ersten Mal hört, fragt sich, was dahintersteckt, und die beiden wichtigsten Nachschlagewerke geben darauf eine vorsichtige Antwort. Das DWDS, das sich auf die Etymologie nach Pfeifer stützt, nennt als wahrscheinlichen Ursprung eine lautliche Nachahmung des Hahnenschreis. Aus dieser Nachahmung wurde demnach später ein Name für den Hahn selbst, und erst in einem weiteren Schritt übertrug man das Wort auf eitles, nichtssagendes Gerede. Der Duden formuliert es anders und zurückhaltender: Er nennt die Herkunft ungeklärt und vermutet, dass das Wort ursprünglich wohl in der Bedeutung Getue stand, bevor es aus einer pseudolateinischen Bildung für den Hahn umgebildet wurde, mit einer späteren Bedeutungserweiterung auf Unsinn und Unfug.
Beide Erklärungen laufen also auf den Hahn als gemeinsamen Bezugspunkt hinaus, gelten aber nur als Vermutung und nicht als feststehende Tatsache. Die Wörter wahrscheinlich, wohl und ungeklärt sind deshalb kein Beiwerk, sondern der Kern der Aussage: Die Hahn-Deutung ist eine Deutung unter mehreren, keine gesicherte Herkunft. Heute meint Kokolores vor allem Unsinn, Blödsinn oder ein übertriebenes Getue, mit dem jemand unnötig viel Aufhebens macht. Für Kokolores gibt es mehrere Synonyme wie Unfug und Nonsens; weitere Wörter lassen sich über Synonyme kostenlos finden nachschlagen.

Der Weg ins Deutsche: vom Hahnenschrei zum Wort
Der Weg vom Laut zum Wort lässt sich anhand der Angaben des DWDS in mehreren Stufen nachzeichnen. Am Anfang steht die lautliche Nachahmung des Hahnenschreis, danach wandelt sich die Form über mehrere Zwischenstufen, bis am Ende das heutige Wort mit seiner übertragenen Bedeutung steht. Die folgende Übersicht fasst diese Stufen zusammen, so wie das DWDS sie nennt, ohne genauere Datierungen zu erfinden, wo die Quelle keine nennt.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | „guck, guck, curith“ | Hahnenschrei-Nachahmung | Ende 16. Jahrhundert |
| 2 | kuckelöres (Aachen), gockelorum (schwäbisch) | deutsche Mundart | ohne Datierung |
| 3 | coquelico | französisch (älter) | ohne Datierung |
| 4 | Kockelores, Kockelures (Name für den Hahn) | westdeutsche Mundarten | ohne Datierung |
| 5 | Kokolores (im Sinn von Unsinn) | Mundart und Umgangssprache, später Literatursprache | 20. Jahrhundert |
Nach diesen Angaben war das Wort laut DWDS zunächst ein Ausdruck der Mundarten und der Umgangssprache: pfälzisch und hessisch hieß es Kokelores, berlinisch Kokolores, obersächsisch und schlesisch Kokulores. Erst wegen seines halb gelehrten, halb spaßhaften Klangs nahm man es in die Literatursprache auf, und zwar im 20. Jahrhundert. Das Wiktionary ergänzt dazu nur, dass die Herkunft nicht geklärt ist, diese knappe Angabe bestätigt die Hahn-Deutung aber nicht, sie steht eher gleichrangig neben ihr. Lautnachahmungen wie der Hahnenschrei berühren das Thema Interjektion, ohne dass das Wort selbst eine wäre.
Deutungen und Vorbehalte der Wörterbücher
Die drei wichtigsten Nachschlagewerke nennen unterschiedliche Deutungen, und keine von ihnen behauptet, die einzig richtige zu sein. Das DWDS hält den Hahnenschrei für wahrscheinlich, der Duden nennt die Herkunft ungeklärt und vermutet eine pseudolateinische Bildung zu kakeln als ursprüngliche Bezeichnung für den Hahn, und das Wiktionary schreibt, die Herkunft sei nicht geklärt, womöglich stecke das mittelniederdeutsche Wort gokeler dahinter, das für Gaukler steht, alternativ wird auch dort der Ruf des Hahns genannt. Stellt man diese drei Aussagen nebeneinander, zeigt sich: Der Hahn taucht in allen drei Deutungen auf, einmal über den Laut, einmal über ein Wortbildungsmuster, einmal über einen möglichen Umweg.
Das DWDS nennt zudem zwei verwandte Vergleichsformen, die diese Hahn-Linie stützen, aber selbst nicht sicher sind: Gockelarus, ein schwäbisches Wort für Narr aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, das nur mit einem Fragezeichen als latinisierend bezeichnet wird, und Gockelore, ein badisches Wort für Dummkopf. Diese beiden Formen werden hier nur als Vergleichsformen genannt, nicht als Beleg für eine gesicherte Herkunft.
- Hahnenschrei (wahrscheinlich laut DWDS)
- pseudolateinische Bildung zu kakeln (wohl laut Duden)
- gokeler, mittelniederdeutsch für Gaukler (womöglich laut Wiktionary)
Eine weitere Erklärung im Wiktionary hat keinen eigenen Beleg und gilt deshalb nicht als gesichert. Neben der Wendung keinen Kokolores machen stehen viele andere feste Redewendungen, doch die Herkunft des Wortes selbst lässt sich nicht an einer einzigen Wendung festmachen. Wer eine einfache, eindeutige Antwort sucht, findet sie in den Quellen nicht, dafür aber drei plausible, unterschiedlich formulierte Spuren, die alle zum Hahn oder zu einem Hahn-nahen Ausdruck führen.
Verwandte Formen und Varianten
Rund um Kokolores gibt es eine ganze Reihe von Formen und Nachbarwörtern, die laut DWDS aus verschiedenen Regionen stammen. Dazu zählen die pfälzische und hessische Form Kokelores, die obersächsische und schlesische Form Kokulores sowie die westdeutschen Mundartformen Kockelores und Kockelures, die dort ursprünglich den Hahn selbst bezeichneten. Daneben stehen die bereits genannten Formen Gockelarus für einen Narren und Gockelore für einen Dummkopf. Das DWDS verweist bei alldem zusätzlich auf die Wörter Gockel und kikeriki, die denselben lautmalerischen Hintergrund teilen.
Inhaltlich decken sich die Bedeutungen bei DWDS und Duden weitgehend: Beide nennen Geschwätz, Unsinn und Unfug sowie, als zweite Lesart, Getue und Aufheben. Als Synonyme führt der Duden unter anderem Blödsinn, Nonsens, Unfug und Unsinn. Dazu kommt laut DWDS die feste Wendung keinen Kokolores machen im Sinn von keine Umstände machen, eine Wendung, die im Alltag unabhängig von der unsicheren Wortherkunft verwendet wird.
- Kokelores, pfälzisch und hessisch (DWDS)
- Kokulores, obersächsisch und schlesisch (DWDS)
- Kockelores, Kockelures, westdeutsche Mundarten, Name für den Hahn (DWDS)
- Blödsinn, Nonsens, Unfug, Unsinn als Synonyme (Duden)
Obwohl Kokolores halb gelehrt klingt, ist es aus der Mundart gewachsen und keine direkte Entlehnung aus einer Fremdsprache. Wörter, die wirklich aus anderen Sprachen stammen, stehen in der Fremdwörterliste. Diese Vielfalt an Formen zeigt vor allem eines: Das Wort hat sich über mehrere Regionen hinweg entwickelt, bevor es seine heutige, überregional verständliche Form und Bedeutung erreichte.
Gebrauch heute: Wie wird Kokolores verwendet?
Im heutigen Sprachgebrauch wird Kokolores laut DWDS als salopp und laut Duden als umgangssprachlich eingeordnet. Beide Quellen nennen als Bedeutung Unsinn und Unfug, daneben auch Getue und Aufheben. Grammatisch gehört das Wort zur Gruppe der maskulinen Wörter, der Genitiv lautet des Kokolores. Kokolores ist ein Substantiv, das nur im Singular vorkommt, eine Pluralform ist in den Quellen nicht belegt. Als Beispiel nennen die Wörterbücher sinngemäß einen Satz wie das ist alles Kokolores.
Im Alltag lässt sich das Wort in vielen Situationen einsetzen. Ein paar eigene Beispielsätze zeigen das: Diese ganze Diskussion ist doch nur Kokolores. Mach nicht so einen Kokolores um die kleine Sache. Ich habe keine Lust mehr, mir diesen Kokolores anzuhören. In allen drei Sätzen steht das Wort für etwas, das als überflüssig, übertrieben oder unsinnig empfunden wird, genau im Sinn der beiden Bedeutungen, die DWDS und Duden nennen.
Interessant ist, dass das Wort laut DWDS erst im 20. Jahrhundert in die Literatursprache kam. Davor war es, wie im Abschnitt zum Weg ins Deutsche beschrieben, vor allem in Mundarten und in der gesprochenen Umgangssprache zu Hause. Diese Angabe betrifft allein den Zeitpunkt der Aufnahme in die geschriebene, überregionale Sprache. Wer das Wort heute benutzt, greift auf einen Ausdruck zurück, der ursprünglich aus der gesprochenen Sprache stammt und seinen Weg erst spät in Texte und Wörterbücher gefunden hat.

Offene Fragen zur Herkunft
Trotz aller Erklärungsversuche bleibt die Herkunft von Kokolores in mehreren Punkten offen.
- Die Herkunft ist laut Duden ungeklärt, er nennt die pseudolateinische Bildung nur als wahrscheinlichen Ausgangspunkt, nicht als gesicherte Tatsache.
- Der Hahnenschrei ist laut DWDS wahrscheinlich, aber eben nur eine Deutung unter mehreren, keine bewiesene Herleitung.
- Die Ableitung von gokeler nennt allein das Wiktionary, und zwar ausdrücklich als womöglich, also als eine von zwei dort genannten Möglichkeiten.
Weitere Herleitungen sind nicht belegt. Wer sich mit der Wortgeschichte beschäftigt, stößt also zwangsläufig auf diese Unsicherheit: drei anerkannte Nachschlagewerke, drei leicht unterschiedliche Formulierungen, aber kein abschließender Beweis.
Kurz gesagt: Kokolores stammt wohl vom Hahnenschrei her, wurde über einen Namen für den Hahn zu einem Ausdruck für eitles Gerede, die Herkunft im Einzelnen bleibt aber ungeklärt.
Quellen und Stand
- DWDS: Kokolores, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Kokolores, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Kokolores, Herkunft, sinnverwandte Wörter: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)
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