Woher stammt das Wort Lakritze?

Lakritze: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Lakritze klingt deutsch, stammt aber über mehrere Sprachstufen aus dem Griechischen. Der Weg führt über mittellateinisch liquiricia, und eine mögliche Anlehnung an lateinisch liquidus nennt das DWDS ausdrücklich nur als Frage.

Kurze Antwort: Herkunft von Lakritze

Lakritze ist im Mittelhochdeutschen als lakerize belegt, eine Form aus dem 14. Jahrhundert, die aus mittellateinisch liquiricia entlehnt wurde. Dieses Wort geht seinerseits auf griechisch glykyrrhiza zurück, was Süßholz oder Süßwurzel bedeutet. Das DWDS, das sich auf die Etymologie nach Pfeifer stützt, beschreibt glykyrrhiza als Zusammensetzung aus glykys (süß) und rhiza (Wurzel). Der Duden nennt denselben Herkunftsweg, führt dabei aber die lateinische Zwischenform glycyrriza als Bindeglied zwischen dem griechischen Ursprung und dem späteren liquiricia an. Beide Quellen stimmen darin überein, dass am Anfang der Kette ein griechisches Kompositum steht, das die Süße der Wurzel benennt. Ursprünglich war mit dem Wort die Pflanze selbst gemeint, später vor allem der aus ihrer Wurzel gewonnene Saft, der in Apotheken gehandelt wurde. Erst in neuerer Zeit verengte sich die Bedeutung auf die schwarze, aus dem eingedickten Saft geformte Masse, die heute als Süßigkeit bekannt ist. Diese Entwicklung von der Pflanze über den Saft bis zur fertigen Masse zeigt, wie ein einzelnes Wort über Jahrhunderte mehrere benachbarte Bedeutungen tragen kann. Lakritze gehört zu den Fremdwörtern aus dem Griechischen, die über das Lateinische ins Deutsche kamen, und reiht sich damit in eine größere Gruppe von Entlehnungen ein, die denselben Weg genommen haben.

Der Entlehnungsweg von griechisch glykyrrhiza über mittellateinisch liquiricia bis zum mittelhochdeutschen lakerize verdeutlicht, wie Fremdwörter aus dem Griechischen durch mehrere Sprachstufen gehen, bevor sie im Deutschen ankommen.

Lakritze: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg ins Deutsche

Der Weg des Wortes Lakritze ins Deutsche lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, von der griechischen Wurzel bis zur heutigen Form. Das griechische glykyrrhiza ist eines der Komposita, denn es setzt süß und Wurzel zusammen, und bildet damit den Ausgangspunkt der folgenden Übersicht. Von dort führt die Entlehnung über das Lateinische und das Mittellateinische bis ins Mittelhochdeutsche, wo die Form lakerize erstmals greifbar wird. So wird deutlich, wie viele Zwischenschritte zwischen dem griechischen Ausdruck und dem heutigen Wort Lakritze liegen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1glykyrrhiza (Süßholz, Süßwurzel, aus glykys und rhiza)Griechischohne Datierung
2glycyrrizaLateinohne Datierung
3liquiriciaMittellateinohne Datierung
4lacricieAlthochdeutsch (nur Duden)ohne Datierung
5lakerize, lekerizeMittelhochdeutsch14. Jahrhundert
6LakritzensaftDeutsch19. Jahrhundert
7Lakritzstange (nur DWDS)Deutsch20. Jahrhundert

Die beiden Wörterbücher setzen dabei an unterschiedlichen Punkten an. Der Duden nennt zusätzlich eine althochdeutsche Form namens lacricie, die das DWDS nicht aufführt. Das DWDS beginnt seine Darstellung dagegen erst mit der mittelhochdeutschen Form lakerize im 14. Jahrhundert und ergänzt später die Formen Lakritzensaft und Lakritzstange. Für die Stufen vor dem 14. Jahrhundert nennen die Wörterbücher keine Jahreszahl, der Duden setzt mit lacricie im Althochdeutschen an, das DWDS erst mit lakerize im 14. Jahrhundert.

Lakritze zeigt damit, dass Lehnwörter im Deutschen durch mehrere Zwischenformen gehen können, bevor sie die heutige Gestalt annehmen. Jede Stufe trägt eine eigene Lautform, die sich erst nach und nach der heutigen deutschen Schreibweise annähert.

Deutungen und Vorbehalte

DWDS, Duden und Wiktionary führen Lakritze übereinstimmend über mittellateinisch liquiricia auf griechisch glykyrrhiza zurück. In diesem Kernpunkt besteht also kein Widerspruch zwischen den Nachschlagewerken, sondern eine gemeinsame, gut belegte Kette von Entlehnungen. Anders sieht es bei einer zusätzlichen Erklärung aus, die nur das DWDS nennt: eine mögliche volksetymologische Anlehnung an lateinisch liquidus, was flüssig bedeutet. Das DWDS kennzeichnet diese Anlehnung ausdrücklich mit einem Fragezeichen, stellt sie also als offene Frage und nicht als gesicherte Tatsache dar. Weder der Duden noch das Wiktionary erwähnen diese mögliche Anlehnung überhaupt, sodass sie allein auf der vorsichtigen Vermutung einer einzigen Quelle beruht. Für den Hauptweg des Wortes reicht damit eine einzige, von drei Nachschlagewerken getragene Herleitung, während die Nebenerklärung zu liquidus allein auf einer Quelle steht.

  • Die Kette glykyrrhiza, glycyrriza, liquiricia wird von allen drei Quellen gleichermaßen genannt.
  • Die Zusammensetzung aus süß und Wurzel belegen DWDS und Wiktionary übereinstimmend für die griechische Ausgangsform.
  • Die Anlehnung an liquidus steht beim DWDS nur als Frage, nicht als belegte Herleitung.

Wie bei der Herkunft von Quarantäne kann auch bei Lakritze ein Wort an ein ähnlich klingendes angelehnt worden sein, das DWDS nennt dies aber nur als Frage und nicht als gesicherten Vorgang. Diese Vorsicht gilt nur für die Nebenerklärung, nicht für den durch alle drei Quellen getragenen Hauptweg des Wortes. Lautähnlichkeit allein belegt noch keine tatsächliche Beeinflussung der Wortform, weshalb das DWDS hier vorsichtig bleibt. Der Weg von glykyrrhiza über liquiricia ins Mittelhochdeutsche ist bei DWDS, Duden und Wiktionary belegt, die Anlehnung an liquidus bleibt beim DWDS eine Frage. So bleibt der belegte Kernweg über glykyrrhiza und liquiricia klar von der unsicheren Nebenvermutung zu liquidus getrennt. Dies gilt für das ganze Wort Lakritze.

Verwandte Wörter und Varianten

Rund um Lakritze gibt es mehrere Wörter, die entweder direkt mit der Grundform verwandt sind oder dieselbe Sache auf andere Weise benennen. Lakritze gehört zu den Lehnwörtern im Deutschen, die über Latein und Griechisch den Weg ins Deutsche fanden, und ist damit nicht isoliert, sondern Teil einer größeren Gruppe ähnlich entlehnter Begriffe. Der Plural des Wortes lautet Lakritzen, und das DWDS führt außerdem die formal verwandte Form Lakritz an, die ohne das angehängte e auskommt. Daneben nennen die Quellen mehrere Synonyme: Für die Pflanze selbst wird Süßholz verwendet, für die fertige schwarze Masse dagegen umgangssprachliche Ausdrücke wie Bärendreck und Bärenzucker.

  • Lakritzen (Plural)
  • Lakritz (formal verwandte Form laut DWDS)
  • Süßholz (Bezeichnung für die Pflanze)
  • Bärendreck und Bärenzucker (Bezeichnungen für die Masse)
  • lakritzschwarz, Lakritzschnecke, Lakritzlikör (Wortbildungen laut Wiktionary)
  • Lakritzensaft, Lakritzstange (Wortbildungen laut DWDS)

Diese Liste zeigt, wie ein einzelnes Grundwort im Deutschen zahlreiche Ableitungen und Zusammensetzungen hervorbringen kann, von der reinen Pflanzenbezeichnung bis zu umgangssprachlichen Namen für die fertige Süßigkeit. Die Wortbildungen lakritzschwarz, Lakritzschnecke und Lakritzlikör, die das Wiktionary nennt, setzen jeweils Lakritze mit einem weiteren Wortteil zusammen und beschreiben damit eine Farbe, eine Form oder ein Getränk. Die vom DWDS genannten Formen Lakritzensaft und Lakritzstange beziehen sich dagegen auf frühere beziehungsweise heutige Erscheinungsformen des Produkts selbst. Zusammengenommen machen diese Varianten deutlich, dass Lakritze als Grundwort fest im deutschen Wortschatz verankert ist und dort eigene Wortfamilien bildet.

Gebrauch heute

Lakritze ist ein Substantiv im Femininum mit dem Genitiv Lakritze und dem Plural Lakritzen, so führen es sowohl das DWDS als auch der Duden. Beide Nachschlagewerke beschreiben als Bedeutung die schwarze Masse, die aus eingedicktem Süßholzsaft hergestellt wird und heute vor allem als Süßigkeit bekannt ist. Das Wiktionary nennt darüber hinaus auch die Pflanze selbst als eigene Bedeutung, die der Masse den Rohstoff liefert. Das Wort erscheint in unterschiedlichen Zusammenhängen, etwa in folgenden Beispielsätzen: Die Kinder teilten sich eine Tüte Lakritze. Mein Nachbar mag den Geschmack von Lakritze, meine Schwester findet ihn gewöhnungsbedürftig. In der Apotheke wurde Lakritze früher auch als Saft verkauft.

Lakritze kann je nach Zusammenhang Unterschiedliches bezeichnen: die Pflanze, aus der die Wurzel stammt, den daraus gewonnenen Saft, die daraus hergestellte schwarze Masse oder ein einzelnes Stück dieser Süßigkeit. Welche dieser Bedeutungen gemeint ist, ergibt sich aus dem Kontext, etwa wenn von einer Tüte, einem Stück oder einem Saft die Rede ist. Der Duden hält als zusätzliches Beispiel die Wendung Lakritzen kaufen fest, die sich auf die Süßigkeit im Plural bezieht. Das DWDS beschreibt, dass Lakritze die Süßholzstaude bis in neuere Zeit bezeichnete, danach lange vor allem den Saft, und in der Gegenwart die gepresste schwarze Masse.

Lakritze: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Offene Fragen

Trotz der klaren Herleitungskette bleiben bei der Herkunft von Lakritze einige Punkte offen, die DWDS, Duden und Wiktionary nicht abschließend beantworten. Auch nach dem Abgleich der drei Nachschlagewerke bleiben einzelne Angaben zum Wort ungeklärt.

  • Ob lateinisch liquidus die Form des Wortes tatsächlich beeinflusste, bleibt beim DWDS ausdrücklich eine Frage und keine belegte Tatsache.
  • Die althochdeutsche Form lacricie steht nur im Duden, im DWDS und im Wiktionary fehlt eine entsprechende Angabe.
  • Wann die schwarze Masse erstmals Lakritze hieß, ist nicht belegt.

Die Quellen stimmen im Kernweg überein: DWDS, Duden und Wiktionary führen Lakritze alle über mittellateinisch liquiricia auf griechisch glykyrrhiza zurück. Der Duden nennt eine althochdeutsche Form, das DWDS beginnt im 14. Jahrhundert, mehrere Stufen tragen keine Datierung. Das betrifft vor allem die früheren Sprachstufen. Welche Stufe genau zur schwarzen Masse aus eingedicktem Süßholzsaft führte, lässt sich aus den Angaben nicht mit Jahreszahl rekonstruieren. Die drei Quellen ergänzen sich damit, ohne dass jede Angabe von allen dreien gleichermaßen bestätigt wird. Als Merksatz: Das Wort Lakritze führt von griechisch glykyrrhiza über mittellateinisch liquiricia ins Mittelhochdeutsche, während eine mögliche Anlehnung an liquidus beim DWDS ausdrücklich nur als offene Frage und nicht als gesicherter Teil dieser Herleitung steht.

Quellen und Stand

Soll jemand prüfen, ob dein Text bei Wortwahl und Schreibung sauber ist?

Datei hochladen

Häufige Fragen zur Herkunft von Lakritze

Was bedeutet das griechische Wort glykyrrhiza?

Glykyrrhiza ist laut DWDS und Wiktionary ein Kompositum aus glykys (süß) und rhiza (Wurzel) und bedeutet Süßholz oder Süßwurzel. Von dieser griechischen Form leiten alle drei Quellen, DWDS, Duden und Wiktionary, die Herkunft von Lakritze ab.

Welche Rolle spielt das Lateinische bei der Herkunft von Lakritze?

Zwischen dem griechischen glykyrrhiza und dem deutschen Wort steht nach Duden die lateinische Form glycyrriza und danach mittellateinisch liquiricia. Diese mittellateinische Form wurde dann ins Mittelhochdeutsche entlehnt und ergab dort lakerize.

Ist die Anlehnung an das lateinische Wort liquidus gesichert?

Nein. Das DWDS nennt eine mögliche volksetymologische Anlehnung an lateinisch liquidus (flüssig) ausdrücklich nur mit einem Fragezeichen, also als offene Vermutung. Duden und Wiktionary führen diese Anlehnung gar nicht auf.

Welche Bedeutungen kann das Wort Lakritze haben?

Nach DWDS und Duden meint Lakritze heute vor allem die schwarze Masse aus eingedicktem Süßholzsaft. Das Wiktionary führt zusätzlich die Pflanze selbst und ein einzelnes Stück dieser Süßigkeit als eigene Bedeutungen auf.

Worin unterscheiden sich Duden und DWDS bei der Herkunft von Lakritze?

Der Duden nennt eine althochdeutsche Form namens lacricie, die beim DWDS fehlt. Das DWDS beginnt seine Darstellung stattdessen mit der mittelhochdeutschen Form lakerize im 14. Jahrhundert und datiert zusätzlich Lakritzensaft auf das 19. und Lakritzstange auf das 20. Jahrhundert.

Welcher Plural gilt für das Wort Lakritze?

DWDS und Duden nennen beide den Plural Lakritzen, bei femininem Genus und dem Genitiv der Lakritze. Das DWDS führt zusätzlich die formal verwandte Form Lakritz an.

Welche verwandten Wörter nennen die Quellen zu Lakritze?

Das DWDS nennt Süßholz, Bärendreck und Bärenzucker als bedeutungsverwandte Ausdrücke sowie Lakritzensaft und Lakritzstange. Das Wiktionary führt zusätzlich die Wortbildungen lakritzschwarz, Lakritzschnecke und Lakritzlikör auf.

Unsere Partner