Woher kommt das Wort Kladderadatsch?

Kladderadatsch Herkunft: woher das Wort kommt

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 1. Oktober 2026 · Wortherkunft

Kladderadatsch klingt nach Krach und Chaos, und genau das steckt in seiner Geschichte: Das Wort war im Deutschen schon vorhanden, bevor das 1848 gegründete Berliner Wochenblatt der Kladderadatsch ihm laut Duden zu weiterer Verbreitung verhalf.

Die kurze Antwort: Lautmalerei aus dem Norden

Kladderadatsch geht nach dem DWDS auf eine norddeutsche Interjektion zurück, die ein krachendes, klirrendes Geräusch lautmalend wiedergibt. Das Wort ist damit kein Lehnwort aus einer anderen Sprache, sondern hat seinen Ursprung im Deutschen selbst. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache stützt sich in seiner Etymologie auf das Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer. Pfeifer beschreibt Kladderadatsch als eine Substantivierung der im Norddeutschen gebräuchlichen Interjektion kladderadatsch. Diese Interjektion wiederum ist aus zwei lautmalenden Vorformen erweitert worden: aus klatsch und kladatsch. Beide suchten, ein krachendes, klirrendes Geräusch in Sprache zu fassen. Als Interjektion war kladderadatsch zuerst ein Ausruf, kein Hauptwort. Erst durch den Vorgang der Substantivierung wandelte es sich zu einem Nomen mit eigenem Genus und eigener Beugung.

Der Duden beschreibt die Herkunft aus einer anderen Perspektive: Er hält fest, dass das 1848 gegründete politisch-satirische Wochenblatt gleichen Namens dem Wort zu weiterer Verbreitung verholfen hat. Das Berliner Blatt trug denselben Namen und half laut Duden zu weiterer Bekanntheit des Wortes. Über die lautmalende Entstehung schweigt der Duden im Herkunftsfeld.

Heute bezeichnet Kladderadatsch nach DWDS und Duden umgangssprachlich zwei Dinge: erstens ein heilloses Durcheinander nach einem Zusammenbruch, zweitens einen Skandal oder eine Aufregung. Das DWDS führt das Wort als maskulines Substantiv, das nur im Singular verwendet wird. Der Duden verzeichnet darüber hinaus einen Plural, die Kladderadatsche. Die umgangssprachliche Einordnung findet sich in beiden Wörterbüchern gleichlautend, was zeigt, dass das Wort trotz seiner Geschichte dem informellen Register zugeordnet wird.

Kladderadatsch: Herkunft des Wortes: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg ins Deutsche: vom Ausruf zum Nomen

Kladderadatsch ist kein Lehnwort und nicht aus einer Fremdsprache ins Deutsche übernommen worden. Das Wort entstand im Deutschen selbst durch einen lautmalenden Vorgang: Sprecher bildeten Ausdrücke, die den Klang eines Ereignisses unmittelbar nachahmten. Das DWDS nennt nach Wolfgang Pfeifer zwei ältere Vorformen dieses Ausdrucks: klatsch und kladatsch. Aus diesen beiden Formen entwickelte sich durch Erweiterung die Interjektion kladderadatsch, die das Geräusch eines heftigen Aufpralls wiedergeben sollte. Dieser rein innersprachliche Bildungsvorgang unterscheidet Kladderadatsch grundlegend von Wörtern, die aus dem Lateinischen, Französischen oder anderen Sprachen ins Deutsche gewandert sind.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1Interjektion kladderadatschDeutsch, norddeutschBelege seit dem 19. Jahrhundert (Wiktionary)
2Substantivierung zu KladderadatschDeutschnicht datiert (DWDS nach Pfeifer)
3Politisch-satirische Wochenschrift KladderadatschDeutsch, Berlingegründet 1848
4Verbreitung des Wortes durch dieses BlattDeutschab 1848 (Duden)

Laut Wiktionary entstand das Substantiv Kladderadatsch durch Konversion: Dabei wechselt eine vorhandene Wortform in eine andere Wortklasse, ohne dass eine neue Endung angefügt wird. Die Interjektion wurde also einfach als Substantiv gebraucht und erhielt dadurch ein Genus und eine Beugung. Wer sich für bildhafte Ausdrücke und sprachliche Übergänge interessiert, findet unter Redewendungen einfach erklärt weitere Beispiele für Wörter, die aus Ausrufen entstanden sind. Das Berliner Wochenblatt, das ab 1848 unter diesem Namen erschien, half dem Wort laut Duden zu weiterer Verbreitung. Die Zeitschrift trug den Namen des Wortes, gab ihm diesen Namen aber nicht: Das Wort bestand bereits, bevor das Blatt gegründet wurde.

Vom Krach-Ausruf zum Skandalwort: der Bedeutungswandel

Das Wort Kladderadatsch führt über seine Wörterbucheinträge mehrere Bedeutungen, die vom Klanghaften ins Bildhafte reichen. Das DWDS beschreibt nach Pfeifer den Ausgangspunkt als Geklirr, also das Geräusch eines harten Aufpralls oder Bruches. Daneben nennt das DWDS, ebenfalls nach Pfeifer, den Zusammenbruch selbst sowie das heillose Durcheinander, das ein solches Ereignis hinterlässt, als weitere Bedeutungen. Neben dem Durcheinander steht die Bedeutung von Skandal und Aufregung, die sowohl das DWDS als auch der Duden als eigenständige Bedeutung aufführen. Weitere Wortbedeutungen und ihre Geschichte lassen sich in den jeweiligen Wörterbucheinträgen nachlesen. Das Wiktionary führt zusätzlich den Titel der satirischen Zeitschrift als eigene Bedeutung auf: Das Berliner Blatt erschien von 1848 bis 1944 unter diesem Namen.

Die belegten Bedeutungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Geräusch und Geklirr: das unmittelbare Klangerlebnis eines krachenden Aufpralls, wie das DWDS nach Pfeifer beschreibt
  • Chaos und heilloses Durcheinander nach einem Zusammenbruch: die übertragene Hauptbedeutung, die DWDS und Duden nennen
  • Skandal und Aufregung: eine weitere übertragene Bedeutung, die beide Wörterbücher als eigenständig aufführen
  • Titel der politisch-satirischen Zeitschrift von 1848 bis 1944: eine eigenständige Bedeutung laut Wiktionary

Das DWDS und der Duden ordnen Kladderadatsch übereinstimmend der Umgangssprache zu. Diese stilistische Einordnung gilt für alle genannten Bedeutungen. Belege für den genauen Zeitpunkt, ab dem die übertragenen Bedeutungen aufkamen, nennen die drei Quellen nicht.

Wortformen, Vorformen und Synonyme

Für die Wortformen von Kladderadatsch geben DWDS und Duden unterschiedliche Auskünfte. Das DWDS führt das Wort ausschließlich im Singular. Der Duden nennt neben dem Singular auch den Plural die Kladderadatsche sowie die Genitivformen des Kladderadatsch[e]s. Die Genitivendung kann mit oder ohne zusätzliches -e gebildet werden, beide Formen gelten laut Duden als zulässig.

Die Synonyme, die der Duden für Kladderadatsch verzeichnet, zeigen das Bedeutungsfeld des Wortes: Aufregung, Chaos, Durcheinander und Eklat stehen als inhaltlich verwandte Ausdrücke. Wer Synonyme kostenlos finden will, etwa zu Chaos oder Durcheinander, kann in einem Synonymwörterbuch weitersuchen und wird dort auf Ausdrücke treffen, die je nach Kontext unterschiedlich gut passen. Das Anlautmuster kl in Kladderadatsch erinnert beim Hören an andere deutsche Wörter, die ebenfalls Geräusche beschreiben, etwa klirren, klappern oder klatschen. Das Auslautmuster -atsch findet sich in den beiden Vorformen klatsch und kladatsch, die das DWDS nach Pfeifer als Ausgangspunkte nennt. Die Quellen belegen, dass diese Formen lautmalend sind. Ob der Lautwert des Anlaut-kl- und des Auslauts -atsch bei der Entstehung des Wortes bewusst eingesetzt wurde, lässt sich aus dem vorliegenden Quellenmaterial nicht ableiten.

Belegte Formen und verwandte Ausdrücke im Überblick:

  • klatsch: eine der beiden Vorformen laut DWDS nach Pfeifer, lautmalend für einen harten Aufprall
  • kladatsch: die zweite Vorform laut DWDS nach Pfeifer, ebenfalls lautmalend und eng mit klatsch verwandt
  • Aufregung: Synonym laut Duden, beschreibt einen aufgewühlten Zustand nach einem Vorfall
  • Chaos: Synonym laut Duden, steht für völliges Durcheinander
  • Durcheinander: Synonym laut Duden, bezeichnet eine ungeordnete, verworrene Lage
  • Eklat: Synonym laut Duden, betont den öffentlichen und skandalösen Charakter eines Ereignisses

Das Wort selbst besitzt keine belegten Ableitungen oder Zusammensetzungen in den drei herangezogenen Quellen. Die Formen beschränken sich auf Singular, Genitiv und Plural nach Duden.

Kladderadatsch in eigenen Sätzen gebrauchen

Kladderadatsch ist maskulin und gehört nach DWDS und Duden zur Umgangssprache. Als Substantiv ist Kladderadatsch maskulin und meist ein Singularwort, auch wenn der Duden einen Plural kennt. Das macht es zu einem Wort, das vor allem im Gespräch und in informellen Texten seinen Platz hat.

Vier eigene Beispielsätze zeigen, wie das Wort in unterschiedlichen Bedeutungen vorkommen kann. Erstens, mit Blick auf ein Chaos nach einem Zusammenbruch: Nach dem Scheitern des Vorhabens entstand ein vollständiger Kladderadatsch, bei dem niemand mehr den Überblick hatte. Zweitens, mit Skandal und Aufregung: Der unerwartete Rücktritt löste einen öffentlichen Kladderadatsch aus, der alle Beteiligten in Unruhe versetzte. Drittens, mit dem Genitiv: Mitten im Zuge des Kladderadatsches versuchten die Verantwortlichen, die Lage zu ordnen. Viertens, als allgemeine Beschreibung: Am Ende stand der große Kladderadatsch, auf den alle gewartet hatten.

Die Beugungsformen nach Duden:

Tabelle: Fall, Singular, Plural
FallSingularPlural
Nominativder Kladderadatschdie Kladderadatsche
Genitivdes Kladderadatsch[e]sder Kladderadatsche
Akkusativden Kladderadatschdie Kladderadatsche

Der Genitiv lässt sich also sowohl als des Kladderadatschs als auch als des Kladderadatsches bilden. Das DWDS führt das Wort hingegen nur im Singular. Die stilistische Einordnung als umgangssprachlich gilt laut beiden Wörterbüchern für das gesamte Wort, unabhängig davon, in welcher Bedeutung es gebraucht wird.

Kladderadatsch: Herkunft des Wortes: Prüfliste mit vier Punkten

Was die Quellen nicht sagen: Grenzen und Irrtümer

Wer sich über die Herkunft von Kladderadatsch informiert, sollte die Grenzen der verfügbaren Quellen kennen. Das DWDS, der Duden und das Wiktionary nennen keine Jahreszahl für das erste Auftreten der Interjektion. Das Wiktionary nennt lediglich Belege seit dem 19. Jahrhundert. Der Duden erwähnt die lautmalende Herkunft nicht, sondern beschränkt sich auf die Verbreitung durch die Zeitschrift von 1848. Diese Seite behauptet über Entstehungszeitpunkt und Urheber entsprechend nichts.

Was sich aus den Quellen belegen lässt und was nicht:

  • Belegt: Kladderadatsch geht auf eine norddeutsche lautmalende Interjektion zurück (DWDS nach Pfeifer)
  • Belegt: Das Wort ist eine Substantivierung dieser Interjektion (DWDS nach Pfeifer, Wiktionary)
  • Belegt: Die Berliner Zeitschrift von 1848 trug diesen Namen und half dem Wort zu weiterer Verbreitung (Duden, Wiktionary)
  • Nicht belegt: Wann genau die Interjektion entstand oder wer sie prägte
  • Nicht belegt: Ob die Zeitschrift dem Wort seinen Namen gab; sie trägt ihn nur

Die Zeitschrift hat den Namen nicht erfunden, sondern einen bereits vorhandenen Ausdruck als Titel übernommen. Weitere Wörter mit lautmalendem Ursprung stehen im Bedeutung Lexikon und zeigen, wie Klangmalerei im Deutschen als Bildungsmuster wirkt. Als Merksatz gilt: Was die drei Quellen nicht nennen, darf diese Seite nicht behaupten.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Kladderadatsch

Was bedeutet Kladderadatsch?

Kladderadatsch bezeichnet nach DWDS und Duden umgangssprachlich zwei Dinge: erstens ein heilloses Durcheinander nach einem Zusammenbruch, zweitens einen Skandal oder eine Aufregung.

Woher stammt das Wort Kladderadatsch?

Das DWDS führt nach Pfeifer aus, dass Kladderadatsch eine Substantivierung der norddeutschen Interjektion kladderadatsch ist, die ihrerseits aus den lautmalenden Vorformen klatsch und kladatsch erweitert wurde. Das Wort ist im Deutschen selbst entstanden, nicht aus einer Fremdsprache übernommen.

Wann entstand die Interjektion kladderadatsch?

DWDS, Duden und Wiktionary nennen keine Jahreszahl für das erste Auftreten der Interjektion. Das Wiktionary nennt Belege seit dem 19. Jahrhundert. Eine genauere Datierung lässt sich aus diesen drei Quellen nicht ableiten.

Was war die Zeitschrift Kladderadatsch?

Das Wiktionary nennt als eigene Bedeutung den Titel einer politisch-satirischen Zeitschrift, die von 1848 bis 1944 erschien. Der Duden hält fest, dass dieses 1848 gegründete Wochenblatt zur weiteren Verbreitung des Wortes beigetragen hat.

Welche Synonyme gibt es für Kladderadatsch?

Der Duden nennt als Synonyme: Aufregung, Chaos, Durcheinander und Eklat.

Ist Kladderadatsch maskulin oder neutral?

Das DWDS und der Duden führen Kladderadatsch übereinstimmend als maskulines Substantiv: der Kladderadatsch.

Hat die Zeitschrift dem Wort seinen Namen gegeben?

Nein. Das DWDS beschreibt nach Pfeifer das Wort als norddeutsche Interjektion, die bereits als Substantiv gebraucht wurde, bevor die Zeitschrift 1848 gegründet wurde. Die Zeitschrift übernahm den Namen, gab ihn dem Wort aber nicht. Der Duden beschreibt nur die Verbreitung durch das Blatt, nicht die Entstehung.

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