Woher stammt das Wort Kissen?
Kissen: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Das Wort Kissen für ein weiches Polster ist aus dem Altfranzösischen ins Deutsche gelangt. Welches lateinische Wort dahintersteckt, geben die Quellen unterschiedlich an.
Kurze Antwort: Entlehnung aus dem Altfranzösischen
Kissen wurde aus altfranzösisch coissin oder cussin entlehnt. Ob das lateinische Grundwort coxa (Hüfte) oder culcita (Bettdecke) ist, nennen die Quellen unterschiedlich. Das DWDS führt die Entlehnung auf altfranzösisch co(u)ssin zurück, das über galloromanisch *coxinus zu lateinisch coxa gehört, also zu einem Wort für Oberschenkel und Hüfte. Auch der Duden nennt coxa als lateinische Grundlage. Das Wiktionary weicht davon ab: Dort wird altfranzösisch coisson im 10. Jahrhundert als Quelle der Entlehnung genannt, und das lateinische culcita im Sinn von Bettdecke wird nur mit wohl als Grundwort angeführt.
Der Kern der Herkunft lässt sich in einfachen Worten so zusammenfassen: Das deutsche Wort stammt aus einer französischen Vorform, die im DWDS auf galloromanisch *coxinus zurückgeführt wird, eine Bezeichnung für Sitzunterlagen. Heute meint Kissen ein weiches Polster. Wie die Fremdwörter aus dem Französischen kam auch Kissen aus dem Altfranzösischen ins Deutsche. Als lateinisches Grundwort nennen DWDS und Duden coxa, das Wiktionary dagegen wohl culcita.
Das DWDS nennt als Bedeutung weiches Polster, Stoffhülle mit Federfüllung. Die Sitzunterlage aus dem galloromanischen *coxinus wird im DWDS als Bezeichnung aus dem Mittelalter angeführt, für ungepolsterte Stühle und Bänke. Das Suffix -inus stammt nach dem DWDS wohl von lateinisch pulvinus; auch dieser Zusammenhang steht nur mit wohl und ist daher als Vorbehalt zu lesen.

Der Weg ins Deutsche in Stufen
Vom lateinischen Grundwort bis zur heutigen Schreibung durchläuft das Wort mehrere Stufen, die sich nach Form, Sprache und Zeitangabe unterscheiden.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| Grundwort nach DWDS und Duden | coxa (Oberschenkel, Hüfte) | lateinisch | ohne Datierung |
| Deutung nur im Wiktionary, mit wohl | culcita (Bettdecke) | lateinisch | ohne Datierung |
| erschlossene Form | *coxinus (Sitzunterlage) | galloromanisch | ohne Datierung |
| Entlehnung | coissin, cussin oder coisson | altfranzösisch | 10. Jahrhundert nur für coisson, laut Wiktionary |
| althochdeutsche Form | kussin | althochdeutsch | 9./10. Jahrhundert, laut DWDS |
| mittelhochdeutsche Formen | küssen, kussin, küsse | mittelhochdeutsch | ohne Datierung |
| neuhochdeutsche Form | Küssen, dann Kissen | neuhochdeutsch | vom 18. Jahrhundert an überwiegend Kissen, laut DWDS |
Nach DWDS, Duden und Wiktionary handelt es sich um eine Entlehnung aus dem Altfranzösischen. Die Formen unterscheiden sich in den Quellen leicht: coissin und cussin nennen DWDS und Duden, coisson nennt das Wiktionary. Das DWDS bezeichnet galloromanisch *coxinus als Bezeichnung für Sitzunterlagen auf ungepolsterten Stühlen und Bänken im Mittelalter. Der Stern kennzeichnet dabei eine erschlossene Form, also keine dokumentierte Belegform.
Wie bei der Herkunft von Matratze lohnt auch bei Kissen der Blick auf die einzelnen Zwischenstufen. Nach dem DWDS liegen zwischen dem lateinischen coxa und dem deutschen Kissen die galloromanische Form *coxinus und das Altfranzösische.
Deutungen und Vorbehalte
Gesichert ist nach DWDS, Duden und Wiktionary zunächst nur, dass alle drei Kissen auf das Altfranzösische zurückführen. Danach gehen die Deutungen auseinander. DWDS und Duden nennen lateinisch coxa (Hüfte). Das Wiktionary nennt dagegen wohl eine Verkleinerungsform von lateinisch culcita (Bettdecke). Diese beiden Deutungen sind voneinander abweichende Quellenangaben.
Die Deutung über culcita steht nur im Wiktionary und nur mit wohl. Die Herkunft des Suffixes -inus von lateinisch pulvinus steht im DWDS ebenfalls nur mit wohl. Die Jahresangaben beziehen sich jeweils auf eine bestimmte Stufe: 9./10. Jahrhundert gilt nur für die althochdeutsche Form, 10. Jahrhundert gilt nur für die Entlehnung laut Wiktionary, und 18. Jahrhundert gilt nur für die entrundete Schreibung laut DWDS.
Als Vorformen und Grundwörter von Kissen gelten:
- altfranzösisch coissin oder cussin (DWDS, Duden)
- altfranzösisch coisson (nur Wiktionary)
- lateinisch coxa (DWDS, Duden)
- lateinisch culcita (nur Wiktionary, mit wohl)
- lateinisch pulvinus als Vorbild des Suffixes (nur DWDS, mit wohl)
Wie bei der Herkunft von Sofa lässt sich auch beim Kissen fragen, welches Grundwort am Anfang steht.
Verwandte Wörter und Varianten
Nach dem DWDS hat Kissen die Bedeutung weiches Polster, Stoffhülle mit Federfüllung. Das Wiktionary nennt Polster als Oberbegriff. Als Unterbegriffe führt es unter anderem die folgenden Wörter an:
- Polster (Wiktionary, als Oberbegriff)
- Kopfkissen (Wiktionary, als Unterbegriff)
- Sofakissen (Wiktionary, als Unterbegriff)
- Sitzkissen (Wiktionary, als Unterbegriff)
- Nadelkissen (Wiktionary, als Unterbegriff)
- Zierkissen (Wiktionary, als Unterbegriff)
Das DWDS führt Küssen und kussin als Stufen der Formgeschichte auf, also innerhalb der Entwicklungsreihe des Wortes. Kissen ist ein neutrales Substantiv und hat im Plural dieselbe Form.
Im Wiktionary steht Kissen unter dem Oberbegriff Polster, zu dem die genannten Unterbegriffe gehören. Das französische coussin wird nur als Vergleichswort aufgeführt.
Gebrauch heute
Kissen ist ein Substantiv, Neutrum, mit dem Genitiv des Kissens und dem Plural die Kissen. Das belegen DWDS und Duden übereinstimmend. Die Bedeutung ist weiches Polster, im Sinn einer Stoffhülle mit Federfüllung.
Kissen bezeichnet ein weiches Polster in diesen Verwendungen:
- Auf dem Sofa lag ein blaues Kissen.
- Für das Bett brauchen wir ein neues Kissen.
- Das Kissen im Sessel ist zu hart geworden.
Die Schreibung Kissen ist nach dem DWDS die entrundete Form, die vom 18. Jahrhundert an überwiegt. Im DWDS erscheint Küssen als neuhochdeutsche Schreibung vor dieser entrundeten Form. In der Wortherkunft zeigt Kissen, wie sich ein Vokal im Lauf der Sprachgeschichte verändern kann.

Offene Fragen
Für das Wort Kissen bleiben mehrere etymologische Fragen offen:
- Ob lateinisch coxa oder culcita am Anfang steht, nennen die Quellen unterschiedlich, und diese Frage bleibt offen.
- Ob die Entlehnung im 10. Jahrhundert erfolgte, steht nur im Wiktionary.
- Ob das Suffix von pulvinus stammt, nennt das DWDS nur mit wohl.
- Wie verbreitet das Wort heute ist, ist offen.
Merksatz: aus altfranzösisch coissin zu althochdeutsch kussin und Kissen. Das lateinische Grundwort nennt der Duden coxa, das Wiktionary wohl culcita. Welche der beiden Angaben zutrifft, ist offen.
Quellen und Stand
- DWDS: Kissen, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-06)
- Duden: Kissen, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-06)
- Wiktionary: Kissen, Herkunft: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-06)