Woher das Wort Kneipe stammt

Kneipe: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Kneipe ist heute ein Alltagswort für ein einfaches Lokal. Die Wortgeschichte führt über Kneipschenke in die Studentensprache des 18. Jahrhunderts; der Anschluss an kneipen im Sinn von einengen gilt als wahrscheinlich, nicht als restlos gesichert.

Kurze Antwort: Wie entstand Kneipe?

Kneipe ist im 18. Jahrhundert in der Studentensprache aus Kneipschenke gekürzt worden und gehört wahrscheinlich zu kneipen im Sinn von klemmen, einengen. Diese Kürzung und die Verbindung zu kneipen stehen im DWDS, das sich dabei auf Pfeifer stützt: Dort wird Kneipschenke als zuerst obersächsisch im 18. Jahrhundert aufkommendes Wort genannt, das in der Studentensprache zu Kneipe verkürzt wurde. Das DWDS sagt wahrscheinlich zu dem Anschluss an kneipen, verstanden als kneifen, zusammendrücken. Der Duden stützt dasselbe Bild: Er nennt eine studentensprachliche Herkunft aus Kneipschenke, beschrieben als schlechte, kleine Schenke, und ebenfalls wahrscheinlich im Sinn von enger Raum, zu kneipen. Der Anschluss an kneipen ist eine Deutung der Wörterbücher und keine restlos gesicherte Herkunft. Beide Quellen stimmen aber in der Kürzung aus Kneipschenke und in der studentensprachlichen Herkunft überein. Heute meint Kneipe vor allem ein einfaches Lokal, in dem man etwas trinkt. In der Studentensprache bezeichnete das Wort daneben eine Zusammenkunft zum Zechen, also ein geselliges Treffen mit Getränken, nicht nur den Ort dafür. Wie bei der Herkunft von Mahlzeit führt auch hier eine alte Zusammensetzung zu einem Wort des Alltags rund um Essen und Trinken.

Kneipe: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Die Stufen vom Verb kneipen zum heutigen Wort

Die folgende Tabelle zeigt die Stufen, über die sich das heutige Wort Kneipe laut DWDS und Duden entwickelt hat. Sie beginnt beim Verb kneipen und endet bei der Bildung Kneipier für den Wirt.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1kneipen (kneifen, zusammendrücken, klemmen, einengen)Deutschohne Datierung
2Kneipschenkeobersächsisch18. Jahrhundert
3Kneipe (kleine, schlechte Schenke; Zusammenkunft zum Zechen)Studentensprache18. Jahrhundert
4Kneipe als StudentenbudeStudentenspracheEnde 18. Jahrhundert
5Kneipier (Wirt, Inhaber einer Kneipe)französierende Bildung, Studentenspracheum 1800

Das DWDS nennt als Ausgangspunkt die Vorstellung eines beklemmend engen Raums. Von dort aus lässt sich erklären, warum das Wort nicht nur die kleine, schlechte Schenke meinte, sondern auch das kleine Zimmer eines Studenten, also seine Studentenbude. Diese Bedeutung kam dem DWDS zufolge gegen Ende des 18. Jahrhunderts hinzu und bleibt eng mit dem Bild des engen Raums verbunden. Das Wiktionary ergänzt dazu eine eigene, leicht abweichende Beschreibung: Dort wird Kneipe seit dem 18. Jahrhundert bezeugt und als Kompositum aus dem Substantiv Schenke und dem Stamm des Verbs kneipen beschrieben, verstanden als klemmen, zwicken, hier im Sinn eines engen Zusammenseins. Anders als DWDS und Duden nennt das Wiktionary dabei keinen Sicherheitsgrad wie wahrscheinlich, sondern stellt die Zusammensetzung als Zusatzangabe ohne eigene Einschränkung dar. Auch bei der Herkunft von Kiosk geht es um einen kleinen Ort des Alltags, dessen Name eine eigene Wortgeschichte hat, ganz ähnlich wie bei der Kneipe. Das heutige kurze Wort entstand damit über die Zwischenstufe Kneipschenke aus einem Verb, das Enge und Zusammendrücken beschreibt.

Was ist gesichert, was ist Deutung?

Bei der Herkunft von Kneipe lohnt es sich, zwischen klar belegten Angaben und vorsichtigeren Deutungen zu unterscheiden. DWDS und Duden sagen beide wahrscheinlich zu dem Anschluss an kneipen im Sinne von enger Raum. Diese Formulierung zeigt, dass die Wörterbücher den Zusammenhang für plausibel halten, ihn aber nicht als restlos gesichert darstellen. Das Wiktionary dagegen nennt die Zusammensetzung aus Schenke und kneipen ohne einen solchen Vorbehalt, stellt sie also direkter dar. Diese drei Aussagen stehen nebeneinander und verbinden sich nicht zu einer einzigen, gesicherten Herkunftsgeschichte, denn die Quellen selbst tun das auch nicht. Das Wiktionary nennt zudem eine Verwandtschaft mit kneifen, und genau in dieser Form, als Verwandtschaft und nicht als Gleichsetzung, wird sie dort auch beschrieben. Drei Punkte fassen die wichtigsten Deutungen zusammen.

  • Kneipschenke als Vorform des heutigen Wortes, so bei DWDS, Duden und Wiktionary genannt
  • Der Anschluss an kneipen im Sinn von einengen gilt laut DWDS und Duden als wahrscheinlich, nicht als sicher
  • Kneipier als französierende Bildung aus der Studentensprache, wie das DWDS es beschreibt

Kneipschenke war ein Kompositum, aus dem das heutige Wort durch Kürzung hervorging, und solche Komposita zeigen oft ihre Herkunft im zweiten Glied, hier im Wortteil Schenke. Dieser Blick auf die Zusammensetzung hilft zu verstehen, warum die Kürzung in der Studentensprache so naheliegend war: Ein langes, zusammengesetztes Wort wurde zu einer kürzeren, griffigeren Form. Die Vorsicht der Wörterbücher bei der Formulierung wahrscheinlich zeigt gleichzeitig, dass eine einzelne, restlos bewiesene Wurzel für kneipen selbst nicht vorliegt, sondern nur der Anschluss des späteren Wortes Kneipe an dieses Verb. Die Kürzung aus Kneipschenke gilt bei allen drei Quellen als belegt; der Anschluss an kneipen im Sinne von enger Raum bleibt nach DWDS und Duden wahrscheinlich.

Verwandte Wörter und Zusammensetzungen

Rund um Kneipe hat sich im Deutschen eine ganze Wortfamilie gebildet. Dazu gehört zunächst das Verb kneipen selbst, das laut DWDS seit dem 18. Jahrhundert in der Bedeutung zechen belegt ist, also im Sinne von in einer Kneipe trinken und feiern. Daneben steht Kneipier, laut DWDS eine französierende Bildung der Studentensprache um 1800 für den Wirt oder Inhaber einer Kneipe. Kneipe ist ein feminines Substantiv mit dem Plural Kneipen, und von diesem Substantiv aus entstanden zahlreiche weitere Zusammensetzungen. Das Wiktionary nennt für Kneipe zwei Bedeutungen: eine einfache, schlichte Schankwirtschaft und, im Umfeld von Studentenverbindungen, eine verbindungsstudentische Veranstaltung. Als Oberbegriffe führt das Wiktionary dafür Gaststätte und Lokal an. Die folgende Liste zeigt eine Auswahl verwandter Wörter mit der jeweiligen Quelle.

  • kneipen, zechen (DWDS)
  • Kneipier, Wirt einer Kneipe (DWDS)
  • Kneipenwirt, Kneipenbesitzer (DWDS)
  • Kneipentour, Stammkneipe, Eckkneipe, Dorfkneipe (DWDS)
  • Bar, Gasthaus, Gasthof, Ausschank (Duden, Wiktionary)
  • Beisel, Beize, Kaschemme, Pinte, Spelunke (Wiktionary)

Diese Zusammensetzungen und Synonyme zeigen, wie vielfältig das einfache Lokal im Deutschen benannt werden kann, von der nüchternen Bezeichnung Ausschank bis zu umgangssprachlichen Wörtern wie Kaschemme oder Spelunke. Zusammensetzungen wie Stammkneipe oder Eckkneipe fügen dem Grundwort Kneipe jeweils eine nähere Bestimmung hinzu, etwa den Ort an der Straßenecke oder eine bestimmte, bevorzugte Kneipe. Auch die zweite Bedeutung bei Verbindungsstudenten, die Veranstaltung selbst, führt das Wiktionary weiterhin als eigene Bedeutung von Kneipe auf.

Wie Kneipe heute verwendet wird

Das DWDS führt Kneipe als salopp, abwertend (nach dem eWDG von 1969) in der Bedeutung einfaches Wirtshaus oder Schenke. Zugleich hält das DWDS fest, dass Kneipe heute meist in abschätzigem Sinn gebraucht werde, oft aber auch als vertrautes, gemütliches Lokal verstanden werde. Der Duden beschreibt den Gebrauch ähnlich: Er nennt Kneipe ein kleines, einfaches, aber auch gemütliches Lokal und ordnet den Ausdruck als umgangssprachlich ein. Dort geht man hin, wenn man in Gesellschaft etwas Alkoholisches trinken möchte, zum Beispiel ein Bier oder ein Glas Wein. Beide Lesarten, die abwertende und die freundliche, lassen sich an eigenen Beispielsätzen zeigen. Erstens: Nach der Arbeit trafen sie sich noch in einer kleinen Kneipe am Hafen. Zweitens: Die Studenten luden ihre neuen Kommilitonen zu einer Kneipe ein, bei der viel gesungen wurde. Drittens: Er mied die Kneipe an der Ecke, weil ihm der Ruf des Lokals nicht gefiel. Der erste und der dritte Satz zeigen das einfache Lokal, der zweite Satz greift die studentische Zusammenkunft auf, wie sie das Wiktionary im Sinn der verbindungsstudentischen Veranstaltung beschreibt. Der Duden ordnet Kneipe zudem dem Wortschatz des Goethe-Zertifikats B1 zu, also einem Wortschatz, der für diese Sprachprüfungsstufe als relevant gilt. Das Wort ist damit im Alltagsdeutsch auf einer mittleren Sprachstufe verankert. Die Wendung die Kneipe an der Ecke zeigt, wie selbstverständlich das Wort für ein nahegelegenes, einfaches Lokal steht. Neben der Herkunft von Muckefuck gehört auch Kneipe zu den Wörtern, die der Alltag rund um Getränke geprägt hat. Beide Bedeutungsseiten, die kritische und die freundliche, bestehen damit laut den Wörterbüchern nebeneinander fort. Wer heute von einer Kneipe spricht, meint also je nach Zusammenhang entweder ein schlichtes, einfaches Lokal oder ein vertrautes, gemütliches.

Kneipe: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was an der Herkunft offen bleibt

Nicht jede Stufe der Wortgeschichte von Kneipe ist in gleichem Maß gesichert. Die folgende Liste nennt die wichtigsten offenen Punkte.

  • Der Anschluss an kneipen im Sinne von enger Raum ist laut DWDS und Duden wahrscheinlich, aber nicht als sicher belegt
  • Das Wiktionary nennt für die Zusammensetzung aus Schenke und kneipen keinen eigenen Sicherheitsgrad
  • Wie genau aus der Zusammenkunft zum Zechen das heutige Lokal wurde, beschreibt das DWDS nur allgemein als Entwicklung innerhalb der Studentensprache, ohne weitere Zwischenschritte zu nennen

DWDS, Duden und Wiktionary stimmen in der Kürzung aus Kneipschenke überein, formulieren bei der letzten Wurzel und bei einzelnen Zwischenschritten aber unterschiedlich vorsichtig. Die genaue Natur des Anschlusses an kneipen bleibt damit eine offene Frage. Kneipe wurde im 18. Jahrhundert aus Kneipschenke in der Studentensprache gekürzt und gehört wahrscheinlich zu kneipen im Sinn von klemmen und einengen.

Quellen und Stand

Im Zusammenhang „Woher das Wort Kneipe stammt“ werden die zentralen Punkte gebündelt.

Soll jemand prüfen, ob dein Text bei Wortwahl und Schreibung sauber ist?

Datei hochladen

Häufige Fragen zur Herkunft von Kneipe

Was bedeutete Kneipschenke, bevor daraus Kneipe wurde?

Das DWDS beschreibt Kneipschenke als ein zuerst obersächsisches Wort des 18. Jahrhunderts für eine kleine, schlechte Schenke. Der Duden nennt dieselbe Bedeutung und ergänzt, dass damit auch das dort abgehaltene Trinkgelage gemeint war. In der Studentensprache wurde dieses Wort dann zu Kneipe gekürzt.

Gehört Kneipe sicher zum Verb kneipen?

Nicht als restlos gesicherte Herkunft. Sowohl das DWDS als auch der Duden formulieren den Anschluss an kneipen im Sinn von enger Raum nur als wahrscheinlich. Das Wiktionary beschreibt die Zusammensetzung aus Schenke und kneipen dagegen ohne einen solchen Vorbehalt.

Welche zweite Bedeutung hatte Kneipe in der Studentensprache?

Neben dem einfachen Lokal meinte Kneipe in der Studentensprache laut DWDS eine Zusammenkunft zum Zechen. Das Wiktionary nennt dafür den Begriff der verbindungsstudentischen Veranstaltung. Zusätzlich bezeichnete das Wort gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch die kleine Studentenbude.

Woher kommt die Bezeichnung Kneipier für den Wirt?

Laut DWDS ist Kneipier eine französierende Bildung der Studentensprache aus der Zeit um 1800. Sie bezeichnet den Wirt oder Inhaber einer Kneipe und entstand damit in derselben Sprachumgebung wie das Wort Kneipe selbst.

Welche Wörter sind mit Kneipe verwandt oder sinnverwandt?

Das DWDS nennt unter anderem das Verb kneipen und Zusammensetzungen wie Kneipenwirt, Stammkneipe oder Eckkneipe. Als Synonyme führen Duden und Wiktionary unter anderem Bar, Gasthaus, Gasthof, Beisel, Pinte und Spelunke an.

Wird Kneipe heute nur abwertend verwendet?

Nein, Kneipe hat laut den Quellen nicht nur eine abwertende Lesart. Das DWDS nennt Kneipe salopp und abwertend, hält aber zugleich fest, dass das Wort oft auch als vertrautes, gemütliches Lokal verstanden wird. Der Duden beschreibt es ebenfalls als kleines, einfaches, aber auch gemütliches Lokal.

Unsere Partner