Woher stammt das Wort Kaschemme?
Kaschemme: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Kaschemme bezeichnet heute abwertend ein Lokal mit schlechtem Ruf. Das Wort kam im 19. Jahrhundert aus der Gaunersprache ins Deutsche und geht über Romani katschima, Wirtshaus, auf slawische Wörter für Schenke zurück.
Woher kommt das Wort Kaschemme?
Kaschemme wurde im 19. Jahrhundert aus der Gaunersprache ins Deutsche übernommen und geht über Romani katschima, zu Deutsch Wirtshaus, auf slawische Wörter für Schenke und Krug zurück. Das DWDS beschreibt den Weg nach Pfeifer so: Im 19. Jahrhundert sei das rotwelsche katschemme ins Deutsche gelangt, und dieses rühre über romani katschima mit Sicherheit von slawischen Formen her. Der Duden formuliert es knapper und nennt die Herkunft gaunersprachlich, zu Romani katschima mit der Bedeutung Wirtshaus. Beide Nachschlagewerke stimmen in der Kernaussage überein, auch wenn sie unterschiedlich ausführlich sind.
Kaschemme hat eine eigene Wortgeschichte, die sich deutlich von anderen Wörtern für ein Lokal unterscheidet. Kaschemme und die Herkunft von Kneipe betreffen beide ein schlichtes Lokal, doch der Weg von Kaschemme führt über die Gaunersprache zu einem slawischen Wort, während ein anderer Begriff eine andere Wortgeschichte trägt. Wer die beiden Wörter vermischt, verwischt gerade den Punkt, der Kaschemme auszeichnet: die Herkunft aus einer Sondersprache, dem Rotwelschen.
Heute wird das Wort abwertend gebraucht. Es bezeichnet laut DWDS und Duden ein Lokal mit schlechtem Ruf, eine Gaststätte, die als unseriös oder heruntergekommen gilt. Diese Bedeutung entwickelte sich aus der ursprünglich neutraleren Bedeutung Wirtshaus im Romani: Aus einem einfachen Wort für eine Schenke wurde im Deutschen ein Ausdruck mit negativer Färbung, der bis heute so verwendet wird.
Kaschemme reiht sich unter die Lehnwörter im Deutschen ein, denn es kam als fremdes Wort über eine Sondersprache, das Rotwelsche, in den allgemeinen Wortschatz und trägt dort bis heute eine negative Bedeutung.

Die Stufen vom Slawischen bis zum Deutschen
Der Weg des Wortes lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, wie das DWDS nach Pfeifer sie beschreibt. Am Anfang stehen slawische Formen für Schenke und Krug, danach folgen Formen aus dem Romani für Wirtshaus, dann rotwelsche Formen und schließlich das deutsche Wort Kaschemme selbst.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | korcma, karczma, krcma | obersorbisch, polnisch, tschechisch (Schenke, Kneipe, Krug) | ohne Datierung |
| 2 | katschima, kerschima | Romani (Wirtshaus) | ohne Datierung |
| 3 | katschemme, gertschemiha, gritschimm | rotwelsch | ohne Datierung, im 19. Jahrhundert ins Deutsche übernommen |
| 4 | Kaschemme | deutsch (schlechte Kneipe, Ganovenkneipe) | 19. Jahrhundert; 1915 erstmals im Rechtschreibduden |
Nach Pfeifer bilden die slawischen Formen die Grundlage der Formen im Romani, auch wenn die Verbindung nur als Vergleich angeführt wird. Die Übernahme ins Deutsche liegt im 19. Jahrhundert, eine genauere Jahreszahl nennt die Quelle dafür nicht. Wie bei der Herkunft von Pleite gelangte auch Kaschemme aus dem Rotwelschen ins Deutsche, nur dass hier ein slawisches Wort dahintersteht statt einer anderen Ausgangssprache.
Das Wiktionary beschreibt den Weg mit eigenen Worten: Von romani katschima, auch kartschima, sei das Wort im 19. Jahrhundert in die Gaunersprache und von dort ins Deutsche entlehnt worden. Als Beispiel für die slawische Seite nennt das Wiktionary serbisch curtschema, allerdings nur als einzelnes Beispiel und nicht als vollständig geklärte Zwischenstufe. Diese Angabe ergänzt die Darstellung des DWDS, ohne ihr zu widersprechen: Beide Quellen sehen am Ende der Kette ein slawisches Wort, auch wenn sie unterschiedliche Beispielformen nennen.
Was gesichert ist und was als Vergleich gilt
Die drei Nachschlagewerke sind sich in einem Punkt einig und unterscheiden sich in einem anderen. Einig sind sie sich darin, dass Kaschemme über die Gaunersprache und über Romani katschima, Wirtshaus, ins Deutsche kam: Das nennen DWDS, Duden und Wiktionary übereinstimmend. Unterschiedlich ist, wie bestimmt sie über die slawische Grundlage sprechen. Das DWDS sagt nach Pfeifer, die romani Formen rührten mit Sicherheit von slawischen Formen her. Das Wiktionary formuliert vorsichtiger und spricht davon, dass letztlich ein slawisches Wort zugrunde liege. Der Duden nennt die slawische Grundlage gar nicht, sondern endet seine Herkunftsangabe bei Romani katschima.
Kaschemme gehört zu den Lehnwörtern im Deutschen, die erst über eine Sondersprache und dann über eine Zwischensprache kamen, bevor sie im allgemeinen Wortschatz ankamen. Die slawischen Formen, die das DWDS nennt, obersorbisch korcma, polnisch karczma, tschechisch krcma, stehen dort ausdrücklich als Vergleich und nicht als lückenlos belegte Kette. Auch das serbische curtschema beim Wiktionary ist nur als Beispiel angeführt, nicht als gesicherter Einzelschritt auf dem Weg des Wortes.
- Romani katschima, Wirtshaus, nennen alle drei Quellen als Station auf dem Weg zu Kaschemme.
- Eine slawische Grundlage nennt das DWDS mit der Formulierung mit Sicherheit, das Wiktionary mit der Formulierung letztlich; der Duden nennt sie nicht.
- Die Übernahme ins Deutsche im 19. Jahrhundert nennen sowohl das DWDS als auch das Wiktionary.
Diese Abstufungen zeigen, dass die Wortgeschichte von Kaschemme im Kern als gesichert gelten kann, während einzelne Zwischenschritte offen bleiben.
Verwandte Wörter und Synonyme
Zu Kaschemme gehört ein verwandtes Wort mit ähnlicher Herkunft: Kretscham. Laut DWDS stammt Kretscham aus altsorbisch krcma und bedeutet Gasthof oder Wirtshaus; mittelhochdeutsch lautete die Form kretscheme. Das Wort ist laut DWDS heute im östlichen Teil des ostmitteldeutschen Sprachgebiets noch üblich. Damit teilt sich Kaschemme mit Kretscham eine slawische Wurzel, auch wenn die beiden Wörter unterschiedliche Wege ins Deutsche genommen haben: Kretscham kam direkter, Kaschemme über die Gaunersprache.
Für Kaschemme lassen sich Synonyme kostenlos finden wie Spelunke, Pinte oder Kneipe, die jeweils einen etwas anderen Beiklang haben. Der Duden nennt als umgangssprachliche Synonyme Kneipe, Pinte und Schuppen, dazu abwertend Spelunke. Als Oberbegriffe nennt das Wiktionary Gaststätte und Wirtshaus: Kaschemme ist eine besondere, abwertend gefärbte Art dieser beiden allgemeineren Begriffe. Der Plural des Wortes lautet die Kaschemmen.
- Kretscham, verwandtes Wort aus altsorbisch krcma (DWDS)
- Kneipe, Pinte, Schuppen, umgangssprachliche Synonyme (Duden)
- Spelunke, abwertendes Synonym (Duden)
- Gaststätte und Wirtshaus, Oberbegriffe (Wiktionary)
Diese Wörter zeigen, dass Kaschemme in einem Netz verwandter und bedeutungsähnlicher Begriffe steht, von denen manche dieselbe slawische Wurzel teilen und andere nur denselben Wortsinn.
Wie Kaschemme heute verwendet wird
Im heutigen Deutsch wird Kaschemme abwertend verwendet. DWDS und Duden beschreiben damit eine Gaststätte mit schlechtem Ruf, ein übel beleumdetes Lokal, eine Spelunke. Das DWDS führt dazu Beispiele an, sinngemäß eine alte, dunkle, verrufene Kaschemme oder die Kaschemmen der Vorstädte. Der Genitiv lautet der Kaschemme, der Plural die Kaschemmen.
Im Alltag steht das Wort so: Er wollte nicht in diese Kaschemme am Bahnhof gehen. Die Kaschemme am Ende der Gasse hatte einen schlechten Ruf. Niemand wollte in der Kaschemme gesehen werden. In allen drei Sätzen steht das Wort für ein Lokal, das als unseriös oder heruntergekommen gilt, nicht für eine gewöhnliche Gaststätte.
Laut Duden stand das Wort 1915 erstmals im Rechtschreibduden. Das Wiktionary beschreibt die Bedeutung zusätzlich mit dem Hinweis, dass sich in einer Kaschemme Prostituierte und Ganoven aufhalten, und stützt damit den abwertenden Charakter des Wortes, den auch DWDS und Duden nennen.
Kaschemme fällt im Alltag kaum als Fremdwort auf, obwohl das Wort über Romani auf slawische Wurzeln zurückgeht, wie die Fremdwörterliste es für viele Wörter zeigt. Die fremde Herkunft ist dem Wort heute nicht mehr anzusehen, es wirkt wie ein gewöhnliches deutsches Substantiv mit klarer, negativer Bedeutung.

Was an der Wortgeschichte offen bleibt
Trotz der übereinstimmenden Grundlinie bleiben bei der Wortgeschichte von Kaschemme einzelne Punkte offen:
- Wie die slawischen Formen genau zu den Formen im Romani und im Rotwelschen führten, steht bei Pfeifer nur als Vergleich und nicht als lückenlos belegte Kette.
- Das Wiktionary nennt serbisch curtschema nur als ein Beispiel für die slawische Seite, nicht als den einen gesicherten Zwischenschritt.
- Der Duden nennt die slawische Grundlage gar nicht und endet seine Herkunftsangabe bei Romani katschima.
Diese offenen Punkte betreffen vor allem die Einzelheiten, nicht den groben Weg des Wortes. DWDS, Duden und Wiktionary nennen denselben Kern: Gaunersprache und Romani katschima als Stationen. Wer tiefer in die slawischen Einzelformen einsteigt, findet bei Pfeifer nur Vergleiche, keine durchgehend belegte Ableitung von Form zu Form.
Als Merksatz lässt sich festhalten: Aus slawisch krcma führt der Weg über Romani katschima und das Rotwelsche im 19. Jahrhundert ins Deutsche, wo aus einem Wort für Wirtshaus ein abwertender Ausdruck für ein Lokal mit schlechtem Ruf wurde.
Quellen und Stand
- DWDS: Kaschemme, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Kaschemme, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Kaschemme, Herkunft, Synonyme: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)