Woher der Name Kartoffel wirklich stammt

Kartoffel: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Der Name Kartoffel klingt deutsch, führt aber über mehrere Sprachstufen zu einem italienischen Wort für Trüffel. DWDS, Duden und Wiktionary zeigen, welche Formen auf dem Weg dorthin belegt sind und wo die Herkunft offen bleibt.

Kurze Antwort: Woher kommt das Wort Kartoffel?

Kartoffel geht auf Formen wie Tartuffel zurück, die aus dem Italienischen (tartufo, tartufolo, eigentlich Trüffel) entlehnt wurden, und entstand durch Dissimilation. Das DWDS nennt die Form Kartoffel für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, als Weiterentwicklung aus Tartuffel, das für die Mitte des 17. Jahrhunderts belegt ist. Der Duden nennt als Grund für den Namenswechsel die Verwechslung der Wurzelknollen der Kartoffel mit den Fruchtkörpern der Trüffel, die ebenfalls unterirdisch wachsen. Beide Wörterbücher stimmen im Kern überein: Der Name der Kartoffel führt über Umwege zum italienischen Wort für die Trüffel, nicht zu einem eigenen deutschen Ursprung.

Dissimilation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zwei ähnliche Laute innerhalb eines Wortes im Lauf der Zeit unähnlicher werden. Im Wort Tartuffel stehen zwei T-Laute nah beieinander. Einer davon wandelte sich zu einem K, so dass aus Tartuffel die Form Kartoffel wurde. Diesen Lautwandel beschreibt das DWDS ausdrücklich als Dissimilation und ordnet ihn in die Reihe der belegten Schreibformen ein, von Cartoffel über Tartuffel und Tartüffel bis zur heutigen Form.

Zur Pflanze selbst macht das DWDS eine knappe Angabe: Das Nachtschattengewächs stammt aus Südamerika und wurde im 16. Jahrhundert auch in Italien angebaut. Die Pflanze kam also lange vor der deutschen Wortform Kartoffel nach Europa, der Name wanderte erst später über das Italienische und mehrere Zwischenstufen ins Deutsche. Wie bei der Herkunft von Pumpernickel geht es auch bei Kartoffel um den Namen einer Speise, der mehr verrät, als man zunächst denkt. In beiden Fällen steckt hinter einem alltäglichen Wort eine Geschichte aus Verwechslung, Lautwandel und Sprachkontakt, die sich erst beim genauen Nachlesen in den Wörterbüchern zeigt. Wer den Namen Kartoffel also nur als deutsches Wort betrachtet, übersieht den weiten Weg, den er durch mehrere Sprachen und Jahrhunderte genommen hat.

Über italienisch tartufo und spätlateinisch terrä tuber reiht sich Kartoffel in die Fremdwörter aus dem Lateinischen ein, auch wenn der Weg über mehrere deutsche Zwischenformen führte, bevor die Form Kartoffel im Duden und im DWDS als heutige Schreibung erscheint.

Kartoffel: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg ins Deutsche: von terrä tuber bis Kartoffel

Der Weg vom lateinischen Ausdruck für eine Erdknolle bis zur deutschen Kartoffel verläuft über mehrere Sprachstufen. Jede Stufe hat eine eigene Form, und erst das Zusammenspiel aus Latein, Italienisch und mehreren deutschen Schreibvarianten ergibt am Ende das heutige Wort. Jede Stufe führt das Wort einen Schritt weiter, von der lateinischen Erdknolle bis zur heutigen deutschen Kartoffel.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1terrä tuber (Erdknolle)lateinischohne Datierung
2terrä tufer (Erdtrüffel)vulgärlateinischohne Datierung
3tartufo, tartufolo (Trüffel)italienischohne Datierung
4Cartoffelschweizerisch1. Hälfte 17. Jahrhundert
5TartuffeldeutschMitte 17. Jahrhundert
6Tartüffeldeutsch1. Hälfte 18. Jahrhundert
7Kartoffeldeutsch2. Hälfte 18. Jahrhundert

Der Name führt über spätlateinisch terrä tuber zu den aus dem Lateinischen entlehnten Wörtern des Deutschen, obwohl die Knolle laut DWDS aus Südamerika stammt. Das DWDS nennt als Zwischenstufe zu italienisch tartufo die vulgärlateinische Form terrä tufer, wörtlich Erdtrüffel. Der Duden setzt dagegen bei spätlateinisch terrä tuber an und übersetzt es ebenfalls mit Erdknolle. Beide Angaben stehen nebeneinander: DWDS und Duden nennen offenbar unterschiedliche lateinische Zwischenstufen für denselben Weg, ohne dass eine Angabe die andere ausdrücklich widerlegt. Das Wiktionary ergänzt dazu, dass tartufolo eine Verkleinerungsform von tartufo ist. Das Wort trug also schon im Italienischen eine zusätzliche Bedeutungsnuance, bevor es über die Schweiz und mehrere deutsche Schreibformen ins Hochdeutsche wanderte. Von der schweizerischen Form Cartoffel über Tartuffel und Tartüffel bis zur heutigen Schreibung Kartoffel lässt sich dieser Weg anhand der vom DWDS genannten Jahrhunderte nachvollziehen, auch wenn einzelne Zwischenschritte in den Quellen nicht genauer datiert sind.

Kartoffel ist beim Thema Lehnwörter im Deutschen ein Beispiel: Das Wort wanderte über mehrere Sprachstufen aus dem Lateinischen und Italienischen ein, lange nachdem die Pflanze aus Südamerika nach Europa gekommen war. Der letzte Schritt auf diesem Weg ist der Lautwandel von Tartuffel zu Kartoffel: Ein T-Laut wurde zu einem K, damit die beiden ähnlichen T-Laute im Wort unähnlicher wurden.

Was gesichert ist und was Einordnung bleibt

DWDS, Duden und Wiktionary führen den Namen Kartoffel übereinstimmend auf italienisch tartufo beziehungsweise die Verkleinerungsform tartufolo zurück, beides Wörter für Trüffel. Alle drei Quellen nennen zudem denselben Grund für die Namensübertragung: Die Wurzelknollen der Kartoffel wurden mit den unterirdisch wachsenden Fruchtkörpern der Trüffel verwechselt, weil beide auf ähnliche Weise unter der Erde entstehen. Diese Verwechslung ist damit kein Einzelbefund, sondern von drei unabhängig formulierten Nachschlagewerken getragen.

Jahrhundertangaben nennt nur das DWDS, und zwar ausschließlich für die deutschen Schreibformen: schweizerisch Cartoffel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Tartuffel in dessen Mitte, Tartüffel in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und schließlich Kartoffel in dessen zweiter Hälfte. Eine Jahreszahl dafür, wann die Pflanze selbst nach Europa kam oder wann der Name erstmals auf sie angewendet wurde, ist nicht genau datiert. Kartoffel gehört zu den Lehnwörtern im Deutschen, die über das Italienische ins Deutsche kamen, wobei der genaue Zeitpunkt der ersten Übertragung offen bleibt.

  • Trüffel als Namensgeber: Alle drei Quellen (DWDS, Duden, Wiktionary) führen den Namen auf das italienische Wort für Trüffel zurück.
  • Dissimilation als Lautwandel: DWDS und Duden beschreiben den Wandel von Tartuffel zu Kartoffel als Dissimilation.
  • Schreibformen mit Jahrhundertangaben: Nur das DWDS datiert die einzelnen deutschen Schreibformen auf bestimmte Jahrhunderte.

Die Angaben haben unterschiedliche Quellenbasis. Der gemeinsame Kern, die Trüffel als Namensgeber und die Verwechslung als Grund der Übertragung, lässt sich durch alle drei Quellen stützen. Die feinere zeitliche Einordnung der Schreibformen stammt dagegen allein aus dem DWDS; Duden und Wiktionary datieren die deutschen Schreibformen nicht.

Verwandte Wörter, Schreibformen und Varianten

Neben der heutigen Standardform Kartoffel nennen die Quellen mehrere ältere Schreibweisen, die auf dem Weg zum heutigen Wort entstanden sind. Dazu zählen Cartoffel, Tartoffel, Tartuffel und Tartüffel, die das DWDS als Zwischenstufen der Lautentwicklung führt. Der Plural der heutigen Form lautet laut DWDS und Duden Kartoffeln. Neben diesen Schreibformen bestehen regionale Synonyme, die unabhängig vom Weg über das Italienische entstanden sind: Duden, Wiktionary und DWDS nennen hier Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne und Grumbeere, das Wiktionary ergänzt zusätzlich die Form Bramburi.

Aus Kartoffel entstehen viele Komposita wie Kartoffelsalat, Kartoffelbrei und Couchkartoffel. Das Wiktionary führt dazu eine Reihe von Wortbildungen auf, die das Grundwort Kartoffel mit weiteren Begriffen verbinden und so neue, eigenständige Bedeutungen ergeben.

  • Kartoffelsalat
  • Kartoffelpuffer
  • Kartoffelkäfer
  • Kartoffelacker
  • Kartoffelbrei
  • Kartoffelernte
  • Couchkartoffel

Die Liste der Wortbildungen reicht von landwirtschaftlichen Begriffen wie Kartoffelacker und Kartoffelernte über alltägliche Speisenamen wie Kartoffelsalat und Kartoffelbrei bis zum umgangssprachlichen Couchkartoffel, das laut Wiktionary eine übertragene Bedeutung trägt. Die regionalen Synonyme wie Erdapfel oder Grumbeere stehen dabei gleichberechtigt neben der Standardform und ihren Zusammensetzungen, ohne dass die Quellen eine der Formen als veraltet oder ungebräuchlich kennzeichnen. Wer die Herkunft des Grundworts verstanden hat, erkennt in den Zusammensetzungen denselben Wortstamm wieder, der über Tartuffel letztlich auf die italienische Trüffel zurückgeht.

Gebrauch heute: Wortart und Bedeutungen

Kartoffel ist ein Substantiv im Femininum mit dem Genitiv Kartoffel und dem Plural Kartoffeln. So führen es sowohl das DWDS als auch der Duden. Beide Quellen nennen zwei Bedeutungen: zum einen die krautige Pflanze mit den essbaren Knollen, botanisch als Nachtschattengewächs geführt, zum anderen die Knolle selbst als Speise. Diese doppelte Bedeutung zeigt sich auch im alltäglichen Sprachgebrauch, in dem je nach Zusammenhang die Pflanze oder die Speise gemeint sein kann.

Ein Beispielsatz zur Pflanze könnte lauten: Im Frühjahr setzt der Gärtner die Kartoffel in lockere Erde. Ein Beispielsatz zur Speise: Zum Mittagessen gibt es gekochte Kartoffeln mit Kräuterquark. Ein dritter Satz verbindet beide Aspekte: Die Kartoffel gilt als Pflanze und als Grundnahrungsmittel zugleich, weil ihre Knolle nach der Ernte weiterverarbeitet wird. Das Wort tritt je nach Zusammenhang in der Bedeutung der Pflanze oder der Speise auf.

Das Wiktionary nennt daneben eine scherzhafte Bedeutung: Kartoffel als umgangssprachliche Bezeichnung für eine Knollennase. Diese Bedeutung bezieht sich auf die Form der Nase. Der Name der Pflanze und der Knolle gilt unabhängig von dieser Nebenbedeutung weiter, und die regionalen Namen wie Erdapfel oder Grumbeere bestehen laut den Quellen neben der Form Kartoffel fort, ohne dass eine Quelle eine der Formen als vorrangig kennzeichnet. Das DWDS und der Duden ordnen das Wort mit klar umrissener Wortart und zwei Grundbedeutungen in den deutschen Wortschatz ein.

Kartoffel: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Offene Fragen zur Herkunft von Kartoffel

Trotz der übereinstimmenden Grundlinie bei DWDS, Duden und Wiktionary bleiben einzelne Punkte der Wortgeschichte offen. Zur Wortgeschichte von Kartoffel bleiben drei Punkte ungeklärt.

  • Wer den Namen zuerst auf die Knolle übertrug, nennen DWDS, Duden und Wiktionary nicht. Nur der Grund der Übertragung, die Verwechslung mit der Trüffel, ist belegt.
  • DWDS und Duden nennen unterschiedliche lateinische Ausgangsformen: Das DWDS setzt bei vulgärlateinisch terrä tufer an, der Duden bei spätlateinisch terrä tuber. Eine Gleichsetzung beider Formen tragen die Quellen nicht.
  • Die Datierungen der deutschen Schreibformen, von Cartoffel über Tartuffel bis Kartoffel, stehen nur im DWDS. Duden und Wiktionary machen dazu keine eigenen Jahreszahlen.

Diese offenen Punkte schmälern den belegten Kern nicht: Alle drei Herleitungen stammen aus DWDS, Duden und Wiktionary und stimmen darin überein, dass der Name der Kartoffel über das Italienische auf das Wort für Trüffel zurückgeht. Zum Schluss lässt sich die Wortgeschichte in einem Merksatz zusammenfassen: aus italienisch tartufo (Trüffel) über Tartuffel durch Dissimilation zur Kartoffel. Dieser Merksatz bündelt die drei wichtigsten Stationen, auch wenn einzelne Zwischenschritte in den Quellen nicht vollständig übereinstimmend datiert sind.

Quellen und Stand

Die Einordnung „Woher der Name Kartoffel wirklich stammt“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.

Soll jemand prüfen, ob dein Text bei Wortwahl und Schreibung sauber ist?

Datei hochladen

Häufige Fragen zur Herkunft von Kartoffel

Warum heißt die Kartoffel ausgerechnet wie eine Trüffel?

Laut Duden wurde der Name auf die Kartoffel übertragen, weil ihre Wurzelknollen mit den unterirdisch wachsenden Fruchtkörpern der Trüffel verwechselt wurden. Das italienische Wort tartufo beziehungsweise die Verkleinerungsform tartufolo bedeutet eigentlich Trüffel, nicht Kartoffel. Über mehrere deutsche Schreibformen wie Tartuffel wurde daraus durch Dissimilation schließlich Kartoffel.

Was bedeutet Dissimilation beim Wort Kartoffel?

Das DWDS beschreibt damit den Lautwandel, bei dem zwei ähnliche Laute in einem Wort unähnlicher werden. Im Wort Tartuffel standen zwei ähnliche T-Laute nah beieinander, einer davon wurde zu K. So entstand aus Tartuffel die heutige Form Kartoffel.

Nennen DWDS und Duden dieselbe lateinische Ausgangsform?

Nein. Das DWDS nennt vulgärlateinisch terrä tufer als Vorstufe zu italienisch tartufo, der Duden nennt dagegen spätlateinisch terrä tuber. Beide Angaben stehen nebeneinander, eine Gleichsetzung der beiden lateinischen Formen tragen die Quellen nicht.

Seit wann wird die Form Kartoffel im Deutschen verwendet?

Das DWDS ordnet die Form Kartoffel der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu. Vorausgegangen sind laut DWDS schweizerisch Cartoffel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sowie Tartuffel in der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Welche regionalen Wörter stehen neben Kartoffel?

Duden, Wiktionary und DWDS nennen als landschaftliche Synonyme unter anderem Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne und Grumbeere. Das Wiktionary führt zusätzlich Bramburi als regionale Bezeichnung.

Ist geklärt, wer den Namen zuerst auf die Kartoffel übertragen hat?

Nein, dazu machen DWDS, Duden und Wiktionary keine Angabe. Belegt sind nur die Schreibformen, die lateinischen und italienischen Zwischenstufen sowie der Grund der Übertragung, nicht aber eine Person oder ein genauer Zeitpunkt der ersten Verwendung.

Welche Wortart hat Kartoffel und welche Bedeutungen nennt das DWDS?

Das DWDS führt Kartoffel als Substantiv im Femininum mit dem Genitiv Kartoffel und dem Plural Kartoffeln. Es nennt zwei Bedeutungen: die krautige Pflanze mit den essbaren Knollen und die Knolle selbst als Speise.

Unsere Partner