Woher kommt das Wort Kalauer wirklich?
Kalauer: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Du fragst dich, woher der Ausdruck Kalauer für einen simplen Witz stammt. Das Wort ist 1858 zuerst belegt, wohl nach dem Namen der Stadt Calau und in Anlehnung an französisch calembour entstanden, die genaue Entstehungsgeschichte bleibt mit Vorbehalten verbunden.
Kurze Antwort: 1858 belegt, wohl aus Calau
Kalauer ist 1858 zuerst belegt und wohl aus der Ortsangabe Calau in der Niederlausitz entstanden, unter Anlehnung an französisch calembour, das Wortspiel bedeutet. Diese Herleitung findet sich in drei Nachschlagewerken, wenn auch mit unterschiedlicher Formulierung. Das DWDS nennt nach Pfeifer 1858 als ersten Nachweis und beschreibt den Weg so: das Wort entwickle sich wohl aus der Ortsangabe Kalau, unter der der Redakteur Dohm bei Besuchen im Städtchen Calau Witze an die Zeitschrift geschickt haben soll. Wie bei der Herkunft von Kladderadatsch hängt auch bei Kalauer ein Wort mit der gleichnamigen Berliner Zeitschrift zusammen, bei der Dohm tätig gewesen sein soll. Der Duden formuliert es knapper: unter Anlehnung an französisch calembour(g), gebildet nach dem Namen der Stadt Calau bei Cottbus. Das Wiktionary spricht von einer volksetymologischen Umdeutung des französischen Wortes calembour nach dem Namen der Stadt Calau in der Niederlausitz. Gemeinsam ist den drei Quellen der Bezug auf die Stadt Calau und auf das französische calembour als Bezeichnung für ein Wortspiel.
Mit dem Wortspiel ist der eigentliche Bedeutungskern von Kalauer angesprochen: gemeint ist ein nicht sehr geistreicher, auf einem solchen Wortspiel beruhender Witz. Diese Bedeutung trägt das Wort bis heute, und die Quellen stellen sie in den Zusammenhang mit dem Namen der Stadt und dem französischen Fremdwort, aus denen das deutsche Wort nach dieser Herleitung entstanden ist. Ein Kalauer ist demnach heute ein einfacher, als schwach empfundener Witz mit einem Wortspiel im Kern. Der Erstbeleg liegt bei 1858, der geografische Bezugspunkt ist die Stadt Calau, und das französische calembour liefert den Klangkörper, an den sich das deutsche Wort anlehnt.

Der Weg ins Deutsche: von calembour zu Kalauer
Wie die Fremdwörter aus dem Französischen hat auch Kalauer mit französisch calembour einen französischen Anklang, der sich über mehrere Stufen zum heutigen deutschen Wort entwickelt hat. Die folgende Tabelle fasst die einzelnen Stufen zusammen, so wie sie in den Quellen belegt sind.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | calembour | Französisch | im Deutschen im 18. Jahrhundert gebraucht |
| 2 | Calau beziehungsweise Kalau | Ortsname, Niederlausitz | ohne Datierung |
| 3 | Kalauer | Deutsch | zuerst nachweisbar 1858 |
| 4 | kalauern | Deutsch, Verb | 19. Jahrhundert |
| 5 | Kalauer im Rechtschreibduden | Deutsch | Aufnahme 1880 |
In diesem Wort fallen also zwei Formen zusammen: der Ortsname Kalau beziehungsweise Calau und das französische calembour. Das Wiktionary beschreibt dieses Zusammenfallen als volksetymologische Umdeutung, also als eine Deutung, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch nach dem Klang und nicht nach einer nachweisbaren direkten Ableitung richtet. Das bedeutet, dass die Verbindung zur Stadt nicht als gesicherte sprachliche Herleitung im strengen Sinn gilt, sondern als eine Umdeutung, die sich im Sprachgebrauch durchgesetzt hat.
Neben dieser Hauptbedeutung führt das Wiktionary eine zweite, deutlich abweichende Bedeutung: eine spöttische Anrede für Schustergesellen im 19. Jahrhundert. Diese zweite Bedeutung steht nur in dieser einen Quelle und wird dort nicht mit der Herkunftsgeschichte um Calau und calembour verknüpft. Es handelt sich um eine eigenständige, historische Verwendung des Wortes, die neben der Wortspiel-Bedeutung bestand. Für das Verständnis der heutigen Wortbedeutung bleibt diese Schustergesellen-Anrede eine Randnotiz, die lediglich die Bandbreite der historischen Verwendung von Kalauer illustriert, ohne die Herleitung über Calau und calembour zu verändern oder zu ergänzen.
Was gesichert ist und was Vermutung bleibt
Alle drei Quellen nennen die Stadt Calau und das französische calembour als zentrale Bezugspunkte der Herkunft von Kalauer. DWDS und Wiktionary nennen zusätzlich übereinstimmend das Jahr 1858 als Erstbeleg des Wortes. Stellt man die Formulierungen nebeneinander, zeigt sich aber ein deutlicher Unterschied im Grad der Sicherheit, mit dem die einzelnen Angaben gemacht werden.
Das DWDS schreibt bei der Geschichte um den Redakteur Dohm ausdrücklich wohl und soll: Das Wort entwickle sich wohl aus der Ortsangabe Kalau, und Dohm soll von dort Witze an die Zeitschrift geschickt haben. Diese Formulierung macht deutlich, dass der beschriebene Weg nur eine Vermutung ist und nicht als gesicherte Tatsache gilt. Das Wiktionary verwendet seinerseits den Begriff volksetymologisch und ordnet die Verbindung zwischen Calau und calembour damit als eine im Sprachgebrauch entstandene Umdeutung ein, nicht als eine nachweisbare direkte Entlehnung. Für Kalauer nennt der Duden die Synonyme Witz, Scherz, Spaß und Ulk, macht zur eigentlichen Entstehungsgeschichte aber keine über die knappe Herkunftsangabe hinausgehende Aussage. Auch die Herkunft des französischen calembour selbst bleibt ungeklärt: Das DWDS bezeichnet sie ausdrücklich als unbekannt.
Zusammengefasst lassen sich die gesicherten und die unsicheren Punkte so trennen:
- Calau in der Niederlausitz als geografischer Bezugspunkt: so bei DWDS, Duden und Wiktionary
- französisch calembour als Bezeichnung für ein Wortspiel: so bei DWDS, Duden und Wiktionary
- Erstbeleg des Wortes Kalauer im Jahr 1858: so bei DWDS und Wiktionary
- die Geschichte um den Redakteur Dohm und die Zeitschrift: nur beim DWDS, dort ausdrücklich mit soll als Vermutung markiert
Der Ortsbezug auf die Stadt Calau und der französische Anklang über calembour sind in allen drei Quellen belegt. Die konkrete Erzählung um den Redakteur Dohm und die Zeitschrift bleibt dagegen eine vorsichtig formulierte Vermutung, die nur das DWDS mit soll nennt.
Verwandte Wörter und Varianten
Zur Wortbildung gehört bei Kalauer das Verb kalauern, das sowohl das DWDS als auch das Wiktionary nennen. Das DWDS beschreibt kalauern als Verb mit der Bedeutung wenig geistreiche Witze machen und datiert diese Bildung auf das 19. Jahrhundert. Das Wiktionary führt kalauern unter dem Stichwort Wortbildung zu Kalauer und ordnet dem Substantiv zugleich den Oberbegriff Witz zu. Diese Zuordnung zeigt, wie Kalauer in ein größeres begriffliches Feld eingebettet ist, ohne dass die Quelle eine Häufigkeit der Verwendung angibt.
Der Duden nennt für Kalauer die Synonyme Witz, Scherz, Spaß und Ulk. Diese vier Wörter stehen dort als austauschbare oder zumindest bedeutungsähnliche Begriffe neben Kalauer, ohne dass der Duden sie inhaltlich weiter differenziert. Ergänzend hält der Duden fest, dass das Wort Kalauer 1880 erstmals im Rechtschreibduden verzeichnet wurde. Das betrifft ausdrücklich nur die Aufnahme in dieses Nachschlagewerk, nicht die Entstehung des Wortes selbst, die laut DWDS und Wiktionary schon 1858 belegt ist.
Eine Übersicht der verwandten Begriffe mit ihrer jeweiligen Quelle:
- kalauern, Verb (DWDS, Wiktionary)
- Witz, Oberbegriff und Synonym (Wiktionary, Duden)
- Scherz, Synonym (Duden)
- Spaß, Synonym (Duden)
- Ulk, Synonym (Duden)
Diese Begriffe zeigen, wie Kalauer sprachlich mit anderen Ausdrücken für Scherzhaftes verknüpft ist. Das Verb kalauern trägt laut DWDS die Bedeutung wenig geistreiche Witze machen und ist damit inhaltlich eng mit Kalauer verbunden. Die vier Synonyme des Duden stehen im weiteren Bedeutungsfeld von Humor und Scherz, ohne dass Witz, Scherz, Spaß oder Ulk etymologisch mit Calau oder calembour verbunden sind.
Gebrauch heute: Bedeutung, Grammatik, Beispiele
Kalauer ist ein maskulines Substantiv. Der Genitiv Singular lautet des Kalauers, und der Plural lautet ebenfalls Kalauer. Diese Angaben stammen übereinstimmend aus DWDS und Duden. In der Bedeutung unterscheiden beide Quellen zwei Nuancen: Zum einen meint Kalauer ein einfaches, witziges Wortspiel, zum anderen wird das Wort umgangssprachlich auch abwertend gebraucht, und zwar für einen allzu oft gebrauchten, schlechten Witz. Diese zweite, wertende Lesart macht deutlich, dass Kalauer nicht neutral ist, sondern im Gespräch auch eine kritische Note tragen kann, wenn jemand einen Witz als abgedroschen empfindet.
Im Alltag lässt sich das Wort in ganz unterschiedlichen Sätzen verwenden. Beim Betriebsausflug riss der Kollege einen Kalauer über das Wetter, und alle mussten trotzdem lachen. In der Büroküche hängt ein Zettel mit einem alten Kalauer, den schon niemand mehr lustig findet. Die Moderatorin beendete die Sendung mit einem Kalauer über ihren eigenen Nachnamen.
Grammatisch verhält sich Kalauer als maskulines Substantiv auf -er mit gleicher Form in Singular und Plural: der Kalauer, des Kalauers, dem Kalauer, den Kalauer im Singular, und die Kalauer, der Kalauer, den Kalauern, die Kalauer im Plural. Der Dativ Plural lautet also den Kalauern, während der Akkusativ Plural die Kalauer lautet und damit mit dem Nominativ Plural zusammenfällt. Diese Besonderheit macht das Wort im Satzbau unkompliziert, auch wenn die gleichlautenden Formen für Singular und Plural beim ersten Lesen ungewohnt wirken können. Wer unsicher ist, welche Form gerade vorliegt, kann den Kasus am Artikel und an der Satzstellung erkennen, etwa ob ein Dativobjekt mit den Kalauern oder ein Akkusativobjekt mit die Kalauer gemeint ist.

Was offenbleibt
Zur Herkunft von Kalauer bleiben einige Punkte ungeklärt oder nur eingeschränkt belegt:
- Ob die Geschichte um den Redakteur Dohm tatsächlich zutrifft, lässt sich nicht sagen: Das DWDS formuliert sie ausdrücklich nur mit soll, also als Vermutung und nicht als gesicherte Tatsache
- Woher das französische calembour selbst stammt, bleibt offen: Das DWDS nennt die Herkunft dieses Wortes ausdrücklich als unbekannt
- Die Jahreszahl 1858 gilt nur für den ersten schriftlichen Nachweis des Wortes Kalauer, nicht für den tatsächlichen Beginn der mündlichen Verwendung, über den die Quellen keine Angabe machen
- Wie verbreitet das Wort in einzelnen Regionen Deutschlands tatsächlich ist oder war, sagt keine der genannten Quellen
Diese offenen Punkte zeigen, dass die Herkunft von Kalauer in wichtigen Teilen auf einer plausiblen, aber nicht abschließend belegten Verbindung zwischen einem Ortsnamen und einem französischen Fremdwort beruht. Die Formulierungen wohl und soll beim DWDS sowie volksetymologisch beim Wiktionary machen deutlich, dass es sich um eine über Jahrzehnte gewachsene Deutung handelt und nicht um eine mit Dokumenten lückenlos belegte Wortgeschichte. Kalauer ist 1858 zuerst belegt, wohl nach dem Namen der Stadt Calau geformt und in Anlehnung an das französische calembour zum Wort für ein Wortspiel geworden.
Quellen und Stand
- DWDS: Kalauer, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-04)
- Duden: Kalauer, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-04)
- Wiktionary: Kalauer, Herkunft, Bedeutungen: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-04)
Das Thema „Woher kommt das Wort Kalauer wirklich?“ wird hier als Gesamtzusammenhang aufgegriffen.