Wie kam es zum Wort Mumpitz?
Mumpitz: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Dieser Beitrag zeigt, was DWDS, Duden und Wiktionary zur Herkunft von Mumpitz sagen, und wo die Wörterbücher selbst von einer wahrscheinlichen statt einer gesicherten Herleitung sprechen.
Woher stammt das Wort Mumpitz kurz erklärt
Mumpitz kam um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Berliner Börsenkreisen auf und ist wahrscheinlich aus Mumme (verhülltes Schreckgespenst) und Butze (Kobold, Poltergeist) zusammengesetzt. Diese Herleitung stammt aus dem DWDS, das sich dabei auf die Arbeit von Pfeifer stützt. Das DWDS spricht ausdrücklich von einem wahrscheinlichen Ursprung und beschreibt Mumpitz als einen expressiven Ausdruck für schreckenerregendes, unsinniges Gerede oder Tun. Auch der Duden ordnet das Wort dem Berliner Börsenjargon zu und nennt eine ältere Form: Mummelputz, gemeint ist damit eine Vogelscheuche oder eine vermummte Schreckgestalt, die zu Butz gehört. Die Zusammensetzung aus Mumme und Butze ist deshalb nur wahrscheinlich: Sie ist eine Deutung der Wörterbücher und keine in jeder einzelnen Stufe lückenlos nachgewiesene Herkunft. Zwischen älteren Formen und dem heutigen Mumpitz liegt ein weiter Zeitraum, und die Quellen stellen die Verbindung als naheliegend dar, nicht als bewiesene Tatsache. Heute meint Mumpitz schlicht Unsinn, etwas, das man getrost beiseite lassen kann. Rund um Mumpitz gibt es im Deutschen mehrere Ausdrücke mit sehr unterschiedlicher eigener Herkunft; ähnliche Wörter für Unsinn lassen sich über Synonyme kostenlos finden nachschlagen. Festzuhalten bleibt: Jede Aussage zur Herkunft von Mumpitz in diesem Artikel stammt aus den genannten Wörterbüchern, nicht aus einer eigenen Vermutung, und jede Unsicherheit, die die Quellen benennen, erscheint hier ebenfalls als Unsicherheit und nicht als feststehende Tatsache.

Der Weg ins Deutsche: Stufen bis zu Mumpitz
Die Wörterbücher zeichnen mehrere Stufen nach, die über Jahrhunderte zum heutigen Mumpitz geführt haben könnten, auch wenn nicht jede Stufe lückenlos belegt ist. Mumpitz gehört zu den Komposita, deren Bausteine man erst beim genauen Zerlegen erkennt, und genau diese Bausteine zeigt die folgende Übersicht.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | butze (Poltergeist, Schreckgespenst) | Mittelhochdeutsch | ohne Datierung |
| 2 | mummen (dumpf und undeutlich reden, auch sich maskieren) | Deutsch | 16. Jahrhundert |
| 3 | Mumme (verkleidete Person) | Deutsch | ohne Datierung |
| 4 | Butzenmummel und Mummelputz (Vogelscheuche) | Frühneuhochdeutsch | 17. Jahrhundert |
| 5 | Mumpitz | Berliner Börsenkreise | um die Mitte des 19. Jahrhunderts |
Nach dem DWDS können die oberhessische Form Mombotz, die eine Art Gespenst oder Schreckgestalt bezeichnet, und die frühneuhochdeutsche Form Butzenmummel als Ausgangsformen für das spätere Mumpitz angesehen werden. Wichtig ist dabei das Wort können: Die Quelle formuliert eine mögliche Verbindung, keine gesicherte Ableitung von Stufe zu Stufe. Ergänzend nennt das Wiktionary, dass Mumpitz im 19. Jahrhundert aus dem Berliner Börsenjargon kam und im gesamten Ostmitteldeutschen verbreitet war. Diese Angabe ist eine Zusatzinformation des Wiktionary zur Verbreitung, keine Bestätigung dafür, dass sich das Wort tatsächlich aus Mumme und Butze zusammensetzt, denn diese Zusammensetzung stammt allein aus dem DWDS. Wer die Tabelle liest, sieht also zwei getrennte Dinge nebeneinander: die mögliche Bausteinkette von Butze über Mummelputz bis Mumpitz, und die unabhängige Angabe zu Ort und Zeit der Verbreitung aus dem Wiktionary.
Deutungen und Vorbehalte der Wörterbücher
Bei Mumpitz lohnt sich ein genauer Blick darauf, was die Wörterbücher wirklich belegen und was nur eine Deutung ist. Das DWDS nennt die Zusammensetzung aus Mumme und Butze wahrscheinlich, nicht sicher. Der Duden stellt dieselbe Herkunft über den Umweg Mummelputz dar und verweist auf Butz als gemeinsamen Kern. Das Wiktionary fügt eine dritte Beobachtung hinzu: Es sieht in der Endung -itz von Mummelputz eine slawisierende Form und vergleicht sie mit ähnlich klingenden Ortsnamen. Diese drei Aussagen stehen nebeneinander, sie lassen sich aber nicht einfach zu einer einzigen, gesicherten Herkunft zusammenfügen, denn jede Quelle setzt einen eigenen Schwerpunkt. Zum Verb mummen nennt das DWDS vielleicht ein lautnachahmendes Lallwort mum- oder mom als Ursprung. Ob sich daraus die Bedeutung undeutlich reden zur späteren Bedeutung sich maskieren entwickelt hat, sei laut DWDS nicht mit Sicherheit erkennbar. Beide Punkte bleiben also ausdrücklich offen. Anders als bei Redewendungen steht hinter Mumpitz kein fester Satz, sondern nur ein einzelnes Wort, dessen Entstehung sich aus mehreren möglichen Bausteinen zusammensetzt. Diese Bausteine lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Mumme und Butze, laut DWDS wahrscheinlich die Grundlage von Mumpitz.
- Mummelputz und die Endung -itz, laut Wiktionary eine mögliche Erklärung des Wortendes.
- Das Lallwort mum-, laut DWDS vielleicht der Ursprung des Verbs mummen.
Wer diese drei Deutungen miteinander vergleicht, erkennt, dass sie sich ergänzen, ohne dass eine von ihnen die anderen beweist oder ersetzt.
Verwandte Wörter und Varianten
Rund um Mumpitz nennt das DWDS mehrere verwandte Wörter, die auf dieselbe Wortfamilie zurückgehen. Mumpitz ist ein Substantiv, das nur im Singular gebraucht wird, ebenso wie einige seiner Verwandten eigene, klar datierte Entstehungszeiten haben. Dazu zählen mummen, vermummen und einmummen, die das DWDS dem 18. Jahrhundert zuordnet, dazu Mumme selbst und das Verb mummeln aus dem 15. Jahrhundert. Später folgt Mummelgreis im 19. Jahrhundert, und schon im 16. Jahrhundert taucht laut DWDS Mummenschanz auf, ein Wort für eine Maskerade. Jede dieser Angaben stammt unmittelbar aus dem DWDS, mit genau der Datierung, die dort genannt wird, ohne eigene Ergänzung. Für die heutige Bedeutung von Mumpitz, also Unsinn, nennen Duden und Wiktionary eine Reihe von Synonymen. Dazu gehören unter anderem Blödsinn, Fez, Firlefanz, Hokuspokus und Quatsch beim Duden, sowie Humbug, Papperlapapp und Schmarren, die beide Quellen in ähnlicher Form aufführen.
- Blödsinn (Duden)
- Fez (Duden)
- Firlefanz (Duden)
- Humbug (Wiktionary)
- Papperlapapp (Duden und Wiktionary)
- Quatsch (Duden)
- Schmarren (Duden und Wiktionary)
Diese Liste zeigt, dass Mumpitz in ein größeres Feld ähnlicher Wörter eingebettet ist, auch wenn jedes dieser Wörter eine eigene, von Mumpitz unabhängige Herkunft hat. Wer sich für die Wortfamilie rund um mummen interessiert, erkennt an den genannten Jahreszahlen, dass sich das Feld über mehrere Jahrhunderte entwickelt hat, von den ersten Belegen im 15. Jahrhundert bis zu Mumpitz selbst im 19. Jahrhundert.
Gebrauch von Mumpitz heute
Im heutigen Sprachgebrauch führt das DWDS Mumpitz als salopp, der Duden als umgangssprachlich abwertend. Beide Quellen beschreiben damit dieselbe Grundbedeutung: Unsinn, den man nicht zu beachten braucht. Grammatisch bildet man den Genitiv des Mumpitzes, und das Wort wird nur im Singular verwendet, einen Plural kennt es nicht. Als Beispiel nennen die Quellen sinngemäß eine Wendung wie der reine Mumpitz. Drei eigene Beispielsätze zeigen, wie sich das Wort im Alltag einsetzen lässt: Diese Behauptung ist doch reiner Mumpitz. Ich halte die ganze Geschichte für Mumpitz. Soll ich auf diesen Mumpitz wirklich reagieren? In allen drei Sätzen wertet das Wort die genannte Sache als unsinnig ab. Schon im Ursprung klingt Mumpitz abwertend, denn die Wörterbücher führen es auf Wörter für eine Schreckgestalt und auf unsinniges Gerede zurück, und genau dieser Doppelsinn aus Angstmacherei und leerem Gerede passt zur heutigen, negativ gefärbten Bedeutung. Mumpitz ist im Deutschen entstanden und wurde nicht aus einer anderen Sprache entlehnt, sondern aus eigenen deutschen und mitteldeutschen Bausteinen gebildet. Entlehnte Wörter stehen dagegen in der Fremdwörterliste. Wer das Wort heute verwendet, bezieht sich damit also auf eine Wortgeschichte, die über mehrere Jahrhunderte reicht, auch wenn im Alltag nur die aktuelle Bedeutung Unsinn im Vordergrund steht.

Offene Fragen zur Herkunft
Trotz der ausführlichen Angaben aus DWDS, Duden und Wiktionary bleiben bei Mumpitz mehrere Punkte offen, die sich mit den vorliegenden Quellen nicht abschließend klären lassen.
- Die Zusammensetzung aus Mumme und Butze ist laut DWDS wahrscheinlich, aber nicht gesichert, sodass eine andere Herleitung nicht vollständig ausgeschlossen ist.
- Wie sich beim Verb mummen die Bedeutung undeutlich reden zur Bedeutung sich maskieren entwickelt hat, ist laut DWDS nicht mit Sicherheit erkennbar.
- Ob das slawisierende -itz, das das Wiktionary bei Mummelputz nennt, das ganze Wort Mumpitz erklärt, steht nur in dieser einen Quelle und wird vom DWDS nicht aufgegriffen.
Am Ende lässt sich die Wortgeschichte von Mumpitz in einem Merksatz zusammenfassen: Das Wort kam um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Berliner Börsenjargon auf, es wurde wahrscheinlich aus älteren Wörtern für eine Schreckgestalt gebildet, und im Einzelnen bleibt diese Herkunft nur wahrscheinlich, nicht restlos bewiesen.
Quellen und Stand
- DWDS: Mumpitz, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Mumpitz, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Mumpitz, Herkunft, Synonyme: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)