Woher kommt das Wort meschugge?
meschugge: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
meschugge geht auf jiddisch meschuggo zurück, und dieses Wort führt auf hebräisch meschugga beziehungsweise meschuga.
Die kurze Antwort zur Herkunft
meschugge wurde im 19. Jahrhundert aus jiddisch meschuggo übernommen, das auf hebräisch meschugga zurückgeht. Das DWDS stützt seine Angabe zur Übernahme auf Pfeifer und nennt das 19. Jahrhundert, während das Wiktionary von einer Bezeugung seit dem 19. Jahrhundert spricht.
Heute steht meschugge salopp für verrückt. Gemeint ist damit, dass jemand nicht bei Verstand ist. Das Adjektiv gilt als salopp beziehungsweise umgangssprachlich und hat eine jiddische und hebräische Vorgeschichte. Ein Beispielsatz lautet: Nach der langen Nacht ohne Schlaf wirkte er ziemlich meschugge.
Die Entlehnungskette verläuft nach den Angaben vom hebräischen meschugga über das jiddische meschuggo ins Deutsche. Das Wiktionary ergänzt dazu einen Weg über das Rotwelsche, der in den beiden anderen Werken nicht vorkommt. Das Wiktionary führt dafür das Westjiddische meshuge und meshige an. Nach dem Wiktionary gehört das hebräische Ausgangswort zu einem Verb für irren.
Der Duden ordnet meschugge als Adjektiv ein und führt die Herkunft als jiddisch meschuggo aus hebräisch meschuga an. Eine Jahreszahl nennt er dabei nicht. Damit stimmt er im Ausgangspunkt mit den beiden anderen Werken überein, ohne das Wort zeitlich einzugrenzen.
Wie die Herkunft von Schlamassel führt auch meschugge zu einem Wort, das aus dem Jiddischen stammt. Genauer als auf das 19. Jahrhundert lässt sich das Wort nicht datieren, und für das jiddische oder hebräische Wort selbst ist kein Datum bekannt.
Die Form meschugge ist also jiddischen Ursprungs, während die Wurzel hebräisch ist. Das Adjektiv wird im Deutschen heute als salopp eingeordnet und bedeutet nicht bei Verstand, also verrückt. Wer genau wissen will, woher das Wort stammt, findet die Ausgangsform bei allen drei Werken wieder, wobei das Wort über das Jiddische ins Deutsche gelangte.

Die Stufen bis zum deutschen Wort
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | schaga (irren, sich vergehen) | Hebräisch | ohne Datierung |
| 2 | meschuga | Hebräisch | ohne Datierung |
| 3 | meshuge, meshige (verrückt, überspannt, wahnsinnig) | Westjiddisch | ohne Datierung |
| 4 | meschuggo | Jiddisch | ohne Datierung |
| 5 | meschugge (Übernahme) | Deutsch | 19. Jahrhundert |
Nur die deutsche Übernahme trägt eine Zeitangabe, und zwar das 19. Jahrhundert. Das Wiktionary beschreibt das hebräische meschuga als Hifil-Partizip beziehungsweise Derivat zum hebräischen Verb schaga, das irren oder sich vergehen bedeutet. Für diese Stufe nennt das Wiktionary keine Jahreszahl.
Den Weg über das Rotwelsche nennt nur das Wiktionary. Es spricht von einer Entlehnung über das Rotwelsche aus dem Westjiddischen. DWDS und Duden erwähnen diesen Weg nicht, deshalb ist er als Angabe des Wiktionarys zu lesen und nicht als gemeinsame Aussage aller drei Nachschlagewerke.
Wie die Herkunft von Zores stammt auch meschugge aus dem Jiddischen, wobei die Tabelle die Zwischenformen zeigt. Die Stufen 1 bis 3 stammen aus dem Wiktionary, die Stufe 4 mit meschuggo steht bei DWDS und Duden, die Übernahme in Stufe 5 nennt das DWDS mit dem 19. Jahrhundert.
Die Reihenfolge der Stufen folgt der Entlehnung vom Hebräischen über das Westjiddische bis ins Deutsche. Die Form meschuggo gehört zum Jiddischen, die Form meschugga zum Hebräischen, und die Übernahme ins Deutsche ist die einzige Stufe mit einer Zeitangabe. Gerade weil die Zwischenstationen ohne Datierung bleiben, reicht die Zeitangabe der deutschen Übernahme allein nicht aus, um den gesamten Weg zu datieren.
Was gesichert ist und was offen bleibt
Alle drei Nachschlagewerke führen meschugge auf jiddisch meschuggo und hebräisch meschugga beziehungsweise meschuga zurück. Das DWDS stützt sich dabei nach Pfeifer, der Duden nennt die Herkunft ohne Jahreszahl, und das Wiktionary ergänzt Zwischenstufen. Diese Aussagen stehen nebeneinander und lassen sich direkt vergleichen. Die Wörterbücher schreiben die Ausgangsformen zudem mit eigenen Schreibweisen.
Der Vorbehalt betrifft insbesondere den Weg über das Rotwelsche, den nur das Wiktionary nennt. Dieser Weg ist nicht gesichert, weil ihn nur ein Werk nennt. Die Jahrhundertangabe gilt der Übernahme ins Deutsche, nicht dem jiddischen oder hebräischen Wort, und sie ist nicht genauer als 19. Jahrhundert. Eine genaue Jahreszahl nennt keine der Angaben.
- jiddisch meschuggo (DWDS, Duden, Wiktionary)
- hebräisch meschugga beziehungsweise meschuga (DWDS, Duden, Wiktionary)
- Übernahme im 19. Jahrhundert (DWDS)
- Bezeugung seit dem 19. Jahrhundert (Wiktionary)
- Weg über das Rotwelsche (nur Wiktionary)
- hebräisches Verb schaga im Sinn von irren (nur Wiktionary)
Wie die Herkunft von Stuss gehört meschugge zu den Wörtern, die aus dem Jiddischen ins Deutsche kamen.
Zusammengefasst ist der Weg vom hebräischen Ausgangswort über das Jiddische ins Deutsche mit der Angabe 19. Jahrhundert belegt. Offen bleibt der Zwischenweg über das Rotwelsche, weil er in zwei der drei Werke fehlt und nur im Wiktionary steht.
Verwandte Formen und Synonyme
Die Formen des Wortes hängen eng mit den Ausgangswörtern zusammen. Im Jiddischen steht meschuggo, im Hebräischen meschugga beziehungsweise meschuga. Der Duden nennt das Adjektiv meschugge mit den Steigerungsformen meschuggener und am meschuggensten, also mit den Endungen -er und -sten.
Die Form meschuggo gehört nach den Angaben zum Jiddischen, während meschugga und meschuga zum Hebräischen gehören. Das DWDS nennt jiddisch meschuggo und hebräisch meschugga, der Duden nennt jiddisch meschuggo und hebräisch meschuga. Die Formen stehen in den Angaben nebeneinander.
Beim Thema Lehnwörter steht die Übernahme ins Deutsche im Mittelpunkt: meschugge wurde im 19. Jahrhundert aus dem Jiddischen übernommen. Das DWDS nennt diese Übernahme nach Pfeifer, und das Wiktionary spricht von einer Bezeugung seit dem 19. Jahrhundert sowie von einer Entlehnung über das Rotwelsche.
Der Duden nennt als sinnverwandte Adjektive behämmert und bekloppt. Das Wiktionary nennt albern, bescheuert, närrisch, überspannt und verrückt, als Gegenwörter geistesklar und unkompliziert. Diese Wörter beschreiben die Bedeutung, sie sagen nichts über den Ursprung von meschugge aus.
- verrückt (Wiktionary)
- bekloppt (Duden)
- behämmert (Duden)
- närrisch (Wiktionary)
- überspannt (Wiktionary)
Die Formen meschuggo, meschugga und meschuga sind die Ausgangsformen, die in den Angaben stehen.
So wird meschugge heute gebraucht
meschugge ist ein Adjektiv, das das DWDS als salopp markiert. Es bedeutet nicht bei Verstand, also verrückt. Das DWDS vermerkt außerdem, dass es nicht attributiv gebraucht wird, also nicht unmittelbar vor einem Substantiv steht. Duden und Wiktionary führen das Wort ebenfalls als Adjektiv auf.
Die folgenden Beispielsätze zeigen die Bedeutung verrückt. Du bist doch meschugge, wenn du mitten in der Nacht den Rasen mähst. Die Kollegin hält ihn für meschugge, weil er im Winter ohne Jacke zur Arbeit fährt. Nach der langen Schicht war ich einfach meschugge vor Müdigkeit. Im Gebrauch steht das Wort nach Formen von sein oder zusammen mit halten, nicht vor einem Substantiv.
Das DWDS führt außerdem Wendungen an, etwa total meschugge sein und jemanden für meschugge halten. Diese Wendungen zeigen, dass das Adjektiv mit sein oder mit halten im Satz steht.
Für meschugge nennen die Quellen als Synonyme unter anderem verrückt, bekloppt und überspannt. Die Synonyme stammen aus Duden und Wiktionary und stehen neben meschugge, ohne dieselbe Herkunft zu teilen.
Die Markierung salopp tragen DWDS und Duden, das Wiktionary nennt daneben umgangssprachlich. Die Markierung salopp ordnet das Wort der lockeren Umgangssprache zu, und genau diese Stilebene prägt die Beispiele oben.

Was offen bleibt
Für meschugge bleiben drei Punkte bislang nicht abschließend belegt.
- ob das Wort tatsächlich über das Rotwelsche ins Deutsche kam; diese Angabe nennt nur das Wiktionary
- wann im 19. Jahrhundert genau die Übernahme erfolgte; das ist nicht geklärt
- wie verbreitet meschugge heute ist; das ist offen
Das DWDS nennt die Übernahme im 19. Jahrhundert, und das Wiktionary datiert die Bezeugung auf denselben Zeitraum, ohne ein Jahr zu nennen. Beide Angaben treffen sich im Jahrhundert, nicht in einem Datum. Die Frage nach dem genauen Zeitpunkt der Übernahme bleibt deshalb offen.
Den Weg über das Rotwelsche aus dem Westjiddischen beschreibt das Wiktionary als Zwischenstufe zwischen dem westjiddischen meshuge und dem deutschen meschugge. DWDS und Duden führen diesen Weg nicht auf, daher ruht diese Zwischenstufe bislang auf einer einzigen Quellenangabe.
Wie verbreitet meschugge heute ist, ist offen.
Merksatz: aus hebräisch meschuga über jiddisch meschuggo zu meschugge, im 19. Jahrhundert übernommen.
Quellen und Stand
- DWDS: meschugge, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-06)
- Duden: meschugge, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-06)
- Wiktionary: meschugge, Herkunft, Bedeutungen: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-06)
Die Einordnung „Woher kommt das Wort meschugge?“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.