Woher der Maulwurf seinen Namen hat
Maulwurf: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Der Name des kleinen Grabtiers wirkt wie eine Beschreibung seines Mauls, ist aber vermutlich viel älter und bedeutete ursprünglich etwas anderes.
Die kurze Antwort
Maulwurf ist ein altes Erbwort, das schon im 8. Jahrhundert als muwerf bezeugt ist und vermutlich Haufenwerfer bedeutete; der Wortteil Maul kam erst später durch eine volksetymologische Umdeutung hinein. Das DWDS nennt für die Wortgeschichte die Formen muwerf aus dem 8. Jahrhundert sowie moltwerf und mulwerf aus dem 11. Jahrhundert. Der Duden beschreibt die Entwicklung als volksetymologische Umdeutung von moltwerf und deutet das Wort als Haufen(auf)werfer. Das Wiktionary führt das Wort ebenfalls als Erbwort, das seit dem 8. Jahrhundert belegt ist.
Volksetymologie bedeutet: Ein Wort wird im Lauf der Zeit nach seinem Klang an ein bekanntes, vertrautes Wort angelehnt, obwohl die eigentliche Herkunft eine andere ist. Beim Maulwurf trifft das auf beide Wortteile zu: Aus dem zweiten Teil wurde durch Anlehnung an das Verb werfen eine vertraute Form, und aus dem ersten Teil, der kaum noch verstanden wurde, entstand durch Anlehnung an Maul ein neuer, scheinbar sinnvoller Wortteil. Wie die Herkunft von Quarantäne zeigt, werden Wörter manchmal an bekannte Wörter angelehnt und dadurch umgedeutet, ohne dass die neue Lesart mit der ursprünglichen Bedeutung übereinstimmt. Beim Maulwurf führt genau dieser Vorgang dazu, dass der Name heute wie eine Beschreibung des Tieres mit dem Maul wirkt, obwohl die älteste bezeugte Form etwas anderes ausdrückte: einen Werfer von Haufen, vermutlich von Erdhaufen. Diese Umdeutung ist kein Einzelfall der deutschen Sprachgeschichte, sondern ein wiederkehrendes Muster bei Wörtern, deren erster Bestandteil mit der Zeit unverständlich wurde.

Der Weg ins heutige Deutsch
Der Weg vom alten Erbwort zum heutigen Maulwurf lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, wie sie das DWDS und das Wiktionary beschreiben. Beide Quellen nennen eine Reihe von Zwischenformen, die zeigen, wie sich Lautgestalt und gefühlte Bedeutung des Wortes mehrfach verschoben haben.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | muwerf | Althochdeutsch | 8. Jahrhundert |
| 2 | muwerfo | Althochdeutsch | 11. Jahrhundert |
| 3 | moltwerf | Althochdeutsch | 11. Jahrhundert, Anlehnung an molta (Erde) |
| 4 | moltwerfo | Althochdeutsch | laut DWDS Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, Anlehnung an molta (Erde) |
| 5 | mulwerf | Althochdeutsch | 11. Jahrhundert, Anlehnung an mula (Maul) |
| 6 | mulwerf, mulwurf | Mittelhochdeutsch | ohne Datierung |
| 7 | Maulwurf | Neuhochdeutsch | ohne Datierung |
Das DWDS nennt für diesen Weg mehrere aufeinanderfolgende Umdeutungen: erst die Anlehnung an molta im Sinn von Erdwerfer, dann die Anlehnung an mula im Sinn von Maul. Der Duden bezeichnet die spätere Form mulwurf ausdrücklich als Umdeutung von moltwerf. Das Wiktionary stellt dazu klar, dass sich die früheste Wortform nicht mit Sicherheit feststellen lässt, auch wenn Haufenwerfer als vermutliche Ausgangsbedeutung gilt. Wie bei der Herkunft von Kauderwelsch ist auch beim Maulwurf ein Teil des Wortes lange nicht mehr verständlich gewesen, sodass Sprecherinnen und Sprecher ihn durch ein bekanntes Wort ersetzten. Am Ende dieses mehrstufigen Weges steht das heutige Maulwurf.
Was gesichert ist und was Deutung bleibt
DWDS, Duden und Wiktionary stimmen darin überein, dass der heutige Wortteil Maul auf einer volksetymologischen Umdeutung beruht und nicht die ursprüngliche Bedeutung des Wortes trägt. Als vermutliche Ausgangsbedeutung gilt in allen drei Quellen Haufenwerfer, abgeleitet von einem alten Wort für Haufen und vom Verb werfen. Erdwerfer gilt als spätere Anlehnung, die laut DWDS und Duden durch die Nähe zu molta (Erde) entstand.
Vorsichtiger zu lesen ist eine weitere Verbindung: Das DWDS stellt das erste Wortglied vielleicht in eine Reihe mit altenglisch muga (Kornhaufen) und griechisch mykon, nennt dies aber ausdrücklich als Vermutung und nicht als gesicherte Herkunft. Die Deutung, der Maulwurf werfe die Erde mit dem Maul auf, ist nach dem DWDS eine volksetymologische Anlehnung und keine echte Wortherkunft. Das Wiktionary ergänzt dazu, dass diese Maul-Erklärung schon im 16. Jahrhundert verbreitet gewesen sei, ohne dass sie dadurch zur eigentlichen Herkunft wird. Maulwurf ist eines der Komposita, deren erstes Glied umgedeutet wurde, sodass der heutige Wortteil Maul nicht mehr der ursprüngliche ist.
- Haufenwerfer als vermutliche Ausgangsbedeutung, so beschrieben von DWDS, Duden und Wiktionary gleichermaßen
- Erdwerfer als spätere Anlehnung an molta, Erde, belegt bei DWDS und Duden
- Maul als Umdeutung des ersten Wortteils, bei allen drei Quellen ausdrücklich als Anlehnung und nicht als Ursprung gekennzeichnet
- Die Verwandtschaft mit muga und mykon als ausdrückliche Vermutung, allein beim DWDS genannt
Ein Teil der Wortgeschichte des Maulwurfs gilt demnach als sicher belegt, ein anderer bleibt eine vorsichtig formulierte Annahme.
Verwandte Wörter und Varianten
Zum heutigen Maulwurf gehören die Formen Genitiv Maulwurf(e)s und Plural Maulwürfe. Die Wortgeschichte selbst hält mehrere ältere Formen fest, die im Lauf der Zeit abgelöst wurden: muwerf, moltwerf und mulwerf. Die Wortbildung zeigt sich am Maulwurf besonders deutlich, weil sich zwei Wortteile im Lauf der Zeit verändert haben, bis die heutige Form entstand.
Neben der zoologischen Bedeutung führt das Wiktionary scherzhafte und synonyme Ausdrücke: Mundschmiss als scherzhafte Bezeichnung und Schermaus als Synonym für das Tier. Daneben steht eine zweite, übertragene Bedeutung: Maulwurf als Bezeichnung für einen Agenten oder Spion, der sich über längere Zeit im Verborgenen hält, wie Duden und Wiktionary es beschreiben. Für diese zweite Bedeutung nennt der Duden die Synonyme Aufklärer und Aufklärerin, das Wiktionary ergänzt Schläfer und Perspektivagent.
- Schermaus als Synonym für das Tier (Wiktionary)
- Mundschmiss als scherzhafte Nebenform (Wiktionary)
- Schläfer als Synonym für den Agenten im übertragenen Sinn (Wiktionary)
- Aufklärer, Aufklärerin als Synonym für den Agenten im übertragenen Sinn (Duden)
Die älteren Formen muwerf, moltwerf und mulwerf sind heute nicht mehr gebräuchlich, sie stehen nur noch als Zwischenstufen in der Wortgeschichte. Die beiden Bedeutungsstränge, das Tier und der verborgen agierende Mensch, haben sich dagegen bis heute gehalten und werden von Duden und Wiktionary nebeneinander geführt, ohne dass die eine Bedeutung die andere verdrängt hätte.
Gebrauch des Wortes heute
Maulwurf ist ein Substantiv im Maskulinum mit dem Genitiv Maulwurf(e)s und dem Plural Maulwürfe. DWDS und Duden führen zwei Bedeutungen: zum einen das unter der Erde lebende Tier, zum anderen, im Jargon, einen Agenten, der über lange Zeit im Hinter- oder Untergrund bleibt.
Für die erste Bedeutung lässt sich ein Satz wie dieser bilden: Der Maulwurf hat in der Nacht einen neuen Haufen vor dem Beet aufgeworfen. Für die zweite, übertragene Bedeutung passt ein Satz wie: Der Ermittler vermutete, dass ein Maulwurf aus der eigenen Abteilung Informationen weitergab. Ein dritter Satz zeigt die beiden Bedeutungen nebeneinander: Während der echte Maulwurf im Garten gräbt, agiert sein menschlicher Namensvetter als Maulwurf lieber in Akten und Gesprächen als unter der Erde.
Die Übertragung vom Tier auf den Agenten liegt laut Duden und Wiktionary im Bild des Verborgenen: Der Maulwurf im Garten bewegt sich unter der Erde und bleibt dabei unsichtbar, der Agent bewegt sich im Verborgenen innerhalb einer Organisation und bleibt ebenfalls über lange Zeit unentdeckt. Diese Parallele zwischen unterirdischem und verdecktem Handeln trägt die übertragene Bedeutung. Beide Bedeutungen stehen im Duden und im Wiktionary gleichrangig als eigene Bedeutungsangaben, nicht als Haupt- und Nebenbedeutung.

Was offen bleibt
Nicht jede Frage zur Wortgeschichte des Maulwurfs ist abschließend geklärt. DWDS, Duden und Wiktionary benennen selbst, wo ihre Herleitung an Grenzen stößt.
- Die früheste Wortform lässt sich nach dem Wiktionary nicht mit Sicherheit feststellen, auch wenn Haufenwerfer als vermutliche Ausgangsbedeutung gilt
- Die Verwandtschaft des ersten Wortglieds mit altenglisch muga und griechisch mykon steht beim DWDS ausdrücklich nur als Vermutung, nicht als gesicherte Herleitung
- Wann genau die Umdeutung zu Maul einsetzte, nennen die Quellen nur in Umrissen: Das Wiktionary datiert die verbreitete Maul-Erklärung auf das 16. Jahrhundert, ohne den Beginn der eigentlichen Lautveränderung genauer festzulegen
Diese offenen Punkte ändern nichts am Grundgerüst der Wortgeschichte, das DWDS, Duden und Wiktionary übereinstimmend zeichnen: Vermutlich stand am Anfang Haufenwerfer, später trat durch Anlehnung an molta die Lesart Erdwerfer hinzu, und durch eine weitere Umdeutung an Maul entstand schließlich die heutige Form Maulwurf.
Quellen und Stand
- DWDS: Maulwurf, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Maulwurf, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Maulwurf, Herkunft, Bedeutungen: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)