Woher das Wort Tasse wirklich stammt
Tasse: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Tasse klingt ganz deutsch, stammt aber über mehrere Sprachen aus dem Arabischen und Persischen. DWDS, Duden und Wiktionary zeichnen den Weg nach, wenn auch nicht ganz übereinstimmend.
Woher kommt das Wort Tasse?
Tasse stammt aus dem Französischen (tasse), dem arabisch ṭās (Napf) und persisch ṭašt (Schale, Becken) zugrunde liegen. Das DWDS nennt nach Pfeifer eine Übernahme im 16. Jahrhundert aus dem Französischen tasse, einer Entlehnung aus dem Arabischen; im Kopf des Eintrags steht dazu auch persisch ṭašt mit der Übersetzung Schale. Der Duden gibt denselben Weg mit etwas anderen Übersetzungen an: französisch tasse, arabisch ṭās(a), persisch ṭašt, dort übersetzt mit Becken und Untertasse. Zwischen den beiden Wörterbüchern gibt es also einen kleinen Unterschied: Wo das DWDS beim persischen Wort Schale schreibt, nennt der Duden Becken und Untertasse, und auch das Wiktionary setzt an dieser Stelle Becken und Schale. Diese drei Übersetzungen widersprechen sich nicht grundsätzlich, zeigen aber, dass die Wörterbücher das persische Ausgangswort unterschiedlich ins Deutsche übertragen. Wie bei der Herkunft von Kneipe gehört auch Tasse zum Wortschatz rund um Essen und Trinken, nur dass hier ein Wort aus dem Arabischen den Anfang macht und über das Französische seinen Weg ins Deutsche findet. Heute meint Tasse ein kleines Trinkgefäß mit einem Henkel, wie es DWDS und Duden beide beschreiben. Das DWDS nennt die Übernahme im 16. Jahrhundert ausdrücklich aus dem Französischen, während der Duden französisch tasse nur als eine Stufe der Herkunftskette führt, ohne selbst eine Aussage zum Weg ins Deutsche zu treffen. Damit steht am Beginn der Geschichte ein persisches Wort für ein Gefäß, am Ende ein ganz alltägliches deutsches Wort für die Kaffeetasse auf dem Frühstückstisch.
Solche über das Französische ins Deutsche gewanderten Wörter werden gemeinsam unter Fremdwörter aus dem Französischen behandelt, wozu auch Tasse selbst zählt.

Welche Stufen führen zu Tasse?
Der Weg des Wortes Tasse lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, auch wenn DWDS und Wiktionary diesen Weg nicht ganz gleich beschreiben. Die Stufen des Wortes von Persisch bis Deutsch sehen so aus:
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | ṭašt (Schale, Becken) | Persisch | ohne Datierung |
| 2 | ṭās, ṭassa (Napf, Schälchen) | Arabisch | ohne Datierung |
| 3 | tazza (Trinkschale) | Italienisch | ohne Datierung |
| 4 | tasse | Französisch | ohne Datierung |
| 5 | Tasse | Deutsch | Übernahme im 16. Jahrhundert, seit dem 16. Jahrhundert bezeugt |
Danach weichen die beiden Darstellungen voneinander ab. Tasse kam über das Französische ins Deutsche, dessen eigener Ausgangspunkt in einer anderen Sprache liegt, und genau hier unterscheiden sich DWDS und Wiktionary. Das DWDS nennt eine Übernahme aus dem Französischen und leitet nur die ältere Form Tatse, belegt bei Stieler 1691, sowie die bairische Form Tatz(e) aus dem Italienischen her. Das Wiktionary beschreibt dagegen einen anderen ersten Schritt: zunächst sei oberdeutsch tatse aus dem italienischen tazza entlehnt worden, später habe sich die Form an das französische tasse angeglichen. Der erste romanische Schritt ist nicht geklärt. Für die deutsche Form Tasse nennen beide Quellen das 16. Jahrhundert, für die Zwischenstufen selbst wird keine genaue Jahreszahl angegeben, nur für die ältere Nebenform Tatse das Jahr 1691 bei Stieler.
Mechanismen wie Lautangleichung und Bedeutungswandel, die bei Tasse zu beobachten sind, gehören allgemein zum Thema Lehnwörter im Deutschen.
Was ist gesichert, was nicht?
Drei Wörterbücher, DWDS, Duden und Wiktionary, nennen übereinstimmend zwei Ausgangspunkte für das Wort Tasse: arabisch ṭās in unterschiedlichen Schreibungen (ṭāsa beim Duden, ṭassa beim DWDS) und dahinter persisch ṭašt. Welche romanische Sprache das Wort zuerst aufnahm, ist nicht geklärt. Das DWDS sagt, Tasse sei im 16. Jahrhundert aus dem Französischen übernommen worden, der Duden nennt ebenfalls Französisch als Zwischenstufe. Das Wiktionary dagegen sagt, das Wort sei zunächst als oberdeutsch tatse aus dem Italienischen gekommen und habe sich erst später an das Französische angeglichen. Für Tasse nennen die Quellen den Vermittler zwischen Arabisch, Persisch und Deutsch nicht einheitlich, was bei Wörtern mit so langer Wanderung durch mehrere Sprachen kein Einzelfall ist.
- Arabisch ṭās als Ausgangspunkt, so bei DWDS, Duden und Wiktionary
- Persisch ṭašt dahinter, ebenfalls bei allen drei Quellen genannt
- Vermittlung über das Französische laut DWDS und Duden, oder zunächst über das Italienische laut Wiktionary
Gesichert ist demnach die Reihe der beteiligten Sprachen: Persisch, Arabisch und am Ende Deutsch, mit dem Französischen oder dem Italienischen als Zwischenstation. Nicht gesichert ist die genaue Reihenfolge dieser Zwischenstation, weil die Quellen hier unterschiedliche Wege beschreiben. Wer die Herkunft von Tasse nachschlägt, findet je nach Wörterbuch eine etwas andere Zwischenstufe, ohne dass eine der beiden Angaben als falsch gelten müsste. Beide Wörterbücher stützen sich auf dieselben arabischen und persischen Wurzeln, unterscheiden sich aber darin, welche romanische Sprache das Wort zuerst aufgenommen hat.
Welche verwandten Wörter gibt es?
Rund um Tasse gibt es eine Reihe von Wortbildungen, die DWDS und Wiktionary beide nennen. Dazu gehören Untertasse, Kaffeetasse, Teetasse, Espressotasse, Henkeltasse, Duschtasse sowie Tassenrand und Tassenhenkel. Mit Untertasse, Kaffeetasse und Teetasse zeigt Tasse, wie Komposita im Deutschen aus zwei Wörtern entstehen, hier jeweils aus Tasse und einem Wort, das Zweck oder Getränk benennt. Daneben nennt das DWDS die Verkleinerungsform Tässchen sowie die ältere, auf das Italienische zurückgeführte Form Tatse, belegt bei Stieler 1691, und die bairischen Formen Tatz(e) und Tatzl. Diese älteren Formen nennt das DWDS als historische Nebenformen neben dem heutigen Tasse.
Auch bei Synonymen und sinnverwandten Wörtern stützen sich DWDS und Wiktionary auf dieselbe Wortfamilie. Das Wiktionary nennt Obertasse als unmittelbares Synonym sowie Becher, Kelch, Krug, Pott und Schale als sinnverwandte Wörter. Diese Wörter benennen zwar verwandte Trinkgefäße, meinen aber nicht in jedem Fall genau dasselbe Gefäß wie Tasse.
- Untertasse (DWDS, Wiktionary)
- Kaffeetasse (DWDS, Wiktionary)
- Teetasse (DWDS, Wiktionary)
- Espressotasse (DWDS)
- Henkeltasse (DWDS)
- Tässchen (DWDS, Wiktionary)
- Obertasse (Wiktionary)
- Becher, Kelch, Krug, Pott, Schale (Wiktionary)
Die Liste zeigt, dass Tasse im Deutschen nicht allein steht, sondern Teil eines ganzen Wortfeldes rund um Trinkgefäße ist. Dabei bleibt Tasse selbst das Grundwort, von dem aus die Zusammensetzungen gebildet werden, während die sinnverwandten Wörter wie Becher oder Schale eigenständige Wörter mit eigener Herkunft sind.
Wie wird Tasse heute gebraucht?
Tasse ist ein feminines Substantiv mit der Pluralform Tassen, wie DWDS und Duden beide zeigen. Die Hauptbedeutung ist ein Trinkgefäß mit Henkel, besonders für heiße Getränke, so die Beschreibung beider Wörterbücher. Daneben dient Tasse auch als Maßangabe für eine Menge: eine Tasse Kaffee, eine Tasse Mehl oder eine Tasse Zucker. Das DWDS nennt außerdem eine dritte, vor allem österreichisch gebrauchte Bedeutung: eine flache Schale oder Wanne, wie sie bei einer Duschtasse vorkommt. Im Alltag steht Tasse in Sätzen wie diesen: Sie stellte die Tasse mit dem heißen Tee auf den Tisch. Für den Teig braucht man eine Tasse Mehl und eine Tasse Zucker. Nach dem Duschen trocknete er die Duschtasse mit einem Tuch ab.
Neben der wörtlichen Bedeutung kennen DWDS, Duden und Wiktionary auch umgangssprachliche Wendungen mit Tasse. Trübe Tasse bezeichnet umgangssprachlich einen langweiligen oder temperamentlosen Menschen. Hoch die Tassen ist eine umgangssprachliche Aufforderung zum Anstoßen beim Trinken. Nicht alle Tassen im Schrank haben bedeutet umgangssprachlich, nicht recht bei Verstand zu sein. Alle drei Wendungen gehören laut Duden zur Umgangssprache und nicht zur neutralen Standardsprache.
Der Duden nennt zusätzlich einen veraltenden Gebrauch für Österreich: dort kann Tasse auch ein flaches, schüsselförmiges oder rechteckiges Behältnis aus Styropor oder ähnlichem Material als Verpackung im Handel meinen. Diese Bedeutung steht laut Duden gesondert neben der Bedeutung als Trinkgefäß und ist als veraltend gekennzeichnet.

Was bleibt offen?
Mehrere Fragen rund um die Herkunft von Tasse lassen die Quellen offen, auch wenn der Kern der Geschichte, der Weg von Persisch über Arabisch bis ins Deutsche, feststeht.
- Ob die Übernahme ins Deutsche direkt aus dem Französischen kam oder zunächst aus dem Italienischen, lassen DWDS und Wiktionary nebeneinander stehen, ohne dass sich beide Angaben zu einer einzigen Kette zusammenführen ließen.
- Welche Übersetzung für das persische und arabische Ausgangswort die treffendste ist, Schale, Becken, Napf oder Schälchen, lassen die Quellen offen; DWDS, Duden und Wiktionary wählen hier jeweils andere deutsche Wörter.
- Wie verbreitet die älteren Formen wie Tatse oder die bairischen Formen Tatz(e) und Tatzl neben dem heutigen Tasse waren oder sind, sagen die Wörterbücher nicht.
Das Wort Tasse führt von persisch ṭašt über arabisch ṭās und französisch tasse, oder nach dem Wiktionary zunächst über italienisch tazza, im 16. Jahrhundert ins Deutsche.
Quellen und Stand
- DWDS: Tasse, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Tasse, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Tasse, Herkunft, Synonyme: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)
Das Thema „Woher das Wort Tasse wirklich stammt“ wird hier als Gesamtzusammenhang aufgegriffen.