Tschüss Herkunft: Von ad Deum zum Abschiedsgruß

Tschüss: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 1. Oktober 2026 · Wortherkunft

Tschüss ist ein Abschiedsgruß mit langer Geschichte: Der Weg führt vom lateinischen ad Deum über das Altfranzösische, die mittelhochdeutsche Kurzform ade und das entlehnte adieu bis zu den niederdeutschen Formen adjüs und atschüs. Ob das spanische adiós dabei eine Rolle spielte, lassen alle drei einschlägigen Quellen ausdrücklich offen.

Woher kommt Tschüss?

Tschüss geht auf einen Abschiedsgruß zurück, der Gott dem Abschiednehmenden anbefiehlt: Über ade und adieu, die niederdeutschen Formen adjüs und atschüs und das wohl einwirkende spanische adiós führt der Weg zum heutigen Gruß. Der Ausgangspunkt liegt im Lateinischen: Die Wendung ad Deum bedeutet sinngemäß so viel wie ich empfehle dich Gott. Daraus entstand im Altfranzösischen die Grußformel a dieu (auch a deu), aus der die Kurzform ade hervorging. Diese Kurzform wurde ins Mittelhochdeutsche übernommen, wo sie ebenfalls ade lautete und die Bedeutung Gott befohlen trug. Neben ade wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts das vollere französische adieu ins Deutsche entlehnt. Dieses adieu passte sich dann verschiedentlich der landschaftlichen Umgangssprache an; es entstanden Formen wie atje und tschö.

Ob das spanische adiós dabei eine Rolle gespielt hat, ist nicht gesichert. Das Etymologische Wörterbuch nach Wolfgang Pfeifer, auf das das DWDS verweist, schreibt, die Bildungen mit -s schließen vielleicht an spanisch adiós an. Der Duden formuliert an derselben Stelle mit wohl. Beide Vorbehalte sind bewusst gesetzt: Die Verbindung zum Spanischen ist eine Vermutung, keine gesicherte Herleitung. Weder das DWDS noch der Duden behaupten einen direkten Entlehnungsweg aus dem Spanischen.

Die Wörterbücher ordnen das Wort grammatisch unterschiedlich ein. Das DWDS führt Tschüss als Interjektion, also als Ausruf ohne eigene Satzfunktion. Wer mehr über die Wortart erfahren will, findet sie unter Interjektion erklärt. Der Duden behandelt Tschüss zusätzlich als Substantiv: das Tschüss, Genitiv des Tschüss, Plural die Tschüss. Beide Wörterbücher erfassen dasselbe Wort, beleuchten es aber aus unterschiedlichen grammatischen Blickwinkeln. Das DWDS ordnet Tschüss außerdem dem Wortschatz für das Goethe-Zertifikat A1 zu, was zeigt, dass der Gruß als grundlegendes Sprachgut des Deutschen gilt. Der Abschiedsgruß hat sich von einem frommen Gottesbefehl zu einem alltäglichen Wort gewandelt, das heute ohne religiösen Klang verwendet wird. Die Kette ade, adieu und tschüss verbindet verschiedene Epochen der deutschen Sprachgeschichte miteinander, ohne dass alle Glieder dieser Kette als gesichert gelten können.

Tschüss: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg ins Deutsche: Stufe für Stufe

Der Weg des Wortes lässt sich in mehreren Stufen verfolgen. Die folgende Tabelle zeigt die belegten Formen, soweit DWDS und Duden sie tragen. Wo keine Zeitangabe belegt ist, bleibt die Zelle offen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1ad DeumLateinnicht datiert
2a dieu, a deuAltfranzösischnicht datiert
3adēMittelhochdeutsch (Gott befohlen)nicht datiert
4adieuFranzösisch, ins Deutsche entlehntBeginn des 17. Jahrhunderts
5adjes, adjüs, atschüsBildungen mit -sseit dem 18. Jahrhundert (DWDS)
6tschüsheutige Sprachenicht datiert

Aus dem lateinischen ad Deum wurde im Altfranzösischen eine Grußformel gebildet. Deren Kurzform ade fand den Weg ins Mittelhochdeutsche. Daneben wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts das vollere französische adieu ins Deutsche entlehnt, das sich dann in verschiedenen Regionen lautlich anpasste. Seit dem 18. Jahrhundert entstanden laut DWDS die Bildungen mit -s, also adjes, adjüs und atschüs, aus denen sich die heutige Form tschüs entwickelte. Es wäre falsch zu behaupten, tschüss sei direkt aus ade entstanden: Pfeifer nennt die Formen nacheinander, nicht als direkte Ableitungsreihe voneinander.

Als Zusatzangabe aus dem Wiktionary: Die niederdeutsche Form atschüs ist dort seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts bezeugt. Sie entstand demnach durch Erweichung des j aus adjüs, woraus auch die kürzere Form tjüs hervorgehen konnte. Diese Angabe aus dem Wiktionary bezieht sich allein auf atschüs und ist nicht gleichzusetzen mit der DWDS-Datierung der s-Bildungen insgesamt ins 18. Jahrhundert. Beide Angaben gelten für je verschiedene Formen und Quellen.

Wer prüfen will, welche weiteren Wörter denselben Weg aus dem Französischen ins Deutsche genommen haben, findet sie in der Übersicht Fremdwörter aus dem Französischen, die einen strukturierten Einblick in diese Lehnbeziehung bietet.

Das Spanische und die Hafenstädte: Was belegt ist

Ob das spanische adiós die deutschen Formen beeinflusst hat, bleibt in allen einschlägigen Quellen offen. Das Etymologische Wörterbuch nach Pfeifer, auf das das DWDS verweist, schreibt, die Bildungen mit -s wie adjes, adjüs, atschüs und das in heutiger Sprache vorkommende tschüs, erweitert tschüsing, schließen vielleicht an spanisch adiós an und hätten sich über die norddeutschen Hafenstädte verbreitet. Das Wiktionary ergänzt, dem liege wohl der früher bei Seeleuten beliebte spanische Abschiedsgruß adiós zugrunde, der sich als a dios, also zu Gott, erklären lässt. Der Duden schreibt seinerseits, tschüs komme wohl aus spanisch adiós. Damit formulieren drei Quellen jeweils mit einem Vorbehalt: vielleicht, wohl, wohl. Keine davon belegt einen direkten Entlehnungsweg aus dem Spanischen.

Woran sich solche Wörter erkennen lassen, erklärt der Überblick zu Lehnwörter. Dass die norddeutschen Hafenstädte als Verbreitungsweg genannt werden, steht so nur bei Pfeifer; wer das genauer prüfen will, liest die Angabe im Etymologischen Wörterbuch selbst nach. Dieser Rahmen bleibt ein von Pfeifer genannter Hintergrund, kein Nachweis für eine direkte Entlehnung.

Die folgende Übersicht trennt, was belegt ist, von dem, was offenbleibt:

  • Belegt: Lateinisch ad Deum als Ausgangspunkt der gesamten Wortfamilie (DWDS nach Pfeifer, Duden)
  • Belegt: Die Entlehnung von adieu ins Deutsche zu Beginn des 17. Jahrhunderts (DWDS nach Pfeifer)
  • Belegt: Die niederdeutschen Formen adjüs und atschüs als Zwischenstufen auf dem Weg zu tschüss (DWDS, Duden, Wiktionary)
  • Offen: Ob und in welchem Maße spanisch adiós die -s-Bildungen beeinflusst hat (alle drei Quellen nur mit Vorbehalt)
  • Offen: Wann genau das Spanische eingewirkt haben soll und auf welchem konkreten Weg

Welche konkrete Begegnung die Form geprägt hat und wann genau das geschah, nennt keine der drei Quellen. Eine Aussage, das Spanische habe die deutschen Formen gesichert beeinflusst, geht über das hinaus, was die Quellen tragen.

Formen und Varianten: tschüs, tschüss, tschüssi

Das Wort Tschüs erscheint in den Wörterbüchern in unterschiedlichen Schreibweisen und mit verschiedenen Nebenformen. Das DWDS führt tschüs als Interjektion mit der Nebenform tschüss. Als ungültige Schreibungen nennt das DWDS Tschüs, Tschüß, tschüs und tschüß. Der Duden behandelt Tschüs und Tschüss als zwei eigene Stichwörter, beide mit derselben Herkunftsangabe, aber als getrennte Einträge. Wer die genaue Schreibung prüfen will, schaut am besten direkt im jeweiligen Wörterbucheintrag nach, welche Form dort als Stichwort steht und ob sie als Interjektion oder als Substantiv geführt wird. So lassen sich Verwechslungen vermeiden, etwa wenn Tschüs in einem Text als Substantiv mit Artikel auftaucht statt als kurzer Zuruf.

Das Wiktionary listet darüber hinaus eine Reihe von Verkleinerungs- und Nebenformen, die vor allem in der gesprochenen Sprache auftauchen:

  • tschüs (DWDS: Interjektion, Hauptform)
  • tschüss (DWDS: Nebenform; Duden: eigenes Stichwort)
  • tschüsschen (Wiktionary: Verkleinerungsform)
  • tschüssi (Wiktionary: Nebenform)
  • tschüssikowski (Wiktionary: spielerische Verlängerung)
  • tschö, tschöchen (Wiktionary: westmitteldeutsch)
  • tschüssli (Wiktionary: schweizerisch)

Ein Beispiel für den herzlichen Ton: Nach dem Gespräch am Gartentor verabschiedete sie sich mit einem freundlichen tschüssi und winkte noch einmal zurück. Solche Verkleinerungsformen passen zu dem, was der Duden mit besonders unter Verwandten und guten Bekannten umschreibt: einem vertrauten, warmherzigen Ton, der in förmlichen Situationen fehl am Platz wäre.

Die regionale Verteilung der Formen zeigt, wie ein einziges Wort über die Zeit verschiedene lautliche Anpassungen erfahren hat: tschö und tschöchen im westmitteldeutschen Raum, tschüssli in der Schweiz. Die Grundbedeutung, der freundliche Abschied, bleibt in allen Varianten dieselbe. Auch wenn die Schreibweisen variieren, bleibt der Sprachgebrauch in seiner Kernbedeutung eindeutig verständlich. Wer weitere Abschiedsgrüße sucht, kann Synonyme kostenlos finden und vergleichen, um die ganze Bandbreite der deutschen Grußformeln zu erkunden.

Tschüss im heutigen Gebrauch

Das DWDS verzeichnet für den Eintrag von 1976 die Bedeutung lebe wohl, auf Wiedersehen mit den Markierungen landschaftlich und umgangssprachlich. Das Wort gehört dem Wortschatz für das Goethe-Zertifikat A1 an, dem Einstiegsniveau für Deutschlernende. Der Duden beschreibt tschüs als Abschiedsgruß besonders unter Verwandten und guten Bekannten und nennt als Beispiel: tschüs, alter Junge. Das Wiktionary führt außerdem die Redewendung und tschüss als feste Wendung auf.

Drei Beispiele aus dem Alltag zeigen, wie das Wort in ganz unterschiedlichen Situationen auftaucht:

Am Ende eines kurzen Telefonats mit einer Freundin: Okay, dann bis morgen, tschüss! Das Gespräch endet mit dem Gruß, ganz ohne weitere Floskel.

Beim Aufbruch am Morgen ruft ein Familienmitglied ins Haus: Ich gehe jetzt, tschüss! Die Haustür fällt ins Schloss, der Gruß bleibt kurz und herzlich.

In einer Kurznachricht an einen Bekannten nach einem gelungenen Treffen: Hat mich gefreut. Tschüss bis nächste Woche! Auch schriftlich funktioniert der Gruß problemlos, ohne dass sich die Bedeutung gegenüber dem gesprochenen Gruß verändert.

Die älteren Formen ade und adieu nahmen eine andere Entwicklung. Das DWDS belegt, dass adieu in der Zeit des Ersten Weltkriegs in der Gebrauchshäufigkeit stark eingeschränkt wurde. Das ältere ade blieb als Grußformel durch das Volkslied bewahrt. Eine vergleichbare Einschränkung der Gebrauchshäufigkeit nennt das DWDS für tschüss nicht. Wer den Unterschied zwischen den Formen nachvollziehen will, kann die einzelnen Wörterbucheinträge direkt miteinander vergleichen. Weitere Wörter mit fremdem Ursprung stehen in der Fremdwörterliste, die einen breiten Überblick über entlehnte Begriffe im Deutschen bietet.

Tschüss: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Irrtümer und offene Fragen

Wer sich mit der Herkunft von Tschüss beschäftigt, stößt auf Punkte, die leicht falsch eingeschätzt oder verwechselt werden. Die folgende Liste benennt die wichtigsten:

  • Die spanische Herkunft ist vermutet, nicht gesichert: Pfeifer schreibt vielleicht, der Duden wohl, das Wiktionary wohl. Keine der drei Quellen belegt einen direkten Entlehnungsweg aus dem Spanischen.
  • Die Datierungen in den Quellen beziehen sich auf unterschiedliche Formen: Das DWDS datiert die s-Bildungen (adjes, adjüs, atschüs) ins 18. Jahrhundert; das Wiktionary bezeugt die niederdeutsche Form atschüs seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Beide Angaben gelten für je verschiedene Formen und dürfen nicht gleichgesetzt werden.
  • Ade, adieu und tschüss sind verwandte, aber keine identischen Wörter. Sie gehen auf dieselbe lateinische Wurzel ad Deum zurück, haben aber eigene Wege durch die Sprachgeschichte genommen. Ade und adieu sind ältere Nachbarformen mit eigenem Weg, nicht frühere Schreibweisen desselben Wortes.

Nicht belegt und daher zu meiden ist jede Behauptung, tschüss komme direkt aus dem Spanischen oder sei von Seeleuten in die deutsche Sprache eingeführt worden. Die Quellen nennen Seeleute als möglichen Hintergrund, nicht als gesicherten Ursprungsort.

Die Kette von lateinisch ad Deum über altfranzösisch a dieu, die Kurzform ade und das zu Beginn des 17. Jahrhunderts entlehnte adieu bis zu den niederdeutschen s-Bildungen und schließlich zu tschüss ist durch die Quellen gut belegt; der mögliche Einfluss des spanischen adiós dagegen bleibt in allen drei Quellen ausdrücklich eine Vermutung.

Quellen und Stand

Soll jemand prüfen, ob dein Text bei Wortwahl und Schreibung sauber ist?

Datei hochladen

Häufige Fragen zur Herkunft von Tschüss

Was bedeutet Tschüss wörtlich übersetzt?

Das Wort geht auf lateinisch ad Deum zurück, was sinngemäß ich empfehle dich Gott bedeutet. Über altfranzösisch a dieu, die Kurzform ade und das entlehnte adieu hat sich daraus ein alltäglicher Abschiedsgruß entwickelt. Das DWDS gibt die Bedeutung mit lebe wohl, auf Wiedersehen an.

Wie schreibt man Tschüss richtig: mit einem oder zwei s?

Das DWDS führt tschüs als Interjektion mit der Nebenform tschüss. Als ungültige Schreibungen nennt das DWDS Tschüs, Tschüß, tschüs und tschüß. Der Duden behandelt Tschüs und Tschüss als zwei eigene Stichwörter mit derselben Herkunftsangabe. Wer sich unsicher ist, prüft am besten direkt im jeweiligen Wörterbucheintrag nach, welche Schreibung dort als Stichwort geführt wird.

Ist Tschüss ein Substantiv oder eine Interjektion?

Das DWDS ordnet Tschüss als Interjektion ein, also als Ausruf ohne Satzfunktion. Der Duden verzeichnet das Wort zusätzlich als Substantiv: das Tschüss, Genitiv des Tschüss, Plural die Tschüss. Beide Einordnungen gelten nebeneinander.

Was bedeutet die Redewendung und tschüss?

Das Wiktionary führt und tschüss als feste Wendung auf. Eine ausführlichere Bedeutungsdefinition über diese Aufnahme im Wiktionary hinaus tragen die verwendeten Quellen nicht. Die Wendung erscheint dort als fester Bestandteil des Eintrags zu tschüs.

Warum wurde adieu nach dem Ersten Weltkrieg seltener?

Das DWDS belegt, dass adieu in der Zeit des Ersten Weltkriegs in der Gebrauchshäufigkeit stark eingeschränkt wurde. Eine ausdrückliche Begründung nennt die Quelle dabei nicht. Das ältere ade blieb nach Auskunft des DWDS als Grußformel durch das Volkslied bewahrt.

Welche regionalen Varianten von Tschüss gibt es?

Das Wiktionary verzeichnet tschö und tschöchen als westmitteldeutsche Varianten und tschüssli als schweizerische Form. Darüber hinaus nennt es Verkleinerungsformen wie tschüsschen und tschüssi sowie die spielerische Erweiterung tschüssikowski. Diese Formen ordnet das Wiktionary der alltagssprachlichen und umgangssprachlichen Verwendung zu.

Unsere Partner