Woher kommt das Wort Tapete?

Tapete: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Aus lateinisch tappetum, Teppich, entwickelte sich über mittellateinisch tapeta das deutsche Wort Tapete, das zuerst eine bunte Decke und später die Wandverkleidung bezeichnete.

Kurze Antwort: Woher kommt Tapete?

Tapete stammt aus mittellateinisch tapeta, dem Plural von lateinisch tappetum (Teppich); zuerst bezeichnete das Wort eine bunte Decke, später die Wandverkleidung. Das DWDS nennt nach Pfeifer lateinisch tapete beziehungsweise mittellateinisch tapeta mit der Bedeutung Teppich, Decke, wobei die Bedeutung bunte Decke in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts belegt ist und die Bedeutung Wandverkleidung im 17. Jahrhundert folgt. Der Duden gibt für mittellateinisch tapeta die Bedeutung Wandverkleidung an und führt die Form auf (vulgär)lateinisch tap(p)eta zurück, den Neutrum-Plural von tap(p)etum, Teppich. Tapete ist eines der Fremdwörter aus dem Lateinischen, die über das Mittellatein ins Deutsche kamen.

Beide Wörterbücher stimmen darin überein, dass am Anfang der Wortgeschichte ein lateinisches Wort für Teppich steht, auch wenn sie mittellateinisch tapeta unterschiedlich übersetzen: das DWDS mit Teppich, Decke, der Duden mit Wandverkleidung. Heute meint Tapete laut DWDS und Duden eine bedruckte oder bemalte Wandbekleidung, besonders aus Papier, die in Bahnen auf Wände geklebt wird; auch Stoff oder Leder kommen als Material vor. Das Wort ist im Deutschen mit dem Plural Tapeten gebräuchlich. Aus einem Wort für Teppich oder Decke wurde über Jahrhunderte die Wandverkleidung, die das Wort heute bezeichnet; das DWDS setzt den Wandel in zwei Stufen an: zuerst die bunte Decke in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, dann die Wandverkleidung im 17. Jahrhundert.

Tapete: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg ins Deutsche

Der Weg des Wortes Tapete lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, von einem lateinischen Ausgangswort bis zur heutigen deutschen Form. Die folgende Übersicht fasst die Stufen zusammen, wie sie DWDS und Wiktionary beschreiben.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1tap(p)etumLateinischohne Datierung
2tap(p)eta (Plural Neutrum)Lateinischohne Datierung
3tapetaMittellateinischohne Datierung
4Tapete (bunte Decke)Deutsch2. Hälfte 15. Jahrhundert laut DWDS
5Tapete (Wandverkleidung)Deutsch17. Jahrhundert laut DWDS

Das DWDS beschreibt Tapete als Singular, der aus dem lateinischen Plural tap(p)eta gebildet wurde, einem Neutrum-Plural zu lateinisch tap(p)etum, Teppich. Die Bedeutung wanderte dabei vom Teppich über die bunte Decke zur Wandverkleidung, wie die Etymologie nach Pfeifer zeigt. Das DWDS nennt als Vergleich französisch tapis (Decke, Teppich, Wandverkleidung); das ist ein Beispiel für Fremdwörter aus dem Französischen, auch wenn Tapete selbst laut DWDS nicht aus dem Französischen, sondern aus dem Mittellateinischen stammt. Das Wiktionary ergänzt dazu eine eigene Zeitangabe: Tapete sei im 16. Jahrhundert von mittellateinisch tapeta entlehnt worden. Diese Angabe passt nicht ohne Weiteres zu den Zeitangaben des DWDS, das die bunte Decke bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und die Wandverkleidung erst im 17. Jahrhundert ansetzt. Die Angabe des Wiktionary steht hier als Zusatzangabe neben den DWDS-Zeiten, ohne dass sich beide Angaben zu einer einzigen Jahreszahl zusammenführen lassen.

Deutungen und Vorbehalte

Bei der Herkunft von Tapete stimmen DWDS, Duden und Wiktionary in einem zentralen Punkt überein: alle drei nennen ein lateinisches Wort für Teppich als Ausgangspunkt und mittellateinisch tapeta als Zwischenstufe. Das DWDS nennt lateinisch tapete beziehungsweise mittellateinisch tapeta mit der Bedeutung Teppich, Decke, der Duden führt mittellateinisch tapeta mit der Bedeutung Wandverkleidung an, und das Wiktionary spricht von mittellateinisch tapeta als Plural von lateinisch tapetum, Teppich. Tapete ist eines der Lehnwörter im Deutschen, bei denen sich die Bedeutung vom Teppich zur Wandverkleidung verschoben hat.

Unterschiede zeigen sich bei der Datierung: Das DWDS nennt die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts für die Bedeutung bunte Decke und das 17. Jahrhundert für die Bedeutung Wandverkleidung, während das Wiktionary als Zeitpunkt der Entlehnung aus mittellateinisch tapeta das 16. Jahrhundert nennt. Diese Angaben lassen sich nicht zu einer gemeinsamen Jahreszahl verschmelzen, da sie unterschiedliche Bedeutungsstufen und möglicherweise unterschiedliche Zeitpunkte der Übernahme meinen. Ein weiterer Vorbehalt betrifft die Wendung etwas aufs Tapet bringen: Das DWDS führt sie wohl auf französisch mettre sur le tapis zurück. Dass Tapete selbst aus dem Französischen stammt, steht in dieser Quelle dagegen nicht; die Wendung aufs Tapet bringen betrifft das verwandte Wort Tapet, nicht die Herleitung von Tapete selbst. Die folgenden Punkte fassen zusammen, was die drei Quellen gemeinsam tragen und wo sie auseinandergehen:

  • Lateinisch tappetum mit der Bedeutung Teppich als gemeinsamer Ausgangspunkt bei DWDS, Duden und Wiktionary
  • Mittellateinisch tapeta als gemeinsame Zwischenstufe bei allen drei Quellen
  • Unterschiedliche Zeitangaben: Das DWDS nennt das 15. und das 17. Jahrhundert, das Wiktionary das 16. Jahrhundert

Die lateinische Wurzel von Tapete ist in allen drei Quellen übereinstimmend lateinisch tappetum, Teppich; der Zeitpunkt des Bedeutungswandels im Deutschen wird dagegen für verschiedene Jahrhunderte angegeben, je nachdem, welche Bedeutungsstufe gemeint ist.

Verwandte Wörter und Varianten

Zum Wort Tapete gehören mehrere verwandte Wörter, die DWDS und Wiktionary nennen. Das Verb tapezieren ist laut DWDS formal mit Tapete verwandt. Daneben führt das DWDS das Wort Tapet in der Bedeutung Decke, Teppich für den Anfang des 16. Jahrhunderts an, dazu die Wendung etwas aufs Tapet bringen für die Zeit um 1700. Beide Wörter, Tapet und Tapete, gehen auf dieselbe lateinische Wurzel zurück, werden im DWDS aber als eigene Einträge behandelt. Tapetenwechsel, Tapetenrolle und Tapetenkleister sind Komposita mit Tapete als Bestimmungswort, ebenso Tapetenbahn und Tapetentür, die das DWDS nennt. Das Wiktionary führt zusätzlich Unterbegriffe wie Raufasertapete, Papiertapete und Fototapete an sowie die Wortbildung Tapetenablöser. Für die heutige Wandbekleidung nennt der Duden als Synonyme Raufaser, Strukturtapete und Wandverkleidung. Die folgende Liste stellt einige dieser Wörter mit ihrer jeweiligen Quelle zusammen:

  • tapezieren, formal verwandtes Verb (DWDS)
  • Tapet, Decke, Teppich, Anfang 16. Jahrhundert (DWDS)
  • Tapetenwechsel, Zusammensetzung mit Tapete (DWDS, Wiktionary)
  • Raufasertapete, Unterbegriff (Wiktionary)
  • Wandverkleidung, Synonym (Duden)

Diese verwandten Wörter und Zusammensetzungen zeigen, wie sich Tapete im deutschen Wortschatz verzweigt hat, vom ursprünglichen Tapet über das Verb tapezieren bis zu den vielen Zusammensetzungen, die das Wort heute bildet.

Gebrauch heute

Im heutigen Sprachgebrauch meint Tapete laut DWDS und Duden eine bedruckte oder bemalte Wandbekleidung, besonders aus Papier, die in Bahnen auf Wände geklebt wird; daneben kommen auch Stoff oder Leder als Material vor. Tapete ist ein feminines Substantiv mit der Pluralform Tapeten. Als Beispiele nennt das DWDS eine gemusterte, geblümte Tapete und die Wand mit Tapete bekleben, der Duden eine geblümte, abwaschbare, vergilbte Tapete sowie zwei Rollen Tapete. Daneben kennt das DWDS die umgangssprachliche, übertragene Wendung die Tapeten wechseln, die die gewohnte Umgebung, besonders die Wohnung, den Aufenthaltsort oder den Arbeitsplatz, vorübergehend wechseln meint.

In eigenen Beispielsätzen lässt sich das so zeigen: Im Wohnzimmer hängt eine blau gemusterte Tapete an der Wand. Für das Kinderzimmer kaufte die Familie zwei Rollen Tapete mit Sternenmuster. Nach Jahren am selben Schreibtisch wollte er mal wieder die Tapeten wechseln und zog für einige Wochen in eine andere Stadt. Diese Beispiele zeigen zwei Verwendungen nebeneinander: die wörtliche, bei der Tapete die Wandbekleidung selbst meint, und die übertragene, bei der die Tapeten wechseln für einen Ortswechsel steht. Laut DWDS ist diese übertragene Verwendung umgangssprachlich, sie gehört also eher zur gesprochenen als zur geschriebenen Standardsprache. Die wörtliche Bedeutung bleibt dagegen die alltägliche, wenn von Tapete als Material für Wände die Rede ist, etwa beim Renovieren einer Wohnung oder beim Kauf von Tapete im Baumarkt.

Tapete: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Offene Fragen

Trotz der Übereinstimmung bei der lateinischen Wurzel bleiben bei der Herkunft von Tapete einige Fragen offen, die sich allein aus DWDS, Duden und Wiktionary nicht abschließend klären lassen. Die folgende Liste nennt die wichtigsten Punkte:

  • Ob die Entlehnung ins Deutsche im 15., 16. oder 17. Jahrhundert liegt, lassen DWDS und Wiktionary nebeneinander stehen, weil die Angaben verschiedene Bedeutungen meinen oder schlicht nicht übereinstimmen
  • Ob mittellateinisch tapeta mit Wandverkleidung, wie der Duden angibt, oder mit Teppich, Decke, wie das DWDS angibt, zu übersetzen ist, lassen die Quellen offen
  • Wie verbreitet das Wort Tapete in einzelnen Regionen des deutschen Sprachraums ist, sagen die Wörterbücher nicht

Für einzelne Zwischenstufen, besonders den Übergang vom Teppich zur Decke und von der Decke zur Wandverkleidung, liefern die Zeitangaben von DWDS und Wiktionary keine übereinstimmende Antwort. Als Merksatz: Aus lateinisch tappetum, Teppich, führt der Weg über mittellateinisch tapeta ins Deutsche, zuerst als bunte Decke, später als Wandverkleidung.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Tapete

Was bedeutet mittellateinisch tapeta wörtlich?

Darauf geben DWDS und Duden unterschiedliche Antworten: Das DWDS übersetzt mittellateinisch tapeta mit Teppich, Decke, der Duden dagegen mit Wandverkleidung. Beide Quellen führen die Form auf lateinisch tap(p)etum, Teppich, zurück, unterscheiden sich aber in der genauen Übersetzung von tapeta selbst.

Kommt Tapete aus dem Französischen?

Nach dem DWDS stammt Tapete aus mittellateinisch tapeta und damit letztlich aus lateinisch tappetum, Teppich, nicht aus dem Französischen. Lediglich die Wendung etwas aufs Tapet bringen führt das DWDS wohl auf französisch mettre sur le tapis zurück; das betrifft die Wendung, nicht die Herkunft des Wortes Tapete selbst.

Was bedeutet die Wendung die Tapeten wechseln?

Laut DWDS ist die Tapeten wechseln eine umgangssprachliche, übertragene Wendung für das vorübergehende Wechseln der gewohnten Umgebung, besonders der Wohnung, des Aufenthaltsorts oder des Arbeitsplatzes. Sie steht neben der wörtlichen Bedeutung von Tapete als Wandbekleidung.

Welches Wort ist mit Tapete verwandt?

Das DWDS nennt das Verb tapezieren als formal mit Tapete verwandt. Außerdem führt das DWDS das eigenständige Wort Tapet in der Bedeutung Decke, Teppich für den Anfang des 16. Jahrhunderts an, das auf dieselbe lateinische Wurzel zurückgeht wie Tapete.

Wann nennt das DWDS die Bedeutung bunte Decke für Tapete?

Das DWDS setzt die Bedeutung bunte Decke für Tapete in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, während die Bedeutung Wandverkleidung dort erst im 17. Jahrhundert belegt ist. Das Wiktionary nennt für die Entlehnung aus mittellateinisch tapeta dagegen das 16. Jahrhundert.

Welche Wortart hat Tapete und wie lautet der Plural?

Tapete ist laut DWDS und Duden ein feminines Substantiv mit dem Plural Tapeten. Der Duden nennt dazu als Beispiele eine geblümte, abwaschbare, vergilbte Tapete sowie zwei Rollen Tapete.

Welche Zusammensetzungen mit Tapete gibt es?

Das DWDS nennt unter anderem Tapetenbahn, Tapetenkleister, Tapetenrolle, Tapetentür und Tapetenwechsel, das Wiktionary ergänzt Raufasertapete, Papiertapete und Fototapete. Alle diese Wörter haben Tapete als Bestimmungswort.

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