Zoff: Eine Spur vom hebräischen Ende zum deutschen Streit
Zoff: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Zoff klingt nach einem urdeutschen Wort für Streit, seine Spur führt aber laut den Wörterbüchern über das Rotwelsche und Jiddische bis zu einem hebräischen Wort für Ende zurück.
Kurze Antwort: Woher kommt Zoff?
Zoff stammt wohl aus dem Rotwelschen und Jiddischen (sof, Ende) und geht auf hebräisch sof (Ende, Schluss) zurück, vermutlich über die Wendung miser sof (böses Ende). Das DWDS gibt diesen Weg so an: wohl aus rotwelsch jiddisch sof über die Wendung miser sof, belegt seit dem 20. Jahrhundert und zuerst in der Jugendsprache verwendet. Der Duden formuliert es knapper: jiddisch (mieser) zoff, also (böses) Ende, aus hebräisch sof, also Ende, Schluss. Beide Wörterbücher stimmen damit in der Grundrichtung überein, auch wenn sie die einzelnen Stationen unterschiedlich ausführlich nennen.
Pfeifer gibt die Wendung miser sof nur mit wohl als Weg an, eine lückenlose Belegkette zwischen dem rotwelschen Wort und dem heutigen Zoff fehlt nach dieser Quelle, nur die plausible Linie über das Rotwelsche und Jiddische bleibt. Die Herkunft von Zoff ist damit nicht lückenlos belegt, das DWDS nennt den Weg über miser sof nur mit wohl.
Heute meint Zoff vor allem Streit, Zank und Unfrieden, in einer hitzigen, emotional geführten Auseinandersetzung zwischen Menschen, die sich eigentlich nahestehen. Wie bei der Herkunft von Zores stammt auch Zoff aus dem Jiddischen und damit letztlich aus dem Hebräischen. Zoff selbst durchlief dabei einen eigenen Weg: von einer alten Bedeutung Ende zur heutigen Bedeutung Streit. Die Bedeutung Ende steht am Anfang der Kette, die Bedeutung Streit steht am vorläufigen Ende dieser Wortgeschichte, dazwischen liegt nach den Quellen ein weiter, nicht lückenlos belegter Weg.
Diese Verschiebung von Ende zu Streit zeigt beim Thema Lehnwörter im Deutschen, wie stark sich ein übernommenes Wort in seiner Bedeutung wandeln kann, bevor daraus das heutige Zoff wurde.

Der Weg ins Deutsche: von sof zu Zoff
Die Wörterbücher beschreiben den Weg von Zoff über mehrere Sprachstufen. Jede Stufe trägt eine eigene Form, eine Sprache und, soweit die Quellen es angeben, eine Zeitangabe.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | sof (Ende, Abschluss, Schluss) | Hebräisch | ohne Datierung |
| 2 | zof, suf; sof (Ende, Abschluss) | Westjiddisch, Jiddisch | ohne Datierung |
| 3 | Sof, Ssof, Szoff, Zoof (Ende, Ausgang einer Sache) | Rotwelsch | 1840, 1851, 1916, 1922 |
| 4 | miser sof (böses Ende) | Jiddisch | ohne Datierung |
| 5 | Zoff (Streit) | Deutsch | 20. Jahrhundert, zuerst jugendsprachlich |
Nach dem Wiktionary meinen die rotwelschen Formen Sof, Ssof, Szoff und Zoof das Ende oder den Ausgang einer Sache, also eine Bedeutung, die noch sehr nah an der hebräischen Ausgangsbedeutung liegt. Dieselbe Quelle beschreibt außerdem einen lautlichen Wandel, der für diesen Weg wichtig ist: Im Westjiddischen und im Deutschen wird der Anlaut, den das Wiktionary als Samech bezeichnet, oft zu ts, vergleichbar mit Wörtern wie Zimt oder Zosse. Genau dieser Wandel erklärt, warum aus einem s-Laut am Wortanfang im Deutschen ein z-Laut wurde, wie er in Zoff bis heute steckt.
Wie bei der Herkunft von Pleite steht auch hinter Zoff ein jiddisch-hebräisches Wort rund um ein Ende. Das Wiktionary ergänzt zur letzten Stufe, dass die Wendung mieser sof wohl auf die deutsche Bedeutung eingewirkt habe, und beschreibt, dass sich Zoff dadurch in etwa als Ende mit Schrecken oder als Ende des Einvernehmens verstehen lasse. Auch diese Einordnung ist als Zusatzangabe mit dem Zusatz wohl formuliert, nicht als gesicherte letzte Stufe der Bedeutungsentwicklung.
Deutungen und Vorbehalte
Drei Wörterbücher, DWDS, Duden und Wiktionary, nennen übereinstimmend eine Kette, die von Hebräisch über Jiddisch zu Deutsch führt, und alle drei setzen an den Anfang dieser Kette die Bedeutung Ende. In dieser Grundlinie stimmen die Quellen also zusammen, auch wenn sie unterschiedlich viele Zwischenschritte nennen. Unterschiede zeigen sich bei der Sicherheit der einzelnen Aussagen: Das DWDS kennzeichnet den Weg über rotwelsch jiddisch sof und die Wendung miser sof ausdrücklich mit wohl, und das Wiktionary schreibt, die Wendung mieser sof habe wohl auf die heutige Bedeutung eingewirkt. Beide Quellen setzen damit an derselben Stelle einen Vorbehalt, nämlich bei der Wendung miser sof beziehungsweise mieser sof als Bindeglied zwischen der alten Bedeutung Ende und der heutigen Bedeutung Streit.
Als Zusatzangabe nennt das Wiktionary eine zweite Bedeutung von Zoff, die rheinfränkisch, konkret für Frankfurt am Main, belegt ist: dort steht Zoff für den Zeitpunkt, an dem etwas endet. Diese regionale zweite Bedeutung liegt inhaltlich näher an der jiddischen und hebräischen Grundbedeutung Ende als die bundesweit bekannte Bedeutung Streit, bleibt aber nach der Quelle eine begrenzte Nebenbedeutung und keine allgemeine zweite Hauptbedeutung des Wortes.
- sof, Ende: so benennen es DWDS, Duden und Wiktionary übereinstimmend als hebräische Ausgangsbedeutung
- miser sof, böses Ende: als Zwischenschritt nennen DWDS und Wiktionary diese Wendung, beide jedoch nur mit dem Zusatz wohl
- Anlautwandel zu ts: das Wiktionary beschreibt diesen Lautwandel im Westjiddischen und im Deutschen anhand von Zimt und Zosse
Zoff gehört zu den Lehnwörtern im Deutschen, bei denen die Bedeutung sich vom Ursprung weit entfernt hat, denn aus einem Wort für ein neutrales oder sogar bitteres Ende wurde im Laufe der Zeit ein Wort für eine ganz eigene, hitzige Art von zwischenmenschlicher Auseinandersetzung. Diese Verschiebung von einer Grundbedeutung zu einer ganz anders gelagerten heutigen Bedeutung ist nach den vorliegenden Quellen selbst Teil der belegten, aber nur mit Vorbehalt dargestellten Wortgeschichte.
Verwandte Wörter und Varianten
Rund um Zoff führen DWDS und Wiktionary mehrere verwandte Formen und Wortbildungen an. Das DWDS nennt das Verb zoffen sowie die Wortbildungen Dauerzoff, Familienzoff, Riesenzoff und Zickenzoff. Das Wiktionary bestätigt davon Dauerzoff und Zickenzoff und führt ebenfalls das Verb zoffen. Als Vergleichsformen aus anderen Sprachen nennt das Wiktionary wienerisch Soff mit der Bedeutung Ende, Sinn, Zweck sowie niederländisch sof mit der Bedeutung Fiasko, Pleite, Reinfall, beide mit einer Bedeutung, die sich ebenfalls um ein Ende oder einen Ausgang dreht. Das DWDS verweist bei seinem Eintrag zu Zoff zusätzlich auf das sinnverwandte Wort Zores.
Für Zoff gibt es viele Wörter mit ähnlicher Bedeutung, mit denen sich Synonyme kostenlos finden lassen, wenn ein Text eine andere Formulierung für Streit braucht. Der Duden nennt dazu unter anderem Auseinandersetzung, Gewitter, Gezänk und Hader. Das DWDS und das Wiktionary führen zusätzlich Wörter wie Krach, Knatsch, Unfrieden, Zank und Zores als sinnverwandte Begriffe zu Zoff. Diese Wörter unterscheiden sich im Ton, von eher nüchtern bis sehr umgangssprachlich, meinen aber alle eine Form von Streit oder Unfrieden zwischen Menschen.
- Zank (Duden)
- Hader (Duden)
- Krach (Wiktionary)
- Knatsch (DWDS)
- Zores (DWDS, Wiktionary)
Zoff steht in einem größeren Netz von Wörtern für Streit und Unfrieden, auch wenn die einzelnen Wörter unterschiedliche sprachliche Wurzeln haben. Manche dieser Wörter, wie Zores, teilen mit Zoff sogar die jiddische Herkunft, andere, wie Krach, stammen aus ganz anderen Wortfamilien. Die Wortbildungen Dauerzoff, Familienzoff, Riesenzoff und Zickenzoff zeigen zudem, wie produktiv Zoff als Wortbaustein im heutigen Deutsch ist: Es lässt sich mit verschiedenen Bestimmungswörtern verbinden, um eine bestimmte Art von Streit genauer zu benennen, etwa einen Streit innerhalb der Familie oder einen besonders lange andauernden Streit.
Gebrauch heute
Zoff ist ein maskulines Substantiv, das nur im Singular gebraucht wird, mit dem Genitiv des Zoffs. Sowohl das DWDS als auch das Wiktionary führen das Wort ohne Pluralform. DWDS und Duden beschreiben die Bedeutung übereinstimmend als umgangssprachlich: einen heftigen Streit, Ärger oder eine meist emotional ausgetragene Auseinandersetzung zwischen Menschen. Der Duden führt dazu das Beispiel an, dass jemand Zoff mit seiner Freundin hatte, und zeigt damit eine typische Verwendung in einem persönlichen, zwischenmenschlichen Zusammenhang.
Nach dem verlorenen Spiel gab es im Vereinsheim lautstarken Zoff zwischen zwei Spielern. In der Nachbarschaft entstand Zoff, weil die Mülltonnen falsch standen. Zwischen den beiden Geschwistern gab es seit Jahren immer wieder Zoff um die Erbschaft der Großeltern. Zoff benennt damit einen Streit zwischen bestimmten Menschen, kein allgemeines, unbestimmtes Problem.
Auch in anderen Zusammenhängen bleibt die Bedeutung gleich: Die beiden Mitbewohner hatten Zoff wegen der Küchenordnung, und im Büro gab es Zoff um die Urlaubsplanung. In jedem dieser Sätze steht das Wort für eine konkrete, heftige Auseinandersetzung zwischen genannten Personen, nicht für ein diffuses oder anonymes Problem. Der Genitiv des Zoffs ist die einzige vom DWDS genannte Beugungsform, einen Plural führt das Wort nicht.
Das Wiktionary ordnet die Hauptbedeutung von Zoff für Deutschland und die Schweiz als umgangssprachlich ein und beschreibt sie als heftige Auseinandersetzung oder als durch Meinungsverschiedenheiten hervorgerufene Gereiztheit. Zoff bezeichnet damit jeweils einen Streit zwischen bestimmten Menschen, kein allgemeines, unbestimmtes Problem.

Offene Fragen
Zoffs Herkunft bleibt in einigen Punkten unsicher.
- Der Weg über miser sof ist laut DWDS nur mit dem Zusatz wohl beschrieben, also als wahrscheinliche, nicht als restlos bewiesene Zwischenstufe.
- Wie genau aus der Bedeutung Ende die Bedeutung Streit wurde, beschreibt auch das Wiktionary nur mit dem Zusatz wohl, ohne eine lückenlose Begründung für jeden einzelnen Schritt dieser Bedeutungsverschiebung zu liefern.
- Die Belegjahre 1840, 1851, 1916 und 1922 gelten laut Wiktionary den rotwelschen Formen Sof, Ssof, Szoff und Zoof, nicht dem Wort Zoff selbst, dessen deutsche Form erst im 20. Jahrhundert und zunächst jugendsprachlich belegt ist.
Als Merksatz lässt sich festhalten: Zoff kam, so die vorliegenden Wörterbücher, aus hebräisch sof über das Jiddische und das Rotwelsche ins Deutsche, dort im 20. Jahrhundert zuerst in der Jugendsprache belegt, und wandelte sich dabei vom Ende zum Streit. Diese Herkunft erklärt, warum Zoff trotz seines rauen Klangs über zwei Sprachstufen aus einem Wort für Ende und nicht aus einer eigenständig deutschen Wurzel stammt.
Quellen und Stand
- DWDS: Zoff, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Zoff, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Zoff, Herkunft, Synonyme: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)