Woher stammt das Wort Zimt wirklich?
Zimt: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Das Wort Zimt hat eine lange Reise hinter sich, von einer semitischen Sprache über Griechisch und Latein bis ins Althochdeutsche.
Kurze Antwort zur Herkunft von Zimt
Zimt ist im 11. Jahrhundert als althochdeutsch zinamin bezeugt und aus lateinisch cinnamum und griechisch kinnamon entlehnt, das wahrscheinlich aus dem Phönizischen stammt; die weitere Herkunft ist unklar. Diese Einordnung stammt aus dem DWDS, das sich auf die Etymologie nach Pfeifer stützt. Das DWDS nennt als Vorstufen lateinisch cinnamum, auch cinnamomum, sowie griechisch kinnamon und kinnamomon. Dahinter steht laut DWDS wahrscheinlich eine phönizische Wurzel, verglichen mit hebräisch qinnamon. Die weitere Herkunft, also woher das phönizische Wort selbst kommt, bleibt beim DWDS ausdrücklich unklar.
Der Duden stellt die Herkunft ähnlich dar, mit eigener Gewichtung: Er nennt lateinisch cinnamum, griechisch kinnamon und kinnamomon und ordnet diese Wörter dem Semitischen zu, ohne eine einzelne semitische Sprache zu benennen. Damit stimmt der Duden in den Zwischenstufen Latein und Griechisch mit dem DWDS überein, bleibt bei der genaueren Zuordnung aber allgemeiner.
Das Wiktionary bestätigt die Linie über Latein und Griechisch und bezeichnet ebenfalls das Phönizische als wahrscheinliche Quelle, vergleichbar mit hebräisch qinnamon. Darüber hinaus nennt das Wiktionary als Zusatzangabe, dass dem semitischen Wort womöglich das malaiische kayumanis, übersetzt Süßholz, zugrunde liegt. Diese malaiische Spur ist nur beim Wiktionary vermerkt und dort ausdrücklich mit womöglich gekennzeichnet, also nicht gesichert.
Heute meint Zimt vor allem das Gewürz aus der Rinde des Zimtbaums, wie es DWDS und Duden beschreiben. Daneben kennt die Umgangssprache eine abwertende Nebenbedeutung: Zimt steht dort salopp für Unsinn oder wertlosen Kram. Die abwertende Bedeutung von Zimt bringt das DWDS mit dem Wort Zinnober in Verbindung, wie die Herkunft von Zinnober zeigt; eine weitere Erläuterung dieses Verweises nennt das DWDS nicht.

Welche Stufen führen zum heutigen Zimt
Der Weg des Wortes Zimt ins Deutsche lässt sich anhand der Angaben im DWDS in mehreren Stufen nachzeichnen. Am Anfang steht eine wahrscheinlich phönizische Wurzel, verglichen mit hebräisch qinnamon, deren Zeitpunkt die Quellen nicht nennen. Darauf folgen altgriechisch kinnamon und kinnamomon, ebenfalls ohne Datierung in den Quellen. Von dort gelangte das Wort ins Lateinische als cinnamum und cinnamomum, auch hier ohne genaue Zeitangabe. Mit lateinisch cinnamum gehört Zimt in den Umkreis der Fremdwörter aus dem Lateinischen. Im Deutschen selbst beginnt die Bezeugung im 11. Jahrhundert mit althochdeutsch zinamin, gefolgt im 14. Jahrhundert von der spätmittelhochdeutschen Form zinmend bovn.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | vermutlich phönizische Wurzel, vergleiche hebräisch qinnamon | phönizisch (wahrscheinlich) | ohne Datierung |
| 2 | kinnamon, kinnamomon | altgriechisch | ohne Datierung |
| 3 | cinnamum, cinnamomum | lateinisch | ohne Datierung |
| 4 | zinamin | althochdeutsch | 11. Jahrhundert |
| 5 | zinmend bovn | spätmittelhochdeutsch | 14. Jahrhundert |
| 6 | Zimmet | neuhochdeutsch | bis ins 19. Jahrhundert |
| 7 | Zimmt, Zimt | neuhochdeutsch | zuerst zweite Hälfte 16. Jahrhundert |
Nach dem DWDS galt die Form Zimmet bis ins 19. Jahrhundert, danach noch oberdeutsch. Die kürzere, einsilbige Form Zimmt beziehungsweise Zimt ist dagegen bereits seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bezeugt. Beide Formen bestanden damit über einen längeren Zeitraum nebeneinander, so wie das DWDS es für Zimmet bis ins 19. Jahrhundert und für Zimmt seit dem 16. Jahrhundert festhält.
Das Wiktionary ergänzt diese Kette um eine Zusatzangabe zur vorphönizischen Zeit: Dem semitischen Wort liege womöglich das malaiische kayumanis zugrunde, zusammengesetzt aus kayu für Holz und manis für süß, hier sinngemäß mit Süßholz wiedergegeben. Diese Angabe reicht weiter zurück als die phönizische Stufe selbst und ist im Wiktionary ausdrücklich als nicht gesichert markiert. Sie ergänzt die DWDS-Kette, ersetzt sie aber nicht.
Was ist bei der Herkunft gesichert und was nicht
Vergleicht man DWDS, Duden und Wiktionary, zeigt sich eine gemeinsame Kernlinie: Alle drei Quellen nennen lateinisch cinnamum und griechisch kinnamon als Vorformen des deutschen Zimt. In dieser mittleren Stufe der Wortgeschichte stimmen die Nachschlagewerke überein. Wie viele Fremdwörter aus dem Griechischen kam griechisch kinnamon über das Lateinische ins Deutsche, bevor es in althochdeutscher Zeit eine eigene Form annahm.
Bei der Stufe davor weichen die Quellen in der Genauigkeit ab. DWDS und Wiktionary nennen das Phönizische als wahrscheinliche Quelle, jeweils mit dem Vergleich zu hebräisch qinnamon. Der Duden formuliert vorsichtiger und spricht allgemein vom Semitischen, ohne eine einzelne Sprache zu benennen. Beide Angaben widersprechen sich nicht, sie unterscheiden sich aber im Grad der Festlegung.
Ein klarer Vorbehalt betrifft die weitere Herkunft: Das DWDS bezeichnet sie ausdrücklich als unklar und erwähnt bei der abwertenden Bedeutung Unsinn eine mögliche, aber nicht bestätigte Erklärung, nämlich ein überlagertes, aromaloses Gewürz oder einen ohnehin entbehrlichen Speisezusatz. Einen Anschluss an rotwelsch Zimmt für Geld hält das DWDS für wenig einleuchtend. Die malaiische Spur zu kayumanis steht ausschließlich beim Wiktionary und dort mit dem Zusatz womöglich, also als Vermutung und nicht als gesicherte Herleitung.
- Lateinisch cinnamum und griechisch kinnamon als gemeinsame Vorformen, genannt von DWDS, Duden und Wiktionary
- Das Phönizische als wahrscheinliche Quelle, genannt von DWDS und Wiktionary
- Das Semitische allgemein, genannt vom Duden ohne weitere Festlegung
- Die weitere Herkunft als unklar, so DWDS und Wiktionary übereinstimmend
Damit gilt: Die Stufen über Latein und Griechisch nennen alle drei Quellen übereinstimmend, das Phönizische führen DWDS und Wiktionary als wahrscheinliche Quelle, während alles davor, insbesondere eine malaiische Wurzel, in den Quellen offen bleibt.
Verwandte Wörter und Varianten von Zimt
Rund um das Wort Zimt verzeichnet das Wiktionary mehrere Komposita, die das Grundwort mit anderen Substantiven verbinden. Unter den Komposita mit Zimt nennt das DWDS den Zimtbaum, also den Baum, aus dessen Rinde das Gewürz gewonnen wird. Das Wiktionary führt daneben Zimtstange, Zimtstern und Zimtschnecke auf, allesamt Zusammensetzungen, die sich auf die Form oder Verwendung des Gewürzes beziehen.
- Zimtbaum (DWDS)
- Zimtstange (Wiktionary)
- Zimtstern (Wiktionary)
- Zimtschnecke (Wiktionary)
Als Synonym zum Gewürzwort nennt das Wiktionary Kaneel, eine ältere oder regional gebräuchliche Bezeichnung für dasselbe Gewürz. Diese Angabe steht ausschließlich im Wiktionary und wird von den anderen beiden Quellen nicht wiederholt.
Uneinheitlich fällt die Angabe zum Plural aus. Das DWDS nennt den Nominativ Plural Zimte. Der Duden führt ebenfalls Zimte an, allerdings mit dem Zusatz, dass diese Pluralform sich auf Sorten des Gewürzes bezieht, also auf unterschiedliche Zimtarten und nicht auf eine beliebige Mehrzahl. Das Wiktionary dagegen führt Zimt als Singularetantum, also als Wort, das dort nur in der Einzahl verzeichnet ist. Diese drei Angaben stehen nebeneinander und lassen sich anhand der drei Wörterbücher nicht auflösen. Bei der Pluralangabe weichen die Quellen demnach voneinander ab, während sie sich bei Grundbedeutung und Herkunft weitgehend decken.
Wie Zimt heute verwendet wird
Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet Zimt in erster Linie das Gewürz aus der getrockneten Rinde des Zimtbaums, wie es DWDS und Duden beschreiben. Zimt ist ein maskulines Substantiv, dessen Plural die Quellen unterschiedlich angeben. In der Küche taucht das Wort in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen auf. Ein Beispielsatz könnte lauten: Für den Kuchen braucht es eine Prise Zimt und etwas geriebene Schale einer Zitrone. Ein zweites Beispiel: Zum Milchreis streut sie Zimt und Zucker. Ein drittes Beispiel: Beim Glühwein darf der Zimt nicht fehlen, dazu kommen Nelken und ein Stück Orange.
Neben dieser Gewürzbedeutung kennt die Umgangssprache eine zweite, abwertende Lesart. Nach DWDS und Duden steht Zimt salopp und abwertend für Unsinn oder wertlosen Kram. Typisch dafür ist die Wendung rede nicht solchen Zimt, mit der jemand aufgefordert wird, mit unsinnigem Gerede aufzuhören. Auch Sätze wie warum wirfst du den alten Zimt nicht weg verwenden Zimt im Sinn von wertlosem Kram, nicht im Sinn des Gewürzes.
Zur Entstehung dieser abwertenden Bedeutung macht das DWDS eine zeitliche Angabe: Sie kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Gebrauch, anfangs wohl in Berliner Literatenkreisen. Warum sich ausgerechnet das Gewürzwort für diesen abschätzigen Sinn eignete, bleibt im DWDS offen und wird dort als Frage formuliert, nicht als feststehende Erklärung. Damit lässt sich sagen: Die Gewürzbedeutung ist alt und reicht über die gesamte Wortgeschichte zurück, während die abwertende Nebenbedeutung erst im 19. Jahrhundert belegt ist und in ihrer Entstehung ungeklärt bleibt.

Was bei der Herkunft von Zimt offen bleibt
Trotz der klaren Linie über Latein und Griechisch bleiben bei der Herkunft von Zimt mehrere Fragen offen, die auch DWDS, Duden und Wiktionary nicht beantworten.
- Woher das phönizische Wort selbst stammt, sagen DWDS und Duden nicht; beide belassen es bei der Stufe des Phönizischen beziehungsweise des Semitischen
- Das Wiktionary nennt dazu womöglich das malaiische kayumanis als tiefere Quelle, allerdings ausdrücklich als Vermutung
- Warum Zimt abwertend für Unsinn steht, lässt das DWDS als offene Frage stehen, trotz zeitlicher Einordnung in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Ob Zimt nur im Singular oder auch im Plural gebräuchlich ist, beantworten die Quellen unterschiedlich: DWDS und Duden nennen die Pluralform Zimte, das Wiktionary führt das Wort als Singularetantum
Das Wort Zimt hat bei seinen Vorformen und seiner abwertenden Nebenbedeutung Lücken, die DWDS, Duden und Wiktionary offen lassen. Als Merksatz lässt sich festhalten: Zimt führt aus einer wahrscheinlich phönizischen Quelle über griechisch kinnamon und lateinisch cinnamum bis ins Althochdeutsche des 11. Jahrhunderts, während alles davor und die Erklärung der abwertenden Nebenbedeutung ungeklärt bleiben.
Quellen und Stand
- DWDS: Zimt, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-04)
- Duden: Zimt, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-04)
- Wiktionary: Zimt, Herkunft, Bedeutung: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-04)
Das Wort Zimt stammt über lateinisch cinnamum aus griechisch kinnamon, das wahrscheinlich phönizischen Ursprungs ist.