Woher stammt das Wort Zinnober wirklich?
Zinnober: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Zinnober bezeichnet ein rotes Mineral, einen Farbton und umgangssprachlich wertloses Zeug oder unnötigen Aufwand. Die Sprachkette über Altfranzösisch, Latein und Griechisch ist belegt, die Bedeutung Unsinn bleibt in ihrer Herkunft offen.
Kurze Antwort: die belegte Wortgeschichte
Zinnober ist seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts als mittelhochdeutsch zinober belegt, entlehnt aus altfranzösisch cenobre, das über lateinisch cinnabaris auf griechisch kinnabari zurückgeht. Diese Kette von Sprachen nennen sowohl das DWDS (nach Pfeifer) als auch der Duden übereinstimmend. Dagegen gilt die Herkunft des griechischen Wortes selbst als ungeklärt, wohl orientalisch, und auch die Entstehung der umgangssprachlichen Bedeutung Unsinn bleibt in ihrer Herkunft offen. Mit anderen Worten: Die Kette der Sprachen ist belegt, die Entstehung der Bedeutung Unsinn dagegen nicht. Diese Trennung zwischen gesicherter Lautgeschichte und ungeklärtem Bedeutungswandel zieht sich durch beide Wörterbücher und kennzeichnet die Wortgeschichte von Zinnober insgesamt.
Zinnober benennt zunächst ein ziegelrotes bis blauschwarzes Mineral, das wichtigstes Erz für die Gewinnung von Quecksilber ist, sowie einen leuchtend gelblich roten Farbton oder Farbstoff. Daneben führen DWDS und Duden eine dritte, salopp abwertende Bedeutung: wertloses Zeug sowie Umstände, Aufheben oder eine unsinnige Handlung. Zu dieser dritten Bedeutung schreibt das DWDS, dass sie ab dem frühen 20. Jahrhundert gebräuchlich wurde, mit besonderer Verbreitung in der Sprache der Soldaten im Ersten Weltkrieg, das Motiv dafür aber nicht erkennbar sei. Der Duden formuliert es ähnlich knapp: Für beide umgangssprachlichen Bedeutungen, wertloses Zeug und Unsinn, nennt er die Herkunft ungeklärt. Wer also mit Zinnober von unnötigem Aufwand spricht, verwendet damit eine seit langem übliche, aber in ihrer Entstehung nicht restlos geklärte Redeweise.
Wie die Herkunft von Mumpitz zeigt, steht auch Zinnober in der Umgangssprache für Unsinn, und in beiden Fällen lässt sich die Entstehung dieser übertragenen Bedeutung nicht lückenlos nachzeichnen. Wer also fragt, woher Zinnober kommt, bekommt zwei unterschiedlich sichere Antworten: Die lautliche Herkunft über mehrere Sprachen ist gut belegt, die inhaltliche Wende zum Unsinnswort bleibt dagegen eine offene Frage der Wortgeschichte. Diese Doppelstruktur, ein klarer sprachlicher Weg bei unklarem Bedeutungswandel, ist bei vielen Wörtern mit ähnlich langer Geschichte zu finden und keine Besonderheit, die allein Zinnober betrifft. Über lateinisch cinnabaris zählt Zinnober zugleich zu den Fremdwörtern aus dem Lateinischen, auch wenn dieser Ursprung im heutigen Gebrauch kaum noch auffällt. So bleibt am Ende ein Wort, dessen äußere Reise gut dokumentiert ist, während sein innerer Bedeutungssprung zum Alltagswort für Unsinn ein offenes Kapitel der Wortgeschichte bleibt.
Über lateinisch cinnabaris gehört Zinnober zugleich in den Kreis der Fremdwörter aus dem Lateinischen.

Der Weg des Wortes ins Deutsche
Zinnober gelangte über mehrere Sprachstufen ins Deutsche, bevor es die heutige Form annahm. Wo eine Quelle keine Zeitangabe nennt, bleibt die Zeitstufe ohne Datierung, statt eine ungenaue Zeit zu nennen.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | sangarf | Persisch (nur Wiktionary) | ohne Datierung |
| 2 | kinnabari, kinnabaris | Griechisch (wohl orientalischer Herkunft) | ohne Datierung |
| 3 | cinnabaris | Latein (roter mineralischer Farbstoff) | ohne Datierung |
| 4 | cenobre | Altfranzösisch | ohne Datierung |
| 5 | zinober | Mittelhochdeutsch | Anfang 13. Jahrhundert |
| 6 | Zinnober (wertloser Kram) | Deutsch, übertragene Bedeutung | ab dem frühen 20. Jahrhundert, besonders in der Sprache der Soldaten im Ersten Weltkrieg |
Am Anfang der Kette steht griechisch kinnabari, eines der Fremdwörter aus dem Griechischen, dessen eigene Herkunft ungeklärt und wohl orientalisch ist. Das DWDS nennt ausdrücklich die Entlehnung aus dem Altfranzösischen als unmittelbaren Schritt ins Mittelhochdeutsche, während die Stufe davor, lateinisch cinnabaris, als mineralischer roter Farbstoff beschrieben wird. Die persische Wurzel sangarf dagegen steht nur im Wiktionary; das DWDS führt die Kette lediglich bis zum griechischen Wort zurück und bezeichnet dessen Herkunft als ungeklärt, wohl orientalisch, ohne die persische Form zu erwähnen. Dabei zeigen sich zwei leicht unterschiedliche Reichweiten: Das Wiktionary geht einen Schritt weiter zurück als das DWDS, ohne dass sich beide Angaben widersprechen, sie ergänzen sich lediglich an unterschiedlichen Stellen der Kette. Für die deutsche Form zinober bleibt in jedem Fall der altfranzösische Zwischenschritt cenobre entscheidend, über den das Wort schließlich Anfang des 13. Jahrhunderts ins Mittelhochdeutsche kam und von dort seinen Weg in die heutige Schreibweise Zinnober fand. Die übertragene Bedeutung entstand zudem erst viele Jahrhunderte später, lange nachdem sich die lautliche Form bereits gefestigt hatte, und beide Entwicklungen liegen zeitlich klar auseinander.
Deutungen zur Bedeutung Unsinn und ihre Vorbehalte
Während die Sprachkette von Zinnober gut belegt ist, bleibt offen, wie das Wort zur umgangssprachlichen Bedeutung wertloser Kram und Unsinn kam. Das DWDS nennt nach Pfeifer das Motiv für diesen Bedeutungswandel ausdrücklich nicht erkennbar und stellt dazu drei Möglichkeiten vor, allerdings jede davon nur als Frage, nicht als Erklärung. Ähnlich wie bei der Herkunft von Kokolores gilt auch für Zinnober im Sinn von Unsinn die Herkunft als ungeklärt, und auch der Duden formuliert für diese Bedeutung schlicht: Herkunft ungeklärt.
Die drei Fragen, die Pfeifer laut DWDS aufwirft, lauten der Reihe nach: Handelt es sich um eine spielerische Weiterbildung des in ähnlichem Sinn verwendeten Wortes Zimt? Klingt eine Erfahrung der Alchimisten an, die bei der Verbindung von Quecksilber mit Schwefel nicht Gold, sondern nur Zinnober erhielten? Oder ist an die frühere Gewohnheit zu denken, Hervorhebungen in Handschriften und Drucken mit Zinnoberrot vorzunehmen? Keine dieser drei Fragen wird von der Quelle beantwortet, und keine gilt als wahrscheinlicher als die anderen.
- Zimt: eine spielerisch gebildete Parallele zu einem anderen umgangssprachlichen Unsinnswort, offen als Frage bei Pfeifer
- Alchimisten: eine mögliche Anspielung auf das gescheiterte Ziel, aus Quecksilber und Schwefel Gold zu gewinnen, offen als Frage bei Pfeifer
- Rote Hervorhebungen in Handschriften: ein möglicher Bezug auf die frühere Verwendung von Zinnoberrot zum Hervorheben von Textstellen, offen als Frage bei Pfeifer
Keine der drei Möglichkeiten gilt als gesichert. Das DWDS behandelt alle drei gleichrangig als denkbare Hintergründe, ohne eine Entscheidung zu treffen, und der Duden verzichtet sogar ganz auf eigene Vermutungen und nennt nur das Ergebnis: ungeklärt. Die Herkunft der Bedeutung Unsinn bleibt damit offen, auch wenn die lautliche Herkunft des Wortes Zinnober gut dokumentiert ist.
Verwandte Wörter und Varianten
Rund um Zinnober stehen mehrere verwandte Formen und Varianten, die in den Quellen jeweils einzeln belegt sind. Mittelhochdeutsch zinoberrot ist laut DWDS die Vorstufe des heutigen zinnoberrot, das denselben leuchtenden Rotton bezeichnet wie das Mineral selbst. Der Duden nennt zusätzlich eine österreichische Besonderheit: Dort wird das Wort mit dem Artikel das Zinnober verwendet, während es im übrigen deutschen Sprachraum maskulin ist, der Zinnober. Das Wiktionary führt daneben die feste Wendung Zinnober machen sowie den fachsprachlichen Mineralnamen Cinnabarit als weitere Bezeichnung für dasselbe Mineral.
Über lateinisch cinnabaris gehört Zinnober zu den Fremdwörtern aus dem Lateinischen, auch wenn es heute eingedeutscht wirkt und im alltäglichen Sprachgebrauch nicht mehr als Fremdwort empfunden wird. Für die Bedeutung Unsinn und wertloses Zeug nennen die Quellen mehrere nahe Synonyme, die ein ähnliches Bedeutungsfeld abdecken.
- Blödsinn (Duden, als Synonym zu Zinnober in der Bedeutung Unsinn)
- Dreck (Duden, als Synonym)
- Fez (Duden, als Synonym)
- Firlefanz (Duden, als Synonym)
- Plunder (Wiktionary, als Synonym zu Zinnober in der Bedeutung unnötiges Zeug)
Diese Synonyme zeigen, dass Zinnober in seiner umgangssprachlichen Bedeutung in eine größere Gruppe ähnlicher Ausdrücke eingebettet ist, die alle etwas Wertloses, Unnötiges oder Unsinniges bezeichnen. Keine der Quellen macht dabei eine Aussage darüber, welches dieser Wörter im Alltag öfter vorkommt als ein anderes. Cinnabarit gilt als fachsprachlicher Mineralname für dasselbe Mineral, und das Zinnober ist die österreichische Artikelvariante des Wortes.
Gebrauch des Wortes heute
Zinnober wird heute in mindestens zwei klar unterscheidbaren Zusammenhängen verwendet. Zum einen bezeichnet es ganz sachlich ein Mineral und einen Farbton: das ziegelrote bis blauschwarze, quecksilberhaltige Gestein sowie die daraus gewonnene leuchtend gelblich rote Farbe. Zum anderen wird es salopp abwertend für wertlosen Kram, für unnötige Umstände oder für Aufheben um eine Sache verwendet. Der Duden führt dazu zwei eigene Beispiele an, sinngemäß wirf doch den ganzen Zinnober weg für die erste und rede nicht solchen Zinnober für die zweite abwertende Bedeutung. Grammatisch ist Zinnober im Deutschen maskulin, der Genitiv lautet des Zinnobers, einen Plural führt der Duden nicht.
Ein eigener Beispielsatz für die Mineral- und Farbbedeutung könnte lauten: Der Maler mischte für den Hintergrund des Bildes eine kräftige Zinnober-Farbe an. Für die abwertende Bedeutung Unsinn lassen sich ebenfalls eigene Sätze bilden, etwa: Nach dem dritten verschobenen Termin hatte sie genug von diesem ganzen Zinnober, oder: Lass den Zinnober und sag einfach, was wirklich passiert ist. Zinnober benennt je nach Satzzusammenhang einen konkreten Stoff beziehungsweise Farbton und daneben einen ganz anderen, abwertenden Sachverhalt, wobei der jeweilige Zusammenhang die gemeinte Bedeutung eindeutig macht.
Die altfranzösische Form cenobre macht Zinnober zugleich zu einem der Fremdwörter aus dem Französischen, auch wenn dieser Ursprung im heutigen Sprachgefühl kaum noch mitschwingt. Zinnober bezeichnet damit laut DWDS und Duden zugleich einen Stoff beziehungsweise Farbton und einen abwertenden Ausdruck für Unsinn oder wertloses Zeug.

Was an der Wortgeschichte offen bleibt
Mehrere Punkte der Wortgeschichte von Zinnober bleiben ungeklärt. Dazu gehören die Herkunft des griechischen Ausgangswortes und das Motiv für die Bedeutung wertloser Kram, so wie DWDS, Duden und Wiktionary sie jeweils als ungeklärt oder nicht erkennbar bezeichnen.
- Die Herkunft des griechischen Wortes kinnabari ist laut DWDS ungeklärt, wohl orientalisch, eine genauere Ursprungssprache nennt die Quelle nicht
- Das Motiv für die Entstehung der Bedeutung wertloser Kram ist laut Pfeifer im DWDS nicht erkennbar, die drei genannten Möglichkeiten bleiben ausdrücklich Fragen
- Der Duden nennt die Herkunft der umgangssprachlichen Bedeutungen wertloses Zeug und Unsinn insgesamt ungeklärt, ohne eigene Deutung
Diese drei offenen Punkte betreffen unterschiedliche Stellen der Wortgeschichte: Der erste liegt ganz am Anfang der Kette, beim griechischen Ausgangswort selbst. Der zweite und dritte betreffen dagegen das jüngere Ende der Geschichte, nämlich die Frage, wie aus einem Mineral- und Farbnamen ein Ausdruck für Unsinn werden konnte. Zwischen diesen beiden unklaren Punkten liegt die Kette griechisch, lateinisch, altfranzösisch, mittelhochdeutsch, die als Weg des Wortes ins Deutsche gut belegt ist. Als Merksatz lässt sich festhalten: Die Kette griechisch, lateinisch, altfranzösisch, mittelhochdeutsch ist belegt, die Bedeutung Unsinn bleibt in ihrer Herkunft ungeklärt. Die Herkunft des griechischen kinnabari bleibt laut DWDS ungeklärt, und das Motiv für die Bedeutung wertloser Kram ist laut Pfeifer nicht erkennbar; weiter zurückreichende Erklärungen nennen die Quellen nicht.
Quellen und Stand
- DWDS: Zinnober, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Zinnober, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Zinnober, Herkunft, Redewendung: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)