Woher stammt das Wort Zinnober wirklich?

Zinnober: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Zinnober bezeichnet ein rotes Mineral, einen Farbton und umgangssprachlich wertloses Zeug oder unnötigen Aufwand. Die Sprachkette über Altfranzösisch, Latein und Griechisch ist belegt, die Bedeutung Unsinn bleibt in ihrer Herkunft offen.

Kurze Antwort: die belegte Wortgeschichte

Zinnober ist seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts als mittelhochdeutsch zinober belegt, entlehnt aus altfranzösisch cenobre, das über lateinisch cinnabaris auf griechisch kinnabari zurückgeht. Diese Kette von Sprachen nennen sowohl das DWDS (nach Pfeifer) als auch der Duden übereinstimmend. Dagegen gilt die Herkunft des griechischen Wortes selbst als ungeklärt, wohl orientalisch, und auch die Entstehung der umgangssprachlichen Bedeutung Unsinn bleibt in ihrer Herkunft offen. Mit anderen Worten: Die Kette der Sprachen ist belegt, die Entstehung der Bedeutung Unsinn dagegen nicht. Diese Trennung zwischen gesicherter Lautgeschichte und ungeklärtem Bedeutungswandel zieht sich durch beide Wörterbücher und kennzeichnet die Wortgeschichte von Zinnober insgesamt.

Zinnober benennt zunächst ein ziegelrotes bis blauschwarzes Mineral, das wichtigstes Erz für die Gewinnung von Quecksilber ist, sowie einen leuchtend gelblich roten Farbton oder Farbstoff. Daneben führen DWDS und Duden eine dritte, salopp abwertende Bedeutung: wertloses Zeug sowie Umstände, Aufheben oder eine unsinnige Handlung. Zu dieser dritten Bedeutung schreibt das DWDS, dass sie ab dem frühen 20. Jahrhundert gebräuchlich wurde, mit besonderer Verbreitung in der Sprache der Soldaten im Ersten Weltkrieg, das Motiv dafür aber nicht erkennbar sei. Der Duden formuliert es ähnlich knapp: Für beide umgangssprachlichen Bedeutungen, wertloses Zeug und Unsinn, nennt er die Herkunft ungeklärt. Wer also mit Zinnober von unnötigem Aufwand spricht, verwendet damit eine seit langem übliche, aber in ihrer Entstehung nicht restlos geklärte Redeweise.

Wie die Herkunft von Mumpitz zeigt, steht auch Zinnober in der Umgangssprache für Unsinn, und in beiden Fällen lässt sich die Entstehung dieser übertragenen Bedeutung nicht lückenlos nachzeichnen. Wer also fragt, woher Zinnober kommt, bekommt zwei unterschiedlich sichere Antworten: Die lautliche Herkunft über mehrere Sprachen ist gut belegt, die inhaltliche Wende zum Unsinnswort bleibt dagegen eine offene Frage der Wortgeschichte. Diese Doppelstruktur, ein klarer sprachlicher Weg bei unklarem Bedeutungswandel, ist bei vielen Wörtern mit ähnlich langer Geschichte zu finden und keine Besonderheit, die allein Zinnober betrifft. Über lateinisch cinnabaris zählt Zinnober zugleich zu den Fremdwörtern aus dem Lateinischen, auch wenn dieser Ursprung im heutigen Gebrauch kaum noch auffällt. So bleibt am Ende ein Wort, dessen äußere Reise gut dokumentiert ist, während sein innerer Bedeutungssprung zum Alltagswort für Unsinn ein offenes Kapitel der Wortgeschichte bleibt.

Über lateinisch cinnabaris gehört Zinnober zugleich in den Kreis der Fremdwörter aus dem Lateinischen.

Zinnober: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg des Wortes ins Deutsche

Zinnober gelangte über mehrere Sprachstufen ins Deutsche, bevor es die heutige Form annahm. Wo eine Quelle keine Zeitangabe nennt, bleibt die Zeitstufe ohne Datierung, statt eine ungenaue Zeit zu nennen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1sangarfPersisch (nur Wiktionary)ohne Datierung
2kinnabari, kinnabarisGriechisch (wohl orientalischer Herkunft)ohne Datierung
3cinnabarisLatein (roter mineralischer Farbstoff)ohne Datierung
4cenobreAltfranzösischohne Datierung
5zinoberMittelhochdeutschAnfang 13. Jahrhundert
6Zinnober (wertloser Kram)Deutsch, übertragene Bedeutungab dem frühen 20. Jahrhundert, besonders in der Sprache der Soldaten im Ersten Weltkrieg

Am Anfang der Kette steht griechisch kinnabari, eines der Fremdwörter aus dem Griechischen, dessen eigene Herkunft ungeklärt und wohl orientalisch ist. Das DWDS nennt ausdrücklich die Entlehnung aus dem Altfranzösischen als unmittelbaren Schritt ins Mittelhochdeutsche, während die Stufe davor, lateinisch cinnabaris, als mineralischer roter Farbstoff beschrieben wird. Die persische Wurzel sangarf dagegen steht nur im Wiktionary; das DWDS führt die Kette lediglich bis zum griechischen Wort zurück und bezeichnet dessen Herkunft als ungeklärt, wohl orientalisch, ohne die persische Form zu erwähnen. Dabei zeigen sich zwei leicht unterschiedliche Reichweiten: Das Wiktionary geht einen Schritt weiter zurück als das DWDS, ohne dass sich beide Angaben widersprechen, sie ergänzen sich lediglich an unterschiedlichen Stellen der Kette. Für die deutsche Form zinober bleibt in jedem Fall der altfranzösische Zwischenschritt cenobre entscheidend, über den das Wort schließlich Anfang des 13. Jahrhunderts ins Mittelhochdeutsche kam und von dort seinen Weg in die heutige Schreibweise Zinnober fand. Die übertragene Bedeutung entstand zudem erst viele Jahrhunderte später, lange nachdem sich die lautliche Form bereits gefestigt hatte, und beide Entwicklungen liegen zeitlich klar auseinander.

Deutungen zur Bedeutung Unsinn und ihre Vorbehalte

Während die Sprachkette von Zinnober gut belegt ist, bleibt offen, wie das Wort zur umgangssprachlichen Bedeutung wertloser Kram und Unsinn kam. Das DWDS nennt nach Pfeifer das Motiv für diesen Bedeutungswandel ausdrücklich nicht erkennbar und stellt dazu drei Möglichkeiten vor, allerdings jede davon nur als Frage, nicht als Erklärung. Ähnlich wie bei der Herkunft von Kokolores gilt auch für Zinnober im Sinn von Unsinn die Herkunft als ungeklärt, und auch der Duden formuliert für diese Bedeutung schlicht: Herkunft ungeklärt.

Die drei Fragen, die Pfeifer laut DWDS aufwirft, lauten der Reihe nach: Handelt es sich um eine spielerische Weiterbildung des in ähnlichem Sinn verwendeten Wortes Zimt? Klingt eine Erfahrung der Alchimisten an, die bei der Verbindung von Quecksilber mit Schwefel nicht Gold, sondern nur Zinnober erhielten? Oder ist an die frühere Gewohnheit zu denken, Hervorhebungen in Handschriften und Drucken mit Zinnoberrot vorzunehmen? Keine dieser drei Fragen wird von der Quelle beantwortet, und keine gilt als wahrscheinlicher als die anderen.

  • Zimt: eine spielerisch gebildete Parallele zu einem anderen umgangssprachlichen Unsinnswort, offen als Frage bei Pfeifer
  • Alchimisten: eine mögliche Anspielung auf das gescheiterte Ziel, aus Quecksilber und Schwefel Gold zu gewinnen, offen als Frage bei Pfeifer
  • Rote Hervorhebungen in Handschriften: ein möglicher Bezug auf die frühere Verwendung von Zinnoberrot zum Hervorheben von Textstellen, offen als Frage bei Pfeifer

Keine der drei Möglichkeiten gilt als gesichert. Das DWDS behandelt alle drei gleichrangig als denkbare Hintergründe, ohne eine Entscheidung zu treffen, und der Duden verzichtet sogar ganz auf eigene Vermutungen und nennt nur das Ergebnis: ungeklärt. Die Herkunft der Bedeutung Unsinn bleibt damit offen, auch wenn die lautliche Herkunft des Wortes Zinnober gut dokumentiert ist.

Verwandte Wörter und Varianten

Rund um Zinnober stehen mehrere verwandte Formen und Varianten, die in den Quellen jeweils einzeln belegt sind. Mittelhochdeutsch zinoberrot ist laut DWDS die Vorstufe des heutigen zinnoberrot, das denselben leuchtenden Rotton bezeichnet wie das Mineral selbst. Der Duden nennt zusätzlich eine österreichische Besonderheit: Dort wird das Wort mit dem Artikel das Zinnober verwendet, während es im übrigen deutschen Sprachraum maskulin ist, der Zinnober. Das Wiktionary führt daneben die feste Wendung Zinnober machen sowie den fachsprachlichen Mineralnamen Cinnabarit als weitere Bezeichnung für dasselbe Mineral.

Über lateinisch cinnabaris gehört Zinnober zu den Fremdwörtern aus dem Lateinischen, auch wenn es heute eingedeutscht wirkt und im alltäglichen Sprachgebrauch nicht mehr als Fremdwort empfunden wird. Für die Bedeutung Unsinn und wertloses Zeug nennen die Quellen mehrere nahe Synonyme, die ein ähnliches Bedeutungsfeld abdecken.

  • Blödsinn (Duden, als Synonym zu Zinnober in der Bedeutung Unsinn)
  • Dreck (Duden, als Synonym)
  • Fez (Duden, als Synonym)
  • Firlefanz (Duden, als Synonym)
  • Plunder (Wiktionary, als Synonym zu Zinnober in der Bedeutung unnötiges Zeug)

Diese Synonyme zeigen, dass Zinnober in seiner umgangssprachlichen Bedeutung in eine größere Gruppe ähnlicher Ausdrücke eingebettet ist, die alle etwas Wertloses, Unnötiges oder Unsinniges bezeichnen. Keine der Quellen macht dabei eine Aussage darüber, welches dieser Wörter im Alltag öfter vorkommt als ein anderes. Cinnabarit gilt als fachsprachlicher Mineralname für dasselbe Mineral, und das Zinnober ist die österreichische Artikelvariante des Wortes.

Gebrauch des Wortes heute

Zinnober wird heute in mindestens zwei klar unterscheidbaren Zusammenhängen verwendet. Zum einen bezeichnet es ganz sachlich ein Mineral und einen Farbton: das ziegelrote bis blauschwarze, quecksilberhaltige Gestein sowie die daraus gewonnene leuchtend gelblich rote Farbe. Zum anderen wird es salopp abwertend für wertlosen Kram, für unnötige Umstände oder für Aufheben um eine Sache verwendet. Der Duden führt dazu zwei eigene Beispiele an, sinngemäß wirf doch den ganzen Zinnober weg für die erste und rede nicht solchen Zinnober für die zweite abwertende Bedeutung. Grammatisch ist Zinnober im Deutschen maskulin, der Genitiv lautet des Zinnobers, einen Plural führt der Duden nicht.

Ein eigener Beispielsatz für die Mineral- und Farbbedeutung könnte lauten: Der Maler mischte für den Hintergrund des Bildes eine kräftige Zinnober-Farbe an. Für die abwertende Bedeutung Unsinn lassen sich ebenfalls eigene Sätze bilden, etwa: Nach dem dritten verschobenen Termin hatte sie genug von diesem ganzen Zinnober, oder: Lass den Zinnober und sag einfach, was wirklich passiert ist. Zinnober benennt je nach Satzzusammenhang einen konkreten Stoff beziehungsweise Farbton und daneben einen ganz anderen, abwertenden Sachverhalt, wobei der jeweilige Zusammenhang die gemeinte Bedeutung eindeutig macht.

Die altfranzösische Form cenobre macht Zinnober zugleich zu einem der Fremdwörter aus dem Französischen, auch wenn dieser Ursprung im heutigen Sprachgefühl kaum noch mitschwingt. Zinnober bezeichnet damit laut DWDS und Duden zugleich einen Stoff beziehungsweise Farbton und einen abwertenden Ausdruck für Unsinn oder wertloses Zeug.

Zinnober: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was an der Wortgeschichte offen bleibt

Mehrere Punkte der Wortgeschichte von Zinnober bleiben ungeklärt. Dazu gehören die Herkunft des griechischen Ausgangswortes und das Motiv für die Bedeutung wertloser Kram, so wie DWDS, Duden und Wiktionary sie jeweils als ungeklärt oder nicht erkennbar bezeichnen.

  • Die Herkunft des griechischen Wortes kinnabari ist laut DWDS ungeklärt, wohl orientalisch, eine genauere Ursprungssprache nennt die Quelle nicht
  • Das Motiv für die Entstehung der Bedeutung wertloser Kram ist laut Pfeifer im DWDS nicht erkennbar, die drei genannten Möglichkeiten bleiben ausdrücklich Fragen
  • Der Duden nennt die Herkunft der umgangssprachlichen Bedeutungen wertloses Zeug und Unsinn insgesamt ungeklärt, ohne eigene Deutung

Diese drei offenen Punkte betreffen unterschiedliche Stellen der Wortgeschichte: Der erste liegt ganz am Anfang der Kette, beim griechischen Ausgangswort selbst. Der zweite und dritte betreffen dagegen das jüngere Ende der Geschichte, nämlich die Frage, wie aus einem Mineral- und Farbnamen ein Ausdruck für Unsinn werden konnte. Zwischen diesen beiden unklaren Punkten liegt die Kette griechisch, lateinisch, altfranzösisch, mittelhochdeutsch, die als Weg des Wortes ins Deutsche gut belegt ist. Als Merksatz lässt sich festhalten: Die Kette griechisch, lateinisch, altfranzösisch, mittelhochdeutsch ist belegt, die Bedeutung Unsinn bleibt in ihrer Herkunft ungeklärt. Die Herkunft des griechischen kinnabari bleibt laut DWDS ungeklärt, und das Motiv für die Bedeutung wertloser Kram ist laut Pfeifer nicht erkennbar; weiter zurückreichende Erklärungen nennen die Quellen nicht.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Zinnober

Ist die Herkunft von Zinnober vollständig geklärt?

Nein, nur teilweise. Die Kette der Sprachen, aus denen das Wort stammt, gilt laut DWDS und Duden als belegt: mittelhochdeutsch zinober, altfranzösisch cenobre, lateinisch cinnabaris, griechisch kinnabari. Woher das griechische Wort selbst stammt, nennt das DWDS dagegen ungeklärt und vermutet einen orientalischen Ursprung. Auch die Entstehung der Bedeutung Unsinn bleibt laut DWDS und Duden offen.

Seit wann gibt es die Bedeutung Unsinn bei Zinnober?

Das DWDS nennt für die übertragene Bedeutung wertloser Kram und unsinniger Aufwand den Beginn des 20. Jahrhunderts, mit besonderer Verbreitung in der Soldatensprache seit dem Ersten Weltkrieg. Eine genauere Jahreszahl nennt die Quelle nicht, und auch das Motiv für diesen Bedeutungswandel bleibt laut DWDS nicht erkennbar.

Welche Rolle spielt das persische Wort sangarf?

Das Wiktionary nennt persisch sangarf als eine frühe Stufe in der Herkunftskette von Zinnober, vor der griechischen Form. Das DWDS nennt diese persische Stufe nicht und führt die Kette erst ab dem griechischen kinnabari, dessen eigene Herkunft es als ungeklärt, wohl orientalisch beschreibt. Die persische Stufe sangarf steht nur im Wiktionary, das DWDS beginnt die Kette beim griechischen kinnabari.

Ist Zinnober nur ein Mineral oder auch eine Farbe?

Beides. Laut DWDS und Duden bezeichnet Zinnober erstens ein ziegelrotes bis blauschwarzes, quecksilberhaltiges Mineral und zweitens einen leuchtend gelblich roten Farbton beziehungsweise Farbstoff. Daneben führen beide Wörterbücher eine dritte, salopp abwertende Bedeutung für wertloses Zeug oder unnötige Umstände.

Gibt es eine feste Wendung mit Zinnober?

Das Wiktionary nennt die Redewendung Zinnober machen. Sie knüpft an die Bedeutung unnötiges Zeug an und steht damit sinngemäß für übertriebenes Aufheben oder unnötige Umstände.

Warum nennen DWDS und Duden bei der Bedeutung Unsinn keine Erklärung?

Beide Wörterbücher stufen diesen Teil der Wortgeschichte als nicht belegt ein. Das DWDS formuliert bei Pfeifer drei Möglichkeiten ausdrücklich als offene Fragen, ohne eine davon als gesichert zu bezeichnen. Der Duden nennt für die umgangssprachlichen Bedeutungen schlicht die Herkunft ungeklärt, ohne eigene Vermutungen.

Wie unterscheidet sich Cinnabarit von Zinnober?

Das Wiktionary nennt Cinnabarit als Mineralnamen neben Zinnober. Cinnabarit ist laut Wiktionary ein weiterer Name für dasselbe Mineral wie Zinnober.

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