Woher stammt eigentlich das Wort Ziegel?

Ziegel: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 5. Oktober 2026 · Wortherkunft

Du fragst dich, warum der gebrannte Baustein Ziegel heißt. Die Antwort führt zu einem lateinischen Wort der römischen Bautechnik und zu einer Form, die schon im 9. Jahrhundert belegt ist.

Kurze Antwort: woher das Wort Ziegel kommt

Ziegel wurde aus lateinisch tegula entlehnt, das zu lateinisch tegere im Sinn von decken gehört; die althochdeutsche Form ziegal ist seit dem 9. Jahrhundert bezeugt. Diese Herleitung findest du so bei DWDS, Duden und Wiktionary: alle drei Quellen nennen lateinisch tegula als Ausgangspunkt. DWDS und Wiktionary nennen zusätzlich die althochdeutsche Form ziegal, ziegala für das 9. Jahrhundert, und der Duden stellt die Verbindung zu tegere ausdrücklich her. Wie die Fremdwörter aus dem Lateinischen stammt Ziegel von einem Wort der römischen Bautechnik, nämlich tegula, das im Sinn von (Dach)ziegel verwendet wurde. Im Lateinischen gehörte tegula zur Wortfamilie von tegere, decken, bedecken. Diese Grundbedeutung ist auch heute noch zu erkennen, wenn von einem Ziegeldach die Rede ist. Als das Wort ins Althochdeutsche entlehnt wurde, entstand aus tegula die Form ziegal, ziegala, und daraus entwickelte sich über das Mittelhochdeutsche das heutige Ziegel. Die Bedeutung hat sich dabei kaum verändert: Schon früh meinte das Wort einen Baustein, sei es für das Dach oder für die Mauer. Heute bezeichnet Ziegel den gebrannten Baustein aus Ton, umgangssprachlich auch Backstein genannt, der im Hausbau für Wände, Mauern und Dächer verwendet wird. Als Substantiv zeigt Ziegel, wie eng Wortgeschichte und Sachgeschichte miteinander verbunden sein können. Die drei genannten Quellen sind sich in diesem Kern einig, auch wenn sie unterschiedliche Details hinzufügen. Der Duden konzentriert sich auf die knappe Herkunftsangabe von mittelhochdeutsch ziegel über althochdeutsch ziegal zu lateinisch tegula und tegere. Das DWDS liefert nach Pfeifer zusätzliche Einzelheiten zu verwandten Formen in anderen Sprachen, etwa der Nebenform zigel und dem englischen tile. Das Wiktionary wiederum ordnet die Entlehnung zeitlich genauer ein und nennt das 9. Jahrhundert als Zeitpunkt, zu dem das lateinische Wort tegula ins Althochdeutsche entlehnt wurde. Insgesamt ergibt sich ein klares Bild: Ein Wort der antiken Bautechnik wanderte mit der Sache, die es bezeichnete, in die germanische Sprachgeschichte und blieb bis heute im Gebrauch.

Ziegel: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg ins Deutsche: von tegere zu Ziegel

Wie viele Lehnwörter im Deutschen kam Ziegel mit der Sache selbst, nämlich dem gebrannten Stein, zu den Germanen. Der Weg lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, die sich aus den Angaben von DWDS, Duden und Wiktionary ergeben.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1tegerelateinischohne Datierung
2tegulalateinischohne Datierung
3ziegal, ziegalaalthochdeutsch9. Jahrhundert
4ziegelmittelhochdeutschohne Datierung
5Ziegeldeutschheute

Nach DWDS, Duden und Wiktionary stammt das Wort aus dem Lateinischen: Das Substantiv tegula, das einen Dachziegel bezeichnete, gehört zur Verbform tegere, decken. Im Althochdeutschen wurde daraus ziegal, ziegala, und im Mittelhochdeutschen bezeichnete ziegel sowohl den Dachziegel als auch den Mauerziegel. Damit war die Bedeutung des Wortes schon früh breiter als nur das Dach betreffend. Das DWDS nennt daneben eine zweite althochdeutsche Form, zigel, die um 1100 belegt ist, sowie die englische Form tile als verwandte Form in einer anderen germanischen Sprache. Diese Formen werden im DWDS als eigene Entwicklungslinie genannt, die auf eine kurzvokalische Vorform des lateinischen tegula oder tegella zurückgeht, stehen aber neben der Hauptform ziegal und sind von ihr zu unterscheiden. Die Tabelle zeigt damit den Hauptpfad von der lateinischen Verbform über das lateinische Substantiv und die althochdeutsche Form bis zum heutigen Wort Ziegel. Auffällig ist, dass die Bedeutung über die Jahrhunderte stabil blieb: Es ging immer um einen gebrannten Baustein, zunächst für das Dach, später auch für die Mauer. Der Wandel von tegula zu ziegal zeigt, wie sich die Lautung beim Übergang ins Althochdeutsche änderte.

Was die Quellen sicher sagen und wo die Grenzen liegen

DWDS, Duden und Wiktionary stimmen in einem zentralen Punkt überein: Alle drei führen Ziegel auf lateinisch tegula zurück. Diese Übereinstimmung ist bemerkenswert, da die drei Nachschlagewerke unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der Duden nennt die Herkunft knapp und stellt die Kette mittelhochdeutsch ziegel, althochdeutsch ziegal, lateinisch tegula, tegere dar. Das DWDS liefert nach Pfeifer eine ausführlichere Darstellung mit zusätzlichen verwandten Formen. Das Wiktionary ordnet die Entlehnung ins Althochdeutsche zeitlich ein und nennt das 9. Jahrhundert. Ziegel steckt in Komposita wie Ziegeldach und Ziegelstein, die diese Grundbedeutung des Deckens und Bauens bis heute weitertragen. Ein Vorbehalt muss hier klar benannt werden: Eine weitere Herkunft von tegula über tegere hinaus ist nicht belegt. Woher das lateinische tegula selbst im Detail stammt, also welche vorlateinischen Wurzeln dahinterstehen könnten, ist in den vorliegenden Einträgen nicht Thema. Außerdem gelten die Jahrhundertangaben ausdrücklich nur für die althochdeutschen Formen und ihre direkten Ableitungen, nicht für das lateinische Ausgangswort selbst, dessen Alter in den Quellen nicht datiert wird. Die folgende Übersicht fasst zusammen, welche Angabe von welcher Quelle stammt:

  • Lateinisch tegula als Ursprungswort: von DWDS, Duden und Wiktionary genannt
  • Tegere im Sinn von decken als Wortfamilie: von DWDS und Duden genannt
  • Althochdeutsch ziegal im 9. Jahrhundert: von DWDS und Wiktionary genannt
  • Althochdeutsch zigel um 1100: nur vom DWDS genannt
  • Englisch tile als verwandte Form: nur vom DWDS genannt

Diese Aufstellung macht deutlich, dass der Kern der Herkunftsgeschichte, also die Ableitung von tegula und tegere, von allen drei Quellen getragen wird, während Detailangaben wie die Nebenform zigel oder die englische Parallelform nur in einer einzigen Quelle stehen. Der Grundpfad des Wortes vom Lateinischen zum Deutschen ist damit breit belegt, während einzelne Nebenformen des Wortes nur in einer Quelle genannt werden und entsprechend schmaler abgesichert sind.

Verwandte Wörter und Varianten rund um Ziegel

Rund um das Wort Ziegel hat sich im Deutschen eine ganze Wortfamilie gebildet. Auch die Wortbildung zeigt sich bei Ziegelei, einer Ableitung vom Wort Ziegel, die nach DWDS und Wiktionary den Betrieb bezeichnet, in dem Ziegel hergestellt werden. Das DWDS datiert Ziegelei auf den Anfang des 19. Jahrhunderts, mit einer niederdeutschen Vorform bereits im 18. Jahrhundert. Weitere Komposita sind Ziegeldach und ziegelrot, die beide das Grundwort Ziegel mit einem weiteren Bestandteil verbinden: Ziegeldach bezeichnet ein mit Ziegeln gedecktes Dach, ziegelrot die charakteristische Farbe gebrannter Ziegel. Besonders alt ist das Kompositum Ziegelstein: Das DWDS nennt die althochdeutsche Form ziegalstein bereits für das 9. Jahrhundert, also für dieselbe Zeit, in der auch die Grundform ziegal belegt ist. Das Wiktionary nennt für den gebrannten Baustein zudem die Synonyme Backstein, Ziegelstein und Dachziegel, die je nach Zusammenhang anstelle von Ziegel verwendet werden können. Als Unterbegriffe führt das Wiktionary Klinker, Lehmziegel und Hohlziegel an, die jeweils eine bestimmte Art von Ziegel bezeichnen. Die folgende Liste fasst die wichtigsten verwandten Wörter mit ihrer jeweiligen Quelle zusammen:

  • Ziegelei (DWDS)
  • Ziegeldach (DWDS, Wiktionary)
  • ziegelrot (DWDS)
  • Ziegelstein (DWDS, Wiktionary)
  • Dachziegel (Wiktionary)

Diese Wortfamilie zeigt, wie produktiv das Grundwort Ziegel im Deutschen geworden ist: Es dient als Grundlage für Berufsbezeichnungen des Ortes der Herstellung wie Ziegelei, für Farbbezeichnungen wie ziegelrot und für zahlreiche Zusammensetzungen, die bestimmte Arten oder Verwendungen des Ziegels benennen. Die Verbindung zur ursprünglichen Bedeutung des Deckens und Bauens bleibt dabei in vielen dieser Wörter erkennbar, etwa wenn ein Dach mit einem Ziegeldach gedeckt wird.

Ziegel im heutigen Sprachgebrauch

Nach DWDS und Duden ist Ziegel ein Substantiv, maskulin, mit dem Genitiv des Ziegels und dem Plural die Ziegel. Ziegel ist ein maskulines Substantiv mit gleich bleibender Pluralform, die für den gebrannten Baustein aus Ton verwendet wird, umgangssprachlich auch Backstein genannt. Diese Grundbedeutung lässt sich an einfachen Beispielsätzen zeigen: Der Maurer stapelt die Ziegel ordentlich auf der Baustelle. Für das neue Dach wurden rote Ziegel bestellt. Der alte Ziegel bröckelte an einer Ecke der Mauer. In all diesen Sätzen bezeichnet Ziegel den konkreten Baustein, der beim Hausbau für Wände, Mauern oder Dächer eingesetzt wird. Neben der Grundform Ziegel gibt es, wie das Wiktionary festhält, Unterbegriffe wie Klinker, Lehmziegel und Hohlziegel, die unterschiedliche Varianten des Ziegels benennen. Diese Unterbegriffe zeigen, dass das Grundwort Ziegel im heutigen Gebrauch als Oberbegriff für verschiedene Varianten des Bausteins dient. Die grammatische Form bleibt dabei stets gleich: Ziegel ist im Singular wie im Plural identisch geschrieben, lediglich der Artikel und die Begleitwörter ändern sich, der Ziegel in der Einzahl, die Ziegel in der Mehrzahl. Die Bedeutung des Wortes hat sich seit dem Mittelhochdeutschen kaum verändert: Ziegel bezeichnete schon damals den gebrannten Baustein für Dach und Mauer. Auch Zusammensetzungen wie Dachziegel, die unmittelbar aus der Grundbedeutung des Deckens hervorgehen, zeigen diese Kontinuität. Wer sich mit dem Wort Ziegel beschäftigt, trifft also auf einen Baustein, dessen Name und dessen Sache seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden sind, von der lateinischen Bautechnik bis zum heutigen Baustoff.

Ziegel: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was an der Herkunft offen bleibt

Trotz der klaren Grundlinie von lateinisch tegula zu althochdeutsch ziegal und dem heutigen Ziegel bleiben einige Fragen offen, die sich aus den vorliegenden Quellen nicht beantworten lassen. Die folgende Liste nennt drei solcher offenen Punkte:

  • Wann genau die Römer das Wort an die Germanen weitergaben, ist in DWDS, Duden und Wiktionary nicht belegt; die Angabe 9. Jahrhundert betrifft nur die Bezeugung der althochdeutschen Form, nicht den Zeitpunkt der Übernahme selbst.
  • Warum es neben der Form ziegal auch die Nebenform zigel gibt, erklärt das DWDS nur mit dem Hinweis auf kurzvokalische Vorformen des lateinischen tegula oder tegella, ohne diesen Unterschied weiter auszuführen.
  • Wie verbreitet die einzelnen Zusammensetzungen wie Ziegeldach, ziegelrot oder Ziegelstein im Vergleich zueinander sind, lässt sich aus DWDS, Duden und Wiktionary nicht entnehmen, da dort keine Häufigkeitsangaben stehen.

Der gesicherte Kern lautet: Aus lateinisch tegula wurde über althochdeutsch ziegal das heutige Ziegel, bezeugt im 9. Jahrhundert. Die genaue Zeit der Übernahme, die Erklärung der Nebenform zigel und die Verbreitung einzelner Komposita bleiben damit offen.

Quellen und Stand

Die Einordnung „Woher stammt eigentlich das Wort Ziegel?“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.

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Häufige Fragen zur Herkunft von Ziegel

Stammt das Wort Ziegel direkt aus dem Lateinischen?

Ja, nach DWDS, Duden und Wiktionary wurde Ziegel aus lateinisch tegula entlehnt, das zu lateinisch tegere im Sinn von decken gehört. Die althochdeutsche Form ziegal, ziegala ist seit dem 9. Jahrhundert bezeugt.

Was bedeutete tegula ursprünglich im Lateinischen?

Tegula bezeichnete im Lateinischen einen Dachziegel und gehört laut DWDS und Duden zur Wortfamilie von tegere, decken, bedecken. Diese Grundbedeutung des Deckens lebt in Komposita wie Ziegeldach bis heute fort.

Gibt es im Deutschen eine Nebenform zu ziegal?

Das DWDS nennt neben althochdeutsch ziegal die Form zigel, die um 1100 belegt ist und auf eine kurzvokalische Vorform des lateinischen tegula oder tegella zurückgeht. Diese Nebenform steht nur im DWDS, nicht bei Duden oder Wiktionary.

Welche Wortart hat Ziegel und wie wird es gebeugt?

Nach DWDS und Duden ist Ziegel ein Substantiv, maskulin, mit dem Genitiv des Ziegels und dem Plural die Ziegel. Singular und Plural unterscheiden sich dabei nur durch den Artikel, die Wortform bleibt gleich.

Was bedeutete mittelhochdeutsch ziegel?

Nach DWDS und Wiktionary bezeichnete mittelhochdeutsch ziegel sowohl den Dachziegel als auch den Mauerziegel. Die Bedeutung war damit bereits breiter als nur auf das Dach bezogen.

Welche zusammengesetzten Wörter gehören zu Ziegel?

Das DWDS und das Wiktionary nennen unter anderem Ziegelei, Ziegeldach, ziegelrot und Ziegelstein. Besonders alt ist Ziegelstein, dessen althochdeutsche Form ziegalstein bereits für das 9. Jahrhundert belegt ist.

Nennen die Quellen eine Herkunft von tegula vor dem Lateinischen?

Nein, weder DWDS noch Duden noch Wiktionary nennen eine weitere Herkunft von tegula über die Verbindung zu tegere hinaus. Eine vorlateinische Wurzel ist in den vorliegenden Einträgen nicht Thema.

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