Woher das Wort Apfelsine wirklich kommt
Apfelsine: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick
Apfelsine bedeutet eigentlich Apfel aus China. Das Wort kam über niederländisch appelsien und niederdeutsch Appelsina ins Hochdeutsche; die genaue Datierung der Einführung bleibt in den Wörterbüchern unterschiedlich.
Kurze Antwort: Woher kommt Apfelsine?
Apfelsine bedeutet eigentlich Apfel aus China und kam aus dem Niederdeutschen, älter niederländisch appelsina beziehungsweise appelsien, ins Hochdeutsche. Das DWDS nennt zu Anfang des 18. Jahrhunderts die niederdeutsche Form Apel de Sina und daneben Appelsina, abgeleitet von niederländisch appelsien. Der Duden formuliert es knapper: aus dem Niederdeutschen, aus älter niederländisch appelsina, eigentlich Apfel aus China. Beide Quellen stimmen in der Grundaussage überein, auch wenn die niederländische Form einmal als appelsien und einmal als appelsina erscheint. Zur Einordnung, wann die Frucht selbst nach Europa kam, hält das DWDS fest, dass die süße Frucht im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen aus China nach Europa gelangte, während die bittere Varietät, die Pomeranze, schon seit dem Mittelalter bekannt war. Diese Zeitangabe betrifft die Frucht, nicht das deutsche Wort selbst, das erst später in den Quellen belegt ist. Wie bei der Herkunft von Pumpernickel wird auch bei Apfelsine ein Name aus dem Niederdeutschen ins Hochdeutsche übernommen, wobei die genaue Lautform je nach Region schwankte. Apfel und Sina, der damals übliche deutsche Name für China, bilden zusammen das Grundmuster, aus dem sich die heutige Schreibung Apfelsine entwickelte. Die beiden Wörterbücher ergänzen sich dabei, ohne sich zu widersprechen, und liefern zusammen das Grundgerüst dieser Herkunftsgeschichte.
Apfelsine ist damit ein Beispiel für Lehnwörter im Deutschen, die aus dem Niederländischen und Niederdeutschen ins Hochdeutsche übernommen wurden.

Der Weg ins Deutsche: Stufen und Formen
Zwischen der Frucht und dem heutigen deutschen Wort liegen mehrere sprachliche Zwischenstufen. Die belegten Formen reichen von französisch pomme de Sine und pomme de Chine bis zum heutigen Apfelsine.
| Stufe | Form | Sprache | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | pomme de Sine, pomme de Chine | Französisch | zeitgenössisch, ohne genaue Datierung |
| 2 | China orange | Englisch | ohne genaue Datierung |
| 3 | appelsien beziehungsweise appelsina | Niederländisch | ohne genaue Datierung |
| 4 | Apel de Sina | Niederdeutsch | Anfang 18. Jahrhundert |
| 5 | Appelsina | Niederdeutsch | Anfang 18. Jahrhundert |
| 6 | Äpffelsina (Plural) | verhochdeutscht | Anfang 18. Jahrhundert |
| 7 | Apfelsine | Deutsch | setzt sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch |
Apfelsine zählt zu den Lehnwörtern im Deutschen, die aus dem Niederländischen und Niederdeutschen stammen. Sowohl das DWDS als auch das Wiktionary nennen Sina um 1700 als den damals üblichen deutschen Namen für China, was die Zwischenstufen Apel de Sina und Appelsina erklärt. Dabei verwenden die beiden Quellen unterschiedliche Schreibungen für die niederländische Vorform: Das DWDS schreibt appelsien, der Duden appelsina. appelsien und appelsina bezeichnen dieselbe niederländische Zwischenstufe, nur mit unterschiedlicher Schreibung je Wörterbuch. Die verhochdeutschte Pluralform Äpffelsina markiert den Übergang, bevor sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die bekannte Form Apfelsine durchsetzte, zunächst im Norddeutschen, dann auch im Mitteldeutschen.
Deutungen und Vorbehalte
DWDS, Duden und Wiktionary deuten Apfelsine als Apfel aus China und nennen dafür das Niederdeutsche beziehungsweise das Niederländische als Zwischenstationen. Diese Deutung bezieht sich auf die Wortteile Apfel und Sina und ist damit eine Deutung der Bestandteile, kein Beleg für einen einzelnen, genau beschriebenen Handelsweg der Frucht selbst. Die Wortteile Apfel und Sina zeigen, wie Komposita bei Fruchtnamen eine Herkunft verraten können, ohne dass damit jede Station des historischen Transports belegt wäre. Bei der Einführung der süßen Frucht nach Europa weichen die Quellen in der Genauigkeit voneinander ab: Das DWDS nennt das 16. Jahrhundert und China, das Wiktionary nennt um 1500 und Südchina.
- China als Namensgeber: Alle drei Quellen führen Apfelsine auf die Bedeutung Apfel aus China zurück.
- Weg über Niederdeutsch und Niederländisch: Alle drei Quellen beschreiben dieselbe Kette von Zwischenformen aus diesen beiden Sprachen.
- Verbreitung nord- und mitteldeutsch mit Orange im Süden: DWDS und Wiktionary beschreiben übereinstimmend, dass sich Apfelsine im Norden und in der Mitte durchsetzte, während im Süden Orange vorherrschend blieb.
Bei China gegenüber Südchina und beim Jahr 1500 gegenüber dem 16. Jahrhundert unterscheiden sich DWDS und Wiktionary in der Genauigkeit, ohne dass eine Quelle die andere Angabe widerlegt. Die Deutung der Wortteile bleibt davon unberührt: Apfel und Sina ergeben zusammen eine nachvollziehbare Bezeichnung, die auf das Herkunftsland der Frucht verweist, unabhängig davon, wie genau einzelne Transportwege beschrieben werden können.
Verwandte Wörter und Varianten
Apfelsine ist ein Substantiv im Femininum mit dem Plural Apfelsinen. Neben der heutigen Hauptform nennen die Quellen mehrere verwandte Wörter und ältere Varianten, die alle auf dieselbe Frucht verweisen. Dazu gehört zunächst Orange, das DWDS und Wiktionary als süddeutsche, österreichische und schweizerische Bezeichnung für dieselbe Frucht führen. Daneben stehen ältere, heute als veraltet gekennzeichnete Formen wie Chinaapfel, Sineser Apfel und Apfel von Sina, die dieselbe Wortteildeutung wie Apfelsine tragen, nur anders zusammengesetzt. Das DWDS nennt außerdem die Pomeranze als Bezeichnung für die bittere Orangenvarietät, die von der süßen Apfelsine zu unterscheiden ist.
- Apfelsinen, der Plural von Apfelsine
- Orange, als süddeutsche, österreichische und schweizerische Parallelform
- Chinaapfel, als veraltete Bezeichnung
- Sineser Apfel und Apfel von Sina, als weitere ältere Bezeichnungen
- Pomeranze, als Bezeichnung für die bittere Orangenvarietät
- Apfelsinenbaum, Apfelsinensaft und Apfelsinenschale, als Wortbildungen laut DWDS
Die drei letztgenannten Wortbildungen, Apfelsinenbaum, Apfelsinensaft und Apfelsinenschale, zeigen, wie das Grundwort Apfelsine mit weiteren Substantiven kombiniert wird, um Baum, Saft oder Schale der Frucht zu benennen. Solche Zusammensetzungen folgen demselben Bildungsmuster wie das Ursprungswort selbst, bei dem Apfel und Sina zusammengefügt wurden. Die Varianten Chinaapfel und Sineser Apfel greifen denselben Grundgedanken auf, nur mit Chinaapfel in umgekehrter Wortfolge und Sineser Apfel mit einem Adjektiv statt eines Kompositums. Apfel von Sina wiederum zeigt die Bestandteile noch als getrennte Wörter mit Präposition, bevor sie im eigentlichen Apfelsine zu einem einzigen Wort verschmolzen.
Gebrauch heute
Laut DWDS und Duden wird Apfelsine als weibliches Hauptwort geführt, mit dem Genitiv der Apfelsine und dem Plural die Apfelsinen. Beide Wörterbücher beschreiben die Bedeutung als rötlich gelbe beziehungsweise orangefarbene, kugelförmige Zitrusfrucht mit saftreichem Fruchtfleisch, sowie als Frucht des Apfelsinenbaums. Als Synonym nennen beide Quellen Orange. In der Praxis lässt sich das Wort in ganz unterschiedlichen Sätzen verwenden: Die Apfelsine liegt neben den Äpfeln im Obstkorb. Sie schält die Apfelsine und teilt sie in Spalten. Aus zwei Apfelsinen presst er sich am Morgen ein Glas Saft. Laut DWDS und Wiktionary ist die Form Apfelsine im Norddeutschen und im Mitteldeutschen verbreitet, während im Süddeutschen die Bezeichnung Orange vorherrschend bleibt. Diese regionale Verteilung erklärt, warum beide Wörter im heutigen Deutschen nebeneinander bestehen, je nachdem, aus welcher Sprachregion ein Sprecher oder eine Sprecherin kommt. Wie bei der Herkunft von Muckefuck zeigt eine Wortform etwas über den regionalen Gebrauch, und auch bei Apfelsine lässt sich an der Wortwahl ablesen, aus welchem Teil des deutschen Sprachgebiets ein Text stammt. Für den Alltag bedeutet das: Wer Apfelsine statt Orange schreibt oder sagt, verwendet damit die Form, die sich historisch zuerst im Norden und in der Mitte des deutschen Sprachgebiets durchgesetzt hat, auch wenn Orange im Süden bis heute gebräuchlich geblieben ist.

Was bleibt offen?
Bei Apfelsine bleiben einige Punkte unklar, auch wenn DWDS, Duden und Wiktionary in der Grundaussage übereinstimmen.
- Das genaue Jahr der Einführung der süßen Frucht nach Europa nennen die Quellen nicht: Das DWDS spricht vom 16. Jahrhundert, das Wiktionary von um 1500, eine genauere gemeinsame Jahreszahl lässt sich daraus nicht ableiten.
- Ob die Frucht aus China oder aus Südchina kam, geben die Quellen verschieden genau an: Das DWDS nennt nur China, das Wiktionary präzisiert auf Südchina.
- Wer den Namen Apfelsine beziehungsweise seine Vorformen im deutschen Sprachraum zuerst gebrauchte, steht in keiner der drei Quellen; die Wörterbücher nennen nur Zeiträume wie Anfang des 18. Jahrhunderts, keine einzelne Person oder einen einzelnen ersten Beleg.
Bei Apfelsine weichen die Quellen vor allem beim Jahr und beim Ort der Einführung sowie bei der ersten Verwendung des Namens voneinander ab: Apfel aus China über das Niederdeutsche und Niederländische ist in allen drei Quellen belegt, eine einheitliche Jahreszahl und ein erster Beleg aber nicht. Als Merksatz lässt sich festhalten: Apfel aus China, über niederländisch appelsien und niederdeutsch Appelsina zur Apfelsine.
Quellen und Stand
- DWDS: Apfelsine, Etymologie nach Pfeifer, Bedeutung: www.dwds.de (geprüft am 2026-10-02)
- Duden: Apfelsine, Rechtschreibung, Bedeutung, Herkunft: www.duden.de (geprüft am 2026-10-02)
- Wiktionary: Apfelsine, Herkunft, Bedeutungen: de.wiktionary.org (geprüft am 2026-10-02)
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