Woher das Wort Bagage wirklich stammt

Bagage Herkunft: woher das Wort kommt

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Wortherkunft

Bagage klingt französisch und ist es auch: Das Wort kam als Ausdruck für Heeresgepäck ins Deutsche und veränderte danach seine Bedeutung deutlich.

Die kurze Antwort auf die Frage nach der Herkunft

Bagage wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts als militärischer Ausdruck für Heeresgepäck aus dem Französischen übernommen. Nach dem DWDS geht das Wort über altfranzösisch bagage, das Reisegepäck bedeutete, auf altfranzösisch bagü zurück, ein Wort für Bündel oder Gepäck, dessen eigentliche Herkunft laut Wörterbuch nicht geklärt ist. Der Duden nennt eine ganz ähnliche Linie: Ursprünglich stand das Wort für Tross, kam aus französisch bagage und geht auf bagüs zurück, wobei auch hier die Herkunft als ungeklärt gilt. Beide Nachschlagewerke sind sich also einig, dass sich die Spur bis ins Französische zurückverfolgen lässt, der allerletzte Ursprung dahinter aber offenbleibt.

Heute trägt Bagage zwei Bedeutungen, die beide in den Wörterbüchern stehen. Zum einen bezeichnet es, als veraltet markiert, schlicht Reisegepäck. Zum anderen steht es, abwertend gebraucht, für eine Gruppe von Menschen, über die sich jemand ärgert. Bagage reiht sich neben andere Fremdwörter aus dem Französischen ein, deren genaue Geschichte sich jeweils eigens anhand von Wörterbuchangaben prüfen lässt. Wer die Geschichte des Wortes verstehen will, muss zwei Dinge trennen: die belegte Entlehnung aus dem Französischen am Ende des 16. Jahrhunderts und die spätere, nur im Deutschen entstandene abwertende Bedeutung. Diese Trennung hilft, die folgenden Abschnitte einzuordnen, die den Weg ins Deutsche, den Bedeutungswandel und den heutigen Gebrauch im Einzelnen zeigen.

Bagage: Herkunft des Wortes: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg von Bagage ins Deutsche

Der Weg von Bagage ins Deutsche lässt sich in mehreren Stufen nachzeichnen, die das DWDS und das Wiktionary jeweils für ihren Ausschnitt belegen. Am Anfang steht eine Form, die laut DWDS nur als Vergleich dient, nicht als gesicherte Vorstufe: mittellateinisch baga für Kasten oder Sack. Darauf folgt altfranzösisch bagü mit der Bedeutung Bündel oder Gepäck, aus der eine Kollektivableitung entstand: französisch bagage, zunächst mit der Bedeutung Reisegepäck. Diese Form wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts ins Deutsche übernommen und bezeichnete dort zunächst das Heeresgepäck. Als eines der Lehnwörter im Deutschen hat Bagage danach eine Bedeutung entwickelt, die es nur im Deutschen gibt, nämlich die spätere abwertende Bedeutung Gesindel. Die folgende Übersicht fasst die laut DWDS belegten Stufen zusammen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
Vergleichsformbaga (Kasten, Sack)Mittellateinischohne Datierung
Vorstufebagü (Bündel, Gepäck)Altfranzösischohne Datierung
Quellformbagage (Reisegepäck)FranzösischEnde 16. Jahrhundert
ÜbernahmeBagage (Heeresgepäck)DeutschEnde 16. Jahrhundert
AusweitungBagage (Tross)DeutschEnde 17. Jahrhundert
BedeutungswandelBagage (Gesindel)Deutsch18. Jahrhundert

Das DWDS weist zusätzlich auf Schreibweisen hin, die etwas über den Weg des Wortes verraten. Die anfangs bezeugte Schreibung Bagagie lässt demnach niederländische Vermittlung erkennen, während die häufig belegte Nebenform Pagaschi, auch Bagagi geschrieben, wohl aus der schweizerischen Volkssprache stammt. Wichtig ist dabei, dass diese Schweiz-Angabe nur für die Nebenform Pagaschi gilt und von den Wörterbüchern selbst nur vorsichtig, mit wohl, formuliert wird. Zur Herkunft hinter bagü sagen DWDS und Duden ausdrücklich, dass sie nicht geklärt ist. Formen wie altprovenzalisch baga oder mittellateinisch baga dienen laut DWDS lediglich als Vergleich und sind keine belegte Herleitung, auch wenn sie ähnlich klingen. Deshalb steht in der Tabelle an zwei Stellen ohne Datierung: Für die Vergleichsformen nennt keine Quelle eine Jahreszahl, und auch das Wiktionary datiert die Übernahme ins Deutsche nur allgemein auf das 16. Jahrhundert, ohne ein genaueres Jahr zu nennen.

Wie sich die Bedeutung verschoben hat

Die Bedeutung von Bagage hat sich über mehrere Jahrhunderte verschoben, und diese Entwicklung lässt sich an den Angaben von DWDS, Duden und Wiktionary gut nachvollziehen. Am Anfang stand die neutrale Bedeutung Reisegepäck, im militärischen Zusammenhang Heeresgepäck. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Begriff laut DWDS auf den Tross ausgeweitet: jene wenig angesehene Mannschaft, die das Gepäck begleitete. Aus dieser Ausweitung entstand im 18. Jahrhundert die Bedeutung Gesindel oder Pack, eine Bedeutung, die laut DWDS nur im Deutschen üblich wurde. Die folgende Liste ordnet diese Stufen den drei Quellen zu.

  • Reisegepäck beziehungsweise Heeresgepäck: laut DWDS die ursprüngliche, gegen Ende des 16. Jahrhunderts übernommene Bedeutung, laut Duden heute als veraltet markiert.
  • Tross: laut DWDS die gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstandene Ausweitung auf die das Gepäck begleitende Mannschaft.
  • Gesindel, Pack: laut DWDS die im 18. Jahrhundert entstandene, nur im Deutschen übliche Bedeutung; laut Duden eine Gruppe von Menschen, über die sich jemand ärgert.
  • Unbeliebte Gruppe: laut Wiktionary eine Gruppe von Personen, die wenig geschätzt werden, mit sinnverwandten Wörtern wie Gelichter, Gesindel, Pack und Pöbel.

Der Duden begründet die abwertende Bedeutung damit, dass der Tross früherer Heere einen schlechten Ruf hatte. Dieser schlechte Ruf übertrug sich demnach auf das Wort selbst. Dabei bleibt die Gepäck-Bedeutung laut Duden veraltet, während die Bedeutung Gruppe von Menschen als abwertend eingeordnet wird. Weitere Wörter aus dem Französischen stehen in der Fremdwörterliste. Wie häufig die eine oder andere Bedeutung heute vorkommt, geben die Wörterbücher nicht an.

Formen, Synonyme und Nebenformen

Rund um Bagage gibt es mehrere Formen, Synonyme und Nebenformen, die in den Wörterbüchern eigens aufgeführt werden. Grammatisch ist Bagage ein Substantiv im Femininum mit dem Genitiv der Bagage; der Plural lautet die Bagagen, wobei der Duden diesen Plural als selten kennzeichnet. Daneben führen die Quellen eine Reihe sinnverwandter Wörter und abweichender Schreibungen auf, die die folgende Liste zusammenfasst.

  • Formen: Genitiv der Bagage, Plural die Bagagen, laut Duden ein selten gebrauchter Plural.
  • Synonyme laut Duden: Bande, Brut, Clan, Clique, jeweils für die abwertende Bedeutung der Gruppe.
  • Synonyme laut Wiktionary: Gepäck und Tross für die ältere Bedeutung, sowie Gelichter, Gesindel, Pack und Pöbel für die abwertende Bedeutung.
  • Nebenformen laut DWDS: Bagagie, als Hinweis auf niederländische Vermittlung gelesen, und Pagaschi beziehungsweise Bagagi, wohl aus der schweizerischen Volkssprache.

Für die abwertende Bedeutung Gesindel gibt es weitere sinnverwandte Wörter, die sich über Synonyme kostenlos finden nachschlagen lassen. Das Wiktionary nennt außerdem eine österreichische Ausspracheform, mit Lautangaben wie bagaasch und im Plural bagaschn. Das ist jedoch nur eine Angabe zur Aussprache, aus ihr lässt sich keine eigene regionale Bedeutung ableiten: Die Wörterbücher verbinden mit dieser Lautform keine abweichende Bedeutung, sondern lediglich eine andere Betonung desselben Wortes.

Bagage im heutigen Sprachgebrauch

Im heutigen Sprachgebrauch lässt sich Bagage in eigenen Beispielsätzen zeigen, ohne dass dafür Zitate aus den Wörterbüchern nötig wären. In der veralteten Bedeutung Reisegepäck könnte ein Satz lauten: Die Reisenden verstauten ihre Bagage, wie man früher sagte, im Gepäckwagen. In der abwertenden Bedeutung ließe sich formulieren: Er wollte mit dieser Bagage nichts mehr zu tun haben. Im Plural, der laut Duden selten vorkommt, wäre denkbar: Mehrere Bagagen standen am Bahnsteig bereit. Ein viertes Beispiel zeigt beide Lesarten nebeneinander: Die alte Bagage zog mit dem Heer weiter, während eine Reisegruppe ihre eigene Bagage ebenfalls in Sicherheit brachte. Weitere Wortbedeutungen und Wortgeschichten lassen sich nachschlagen, wenn man über einzelne Begriffe wie diesen hinaus mehr über verwandte Wörter erfahren möchte.

Tabelle: Fall, Singular, Plural
FallSingularPlural
Nominativdie Bagagedie Bagagen
Genitivder Bagageder Bagagen
Akkusativdie Bagagedie Bagagen

Grammatisch ist Bagage, wie der Artikel die zeigt, ein feminines Substantiv. Der Plural die Bagagen wird laut Duden nur selten gebildet; der Singular deckt dabei laut Duden sowohl die Gepäck als auch die Gruppen-Bedeutung ab. Diese grammatischen Angaben gelten unabhängig davon, welche der beiden Bedeutungen gerade gemeint ist, weil der Duden-Eintrag beide Bedeutungen unter demselben Genus und derselben Flexion führt.

Bagage: Herkunft des Wortes: Prüfliste mit vier Punkten

Was die Quellen offenlassen

Bei der Herkunft von Bagage ist es wichtig, zwischen dem zu unterscheiden, was belegt ist, und dem, was offenbleibt. DWDS und Duden bezeichnen die Herkunft hinter französisch bagü beziehungsweise bagüs ausdrücklich als nicht geklärt. Der Duden nennt dabei keine einzige Jahreszahl für die Entlehnung, während das Wiktionary nur allgemein das 16. Jahrhundert angibt, ohne ein genaueres Datum zu nennen. Die Angabe zur Schweiz gilt außerdem nur für die Nebenform Pagaschi und wird selbst vom DWDS nur mit wohl, also vorsichtig, formuliert.

  • Belegt: die Entlehnung aus dem Französischen, die Bedeutung Heeresgepäck, die spätere Ausweitung auf den Tross und der Bedeutungswandel zu Gesindel.
  • Nicht belegt: der letzte Ursprung hinter französisch bagü beziehungsweise bagüs, den DWDS und Duden als ungeklärt bezeichnen.
  • Nicht belegt: eine genaue Verbreitung der Nebenformen Bagagie und Pagaschi über die vorsichtigen Hinweise der Wörterbücher hinaus.

Als Substantiv ist Bagage feminin und bildet nur selten einen Plural, das lässt sich eindeutig aus dem Duden ablesen. Wer mehr möchte als diese belegten Punkte, etwa eine endgültige Antwort auf die Frage, woher bagü selbst stammt, findet dazu in keiner der drei Quellen eine Antwort. Als Merksatz bleibt: Der Weg von Bagage ins Deutsche ist über das Französische klar nachgezeichnet, der allerletzte Ursprung des Wortes davor bleibt dagegen offen.

Quellen und Stand

Das Thema „Woher das Wort Bagage wirklich stammt“ wird hier als Gesamtzusammenhang aufgegriffen.

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Häufige Fragen zur Herkunft von Bagage

Ist Bagage ursprünglich ein deutsches oder ein französisches Wort?

Laut DWDS wurde Bagage gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus altfranzösisch bagage übernommen, das selbst von altfranzösisch bagü abstammt. Der Duden bestätigt diese Linie und nennt ebenfalls französisch bagage als Quelle. Das Wort kam also als militärischer Ausdruck für Heeresgepäck aus dem Französischen ins Deutsche, auch wenn die Herkunft hinter dem französischen bagü laut beiden Quellen nicht geklärt ist.

Warum trägt Bagage heute eine abwertende Bedeutung?

Der Duden führt die abwertende Bedeutung Gruppe von Menschen, über die sich jemand ärgert, auf den schlechten Ruf zurück, den der Tross früherer Heere hatte. Laut DWDS wurde der Begriff gegen Ende des 17. Jahrhunderts auf diesen Tross ausgeweitet, bevor sich im 18. Jahrhundert die nur im Deutschen übliche Bedeutung Gesindel entwickelte.

Welches grammatische Geschlecht hat das Wort Bagage?

Bagage ist laut Duden ein feminines Substantiv mit dem Genitiv der Bagage. Der Plural lautet die Bagagen, wird nach Angabe des Duden aber nur selten gebildet.

Was hat es mit der Nebenform Pagaschi auf sich?

Das DWDS nennt Pagaschi, auch Bagagi geschrieben, als häufig belegte Nebenform zu Bagage. Diese Form stammt laut DWDS wohl aus der schweizerischen Volkssprache, während die Schreibung Bagagie dort als Hinweis auf niederländische Vermittlung gedeutet wird.

Gilt die Bedeutung Reisegepäck für Bagage heute noch?

Der Duden führt diese Bedeutung ausdrücklich als veraltet. Das Wort stand ursprünglich für Reisegepäck beziehungsweise, im militärischen Zusammenhang nach dem DWDS, für Heeresgepäck, wird in diesem Sinn heute laut Duden aber nicht mehr als zeitgemäß eingestuft.

Lässt sich die Herkunft hinter dem französischen bagü klären?

Nein. Sowohl das DWDS als auch der Duden bezeichnen die weitere Herkunft hinter altfranzösisch bagü beziehungsweise bagüs ausdrücklich als nicht geklärt. Wer dazu mehr wissen will, als die Wörterbücher hergeben, müsste eine eigene sprachhistorische Untersuchung der vorhandenen Quellen vornehmen.

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