Woher das Wort Bilanz tatsächlich stammt

Bilanz: Herkunft und Wortgeschichte im Überblick

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026 · Wortherkunft

Wer sich fragt, woher der Begriff für den Rechnungsabschluss kommt, findet die Antwort im Bild einer Waage.

Die kurze Antwort

Bilanz geht über italienisch bilancio oder bilancia auf lateinisch bilanx zurück, eine Waage mit zwei Waagschalen. Das DWDS nennt nach Pfeifer italienisch bilancio, das auf spätlateinisch bilanx zurückgeht, verstanden als Waage mit zwei Waagschalen. Der Duden führt ebenfalls italienisch bilancio an, als Gleichgewicht der Waage, und verbindet das Wort mit bilanciare und mit bilancia, der Waage selbst. Das Wiktionary nennt dagegen italienisch bilancia als unmittelbare Vorform und datiert die Entlehnung ins Deutsche auf das 15. Jahrhundert, wobei es lateinisch bilanx dort als ausgeglichen deutet. Der Weg führt über eine italienische Form zu einem lateinischen Wort für eine Waage. Im Kern beschreibt Bilanz eine Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben oder von Vermögen und Schulden, so wie eine Waage zwei Seiten gegeneinander abwägt. Dieses Bild der Waage, bei der zwei Schalen miteinander verglichen werden, ist der gemeinsame Nenner aller drei Herkunftsangaben. Zum Vergleich: Herkunft von Dollar. Das Wort Bilanz bezeichnet den Abschluss, der Vermögenswerte und Schulden gegenüberstellt, ganz im Sinne der ursprünglichen Waage. Die unterschiedlichen Angaben der Quellen zu bilancio und bilancia zeigen, dass die genaue italienische Zwischenstufe nicht einheitlich benannt wird, auch wenn alle drei Werke denselben lateinischen Kern erkennen. Damit ist der Kern der Wortgeschichte klar umrissen, auch wenn DWDS und Wiktionary die genaue Zeit der Einbürgerung im Deutschen unterschiedlich angeben.

Bilanz: Herkunft und Wortgeschichte: der Ablauf in drei Schritten

Der Weg des Wortes ins Deutsche

Der Weg von Bilanz ins Deutsche lässt sich über mehrere Stufen nachzeichnen, die in den Quellen unterschiedlich genau datiert sind. Lateinisch bilanx (Waage mit zwei Waagschalen nach DWDS, ausgeglichen nach Wiktionary) bildet den Ausgangspunkt. Wann diese Stufe entstand, ist nicht datiert. Zu lateinisch bilanx siehe auch Fremdwörter aus dem Lateinischen.

Tabelle: Stufe, Form, Sprache, Zeit
StufeFormSpracheZeit
1bilanxlateinischohne Datierung
2bilanciaitalienischohne Datierung
3bilancioitalienischohne Datierung
4balanc, balancaoberdeutschEnde des 15. Jahrhunderts, vereinzelt
5Bilanzdeutschseit Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisbar, nach Wiktionary bereits 15. Jahrhundert

Hinter allen Stufen steht das Bild der Waage, bei der beide Seiten gegeneinander abgewogen werden und im Idealfall ausgeglichen sind. Das DWDS hält fest, dass das Wort im 16. und 17. Jahrhundert häufig männlich oder sächlich verwendet wurde, bevor sich das Femininum im 18. Jahrhundert durchsetzte. Nach dem DWDS gibt es zum Geschlecht sowie zu balanc, balanca und spanisch balanza Hinweise, dazu einen vereinzelten Nachweis in oberdeutschen Geschäftsbriefen. Die Duden-Herkunft reicht über bilancio und bilanciare bis lateinisch bilanx. Damit ergibt sich ein Bild, in dem der Kern der Wortgeschichte, nämlich der Übergang vom Lateinischen über das Italienische ins Deutsche, von allen drei Quellen getragen wird, während die genauen Zwischenschritte wie die oberdeutschen Formen und das spanische Vorbild beim DWDS genannt werden.

Was gesichert ist und was offenbleibt

DWDS, Duden und Wiktionary führen Bilanz übereinstimmend über eine italienische Form auf lateinisch bilanx zurück, sodass dieser Kernweg als gesichert gelten kann. Alle führen auf denselben lateinischen Ursprung. Ein klarer Vorbehalt betrifft die Datierung: Das DWDS nennt die Mitte des 16. Jahrhunderts als Zeitpunkt, zu dem Bilanz im Deutschen nachweisbar ist, verweist aber auch auf vereinzelte Belege vom Ende des 15. Jahrhunderts. Das Wiktionary setzt die Entlehnung dagegen bereits ins 15. Jahrhundert. Wann das Wort im Deutschen tatsächlich aufkam, ist nicht geklärt, die beiden Quellen setzen hier unterschiedliche Zeitpunkte an. Auch die Deutung von lateinisch bilanx fällt unterschiedlich aus: Das DWDS beschreibt eine Waage mit zwei Waagschalen, das Wiktionary dagegen den Zustand ausgeglichen. Das weibliche Geschlecht setzte sich nach der Angabe des DWDS zu balance offenbar unter dem Einfluss des Französischen durch (siehe Fremdwörter aus dem Französischen). Auch die italienische Zwischenform wird nicht einheitlich benannt, DWDS und Duden nennen bilancio, das Wiktionary dagegen bilancia.

  • Lateinisch bilanx als gemeinsamer Ursprung (DWDS, Duden, Wiktionary)
  • Italienisch bilancio oder bilancia als Zwischenstufe (DWDS, Duden, Wiktionary)
  • Oberdeutsch balanc als vereinzelte frühe Form (DWDS)
  • Spanisch balanza als wohl mögliches Vorbild (DWDS, mit wohl)
  • 15. oder 16. Jahrhundert als Zeitpunkt der Einbürgerung (DWDS, Wiktionary, mit unterschiedlichen Angaben)

Der grobe Weg des Wortes über Italienisch zu lateinisch bilanx gilt in allen drei Quellen als gesichert, während das genaue Jahrhundert der Einbürgerung und die exakte Bedeutung von bilanx offen bleiben.

Verwandte Wörter und Formen

Zu Bilanz gehören im Deutschen mehrere grammatische Formen und ein verwandtes Verb. DWDS und Duden nennen den Genitiv der Bilanz und den Plural die Bilanzen als reguläre Formen des weiblichen Substantivs. Das Verb bilanzieren ist laut DWDS seit Anfang des 17. Jahrhunderts belegt und geht auf italienisch bilanciare zurück, das abwägen oder prüfen bedeutet. Bilanz und bilanzieren stammen aus dem Italienischen, siehe auch Lehnwörter. Das Wiktionary nennt für Bilanz mehrere Bedeutungen: eine jährliche Auflistung von Vermögen und Schulden, das Verhältnis oder die Differenz zweier Werte sowie einen Überblick über etwas Voraufgegangenes. Der Duden ergänzt dazu die übertragene Bedeutung von Ergebnis oder Fazit, die über den rein kaufmännischen Gebrauch hinausgeht.

  • Bilanzen (DWDS, Duden): Plural des Substantivs
  • bilanzieren (DWDS): Verb, seit Anfang des 17. Jahrhunderts belegt
  • der Bilanz (DWDS, Duden): Genitivform
  • Fazit, Ergebnis (Duden): übertragene Bedeutung von Bilanz

Das Verb bilanzieren setzt die Handlung fort, die im Substantiv Bilanz als Ergebnis beschrieben wird, nämlich zwei Seiten miteinander zu vergleichen und daraus eine Aussage zu gewinnen. Die übertragene Verwendung im Sinne von Fazit, wie sie der Duden nennt, führt das ursprüngliche Bild der Waage in einen allgemeineren sprachlichen Gebrauch über, der nicht mehr nur den kaufmännischen Rechnungsabschluss betrifft, sondern auch eine zusammenfassende Betrachtung beliebiger Sachverhalte meinen kann. So bleibt das Bild des Abwägens und Gegenüberstellens über alle verwandten Formen hinweg erhalten, von der ursprünglichen lateinischen Waage bis zum heutigen übertragenen Gebrauch.

Gebrauch des Wortes heute

Bilanz ist im heutigen Deutschen ein weibliches Substantiv: die Bilanz, der Bilanz, die Bilanzen, so wie es DWDS und Duden übereinstimmend führen. Der Duden beschreibt die Bedeutung als abschließende Gegenüberstellung von Aktiva und Passiva, von Einnahmen und Ausgaben oder von Vermögen und Schulden, besonders bezogen auf das abgelaufene Geschäftsjahr. Daneben nennt der Duden eine übertragene Bedeutung im Sinne von Ergebnis oder Fazit. Die Wortherkunft von Bilanz führt von einer Waage mit zwei Schalen zum Jahresabschluss, den Unternehmen am Ende eines Geschäftsjahres erstellen. Ein Beispielsatz für den kaufmännischen Gebrauch könnte lauten: Das Unternehmen veröffentlichte seine Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr. Im übertragenen Sinn lässt sich das Wort auch außerhalb der Buchhaltung verwenden, etwa in einem Satz wie: Nach zehn Jahren zog sie eine persönliche Bilanz ihrer Entscheidungen. Das Verb bilanzieren zeigt sich in einem Satz wie: Die Abteilung bilanziert am Ende jedes Quartals ihre Ausgaben. In allen drei Beispielen steckt noch das ursprüngliche Bild der Waage, bei der zwei Seiten gegeneinander abgewogen werden, auch wenn die Waage selbst im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr sichtbar ist. Wer das Wort Bilanz verwendet, stellt damit implizit zwei Größen gegenüber, seien es Vermögenswerte und Schulden in der Buchhaltung oder Erfahrungen und Entscheidungen im übertragenen Gebrauch. Diese Doppelstruktur aus zwei zu vergleichenden Seiten ist das sprachliche Erbe der lateinischen Waage mit zwei Waagschalen, das über italienische Zwischenformen bis in den heutigen Sprachgebrauch reicht und sowohl im engen kaufmännischen als auch im weiteren übertragenen Sinn fortlebt.

Bilanz: Herkunft und Wortgeschichte: Prüfliste mit vier Punkten

Was offen bleibt

Mehrere Punkte zur Herkunft von Bilanz sind nicht geklärt. Ob Bilanz bereits im 15. Jahrhundert im Deutschen gebräuchlich war oder erst Mitte des 16. Jahrhunderts, ist offen, da DWDS und Wiktionary hier unterschiedliche Zeitpunkte nennen. Ob lateinisch bilanx ursprünglich Waage oder vielmehr ausgeglichen bedeutete, wird von DWDS und Wiktionary verschieden beschrieben, sodass die genaue Bedeutung des lateinischen Ausgangswortes offen ist. Ob das spanische balanza tatsächlich als Vorbild für die oberdeutsche Form balanc diente, nennt allein das DWDS, und zwar nur mit der Einschränkung wohl, was diese Verbindung selbst als unsicher kennzeichnet.

  • Ob Bilanz schon im 15. Jahrhundert im Deutschen üblich war oder erst Mitte des 16. Jahrhunderts, ist nicht geklärt
  • Ob lateinisch bilanx Waage oder ausgeglichen bedeutet, wird unterschiedlich beschrieben
  • Ob spanisch balanza wirklich Vorbild für balanc war, bleibt mit wohl unsicher

Der gesicherte Kern der Wortgeschichte lässt sich als Merksatz fassen: aus lateinisch bilanx über italienisch bilancio oder bilancia zu Bilanz. Dieser Weg wird von allen drei Quellen getragen, auch wenn Zeitpunkt, Bedeutung von bilanx und die genaue Zwischenstufe nicht abschließend geklärt sind.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur Herkunft von Bilanz

Welche Bedeutung hatte das lateinische Wort bilanx?

Das DWDS beschreibt bilanx als Waage mit zwei Waagschalen, während das Wiktionary es als ausgeglichen deutet.

War Bilanz im Deutschen zuerst männlich oder weiblich?

Laut DWDS war das Wort im 16. und 17. Jahrhundert häufig männlich oder sächlich. Das Femininum setzte sich erst im 18. Jahrhundert durch, offenbar unter dem Einfluss von französisch balance.

Welche italienische Form steht hinter Bilanz?

DWDS und Duden nennen italienisch bilancio als Zwischenstufe, das Wiktionary dagegen bilancia. Beide Formen führen die Quellen auf lateinisch bilanx zurück.

Gibt es ein Verb, das zu Bilanz gehört?

Ja, das DWDS führt das Verb bilanzieren an, das seit Anfang des 17. Jahrhunderts vorkommt und auf italienisch bilanciare zurückgeht, was abwägen oder prüfen bedeutet.

Welche Rolle spielt Spanisch bei der Wortgeschichte?

Das DWDS nennt spanisch balanza als wohl mögliches Vorbild für die frühe oberdeutsche Form balanc, die Ende des 15. Jahrhunderts vereinzelt in Geschäftsbriefen belegt ist. Diese Verbindung wird nur mit der Einschränkung wohl genannt.

Welche übertragene Bedeutung kann Bilanz annehmen?

Der Duden nennt neben der kaufmännischen Bedeutung auch eine übertragene Verwendung im Sinne von Ergebnis oder Fazit, die über den Rechnungsabschluss hinausgeht.

Welche Pluralform hat Bilanz?

DWDS und Duden führen übereinstimmend die Bilanzen als Pluralform des weiblichen Substantivs die Bilanz an.

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