Darfst du in wörtlichen Zitaten gendern?

Gendern in Zitaten: So gehst du mit wörtlichen Zitaten um

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2026 · Gendern in der wissenschaftlichen Arbeit

Wörtliche Zitate werden nicht gegendert, und dein eigener Text kann trotzdem gendersensibel bleiben. Entscheidend ist, wo du die Genderfrage ansetzt: am Originaltext nicht, am Satz um das Zitat herum schon.

Warum ein wörtliches Zitat unverändert bleibt

Ein wörtliches Zitat gibst du so wieder, wie es im Original steht. Das gilt auch dann, wenn der Originaltext ein generisches Maskulinum enthält und du selbst gendersensibel schreibst. Die Hochschule Osnabrück (Learning Center, Toolbox ohne Datumsangabe) hält in ihrem Dokument zum gendersensiblen Formulieren fest, dass Gendern direkte Zitate nicht verändern darf. Wer ein wörtliches Zitat umformuliert, um es zu gendern, verändert also die Quelle selbst. Die Genderfrage verschiebt sich dadurch in den eigenen Text rund um das Zitat, und genau dort bleibt sie beweglich.

Auch die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen kommt in ihrem Leitfaden Gendersensibilität in Wort und Bild aus dem Jahr 2016 zu diesem Ergebnis. Direkte Zitate folgen dem Wortlaut der Vorlage und passen sich nicht geschlechtergerecht an. Die Universität Leipzig nimmt im Schreibportal zum Gendern wörtliche Zitate von der einheitlichen Schreibweise aus, die sie für den eigenen Text nahelegt. Der Text bleibt dort in der Form erhalten, die er im Original hat. Die Aussage gilt jeweils für das genannte Dokument und nicht automatisch für andere Hochschulen.

Für deinen eigenen Text kannst du die gewählte Genderform im Gender-Hinweis für die Hausarbeit festhalten. Dort ergänzt du, dass wörtlich übernommene Zitate unverändert bleiben und nicht an die gewählte Form angepasst werden. Das verbindet beide Ebenen, den eigenen Text und das Zitat, ohne dass du eine Regel erfindest. Die Formen, die unter dem Stichwort Gendergerechte Sprache zusammengefasst werden, bieten dir Bausteine für die Sätze um das Zitat herum, während der Originaltext selbst unangetastet bleibt.

Gendern in Zitaten: der Ablauf in drei Schritten

Wann [sic] bei generischem Maskulinum passt

Die Antwort hängt davon ab, welche Stelle die Vorgabe macht. Die Hochschule Osnabrück sagt im Learning Center, dass [sic!] nicht zur Kennzeichnung fehlender Gendersprache gedacht ist, weil es zum Gendern keine bindenden Vorgaben gibt. Osnabrück stellt damit ausdrücklich den Rechtschreibfehler dem fehlenden Gendern gegenüber. Diese Trennung ist für dich wichtig, weil sie festlegt, ob du an einer Stelle im Zitat überhaupt [sic] setzt.

Anders geregelt ist der Umgang bei der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Richtlinien Bibliografieren und Zitieren der Abteilung Diversitätsforschung, die sich an APA 7. Auflage orientieren, legen fest, dass der Text genau wiedergegeben wird, auch wenn er fehlerhaft ist. Unmittelbar hinter der fehlerhaften Stelle fügst du [sic] ein, damit Missverständnisse durch Fehler des Originals vermieden werden. Zum Gendern äußern sich diese Richtlinien nicht, sodass die Regel sich auf Fehler bezieht und nicht auf geschlechtergerechte Formulierungen.

Die folgende Übersicht enthält drei erfundene Beispiele, keine Zitate aus einer Quelle. Mit ihr vollziehst du die Unterscheidung nach.

Tabelle: Situation, Umgang, Beleg
SituationUmgangBeleg
Rechtschreibfehler im Original (Beispiel: erfundenes Zitat mit falscher Schreibung)[sic] unmittelbar hinter der fehlerhaften Stelle setzenDeutsche Sporthochschule Köln, Richtlinien Bibliografieren und Zitieren
generisches Maskulinum im Original (Beispiel: erfundener Satz mit einer Berufsbezeichnung im Maskulinum)Kein [sic] setzen, weil Osnabrück es für fehlende Gendersprache nicht vorsieht; das Zitat unverändert lassenHochschule Osnabrück, Learning Center, Dokument zum gendersensiblen Formulieren
eigene Ergänzung (Beispiel: erfundener Zusatz des Verfassers)Zusatz in eckige Klammern setzen, damit er vom Original unterscheidbar istDeutsche Sporthochschule Köln, Richtlinien Bibliografieren und Zitieren

Die Aussage zum Gendern gilt nur für die genannte Hochschule, nämlich Osnabrück. Für andere Lehrstühle prüfst du die Vorgabe und fragst bei Bedarf nach, bevor du [sic] bei generischem Maskulinum setzt. Auf der Seite zur Bedeutung von sic beim Zitieren liest du nach, wann und wie [sic] gesetzt wird.

Schritt für Schritt mit dem Zitat umgehen

Die folgende Reihenfolge hilft dir, ein wörtliches Zitat in einen Text einzubauen, der um das Zitat herum gendersensibel bleibt. Die Universität Leipzig empfiehlt, die gewählte Form im eigenen Text konsequent umzusetzen, und nimmt wörtliche Zitate davon ausdrücklich aus. Halte dich Schritt für Schritt daran und prüfe am Ende, ob jeder eigene Satz zu deiner gewählten Form passt.

  1. Prüfe, ob das Zitat wirklich wörtlich nötig ist.
  2. Übernimm das Zitat unverändert, auch wenn darin ein generisches Maskulinum steht.
  3. Formuliere einen eigenen Satz davor oder danach gendersensibel.
  4. Paraphrasiere alternativ die Stelle, wenn das Zitat nicht nötig ist.
  5. Setze den Beleg zum Zitat.
  6. Behalte die gewählte Schreibweise im Rest der Arbeit bei.

Der Satz vor oder nach dem Zitat ist der Ort, an dem du gendersensibel formulierst. Auf der Seite zum Thema Generisches Maskulinum liest du nach, was der Begriff meint, und das hilft dir, den Satz präzise zu fassen, der das Zitat einleitet. Notiere den Beleg direkt beim Zitat, damit du ihn beim Überarbeiten nicht suchen musst. Eine Paraphrase ist möglich, muss aber als indirektes Zitat gekennzeichnet sein, damit klar bleibt, dass der Wortlaut nicht übernommen wurde.

Wenn du dich an diese Reihenfolge hältst, bleibt die Schreibweise im Rest der Arbeit einheitlich und das Zitat unverändert. Prüfe am Ende den gesamten Text auf Stellen, an denen du von deiner gewählten Form abweichst, und korrigiere nur den eigenen Text, nie das Zitat.

Gendern in Zitaten: Prüfliste mit vier Punkten

Was du tust, wenn Vorgaben fehlen

Fehlt eine Vorgabe für deinen Lehrstuhl, beginnt der Weg bei der betreuenden Person. Die Hochschule Osnabrück empfiehlt gendersensible Sprache, schreibt sie aber nicht vor und rät, Lehrende vorab nach Präferenzen zu fragen. Dieser Rat betrifft die eigene Formulierung. Die Auskunft deiner Hochschule prüfst du zusätzlich in den offiziellen Unterlagen. Auf die Frage, wie du das Zitat einbindest, passt der Blick auf die Regeln für Zitate, weil es dort darum geht, wie direkt und indirekt zitiert wird.

Als Vorschlag, nicht als belegte Pflicht, kannst du in einer kurzen Fußnote oder einem Satz im Vorwort erklären, dass Zitate unverändert übernommen wurden. Ein solcher Satz zeigt, dass du den Umgang mit dem Original bewusst gewählt hast. Ob dein Fachbereich einen solchen Satz wünscht, klärst du mit der betreuenden Person, bevor du ihn formulierst.

Stand der Angaben ist der 6. Oktober 2026. Vorgaben einzelner Hochschulen können sich ändern, deshalb prüfst du den aktuellen Stand vor der Abgabe in den offiziellen Unterlagen deiner Hochschule. Der Leitfaden der Hochschule Nürtingen-Geislingen stammt aus dem Jahr 2016, die Toolbox aus Osnabrück trägt kein Datum, und das Schreibportal aus Leipzig wurde am 6. Oktober 2026 abgerufen.

Quellen und Stand

Soll jemand deine Arbeit vor der Abgabe noch auf Rechtschreibung, Ausdruck und Formatierung prüfen?

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Häufige Fragen zum Gendern in wörtlichen Zitaten

Darfst du ein wörtliches Zitat gendern?

Das Zitat selbst wird nicht gegendert. Die Hochschule Osnabrück (Learning Center, Toolbox ohne Datumsangabe) hält fest, dass Gendern direkte Zitate nicht verändern darf. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen nennt in ihrem Leitfaden Gendersensibilität in Wort und Bild aus dem Jahr 2016 direkte Zitate originaltreu, und die Universität Leipzig nimmt im Schreibportal zum Gendern wörtliche Zitate von der einheitlichen Schreibweise aus. Diese Aussagen beziehen sich auf die genannten Stellen und gelten nicht automatisch für andere Hochschulen.

Darfst du [sic] bei generischem Maskulinum setzen?

Die Hochschule Osnabrück sagt im Learning Center, dass [sic!] nicht zur Kennzeichnung fehlender Gendersprache gedacht ist, weil es zum Gendern keine bindenden Vorgaben gibt. Die Deutsche Sporthochschule Köln setzt [sic] bei fehlerhaften Stellen laut ihren Richtlinien Bibliografieren und Zitieren der Abteilung Diversitätsforschung, sagt dort aber nichts zum Gendern. Die Antwort gilt damit für die genannte Hochschule. Bei anderen Lehrstühlen fragst du nach.

Gilt die Regel der Hochschule Osnabrück an allen Hochschulen?

Nein. Die Aussage zum Gendern stammt aus dem Dokument Gendersensibel formulieren des Learning Centers der Hochschule Osnabrück und gilt für diese Hochschule. Für deinen Lehrstuhl prüfst du die Vorgabe deiner Hochschule und fragst nach, bevor du [sic] setzt.

Was tust du, wenn keine Vorgabe vorliegt?

Die Hochschule Osnabrück empfiehlt gendersensible Sprache, schreibt sie aber nicht vor und rät, Lehrende vorab nach Präferenzen zu fragen. Als Vorschlag, nicht als belegte Pflicht, kannst du eine kurze Fußnote oder einen Satz im Vorwort setzen, der erklärt, dass Zitate unverändert übernommen wurden.

Darfst du ein Zitat paraphrasieren?

Eine Paraphrase ist möglich, sie muss aber als indirektes Zitat gekennzeichnet sein. Die Universität Leipzig empfiehlt im Schreibportal, die gewählte Form im eigenen Text konsequent umzusetzen, und nimmt davon wörtliche Zitate aus. Prüfe vor dem Umformulieren die Vorgaben deines Fachbereichs.

Gilt der Leitfaden der Hochschule Nürtingen-Geislingen noch?

Der Leitfaden Gendersensibilität in Wort und Bild der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen stammt aus dem Jahr 2016. Vorgaben einzelner Hochschulen können sich ändern. Prüfe deshalb den aktuellen Stand in den offiziellen Unterlagen deiner Hochschule, bevor du dich darauf stützt.

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